Medikamente im Test

Durchfall

Allgemeines

Durchfall (Diarrhö) zeigt an, dass der Darm aus verschiedenen Ursachen die ihm über die Nahrung zur Verfügung gestellten Nährstoffe nicht richtig aufnehmen und/oder dem Speisebrei im Dickdarm nicht genügend Wasser entziehen kann. Diese Reaktion ist an sich noch kein Grund zur Sorge: Der Darm reinigt sich damit zum Beispiel von krankmachenden Keimen und Giftstoffen (Toxinen). Erst wenn der Durchfall anhält und der Körper damit viel Wasser und Mineralstoffe (Elektrolyte) verliert, ist er behandlungsbedürftig.

Jeder Erwachsene hat im Schnitt einmal jährlich Durchfall. Kleinkinder leiden weitaus häufiger an Diarrhö, da ihr Darm in den ersten Lebensjahren noch nicht über die bakterielle Darmflora verfügt, die für eine gute Abwehr von Krankheitserregern nötig ist. Diese bildet sich erst im Lauf der Zeit heraus.

Bei Kindern

Bei Säuglingen und Kleinkindern können starke Durchfälle von Anfang an bedrohlich sein, weil Kinder über keine großen Flüssigkeitsreserven verfügen.

Bei Kindern zwischen neun Monaten und drei Jahren kann nach einem akuten Darminfekt eine "Krabbler-Diarrhö" auftreten.

Anzeichen und Beschwerden

Der Darm gibt häufiger als dreimal täglich flüssigen bis wässrigen Stuhl ab. Bauchkrämpfe können, müssen aber nicht gleichzeitig auftreten.

Kolibakterien und Rotaviren verursachen in unseren Breiten meist nur leichte Durchfälle, die innerhalb von zwei bis drei Tagen wieder vorbei sind. Noroviren lösen dagegen oft schwallartiges, heftiges Erbrechen und schwerwiegende Durchfälle aus. Wenn keine Zusatzerkrankungen vorliegen, verschwinden die Beschwerden aber in der Regel auch bei einer Norovireninfektion nach zwei bis drei Tagen.

Infektionen mit EHEC-Bakterien (enterohämorrhagische Escherichia coli) haben schon für Schlagzeilen gesorgt und sogar Todesfälle verursacht. Sie können symptomlos verlaufen oder nur leichte Durchfälle hervorrufen, manchmal aber auch mit starken Beschwerden einhergehen. Anzeichen dafür sind wässrige Durchfälle, die nach ein bis vier Tagen blutig werden können. Sie gehen mit Übelkeit, Erbrechen und Bauchschmerzen einher, aber typischerweise nicht mit Fieber. Bei solchen Anzeichen sollten Sie sofort einen Arzt aufsuchen und den Durchfall keinesfalls selbst behandeln.

Bei Kindern

Durchfall ist bei Kindern häufig gleich zu Beginn von Erbrechen begleitet. Beides führt zu einem raschen Flüssigkeitsverlust. Die Kinder wirken benommen oder sogar apathisch und ihre Schleimhäute an Augen, Lippen und Zunge sind trocken. Ein Flüssigkeitsmangel ist daran zu erkennen, dass die Kinder auffällig wenig und sehr dunklen Urin ausscheiden oder dass eine mit zwei Fingern angehobene Hautfalte am Bauch nach dem Loslassen nur langsam wieder verschwindet.Bei Säuglingen sinkt die Fontanelle am Oberkopf ein. Geht der Durchfall mit hohem Fieber einher (über 39,5 °C), können Krampfanfälle auftreten.

Bei der "Krabbler-Diarrhö" ist der Stuhl mal von normaler Konsistenz, mal wässrig. Bauchschmerzen treten nicht auf, auch gedeiht das Kind normal. Diese Stuhlunregelmäßigkeiten können mehrere Monate lang anhalten und sind unbedenklich.

Ursachen

Wenn bestimmte Viren oder Bakterien über den Verzehr von Nahrungsmitteln in den Darm gelangen, beeinträchtigen die von ihnen abgegebenen Giftstoffe den Transport von Salzen und Wasser durch die Darmwand. Diese werden dann nicht mehr aus dem Darm aufgenommen, sondern teilweise sogar vermehrt in das Darminnere ausgeschieden. Dadurch verflüssigt sich der Stuhl, und die Darmmuskulatur verstärkt ihre Bewegungen, was sich mit Krämpfen bemerkbar machen kann.

Wenn Sie an einer Lebensmittelunverträglichkeit leiden, etwa sensibel auf Lactose oder Gluten reagieren, kann das mit Durchfall einhergehen.

Setzt der Durchfall erst nach der Rückkehr von einer Reise in die Tropen oder in Gegenden mit mangelhaften hygienischen Bedingungen ein, beruht er meist auf einer Infektion durch dort häufig vorkommende Amöben oder Bakterien (z. B. Staphylokokken, Salmonellen, Shigellen und Kolibaktien). Er kann aber auch auf eine Malariainfektion hindeuten. Solche Infektionen dürfen Sie nicht selbst behandeln, weil sich damit oft schwere, lang anhaltende und häufig blutige Durchfälle verbinden, die mit rezeptpflichtigen Medikamenten behandelt werden müssen. Welche Erreger für den Durchfall verantwortlich sind, zeigt eine Stuhluntersuchung beim Arzt.

Häufig ist Durchfall eine Begleiterscheinung einer Therapie mit Antibiotika. Diese stark wirksamen Medikamente töten nicht nur krankheitserregende Bakterien ab, sondern auch gesunde Mikroorganismen, die den Darm besiedeln und eine gute Verdauung garantieren.

Auch andere Medikamente können Durchfall auslösen, beispielsweise magnesiumhaltige, säurebindende Mittel (Antazida, bei Sodbrennen), Acarbose (bei Diabetes), Metronidazol (bei Trichomonaden-Befall), Metoclopramid (bei Übelkeit und Erbrechen), nichtsteroidale Antirheumatika mit Wirkstoffen wie zum Beispiel Ibuprofen, Diclofenac (bei Arthrose und Schmerzen) sowie Zytostatika (bei Krebs, rheumatoider Arthritis) und Immunsuppressiva (nach Organtransplantationen, bei Autoimmunerkrankungen).

Offenbar macht ein Säuremangel im Magen – zum Beispiel nach längerer Einnahme von säureblockierenden Mitteln (bei Speiseröhrenentzündungen, Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren) – empfindlicher für Durchfallerreger.

Ortswechsel und veränderte Ernährungsgewohnheiten (Reise, Umzug) oder auch seelische Belastungen können vorübergehend zu Durchfall führen.

Durchfall kann zudem im Zusammenhang mit einem Reizdarmsyndrom oder einer Schilddrüsenüberfunktion auftreten.

Auch chronisch-entzündliche Darmerkrankungen wie Colitis ulcerosa und Morbus Crohn gehen häufig mit Durchfall einher.

EHEC-Infektionen werden über Kontakt mit Kot und durch mangelnde Hygiene verursacht. Auch die Übertragung von Mensch zu Mensch ist möglich.

Bei Kindern

Bei nicht gestillten Babys kann Durchfall darauf beruhen, dass der Darm das Kuhmilcheiweiß aus der Flaschenkost nicht verträgt.

Kommt es zu Durchfällen, wenn dem Kind die erste festere Beikost angeboten wird, kann dies ein Hinweis auf eine Unverträglichkeitsreaktion auf das Klebereiweiß Gluten sein (Zöliakie, Sprue), das in den meisten Getreidearten (Weizen, Roggen, Gerste) enthalten ist. Glutenfrei sind zum Beispiel Reis, Buchweizen und Mais. Hafer enthält nur wenig Gluten, sollte aber trotzdem nur in geringen Mengen verzehrt werden.

Bei Säuglingen ist Durchfall öfter auch Begleiterscheinung einer anderen Krankheit (z. B. Mittelohrentzündung, Harnwegsinfekt).

Bei Klein- und Schulkindern sind harmlose Virusinfektionen die häufigste Ursache von Durchfall, der rasch von allein wieder abklingt.

Vorbeugung

Vorsicht bei aufgewärmten oder warmgehaltenen Speisen, stehen diese länger als ein bis zwei Stunden in der Wärme, können sich Viren und Bakterien darin explosionsartig vermehren.

In Gebieten, deren hygienische Bedingungen zu wünschen übrig lassen, sollten Sie folgende Hinweise beachten:

  • Essen Sie frisches Obst nur geschält und vor allem keine bereits geschnittenen Stücke von Wassermelonen, weil diese oft mit Leitungswasser gespritzt werden, um das Gewicht und damit den Verkaufspreis zu erhöhen. Die Qualität des Leitungswassers vor Ort können Sie kaum beurteilen.
  • Essen Sie keine Rohkost (Gemüse, Salat), kein rohes oder nicht durchgegartes Fleisch und keine rohen Meeresfrüchte. Beim Kochen und Braten werden Krankheitserreger abgetötet.
  • Einiges sollten Sie gänzlich meiden: Eiscreme (enthält rohes Ei und damit möglicherweise Salmonellen), mit rohem Eigelb zubereitete Nachspeisen (z. B. Tiramisu, Zabaione), verdünnte Obstsäfte, Eiswürfel (sie werden häufig aus Leitungswasser zubereitet, das nicht unbedingt keimfrei ist).
  • Getränke sollten Sie nur aus industriell abgefüllten Flaschen trinken, die vor Ihren Augen geöffnet wurden, also nicht schon offen auf den Tisch kommen.
  • Bei Verdacht auf unreines Leitungswasser sollten Sie auch zum Zähneputzen abgekochtes Wasser oder Mineralwasser benutzen.

Ist ein Familienmitglied von Durchfall betroffen, ist es wichtig, regelmäßig die Hände mit Seife zu waschen.

Bei Kindern

Bei Säuglingen kann eine Rotavirus-Schluckimpfung sinnvoll sein. Sie schützt die Kinder in den ersten zwei bis drei Lebensjahren vor einer Infektion mit Rotaviren, die bei Säuglingen und Kleinkindern besonders schwer verlaufen kann.

Allgemeine Maßnahmen

Die wichtigste Maßnahme bei Durchfall – gleich welcher Ursache – besteht darin, Wasser und Mineralsalze rasch zu ersetzen, also viel zu trinken, und zwar mehr als sonst: etwa drei Liter täglich sollten es sein, um zu vermeiden, dass der Körper zu sehr austrocknet. Das gilt insbesondere für ältere Menschen, da mit ansteigendem Alter das Durstgefühl nachlässt und dann die Gefahr besteht, dass zu wenig getrunken wird, und auch für Kinder. Geeignet sind dafür leicht gesüßte Tees. Ratsam ist es, dazu etwas Salzgebäck zu essen, da Salz in Verbindung mit Zucker vom Darm besser aufgenommen werden kann. Auch Brühe und stilles Mineralwasser mit Traubenzucker oder einer Prise Zucker ersetzen die beim Durchfall im Übermaß ausgeschiedenen Mineralsalze.

Eine selbstgemischte Zucker-Salz-Lösung – siehe Elektrolytlösung – selbstgemischt – hat eine ähnliche Zusammensetzung wie die in Apotheken erhältlichen Elektrolytmischungen. Von dieser Zucker-Salz-Lösung sollte möglichst nach jedem wässrigen Stuhlgang eine Tasse getrunken werden.

Auch ein Aufguss aus getrockneten Heidelbeeren, mit Wasser verdünnter Heidelbeersaft, eine Karottensuppe aus passierten Möhren und Brühe, ein mit Brühe zubereiteter Haferschleim, eine zerquetschte Banane (kann auch einen Kaliumverlust ausgleichen) oder ein geriebener Apfel können den Durchfall lindern.

Feuchtwarme Leibwickel können Bauchkrämpfe lindern. Meist sind ein bis zwei Tage Bettruhe sinnvoll.

Bei Kindern

Bei Kindern müssen Sie ganz besonders darauf achten, dass der Flüssigkeits- und Mineralsalzverlust rasch ausgeglichen wird, weil der kindliche Organismus nur über geringe Flüssigkeitsreserven verfügt. Wenn Kleinkinder und Säuglinge Durchfall haben und gleichzeitig auch erbrechen, sollten Sie ihnen die Flüssigkeit mit dem Löffel in kleinen Portionen, dafür aber umso häufiger (z. B. ein Teelöffel alle ein bis zwei Minuten), einflößen. Wenn Sie stillen, legen Sie den Säugling zwischen der Gabe der Elektrolyte an die Brust.

Eine stationäre Behandlung im Krankenhaus ist erforderlich, wenn der Gewichtsverlust 5 bis 10 Prozent des Körpergewichts überschreitet, ebenso bei anhaltendem Fieber, nicht stillbarem Erbrechen oder blutigen Durchfällen.

Kinder mit Krabbler-Diarrhö können normal essen. Allerdings sollten Sie ihnen möglichst keine Frucht- und Obstsäfte zu trinken geben.

Wann zum Arzt?

Unter folgenden Bedingungen sollten Sie Durchfall nicht selbst behandeln:

  • Der Durchfall hält länger als zwei bis drei Tage an. Dann sollte ein Arzt zu Rate gezogen werden. Wenn der Verdacht auf einen schwerwiegenden Verlauf der Durchfallerkrankung besteht, muss der Arzt anhand einer Stuhlprobe feststellen, welche Keime ihn ausgelöst haben oder ob andere Krankheiten dahinterstecken. Das ist beispielsweise bei Patienten mit Zusatzerkrankungen oder einer Immunschwäche der Fall oder wenn in den letzten drei Monaten Antibiotika eingenommen wurden.
  • Sie haben gleichzeitig Fieber über 38,5 °C mit oder ohne Schüttelfrost und Kopfschmerzen.
  • Sie müssen zusätzlich erbrechen.
  • Der Stuhl ist blutig und schleimig.
  • Der Bauch ist aufgetrieben und fühlt sich hart an (Hinweis auf eine Darmlähmung).
  • Sie haben eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung (Colitis ulcerosa, Morbus Crohn), Diabetes oder eine andere chronische Krankheit.
  • Sie sind schwanger.
  • Sie sind gerade von einer Reise zurückgekehrt, und es besteht der Verdacht, dass der Durchfall auf eine Infektion mit Bakterien oder Amöben zurückgeht, die Sie während dieser Reise bekommen haben.

Ein Präparat mit Escherichia-coli-Bakterien Stamm Nissle 1917 – Handelsname MUTAFLOR – kann weiterhin vom Arzt zulasten der gesetzlichen Krankenkassen verordnet werden, wenn Sie eine chronisch-entzündliche Darmentzündung (Colitis ulcerosa) haben, die Entzündung gerade nicht aktiv ist (Remissionsphase) und wenn Sie Mittel mit dem Wirkstoff Mesalazin (rezeptpflichtig) nicht vertragen.

Auch Flohsamen und Flohsamenschalen können als Quellmittel zur unterstützenden Behandlung bei Durchfall im Zusammenhang mit Morbus Crohn, einem Kurzdarmsyndrom oder einer HIV-Infektion zulasten der gesetzlichen Krankenversicherung vom Arzt verordnet werden. Näheres hierzu finden Sie in der Ausnahmeliste.

Frauen sollten beachten, dass Durchfall die Wirksamkeit der Pille beeinträchtigen kann. Sprechen Sie dann sicherheitshalber mit einem Arzt oder benutzen Sie bis zur nächsten Menstruation ein anderes Verhütungsmittel.

Bei Kindern

Wenn Kinder unter zwei Jahren Durchfall haben, sollten Sie generell den Arzt um Rat fragen, da sie durch den Flüssigkeitsverlust besonders rasch austrocknen können. Ältere Kinder sollten Sie dem Arzt vorstellen, wenn sie nicht mehr ausreichend trinken, die unter "Anzeichen und Beschwerden" genannten Zeichen eines Flüssigkeitsmangels haben oder auffällig apathisch sind. Auch wenn Augen, Wangen oder Gesicht eingefallen und Atmung und Herzschlag schneller sind als normal, sollten Sie das Kind einem Arzt vorstellen.

Behandlung mit Medikamenten

Normalerweise reguliert sich die Verdauung innerhalb von zwei bis drei Tagen von selbst. Erst wenn der Durchfall anhält und der Körper damit viel Wasser verliert, ist er behandlungsbedürftig.

Rezeptfreie Mittel

Alle für die Selbstmedikation verfügbaren Medikamente behandeln nicht die Ursachen des Durchfalls, sondern nur dessen Begleiterscheinungen.

Grundlage jeder Durchfallbehandlung ist eine ausreichende Zufuhr von Flüssigkeit und Elektrolyten, um so die durchfallbedingten Wasser- und Salzverluste zu ersetzen. Elektrolytmischungen sind – vor allem bei Kindern – dafür die wichtigsten Mittel. Die Pulver sind so zusammengesetzt, dass der Darm die Stoffe leicht aufnehmen kann, auch wenn der Durchfall noch eine Zeit lang anhält. Auf die Ursachen des Durchfalls haben die Präparate keinen Einfluss.

Behandeln Sie den Durchfall selbst, ist der Wirkstoff Loperamid ist bei Erwachsenen und Kindern über zwölf Jahre geeignet, die Darmbewegungen zu hemmen und den Darm ruhigzustellen, sodass schmerzhafte Krämpfe nachlassen. Das bedeutet aber gleichzeitig, dass schädliche Stoffe, wie zum Beispiel die giftigen Stoffwechselprodukte von Bakterien und Viren, die den Durchfall ausgelöst haben können, länger im Darm verbleiben. Präparate mit Loperamid sollen deshalb nur kurze Zeit angewendet werden und nur dann, wenn der Durchfall von sehr schmerzhaften Darmkrämpfen begleitet ist. Keinesfalls darf das Mittel bei eitrigen oder blutigen Durchfällen zum Einsatz kommen.

Racecadotril verhindert, dass die Darmwand zu viel Flüssigkeit und Salze (Elektrolyte) in das Darminnere abgibt. Die Darmbewegungen werden dabei nicht beeinflusst. Vaprino ist zur Behandlung einer akuten Durchfallerkrankung bei Erwachsenen rezeptfrei erhältlich. Die Kapseln dürfen maximal drei Tage eingenommen werden. Es liegen einige Studien vor, die das Mittel mit einem Scheinmedikament oder mit Loperamid vergleichen. Bei akuten, leichten bis mittelschweren Durchfällen verkürzt Racecadotril die Durchfalldauer gegenüber einem reinen Ausgleich des Flüssigkeitsverlustes um durchschnittlich einen Tag. Es ist aber nicht ausreichend nachgewiesen, dass es ebenso gut wirkt wie Loperamid. Deshalb ist der Stellenwert von Racecadotril zur Behandlung von Durchfall bei Erwachsenen noch nicht endgültig geklärt. Das Mittel ist daher für die Selbstbehandlung mit Einschränkung geeignet.

Präparate mit Hefe oder einer Kombination aus Bakterien + Elektrolyten sind bei akutem Durchfall mit Einschränkung geeignet. Weitere Studien sollten die therapeutische Wirksamkeit noch besser belegen.

Smektit ist wenig geeignet, weil die therapeutische Wirksamkeit nicht ausreichend nachgewiesen ist. Es kann allenfalls zur unterstützenden Behandlung eingesetzt werden.

Loperamid + Dimeticon miteinander zu kombinieren, ist in der Regel nicht sinnvoll, weil bei Durchfall meist keine Blähungen auftreten, die Dimeticon als entschäumender Wirkstoff lindern könnte. Das Mittel ist deshalb wenig geeignet.

Auch bei allen anderen Präparaten ist die therapeutische Wirksamkeit nicht ausreichend nachgewiesen. Das gilt sowohl für medizinische Kohle und Nifuroxazid als auch für die Wirkstoffe Ethacridin und Tanninalbuminat, ebenso für ein pflanzliches Mittel mit einem Extrakt aus Uzarawurzel sowie für Mittel, die das Bakterium Escherichia coli oder eine Kombination aus Escherichia coli + Enterococcus faecalis enthalten. Sie sind daher ebenfalls wenig geeignet bei akutem Durchfall.

Bei Kindern

Kinder sollten nach den Richtlinien der Weltgesundheitsorganisation WHO nur mit Elektrolytmischungen behandelt werden. Darüber hinaus haben neuere Studien ergeben, dass Hefe-Präparate einen im Zusammenhang mit einer Antibiotikabehandlung auftretenden Durchfall gut lindern können. Wenn diese Maßnahmen nicht ausreichen, kann das für Kinder verschreibungspflichtige Racecadotril ab dem dritten Lebensmonat eingesetzt werden. Alle anderen Medikamente sind bei Kindern entbehrlich.

Rezeptpflichtige Mittel

Ist der Durchfall nach drei Tagen nicht abgeklungen, kann ein Arzt anhand einer Stuhlprobe feststellen, welche Keime ihn ausgelöst haben oder ob andere Krankheiten dahinterstecken. Schwere bakterielle Infektionen mit beispielsweise Salmonellen oder Shigellen müssen mit Antibiotika behandelt werden.

Bei Reisedurchfall ist das Antibiotikum Rifaximin mit Einschränkung geeignet. Das Mittel wird nur in sehr geringer Menge ins Blut aufgenommen und wirkt gegen durchfallauslösende Bakterien nur lokal im Darm. Es darf nicht eingesetzt werden, wenn der Durchfall blutig ist und mit Fieber einhergeht. Rifaximin kann in seltenen Fällen auch schwere Hautreaktionen auslösen und bei breitem Einsatz möglicherweise zu Resistenzen führen. Daher soll es nur bei belastender Reisediarrhö angewendet werden, wenn eine Flüssigkeits- und Elektrolytzufuhr alleine nicht ausreicht.

Bei Kindern

Wenn Elektrolymischungen, damit das Kind nicht austrocknet, oder Hefe-Präparate zur Behandlung eines Durchfalls bei Antibiotikabehandlung nicht ausreichen, kann Racecadotril eingesetzt werden. Auch Mittel mit Loperamid stehen unter bestimmten Bedingungen zur Verfügung. Für die Anwendung bei Kindern ist hierfür aber ein Rezept erforderlich.

Loperamid darf erst an Kinder über zwei Jahre verabreicht werden. Wie bei Erwachsenen hemmt das Mittel auch bei Kindern die Darmbewegungen. Der Darm ist ruhiggestellt, schmerzhafte Krämpfe lassen nach. Gleichzeitig verbleiben schädliche Stoffe, wie die giftigen Stoffwechselprodukte von Bakterien und Viren, die den Durchfall ausgelöst haben können, länger im Darm. Präparate mit Loperamid sollen deshalb bei Kindern möglichst vermieden werden. Allenfalls bei Durchfällen, die mit sehr schmerzhaften Bauchkrämpfen einhergehen, ist eine kurzzeitige Anwendung vertretbar.

Racecadotril darf – anders als Loperamid, das erst bei Kindern über zwei Jahre angewendet werden darf – auch schon bei Säuglingen ab dem dritten Lebensmonat eingesetzt werden und schließt damit diese therapeutische Lücke. Das Granulat ist geeignet zur Behandlung von Durchfall bei Säuglingen und Kleinkindern, wenn allgemeine Maßnahmen und eine verstärkte Elektrolytzufuhr allein nicht ausreichend wirken.