Medikamente im Test
  • Über 9 000 Medikamente
  • Geprüft durch unabhängige Experten
  • Ständig aktualisiert

Endometriose

Allgemeines

Eine Endometriose entsteht, wenn sich Zellen der Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) außerhalb des Uterus ansiedeln. Am häufigsten findet sich solches Gewebe an den Eierstöcken, Eileitern, in der Scheide und der Gebärmutterwand, aber auch an Bauchfell, Darm, Harnblase und Nieren. Das versprengte Gewebe reagiert auf die hormonelle Steuerung durch die Geschlechtshormone ähnlich wie das Schleimhautgewebe in der Gebärmutter: Es baut sich auf und blutet am Ende des Zyklus. Da das Blut nicht abfließen kann, staut es sich und es entstehen kleine Knoten, auf die der Körper reagiert wie auf eine Entzündung. So können sich Narben und Verwachsungen ausbilden. All das kann Schmerzen unterschiedlicher Intensität hervorrufen.

Mit den Wechseljahren, wenn der hormonelle Zyklus endet, hören auch die zyklischen Reaktionen in den versprengten Zellen auf.

Anzeichen und Beschwerden

Manche Frauen merken nichts von ihrer Endometriose. Andere verspüren anhaltende, aber erträgliche Schmerzen im Bauchbereich, beim oder nach dem Geschlechtsverkehr oder Stuhlgang, wieder andere klagen über Schmerzen einige Tage vor und während der Regel, die aber von menstruationsbedingten Bauchkrämpfen nicht zu unterscheiden sind. Bei manchen Frauen können sich die Schmerzen jedoch unerträglich steigern und die Blutungen können sehr stark und heftig sein.

Ursachen

Verschiedene Möglichkeiten wurden diskutiert, wie die Schleimhautzellen an Orte außerhalb der Gebärmutter gelangen. Heute favorisiert man die, dass bei jeder Frau während der Menstruation Endometriumzellen aus der Gebärmutter "rückwärts" durch die Eileiter in den Bauchraum gelangen. Bei den Frauen, deren Bauchfell die fremden Zellen offenbar nicht ausreichend abwehren kann, wachsen sie ein und lassen eine Endometriose entstehen.

Allgemeine Maßnahmen

Im Rahmen einer Bauchspiegelung, die notwendig ist, um eine Endometriose sicher zu diagnostizieren, können Herde bereits während des Eingriffs abgetragen oder mit Wärme oder Laser zerstört werden.

Wann zum Arzt?

Wenn Sie ungeklärte Schmerzen im Bauchbereich haben, nicht schwanger werden können oder beim Wasserlassen Probleme auftreten, sollten Sie ärztlich abklären lassen, welche Ursache dies hat.

Behandlung mit Medikamenten

Folgende Situationen sprechen für eine medikamentöse oder operative Behandlung von Endometriose: Die Frau ist durch Schmerzen sehr belastet, die Funktion von Harnleiter und Darm ist beeinträchtigt oder die Krankheit verhindert, dass die Frau schwanger wird. Ansonsten gibt es medizinisch gesehen keinen Grund, eine Endometriose zu behandeln. Dass Medikamente den Verlauf der Erkrankung auf lange Sicht gesehen beeinflussen können, ist nicht gesichert.

Welche Art von Behandlung sinnvoll ist, orientiert sich vor allem an drei Kriterien: am Alter der Frau, ihrem Kinderwunsch – ob sie bald schwanger werden möchte, später Kinder haben oder keine Kinder (mehr) bekommen will – und daran, wie sehr die Beschwerden sie belasten. Von diesen persönlichen Kriterien, dem Ort und der Ausdehnung der Endometrioseherde hängt es dann ab, ob eine endoskopische Operation oder die Behandlung mit Hormonen im Vordergrund steht. Manchmal wird auch beides kombiniert. Es gibt allerdings keine Gewissheit darüber, ob sich eine Endometriose besser heilen lässt, wenn die Herde vor der Operation medikamentös verkleinert wurden. Unklar ist auch, ob eine Hormonbehandlung die Wahrscheinlichkeit erhöht, schwanger zu werden, und ob sie dafür sorgen kann, dass die Endometriose nach einer Operation seltener wieder auftritt.

Rezeptfreie Mittel

Frauen mit endometriosebedingten Schmerzen können ausprobieren, inwieweit ihnen nichtsteroidale Antirheumatika wie beispielsweise Naproxen helfen. Allerdings ist die Wirksamkeit dieses Wirkstoffs bei endometriosebedingten Schmerzen bisher nicht ausreichend untersucht. Sein Einsatz beruht vielmehr auf den guten Erfahrungen bei der Behandlung von Menstruationsbeschwerden.

Rezeptpflichtige Mittel

Eine spezifischere Endometriosebehandlung ist mit Gestagenen und GnRH-Analoga möglich. Durch hoch dosierte Gestagene wie Medroxyprogesteron baut sich die Gebärmutterschleimhaut weniger stark auf und der übliche Zyklus wird unterbrochen. Die meisten Präparate mit einem Gestagen sind allerdings zur Behandlung von Zyklusstörungen, zur Empfängnisverhütung ("Minipille") und zur Hormonbehandlung bei Beschwerden während der Wechseljahre gedacht. Für den Einsatz bei Endometriose ist lediglich das Gestagen Dienogest zugelassen. Nach klinischen Studien an einigen hundert Frauen konnte Dienogest Endometrioseschmerzen über einen Zeitraum von 15 Monaten lindern. Das Mittel ist "geeignet" bei Endometriose.

Mit GnRH-Analoga wird der Zyklus unterbrochen, sodass vorübergehend eine hormonelle Situation entsteht, die der der Wechseljahre ähnelt. Dadurch bluten die Endometrioseherde nicht mehr und trocknen mit der Zeit ein. Die Schmerzen lassen nach. GnRH-Analoga zur Injektion werden bei ausgeprägter Endometriose als "geeignet" bewertet. Der Wirkstoff Nafarelin aus dieser Gruppe wird als Nasenspray angewendet. Da ihm ein Konservierungsmittel zugesetzt ist und dieses insbesondere bei Daueranwendung die Nasenschleimhaut schädigen kann, wird dieses Produkt als "auch geeignet" bewertet.

Die Behandlung einer Endometriose mit GnRH-Analoga dauert normalerweise drei bis sechs Monate. Zwei bis drei Monate nach ihrem Ende stellt sich der normale Zyklus wieder ein. Mit ihm kehren bei etwa einem Drittel der Frauen die Beschwerden nach und nach zurück.

Hat die Frau schon in den ersten sechs Monaten nach dem Ende einer Gestagenbehandlung wieder Beschwerden, kann die Therapie mit einem GnRH-Mittel wieder aufgenommen werden. Treten die Beschwerden erst später wieder auf, kann die Behandlung mit dem gleichen Wirkstoff wiederholt werden. Allerdings fehlen bisher Studien, die den Nutzen einer wiederholten Behandlung näher beschreiben. Bei einer nochmaligen Therapie mit GnRH-Analoga sollten daher für das Verhältnis von Nutzen und Risiken strengere Maßstäbe als bei der ersten Behandlung angelegt werden. Besonderes Augenmerk ist darauf zu richten, dass sich keine Osteoporose entwickelt. Diese kann als unerwünschte Wirkung einer längeren Anwendung von GnRH-Analoga auftreten.

Wenn das Ziel der Behandlung vornehmlich darin besteht, der Frau eine Schwangerschaft zu ermöglichen, ist vom operativen Vorgehen eher Erfolg zu erwarten als von einer alleinigen medikamentösen Behandlung.

Eine Frau, die mäßige Endometriosebeschwerden lindern möchte und zugleich einen sicheren Empfängnisschutz wünscht, kann sich die Pille verordnen lassen. Deren Auswirkung auf die Endometriose ist ein Nebeneffekt: Unter dem Einfluss der Pille reagieren die Schleimhautzellen nicht so stark. Wenn die individuellen Bedingungen der Frau nicht dagegen sprechen, sollte der Arzt ein Einphasenpräparat mit einem Östrogengehalt unter 35 Mikrogramm und Levonorgestrel als Gestagenanteil verordnen. Ferner gibt es Hinweise, dass sich nach einer operativen Entfernung der Endometrioseherde bei Einnahme der Pille keine neuen Herde bilden.

Eine weitere Möglichkeit besteht darin, sich zur Empfängnisverhütung ein Intrauterinpessar mit Levonorgestrel legen zu lassen. Diese Spirale ist zwar nicht zur Behandlung von Endometriose zugelassen, weil aus ihr aber kontinuierlich das Gestagen freigesetzt wird, können die Endometrioseherde zur Ruhe kommen. Dieses IUP ist insbesondere für Frauen mit einem erhöhten Risiko für Thrombosen vorteilhaft, da es die Thrombosegefahr weniger erhöht als die Pille.