Medikamente im Test

Epilepsien

Allgemeines

Epilepsien sind Anfallkrankheiten. 7 bis 8 von 1 000 Personen in Deutschland sind davon betroffen. Bei einem Anfall entlädt sich vorübergehend ganz plötzlich die elektrische Spannung einer Gruppe von Nervenzellen im Gehirn.

Epilepsien werden danach unterteilt, ob an den Krampfanfällen von Anfang an beide Gehirnhälften beteiligt sind (generalisierte Anfallformen) oder ob sie von einem Herd ausgehen (fokale Anfallformen). Die Diagnosemethoden der Neurologie machen es möglich, die Art der Krampfanfälle noch weiter zu differenzieren. Das ist hilfreich, um die Ursache der Epilepsie zu bestimmen und das am besten geeignete Medikament auswählen zu können.

Bei jedem Menschen kann das Gehirn von einem Krampfanfall erfasst werden. Beispielsweise entwickeln kleine Kinder häufig einen Fieberkrampf. Beim Entzug von Alkohol und Drogen, bei zu niedrigem Blutzuckerspiegel (Hypoglykämie) und als unerwünschte Wirkung von Arzneimitteln können ebenfalls Krampfanfälle auftreten. Nur bei wiederholten, vom Gehirn ausgehenden Krampfanfällen, für die es keinen erkennbaren Auslöser gibt, wird von Epilepsie gesprochen.

Anzeichen und Beschwerden

Generalisierte Anfallformen

Am bekanntesten ist der "große Anfall" (Grand Mal; generalisierter tonisch-klonischer Anfall). Die Betroffenen werden plötzlich bewusstlos und stürzen zu Boden, ihre Muskulatur versteift sich. Nach etwa einer halben Minute beginnen sie krampfartig zu zucken. Während der ein bis zwei Minuten, die der Anfall dauert, setzt die Atmung aus. Während eines solchen Anfalls können Urin und Kot abgehen.

Bei einem "kleinen generalisierten Anfall" (Petit Mal) setzt das Bewusstsein wenige Sekunden lang aus (Absencen). Manche dieser "kleinen Anfälle" treten typischerweise in einem bestimmten Alter oder zu bestimmten Tageszeiten auf. Manchmal sind sie mit anderen Anfallformen kombiniert.

Fokale Anfallformen

Bei diesen Epilepsien werden einfach und komplex fokale Anfallformen unterschieden. Der Unterschied liegt darin, inwieweit das Bewusstsein während des Anfalls beeinträchtigt ist. Einfach fokale Anfälle gehen mit Muskelzuckungen oder Gefühlsstörungen, oft auch mit ungewöhnlichen Sinneswahrnehmungen einher. Die Betroffenen erleben das Geschehen bewusst mit.

Bei einem komplex fokalen Anfall können ähnliche Symptome auftreten wie bei einem einfach fokalen Anfall. Die Betroffenen machen oft seltsame Bewegungen und Geräusche. Die darüber hinaus bestehenden Bewusstseinsstörungen können von leichter Benommenheit bis zur Bewusstlosigkeit reichen. An den stattgefundenen Anfall erinnert sich der Betroffene nicht.

Beide Formen fokaler Anfälle können in einen generalisierten Anfall übergehen (sekundär generalisierter Anfall).

Status epilepticus

Von einem "Status epilepticus" spricht man, wenn Krampfanfälle über Minuten bis Stunden wiederholt auftreten, ohne dass die Betroffenen dazwischen das Bewusstsein wiedererlangen. Ein solcher Status epilepticus kann z. B. eintreten, wenn eine Therapie mit Antiepileptika abrupt abgebrochen wird. Dieser Zustand ist lebensbedrohlich und muss als Notfall behandelt werden.

Bei Kindern

Krampfanfälle können sich im Säuglings- und Kleinkindalter so zeigen, dass das Kind blitzartig zusammenzuckt, Arme und Beine nach vorne streckt, die Arme vor der Brust kreuzt und mit dem Kopf nickt. Nach diesen Bewegungen tragen die Anfälle den Namen BNS-Krämpfe (Blitz-Nick-Salaam).

Ursachen

Wenn Nervenzellen untereinander Reize weiterleiten, fließt ein ganz geringer elektrischer Strom, weil in den Zellen – je nach ihrem Aktivitätszustand – die Konzentration von elektrisch geladenen Teilchen wechselt. Jeder Reiz löst eine Reaktion aus und viele solcher aufeinanderfolgenden Einzelaktionen führen dazu, dass man sich beispielsweise bewegt.

Bei Epilepsien ist eine Gruppe von Nervenzellen im Gehirn übersteigert erregbar. Unter bestimmten Bedingungen entladen sich alle Zellen dieser Gruppe gleichzeitig. Dann gibt es keine koordinierten Aktionen mehr, vielmehr finden sie sozusagen alle gleichzeitig in Form eines Krampfes statt.

Vieles kann solche übererregbaren Nervenzellen veranlassen, sich gleichzeitig zu entladen. Beispielsweise kann der Fluss der elektrisch geladenen Teilchen in den Zellen beeinträchtigt sein, wenn das Gehirn zu wenig Zucker oder zu wenig Sauerstoff bekommt. Oder es sind die Botenstoffe überreichlich vorhanden, die die Nervenzellen aktivieren, oder es mangelt an jenen Botenstoffen, die die Aktivitäten bremsen.

Für die Behandlung ist es wichtig zu wissen, an welcher Stelle im Gehirn die übererregbaren Nervenzellen sitzen oder in welche Hirnregionen sich die Erregung ausbreitet. Dieses lässt sich rückschließen, wenn man beobachtet, wie sich der Krampfanfall entwickelt und welche Körperteile er erfasst. Auch die aufgezeichnete Hirnstromkurve (Elektroenzephalogramm, EEG) ist dabei hilfreich.

Die Neigung zu Epilepsien kann bei der Geburt bereits angelegt sein. Daneben können beispielsweise ein Hirnschaden vor der Geburt und Sauerstoffmangel während der Geburt die Erkrankung auslösen. Oft sind Erkrankungen wie Schlaganfall, Tumor, Entzündungen infolge einer Infektion, Stoffwechselstörungen und Gehirnverletzungen für eine Epilepsie verantwortlich. Gelegentlich bleibt die Ursache aber unbekannt.

Eine Reihe von Epilepsiekranken reagiert auf konkrete Auslöser mit einem Krampfanfall. Diese Auslöser können z. B. immer wieder aufblitzendes grelles Licht, Fernseh- und Computerbilder, bestimmte Töne, zu wenig Schlaf und Alkoholkonsum sein.

Bei Kindern

Bei kleinen Kindern können Epilepsien auf einer Krankheit beruhen, die die Mutter während der Schwangerschaft durchgemacht hat, oder darauf, dass das Gehirn des Kindes während der Geburt einen Sauerstoffmangel erlitten hat.

Kinder im Alter zwischen sechs Monaten und sechs Jahren erleiden relativ rasch einen Fieberkrampf. Etwa 5 von 200 Kindern sind betroffen. Ein Fieberkrampf ist nicht mit epileptischen Krampfanfällen gleichzusetzen. Dem erneuten Auftreten von Fieberkrämpfen lässt sich vorbeugen, indem das Fieber frühzeitig effektiv gesenkt wird.

Allerdings kann ein Fieberkrampf das erste Anzeichen einer Epilepsie sein. Um das herauszufinden, wird ein EEG gemacht, spätestens wenn ein Kind bei ansteigendem Fieber wiederholt Krampfanfälle gehabt hat.

Allgemeine Maßnahmen

Wer die Auslöser der Krampfanfälle kennt, muss sie unbedingt beachten. Ein regelmäßiger Lebensrhythmus mit gleichbleibenden Schlaf-Wach-Zeiten und Alkoholabstinenz können helfen, die Zahl der Krampfanfälle zu reduzieren.

Manche Anfallkranke können in einem verhaltenstherapeutischen Training lernen, gewohnte Verhaltensmuster zu verlassen und auf bestimmte Auslöser zukünftig nicht mehr mit einem Anfall zu reagieren. Eine ähnliche "Umprogrammierung" lässt sich auch mit dem Biofeedback-Verfahren erzielen.

Insbesondere bei Schläfenlappenanfällen kann, wenn die Behandlung mit zwei Epilepsiemedikamenten erfolglos geblieben ist, ein operativer Eingriff am Gehirn erwogen werden. Er kann die Krankheit bessern oder sogar dauerhaft heilen.

Wann zum Arzt?

Krampfanfälle müssen auf jedem Fall in ärztlicher Betreuung beurteilt und behandelt werden.

Behandlung mit Medikamenten

Voraussetzung für jede Dauerbehandlung einer Epilepsie mit Medikamenten ist, dass die Erkrankung mit eingehender Diagnostik bestätigt wurde.

Bei einem Krampfanfall können Zellen im Gehirn durch Sauerstoffmangel Schaden nehmen. Vorrangiges Ziel einer Epilepsiebehandlung ist es daher, Krampfanfälle zu unterbinden. Die dafür eingesetzten Medikamente können die Krankheit nicht heilen. Sie erhöhen aber die Reizschwelle, ab der sich die Gehirnzellen plötzlich und unkoordiniert entladen. Mit einer solchen Behandlung werden etwa 80 von 100 Menschen mit generalisierten Anfällen und etwa 60 von 100 mit Herdanfällen anfallfrei. Lassen sich die Anfälle nicht vollständig verhindern, soll zumindest ihre Zahl verringert werden.

Wenn die Krampfanfälle nur durch bestimmte Auslöser auftreten (Schlafentzug, Alkoholkonsum), ist eine Behandlung mit Medikamenten nicht unbedingt notwendig. Es müssen die Auslöser vermieden werden. Auch wenn ein Anfall nur einmalig auftritt, etwa nach einer akuten Kopfverletzung, ist eine Arzneimitteltherapie in der Regel nicht erforderlich.

Bei Grand-Mal-Anfällen wird eine dauerhafte medikamentöse Therapie in der Regel erst empfohlen, wenn zwei Anfälle aufgetreten sind, für die sich kein äußerer Anlass ausmachen lässt. In dieser Situation ist bei etwa der Hälfte der Betroffenen anzunehmen, dass sich die Anfälle im darauffolgenden Jahr wiederholen werden. Kann bei bildgebenden Untersuchungen ein Krankheitsherd wie beispielsweise eine Narbe nachgewiesen werden, sollte schon nach dem ersten Anfall mit der Behandlung begonnen werden. Auch wenn der Betroffene selbst den dringenden Wunsch nach einer Therapie hat, kann die Behandlung bereits nach dem ersten Ereignis begonnen werden.

Bei bestimmten anderen Anfallformen, z. B. bei Absencen, ist es sehr wahrscheinlich, dass sich die Anfälle wiederholen. Bei solchen Formen wird daher die Behandlung sofort eingeleitet.

Das Medikament wird gemäß der festgestellten Anfall- und Epilepsieform und den individuellen Bedingungen des Betroffenen ausgewählt. Dabei wird auch auf die unerwünschten Wirkungen Rücksicht genommen, die unterschiedlich belastend sein können. Üblicherweise wird versucht, mit einem Medikament auszukommen; gelingt das nicht, kann eine Kombinationstherapie durchgeführt werden.

Zur Behandlung von Epilepsien werden folgende Arzneimittel als "geeignet" bewertet: Carbamazepin, Lamotrigin, Levetiracetam, Oxcarbazepin und Valproinsäure. Bei Frauen im gebärfähigen Alter darf Valproinsäure nur mit konsequenter nichtmedikamentöser Empfängnisverhütung eingesetzt werden, da es beim Kind zu schweren Schädigungen führen kann.

Sultiam eignet sich zur Behandlung der Rolando-Epilepsie, einer speziellen Epilepsieform bei Kindern. Ebenfalls vor allem bei Kindern tritt eine Epilepsieform auf, bei der das Bewusstsein für kurze Augenblicke aussetzt (Absencen). Für ihre Behandlung ist Ethosuximid geeignet.

Topiramat wird nur als Zusatzmittel mit "geeignet" bewertet, wenn die Epilepsie mit einem Mittel allein nicht ausreichend behandelt werden kann. Als einziges Epilepsiemittel eingesetzt, gilt Topiramat als "mit Einschränkung geeignet", denn es wirkt nicht besser als die Standardmedikamente, ist aber weniger gut verträglich.

Als "auch geeignet", wenn geeignete Mittel nicht eingesetzt werden können oder nicht ausreichend wirken, werden Clonazepam, Phenobarbital, Phenytoin und Primidon eingestuft. Diese Wirkstoffe gehörten lange Zeit zu den Standardmedikamenten der Epilepsiebehandlung, werden aber zunehmend durch verträglichere Mittel ersetzt.

Pregabalin wird ebenfalls als "auch geeignet" bewertet. Es ist ein relativ neuer Wirkstoff, für den noch keine ausreichenden Langzeiterfahrungen vorliegen. Es darf nur als Zusatzmittel zu anderen Antiepileptika gegeben werden.

Zonisamid kann bei Epilepsien sowohl als alleiniges Mittel als auch zusätzlich zu anderen Antiepileptika eingesetzt werden. Vorteile dieses Wirkstoffs gegenüber anderen Zusatzmitteln sind bislang nicht zu erkennen. Vielmehr verbindet sich mit ihm ein erhöhtes Risiko für allergische Reaktionen. Erfahrungen über eine Anwendung über lange Zeit liegen noch nicht vor. Zonisamid wird als "mit Einschränkung geeignet" bewertet. Es wird empfohlen, den Wirkstoff nur bei Menschen anzuwenden, die auf besser zu beurteilende Mittel nicht ausreichend angesprochen haben.

Lacosamid darf in der Epilepsiebehandlung nur als Zusatzmittel zu anderen Antiepileptika eingesetzt werden. Es kann sich auf die Herzfunktion negativ auswirken und sollte den Situationen vorbehalten bleiben, in denen zwischen den erforderlichen Medikamenten und einem anderen Antiepileptikum als Lacosamid zahlreiche Wechselwirkungen zu befürchten sind. Lacosamid wird als "mit Einschränkung geeignet" bewertet.

Gabapentin wird nur bei fokalen Epilepsien angewendet. Da es aber wahrscheinlich weniger wirksam ist als die Standardmedikamente, wird es als "mit Einschränkung geeignet" bewertet.

Status epilepticus

Der Notarzt, der zu einem Menschen mit einem Status epilepticus gerufen wird, wird ein antiepileptisches Medikament infundieren. Hierfür sind die Benzodiazepine Clonazepam und Lorazepam geeignet. Auch Diazepam aus dieser Wirkstoffgruppe kann in Form von Injektionen eingesetzt werden oder als Lösung zur Einführung in den After eingesetzt werden und ist hierfür geeignet. Midazolam gibt es für die Behandlung lang anhaltender akuter Krampfanfälle bei Säuglingen, Kindern und Jugendliche in Form einer Lösung, die ab einem Alter von sechs Monaten auch von den Eltern verabreicht werden kann. Hierfür ist das Mittel geeignet.

Phenytoin wird für das Eingreifen bei einem Status epilepticus als "auch geeignet" bewertet, wenn geeignete Mittel nicht eingesetzt werden können oder nicht ausreichend wirksam sind.

Nach der Erstversorgung müssen die Betroffenen für die weitere Behandlung in die Klinik.

Neue Medikamente

Bei Epilepsien verbindet sich mit neuen Arzneimitteln die Hoffnung, jenes Drittel von Kranken anfallfrei halten zu können, bei denen das mit den bisher gebräuchlichen Mitteln nicht gelungen ist. Die Wirkstoffe, die seit 2007 neu auf den Markt kamen, sind als Zusatzmedikamente gedacht. Zum Teil sollen sie nur bei speziellen Epilepsieformen eingesetzt werden.

Rufinamid (Inovelon) ist als Zusatz zur Behandlung des Lennox-Gastaut-Syndroms zugelassen – einer schweren Form von generalisierter Epilepsie, die im Allgemeinen Kinder betrifft, sich aber bis ins Erwachsenenalter fortsetzen kann. Durch die Zusatzbehandlung mit Rufinamid lässt sich die Zahl der epileptischen Anfälle um ein Drittel verringern.

Stiripentol (Diacomit) ist als Zusatztherapie bei bestimmten schweren und selten auftretenden Epilepsieformen im Kindesalter mit generalisierten Anfällen zugelassen, die mit Clobazam und Valproinsäure allein nicht ausreichend behandelt werden können. Das Mittel sorgt dafür, dass von den anderen Epilepsiemitteln mehr zur Wirkung gelangt. Derzeit ist unklar, ob man diesen Effekt nicht auch erreichen kann, indem man die bisherigen Medikamente höher dosiert.

Escarbazepin (Zebinix) ist als Zusatztherapie für Erwachsene mit fokalen Epilepsien zugelassen. Es ähnelt den bewährten Wirkstoffen Carbamazepin und Oxcarbazepin, unterscheidet sich von diesen aber in seinen unerwünschten Wirkungen und Wechselwirkungen. Ob das für die Behandelten relevante Vorteile hat, ist noch nicht ausreichend untersucht.

Retigabin (Trobalt) ist als Zusatzmedikament zur Behandlung von fokalen Epilepsien zugelassen und wurde an Patienten geprüft, die trotz Einnahme von ein oder zwei Epilepsiemedikamenten weiterhin epileptische Anfälle bekamen. Vor allem in höherer Dosierung verringerte Retigabin dabei die Anfallhäufigkeit besser als ein Scheinmedikament. Der Preis dafür waren vermehrte Nebenwirkungen, die mehr als ein Viertel der mit Retigabin Behandelten zum Abbruch der Behandlung veranlasste. Ob Retigabin ebenso wirksam ist wie Standardmittel der Zusatzbehandlung, wie beispielsweise Lamotrigin und Topiramat, war nicht untersucht.

Nach der Markteinführung von Retigabin traten Verfärbungen von Hautgeweben auf. Diese betrafen nicht nur die sichtbare Haut, Lippen und Nägel, sondern auch die Netzhaut der Augen. Wie sich das auf lange Sicht auswirkt, ist noch nicht ausreichend untersucht. Deswegen sollte Retigabin bei fokaler Epilepsie nur noch dann als Zusatzmedikament gewählt werden, wenn eine Kombination mit anderen Antiepileptika nicht wirksam genug war oder diese Mittel nicht eingesetzt werden konnten. Vor einer Behandlung mit Retigabin sollte die Netzhaut vom Augenarzt untersucht werden, während der Therapie sollte diese Untersuchung halbjährlich wiederholt werden. Retigabin war europaweit zugelassen und z. B. in der Schweiz und den Niederlanden im Handel. In Deutschland hatte der Hersteller das Mittel 2012 wieder vom Markt genommen, nachdem das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) keinen Zusatznutzen von Retigabin gegenüber bewährten Mitteln feststellen konnte, da Studienergebnisse darüber fehlten, wie Retigabin im Vergleich zu diesen Wirkstoffen abschneidet. Einige Patienten wurden allerdings über die internationalen Apotheken mit Trobalt versorgt, da das Mittel weiterhin in anderen europäischen Ländern im Handel war. Seit Ende Juni 2017 ist Retigabin nach Angaben des Herstellers weltweit nicht mehr erhältlich. Ab Frühjahr 2017 durften keine weiteren Patienten mit der Therapie mit diesem Antiepileptikum beginnen. Bereits behandelte Patienten mussten rechtzeitig umgestellt werden. Wichtig dabei ist, dass das Retigabin ausschleichend über mindestens drei Wochen abgesetzt werden soll.

In seinen frühen Nutzenbewertungen führt das IQWiG Brivaracetam (Breviact) und Perampanel (Fycompa) auf. Zu diesen Mitteln wird die Stiftung Warentest gegebenenfalls zu einem späteren Zeitpunkt ausführlich Stellung nehmen.

Frühe Nutzenbewertung des IQWiG

Brivaracetam (Briviact) bei Epilepsie

Brivaracetam (Briviact) ist seit Januar 2016 als Zusatztherapie für Jugendliche ab 16 Jahren und Erwachsene mit epileptischen Krampfanfällen zugelassen. Epileptische Anfälle werden durch eine gestörte Aktivität von Nervenzellen im Gehirn ausgelöst. Die Anfälle äußern sich unter anderem durch Bewusstseins- und Wahrnehmungsstörungen, Muskelzuckungen bis hin zu starken Krämpfen und Unwohlsein. Meist geht ein Krampfanfall innerhalb einiger Sekunden bis Minuten vorüber. Je nach Ausbreitung werden fokale und generalisierte epileptische Anfälle unterschieden. Generalisierte Krampfanfälle betreffen den ganzen Körper. Fokale Anfälle bleiben dagegen auf einen kleinen Teil des Gehirns begrenzt, Muskelzuckungen oder -krämpfe betreffen dann nur einzelne Körperstellen. Ein fokaler Anfall kann sich aber über den gesamten Körper ausbreiten – man spricht dann von einer „sekundären Generalisierung“. Brivaracetam ist zur Behandlung von fokalen Krampfanfällen mit und ohne sekundäre Generalisierung bei Personen ab 16 Jahren zugelassen. Der Wirkstoff beeinflusst die Ausschüttung von Botenstoffen im Gehirn und soll so Krampfanfällen vorbeugen.

Anwendung

Brivaracetam wird zusätzlich zu einer Standardbehandlung eingesetzt. Der Wirkstoff ist verfügbar als:

  • Tablette (10, 25, 50, 75 oder 100 mg)
  • Lösung zum Einnehmen (10 mg)
  • Injektions- oder Infusionslösung (10 mg): Der Wirkstoff kann direkt in eine Vene gespritzt oder über einen Tropf gegeben werden.

Die Dosierung wird individuell nach der Schwere der Anfälle und dem Auftreten von Nebenwirkungen angepasst.

Andere Behandlungen

Für Personen mit fokalen Anfällen mit und ohne sekundäre Generalisierung gibt es für die Zusatzbehandlung mehrere Alternativen, deren Einsatz von der individuellen Situation abhängt. Infrage kommen Eslicarbazepin, Gabapentin, Lacosamid, Lamotrigin und einige weitere Wirkstoffe.

Bewertung

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat 2016 geprüft, ob Brivaracetam für Personen mit fokalen epileptischen Krampfanfällen Vor- oder Nachteile im Vergleich zu den Standardtherapien hat. Um diese Frage zu beantworten, legte der Hersteller jedoch keine geeigneten Daten vor.

Weitere Informationen

Dieser Text fasst die wichtigsten Ergebnisse eines Gutachtens zusammen, das das IQWiG im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) im Rahmen der Frühen Nutzenbewertung von Arzneimitteln erstellt hat. Der G-BA beschließt auf Basis der Gutachten und eingegangener Stellungnahmen über den Zusatznutzen von Brivaracetam (Briviact). URL: https://www.g-ba.de/informationen/nutzenbewertung/218/

Frühe Nutzenbewertung des IQWiG

Perampanel (Fycompa) bei Epilepsie

Perampanel (Fycompa) ist seit Juli 2012 als Zusatztherapie für Jugendliche ab zwölf Jahren und Erwachsene mit epileptischen Krampfanfällen zugelassen. Epileptische Anfälle werden durch eine gestörte Aktivität von Nervenzellen im Gehirn ausgelöst. Die Anfälle äußern sich unter anderem durch Bewusstseins- und Wahrnehmungsstörungen, Muskelzuckungen bis hin zu starken Krämpfen und Unwohlsein. Meist geht ein Krampfanfall innerhalb einiger Sekunden bis Minuten vorüber. Je nach Ausbreitung werden fokale und generalisierte epileptische Anfälle unterschieden: Fokale Anfälle bleiben auf einen kleinen Teil des Gehirns begrenzt: Muskelzuckungen oder -krämpfe betreffen nur einzelne Körperstellen. Ein fokaler Anfall kann sich aber auch über den gesamten Körper ausbreiten – man spricht dann von einer „sekundären Generalisierung“. Generalisierte Krampfanfälle betreffen den ganzen Körper. Häufig kommt es dabei zu kurzen Bewusstseinsstörungen. Bei einem tonisch-klonischen Anfall versteift sich der Körper bei aussetzender Atmung, gefolgt von rhythmischen Muskelzuckungen und anschließender Erschöpfung. Perampanel kommt zusätzlich zur Basistherapie sowohl zur Behandlung von fokalen Krampfanfällen mit und ohne sekundärer Generalisierung als auch zur Behandlung tonisch-klonischer Anfälle bei generalisierter Epilepsie infrage.

Anwendung

Perampanel wird zusätzlich zu einer Basistherapie eingesetzt. Das Medikament wird einmal täglich als Tablette abends vor dem Schlafengehen eingenommen. Die Dosis wird individuell bestimmt, die empfohlene Höchstdosis beträgt 12 mg pro Tag.

Andere Behandlungen

Die Behandlung einer Epilepsie wird durch die Ärztin oder den Arzt individuell angepasst. Sie hängt unter anderem von der Basistherapie sowie den vorher bereits verabreichten Wirkstoffen ab.

Bewertung

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat 2018 geprüft, ob Perampanel als Zusatztherapie für Personen ab zwölf Jahren mit generalisierter Epilepsie und tonisch-klonischen Anfällen Vor- oder Nachteile im Vergleich zu den üblichen Zusatztherapien hat. Um diese Frage zu beantworten, legte der Hersteller jedoch keine geeigneten Daten vor.

Weitere Informationen

Dieser Text fasst die wichtigsten Ergebnisse eines Gutachtens zusammen, das das IQWiG im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) im Rahmen der Frühen Nutzenbewertung von Arzneimitteln erstellt hat. Der G-BA beschließt auf Basis des Gutachtens und eingegangener Stellungnahmen über den Zusatznutzen von Perampanel (Fycompa). URL: https://www.g-ba.de/informationen/nutzenbewertung/331/