Medikamente im Test

Entzündungen, Immunreaktionen

Allgemeines

Eine ganze Reihe von Erkrankungen beruht auf entzündlichen Prozessen, mit denen der Körper auf Allergene und bestimmte Bedingungen im Immunsystem reagiert. Die Beschwerden dieser Erkrankungen lassen sich zwar mit Glucocorticoiden bessern, doch richtet sich deren Wirkung nicht gegen die Ursache der Krankheiten.

Beispiele für hochakute entzündliche Reaktionen sind der anaphylaktische Schock – die schlimmste Ausprägung einer allergischen Reaktion – und der lebensbedrohliche Asthmaanfall. Hier können Glucocorticoide – neben anderen Medikamenten – lebensrettend sein.

Unerwünschte Immunreaktionen können z. B. nach Transplantationen auftreten. Auch Personen mit akuter Leukämie sind auf Glucocorticoide angewiesen.

Bei einer Reihe weiterer, sehr belastender Erkrankungen sind Glucocorticoide eine wirksame Hilfe. Diese Anwendungsbereiche sind unter Behandlung mit Medikamenten aufgeführt.

Glucocorticoide werden jedoch nicht nur bei Entzündungen und Immunreaktionen eingesetzt. Da die Substanzen ähnlich wirken wie die Hormone der Nebennierenrinden, die der Körper normalerweise selbst produziert, sind sie die geeignete Therapie bei entsprechenden Mangelkrankheiten. Eine solche Krankheit ist beispielsweise der "Morbus Addison", bei dem der Körper aufgrund einer Störung der Nebennierenrinden unter anderem zu wenig von dem Glucocorticoid Hydrocortison produziert. Auch das adrenogenitale Syndrom beruht auf einer ungenügenden Hormonproduktion der Nebennierenrinden. Hierbei handelt es sich um eine Störung der Geschlechtsentwicklung, die sich bei Mädchen darin zeigt, dass sich männliche Merkmale ausbilden, sie keinen Monatszyklus haben und ihr Wachstum zurückbleibt. Jungen mit dieser Störung kommen verfrüht in die Pubertät; ihre Zeugungsfähigkeit ist eingeschränkt, manche sind sogar unfruchtbar.

Anzeichen und Beschwerden

Die jeweiligen Krankheiten äußern sich durch unterschiedliche spezifische Symptome sowie Beschwerden und haben verschiedene Ursachen.

Allgemeine Maßnahmen

Eine Dauerbehandlung mit Glucocorticoiden belastet den Körper. Einige gezielte Ernährungsmaßnahmen können dazu beitragen, die Schäden einer Cortisonbehandlung gering zu halten.

  • Eine eiweißreiche Ernährung mit viel Fisch, magerem Fleisch, Milchprodukten und Hülsenfrüchten ersetzt das Eiweiß, das durch die Glucocorticoide vermehrt abgebaut wird.
  • Milchprodukte, wie Milch, Jogurt, Quark und Käse, bieten dem Körper reichlich Calcium. Damit lassen sich ein Calciumverlust durch die Glucocorticoidbehandlung und dessen negativen Auswirkungen auf die Festigkeit der Knochen begrenzen.

Behandlung mit Medikamenten

Bei akuten lebensbedrohlichen Erkrankungen müssen Glucocorticoide möglichst schnell wirken. Um das zu erreichen, werden sie injiziert oder als Infusion gegeben, und zwar hoch dosiert, aber nur für kurze Zeit. Für akute Situationen ohne direkte Lebensgefahr, in denen schnelle Hilfe nötig, aber kein Arzt anwesend ist, oder wenn das Schlucken schwerfällt, stehen Zäpfchen zur Verfügung.

Zur Behandlung über längere Zeit werden Glucocorticoide üblicherweise in Tablettenform angewendet. Eine Einnahme über längere Zeit kann zwar mit vielen unerwünschten Wirkungen belastet sein, doch müssen diese bei schweren Krankheiten gegebenenfalls in Kauf genommen werden.

Erkrankungen, bei denen Glucocorticoid-Tabletten notwendig werden können, sind beispielsweise Augenentzündungen wie die Entzündung von Regenbogenhaut, Hornhaut und Lederhaut.

Bei schwerem Asthma, bei dem selbst die kombinierte Dauerbehandlung mit inhalierten Glucocorticoiden und bronchienerweiternden Substanzen häufige Asthmaanfälle nicht verhindern kann, können beispielsweise Methylprednisolon, Prednisolon oder Prednison in der niedrigsten wirksamen Dosis als Tabletten eingenommen werden. Auch langwirkende Glucocorticoide wie Dexamethason können eingenommen werden – allerdings nur für kurze Zeit und wenn die Krankheitssituation bedrohlich ist.

Bei rheumatoider Arthritis, einer entzündlichen Rheumaform, werden nur kurzwirkende, nichtfluorierte Substanzen, wie Prednison oder Prednisolon, empfohlen.

Bei einem sehr schweren Anfall von Gicht kann beispielsweise das Glucocorticoid Prednisolon für maximal zwei Wochen eingenommen werden.

Zur Behandlung akuter Beschwerden bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen, z. B. Morbus Crohn, werden das vornehmlich im Darm wirkende Budesonid, aber auch die im gesamten Körper wirkenden Glucocorticoide Methylprednisolon, Prednisolon und Prednison eingesetzt.

Wenn bei schweren Ekzemen und Neurodermitis die äußerliche Anwendung von Glucocorticoiden nicht ausreicht, müssen von Zeit zu Zeit Tabletten helfen, die akuten Krankheitsschübe zu durchbrechen. Die dauerhafte Einnahme von Glucocorticoiden wird bei Neurodermitis jedoch wegen ihrer unerwünschten Wirkungen nicht empfohlen.

Bei einem akuten Schub von multipler Sklerose wird zur Einnahme von Methylprednisolon geraten. Beim nephrotischen Syndrom (Eiweißverlust über die Nieren) im Kindesalter ist eine Behandlung mit Glucocorticoiden unverzichtbar.

Wann immer es möglich ist, sollten Glucocorticoide allerdings lokal eingesetzt werden, um die unerwünschten Wirkungen zu begrenzen. Bei Asthma bedeutet das eine Anwendung als Inhalation, bei Darmerkrankungen als Klistier, bei bestimmten Gelenkerkrankungen als Injektion direkt ins Gelenk, bei Hauterkrankungen als Salbe, bei Augenerkrankungen als Augentropfen.

Die folgenden Bewertungen beziehen sich gemäß den Grundlagen der Bewertung auf das Anwendungsgebiet, das der Hersteller für sein Produkt angibt. Es kann also sein, dass der gleiche Wirkstoff in verschiedenen Präparaten und Anwendungsformen unterschiedliche Bewertungen erfährt.

Injektionen

Glucocorticoide können als injizierbare Lösung in die Vene gespritzt werden. So verteilen sie sich schnell im Körper. Die Wirkung hält bis zu 24 Stunden an. In dieser Form eignen sich Methylprednisolon und Prednisolon, um akute Zustände von Erkrankungen zu behandeln. Produkte, die für eine solche Akutbehandlung gedacht sind, erkennt man an dem Namenszusatz "solubile".

Darüber hinaus gibt es Lösungen, die in den Muskel gespritzt werden. Solche mit dem fluorierten Glucocorticoid Dexamethason eignen sich zur Akutbehandlung von Notfällen, wie z. B. dem anaphylaktischen Schock. Zur längeren Behandlung von Erkrankungen werden Dexamethason-Injektionen hingegen als "mit Einschränkung geeignet" bewertet. Da die Substanz langsam ausgeschieden wird, erhöht sich die Gefahr unerwünschter Wirkungen.

Depotpräparate, wie es sie von den Wirkstoffen Prednisolon, Betamethason und Triamcinolon gibt, wirken besonders lange, nachdem sie ins Gewebe gespritzt wurden. Da es mit ihnen unmöglich ist, die Glucocorticoidgabe der tagesrhythmischen Hormonproduktion des Körpers anzupassen, und weil die Injektion das Gewebe schädigen kann, gelten diese Depotinjektionen als "wenig geeignet".

Injektion in ein Gelenk

Manche Glucocorticoidpräparate sind für die Injektion direkt ins Gelenk gedacht (intraartikuläre Injektion). Geeignet sind dafür die langwirkenden Glucocorticoide Dexamethason, Betamethason und Triamcinolon. Auch das relativ kurzwirkende Prednisolon wird zur Injektion ins Gelenk als "geeignet" bewertet, wenn es als Kristallsuspension vorliegt. Ebenfalls geeignet ist die Kombination aus Glucocorticoid und einem örtlich betäubenden Mittel.

Tabletten

Das vom Körper produzierte Glucocorticoid Hydrocortison gibt es in Tablettenform. Es wirkt kurz und kann in ähnlichem Rhythmus eingenommen werden, wie die Nebennierenrinden das Hormon produzieren. Damit eignet sich Hydrocortison zur Behandlung von Krankheiten, bei denen es an diesem Hormon mangelt, rs17_hmk85 der Addison-Krankheit.

Bei anderen Erkrankungen, die mit allergischen oder entzündlichen Reaktionen einhergehen oder vom Immunsystem ausgehen, greift man lieber zu Cloprednol, Methylprednisolon, Prednisolon und Prednison. Da sie etwas anders wirken als körpereigenes Hydrocortison, führen sie nicht so häufig zu unerwünschten Wirkungen wie Ödemen und Störungen im Salz-Wasser-Haushalt. Sie werden als "geeignet" bewertet, um überschießende Entzündungsreaktionen zu bremsen und die Beschwerden dieser Erkrankungen erträglicher zu machen.

Die fluorierten Glucocorticoide Betamethason und Dexamethason gelten nur in akuten Notsituationen und zur kurzzeitigen Anwendung als "geeignet", z. B. bei schwerwiegenden allergischen Reaktionen oder einem bedrohlichen Asthmaanfall. Für eine längerdauernde Behandlung werden sie als "mit Einschränkung geeignet" beurteilt. Da sie langsam ausgeschieden werden, erhöht sich die Gefahr unerwünschter Wirkungen.

Zäpfchen

Bei manchen anfallartig auftretenden Krankheiten muss man immer wieder damit rechnen, dass sie rasch behandelt werden müssen, so z. B. der Pseudokrupp bei Kindern. Hier können Eltern, die mit dem Krankheitsbild des Kindes vertraut sind, dem Kind mit dem richtigen Medikament sofort helfen, ohne die Ankunft des herbeigerufenen Arztes abwarten zu müssen. Für solche Akutsituationen eignen sich Prednisolon und Prednison in Zäpfchenform. Zäpfchen lassen sich auch in jeder anderen Situation anwenden, in der Glucocorticoide angebracht sind, es aber nicht möglich ist, den Wirkstoff einzunehmen oder zu spritzen.