Medikamente im Test

Diabetes

Allgemeines

Diabetes mellitus ist eine Stoffwechselerkrankung, bei der die Bauchspeicheldrüse entweder kein oder nicht mehr genügend Insulin produziert oder das vorhandene Insulin an den Zielzellen, allen voran den Muskelzellen, nicht richtig wirken kann. Dadurch nehmen die Zellen nur wenig Zucker aus dem Blut auf, verbrauchen weniger und das Blut enthält sehr viel Zucker. Ab einer bestimmten Menge wird der Zucker mit dem Urin ausgeschieden. Der Zucker, von dem im Zusammenhang mit Diabetes die Rede ist, heißt chemisch Glucose. Sie ist ein Bestandteil des Haushaltszuckers (Saccharose). Dieser besteht aus Glucose und Fruktose.

Einer Untersuchung des Robert-Koch-Instituts zufolge erkranken heutzutage 7 von 100 Menschen in Deutschland im Laufe ihres Lebens an Diabetes.

Gemäß ihrer Ursache werden vornehmlich zwei Arten von Diabetes unterschieden: Typ 1 und Typ 2. Dabei handelt es sich um verschiedene Krankheiten. Weil aber beide den Zuckerstoffwechsel betreffen, auf dem völligen Fehlen von Insulin oder seiner unzureichenden Wirkung beruhen und die gleichen Folgekrankheiten nach sich ziehen können, tragen sie den gleichen Namen.

Bei Typ-1-Diabetes zerstört das körpereigene Abwehrsystem die Zellen der Bauchspeicheldrüse, die Insulin herstellen. Diese Menschen müssen schon sehr bald nach Beginn der Erkrankung Insulin spritzen.

Bei Typ-2-Diabetes hält die Bauchspeicheldrüse ihre Produktion an Insulin noch lange Zeit aufrecht. Insbesondere zu Beginn der Erkrankung schüttet sie sogar mehr Insulin aus. Daher kommen diese Menschen oft zunächst ohne gespritztes Insulin aus.

Früher wurde Typ-1-Diabetes als Jugendlichendiabetes bezeichnet, weil die Krankheit häufig in der Kindheit oder Jugend beginnt. Heute ist klar, dass Typ-1-Diabetes in jedem Lebensalter auftreten kann. Typ-2-Diabetes galt als Altersdiabetes, weil er vorwiegend bei Personen über 50 Jahren auftritt. Die meisten Menschen mit dieser Diabetesform sind übergewichtig und haben hohen Blutdruck. Zusammen mit Veränderungen der Blutfettwerte (wenig HDL-Cholesterin, viel Triglyceride) spricht man vom metabolischen Syndrom.

Ein über lange Zeit schlecht eingestellter Blutzucker kann zu Folgekrankheiten führen, die auf Schäden an den Blutgefäßen und Nerven beruhen. Schäden an den kleinen Blutgefäßen (Mikroangiopathie) betreffen vor allem die Netzhaut der Augen und die Nieren. 9 bis 11 von 100 Menschen mit Typ-2-Diabetes müssen im Laufe der Erkrankung mit solchen Gefäßschäden rechnen. Stärker gefährdet sind Menschen mit Typ-1-Diabetes. Etwa 24 von 100 von ihnen erleiden im Laufe ihres Lebens Schäden an den Augen und 17 von 100 Schäden an den Nieren. Die Endstadien dieser Schäden – Erblinden und Nierenversagen – erleben jedoch nur wenige.

Menschen mit Typ-2-Diabetes haben häufig auch Schäden an den großen Blutgefäßen (Makroangiopathie). Da diese aber oft schon bestehen, wenn die Diabetesdiagnose gestellt wird, ist es fraglich, ob sie allein auf dem erhöhten Blutzuckerspiegel beruhen. Als Folgen dieser Gefäßschäden können Herzinfarkt, Schlaganfall und Durchblutungsstörungen in den Beinen auftreten.

Darüber hinaus kann Diabetes die Nerven beeinträchtigen (Neuropathie). Nervenschäden sind bei etwa 23 von 100 Menschen mit Typ-2-Diabetes im Laufe der Erkrankung zu erwarten. Von denen mit Typ-1-Diabetes sind es etwa 29 von 100. Eine Spätfolge kann das diabetische Fußsyndrom sein, bei dem eine Amputation drohen kann.

Menschen mit Diabetes, denen es gelingt, ihren Blutzuckerspiegel weitgehend normal zu halten, haben fast keine Spätfolgen und annähernd die gleiche Lebenserwartung wie stoffwechselgesunde Menschen. Auch Schwangerschaft und Geburt sind mit einer konsequenten Therapie wesentlich ungefährlicher geworden, als sie es früher waren.

Bei Kindern

Die Behandlung eines diabetischen Kindes kann sich dadurch schwierig gestalten, dass Kinder noch keinem gleichmäßigen Lebensrhythmus folgen, sich manchmal ungeplant intensiv bewegen und sich bei ihrer Ernährung lieber an Gleichaltrigen orientieren als an medizinischen Vorgaben. Darum ist es wichtig, sie so früh wie möglich in einer Schulung zu einer selbstständigen Diabetesbehandlung anzuleiten.

Anzeichen und Beschwerden

Menschen mit Typ-1-Diabetes, denen das Insulin ganz fehlt, entwickeln recht schnell typische und zum Teil bedrohliche Symptome:

  • großer Durst und häufiges Wasserlassen, auch nachts
  • Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Kraftlosigkeit, ungewollte Gewichtsabnahme
  • Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, Krämpfe
  • trockene Haut und trockene Schleimhäute
  • Geruch des Atems nach Nagellackentferner (Azeton)
  • besonders tiefes Atmen
  • Bewusstseinsstörungen bis zur Bewusstlosigkeit.

Typ-2-Diabetes wird oft nur zufällig bei einer Blutuntersuchung entdeckt, weil gering erhöhter Blutzucker kaum Symptome verursacht. Die Symptome bei ausgeprägterer Blutzuckererhöhung sind:

  • großer Durst und häufiges Wasserlassen, auch nachts
  • Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Kraftlosigkeit
  • Juckreiz
  • Verschlechterung der Sehfähigkeit
  • häufige Infektionen, Wundsein in Hautfalten, schlecht heilende Wunden.

Die Diagnose Diabetes wird nach zweimaligen Blutzuckermessungen durch den Arzt gestellt.

Nach einer längeren Nahrungspause – also im Nüchternzustand – enthält das Blut bei gesunden Menschen zwischen 60 und 100 Milligramm (mg) Glucose pro Deziliter (dl); nach dem Essen sollten es nicht mehr als 140 mg/dl sein. Gibt man die Glucosemengen nicht in mg/dl, sondern in internationalen Maßeinheiten an, lauten die Zahlen: Der Nüchternblutzucker soll normalerweise zwischen 3,3 und 5,6 mmol/l liegen und nach dem Essen nicht mehr als 7,8 mmol/l betragen. Näheres zu diesen Werten und den unterschiedlichen Einheiten finden Sie unter Bestimmung des Blutzuckers und Maßeinheiten.

Ein Diabetes liegt vor, wenn der Wert der Nüchternplasmaglucose an zwei Tagen über 126 mg/dl (7,0 mmol/l) liegt oder der Blutzucker nach dem Essen über 200 mg/dl (11,1 mmol/l) ansteigt und/oder die oben genannten typischen Diabetessymptome auftreten.

Bei jüngeren, schlanken Menschen, die starke Diabetessymptome aufweisen, hohe Blutzuckerwerte haben, im Urin vermehrt Azeton, ein Stoffwechselprodukt, aufweisen und rasch Insulin benötigen, handelt es sich meist um Typ-1-Diabetes. Bei älteren, übergewichtigen Menschen ohne oder mit leichteren Symptomen und gering bis mäßig erhöhten Blutzuckerwerten ist meist von einem Typ-2-Diabetes auszugehen.

Sowohl der Zuckergehalt des Blutes als auch der des Urins lassen sich ermitteln, ohne zum Arzt zu gehen. Zum einen bieten viele Apotheken an, diesen Test durchzuführen. Zum anderen gibt es für die Blutzuckerbestimmung handliche Messgeräte, in die ein Teststreifen mit einem Tropfen frisch entnommenem Blut eingelegt wird. Der Wert wird digital angezeigt. Näheres zu diesen Ergebnissen finden Sie unter Bestimmung des Blutzuckers und Maßeinheiten.

Der Urin lässt sich mit einem Streifentest auf Zucker prüfen. Dabei reagiert ein Tropfen Urin mit Chemikalien in einem Feld des Teststreifens. Das Ergebnis erhält man, indem man die Farbreaktion auf dem Teststreifen mit der Farbskala auf der Verpackung vergleicht. Verfärbt sich der Teststreifen grün, enthielt das Blutplasma in den letzten zwei Stunden mehr als 180 mg/dl (10 mmol/l) Glucose.

Ursachen

Typ-1-Diabetes

Diese Diabetesart gehört zu den Autoimmunkrankheiten. Aufgrund einer Fehlsteuerung im Immunsystem zerstört der Körper seine insulinproduzierenden Zellen. Bei einem Teil der Betroffenen gibt es auch Störungen an anderen hormonbildenden Zellen und Geweben wie Schilddrüse, Nebennieren und Magenschleimhaut. Die Ursachen dieser Fehlsteuerung sind noch nicht genau erforscht. Typ-1-Diabetes kann in jedem Lebensalter auftreten. Meist sind die Betroffenen aber Kinder, Jugendliche oder junge Erwachsene.

Typ-2-Diabetes

Die Anlage, einen Typ-2-Diabetes zu entwickeln, wird vererbt. Ob sich die Krankheit jedoch wirklich ausprägt, hängt von vielen Faktoren ab. Übergewicht und geringe körperliche Aktivität können dabei eine Rolle spielen.

Ausschlaggebend ist bei dieser Erkrankung, dass die Zellen des Fett- und Muskelgewebes nicht mehr normal auf Insulin reagieren. Sie brauchen erheblich mehr von dem Hormon, um Zucker aus dem Blut aufnehmen zu können. Sie sind "insulinresistent" geworden. Außerdem produzieren die Leberzellen selbst dann noch Glucose, wenn schon reichlich davon im Blut ist. Schließlich können die Zellen der Bauchspeicheldrüse im Laufe der Erkrankung nicht mehr so schnell wie früher Insulin freisetzen und damit nicht mehr ausreichend auf den nach einer Mahlzeit steigenden Blutzuckerspiegel reagieren.

Zu Anfang gleicht die Bauchspeicheldrüse den übermäßigen Bedarf durch eine verstärkte Insulinproduktion aus. In diesem ersten Stadium des Typ-2-Diabetes, von dem die Betroffenen nichts merken, enthält das Blut viel Insulin und zugleich zu viel Zucker. Beides zusammen legt den Grundstein für viele der bedrohlichen Folgeerkrankungen.

Vorbeugung

Typ-1-Diabetes

Bisher gibt es keine Möglichkeit, der Fehlsteuerung im Immunsystem, die dem Typ-1-Diabetes zugrunde liegt, vorzubeugen.

Typ-2-Diabetes

Durch regelmäßige körperliche Aktivität und das Vermeiden von Übergewicht können Menschen, deren Zuckerverwertung bereits auf einen sich entwickelnden Diabetes hinweist, dazu beitragen, die Entstehung eines Diabetes zu verzögern. Gemäß den allgemeinen Ernährungsempfehlungen sollten weniger als 30 Prozent der pro Tag aufgenommenen Kalorienmenge aus Fett stammen. Dabei soll der Anteil an gesättigten Fettsäuren, die vor allem in tierischen Produkten vorkommen, unter 10 Prozent liegen. Die Ballaststoffaufnahme soll hoch sein. Das bedeutet vornehmlich, dass der Speiseplan reichlich Vollkornprodukte, Gemüse und Obst enthalten sollte. Solange das Gewicht etwa im Normalbereich bleibt, ist aber auch jede andere Kost akzeptabel. Geht der Zeiger der Waage jedoch deutlich nach oben, muss die Kalorienzufuhr gedrosselt werden.

Außerdem sollte jeden Tag mindestens 30 Minuten lang körperliche Aktivität auf dem Programm stehen.

Wenn Menschen, die bisher einen anderen Lebensstil gepflegt haben, sich kalorienbewusster ernähren und jeden Tag mindestens eine halbe Stunde körperlich aktiv sind, können sie damit rechnen, fünf Prozent ihres Körpergewichts zu verlieren. Damit diese Veränderungen gelingen, hat sich eine intensive und kompetente Unterstützung als hilfreich erwiesen. Nach den vorliegenden Untersuchungen können die oben beschriebenen Maßnahmen das Risiko senken, dass sich aus einem gestörten Zuckerstoffwechsel ein Diabetes entwickelt. In der Praxis bedeutet dies, dass sich – werden die beschriebenen Maßnahmen ergriffen – nach etwa drei Jahren nur bei 5 von 100 Personen ein Diabetes einstellt anstatt bei 11 von 100 Personen. Je besser die Empfehlungen umgesetzt werden, desto länger lässt sich der Übergang zu einem Typ-2-Diabetes verhindern.

Schwangerschaftsdiabetes

Exakte Zahlen, wie viele Frauen in der Schwangerschaft einen Diabetes entwickeln, liegen nicht vor. Man geht davon aus, dass es in Deutschland mindestens 5 von 100 schwangeren Frauen sind.

Bei den meisten Frauen normalisiert sich der Zuckerstoffwechsel nach der Schwangerschaft wieder. Doch Schwangerschaftsdiabetes ist ein Warnzeichen. Mehr als die Hälfte der Frauen entwickelt innerhalb der nächsten zehn Jahre einen dauerhaften Typ-2-Diabetes. Darum wird Frauen mit Diabetes während der Schwangerschaft nahegelegt, fortan einmal im Jahr den Blutzucker bestimmen zu lassen.

Frauen, die Übergewicht vermeiden und körperlich aktiv sind, können diesem Risiko entgegenwirken. Möglicherweise verringert sich das Diabetesrisiko der Frau auch, wenn sie das Kind stillt. Für eine sichere Aussage müssen allerdings noch weitere Untersuchungen durchgeführt werden.

Allgemeine Maßnahmen

Unabhängig von der Art der Therapie sollten alle Menschen mit Diabetes den Gehalt ihrer Nahrung an Kohlenhydraten und ihre körperlichen Aktivitäten mit der Diabetesbehandlung abstimmen. Wenn kohlenhydrathaltige Nahrungsmittel und Getränke reduziert werden, sinkt der Blutzucker bald ab. Kohlenhydrathaltige Nahrungsmittel sind vor allem Zucker, Brot, Gebäck, Kuchen, Reis, Kartoffeln, Obst (auch wenn es nicht süß schmeckt), Milch und Joghurt. Außerdem gehören zu jeder Diabetestherapie regelmäßige Selbstkontrollen: Wird Insulin gespritzt, sollte der Blutzucker kontrolliert werden; bei denjenigen, die kein Insulin spritzen, reichen in der Regel Urinzuckerbestimmungen nach dem Essen aus.

Darüber hinaus ist es ratsam, das Rauchen aufzugeben, da Rauchen unter anderem die Blutgefäße schädigt und damit den Folgeschäden eines Diabetes im Gefäßsystem Vorschub leistet.

Typ-2-Diabetes

Gewichtsreduktion, angemessene Ernährung sowie Bewegung sind die Basis der Behandlung. Mindestens ein Viertel der Menschen mit Typ-2-Diabetes käme mit der körpereigenen Insulinproduktion aus und müsste keine blutzuckersenkenden Medikamente einnehmen, wenn sie einige Kilogramm abnähmen und sich mehr bewegten. Dadurch gewinnen die Muskelzellen ihre Insulinempfindlichkeit zurück und das vorhandene Insulin wirkt wieder ausreichend.

Wann zum Arzt?

Wenn Sie die unter "Anzeichen und Beschwerden" beschriebenen Symptome bei sich feststellen, sollten Sie sich an einen Arzt wenden: Ein Diabetes lässt sich nicht ohne ärztliche Betreuung behandeln. Allerdings können Sie bei einem Typ-2-Diabetes bei guter Schulung und ärztlicher Unterstützung auch ohne dauerhafte medikamentöse Therapie auskommen. Typ-1-Diabetes muss dagegen immer mit Insulin behandelt werden.

Behandlung mit Medikamenten

Ein Diabetes wird so behandelt, dass der Körper nicht unter den Folgen der fehlenden Insulinwirkung leidet. Die Wirkung des jeweiligen Medikaments wird daran gemessen, ob es imstande ist, den Blutzuckerspiegel bzw. den HbA1c-Wert zu senken. Das eigentliche Ziel der Behandlung reicht jedoch viel weiter: Es sollen die Folgen eines langjährigen Diabetes an Augen, Nieren, Herz, Kreislauf und Nerven verhindert werden. Die Bewertung der Arzneimittel orientiert sich ganz wesentlich daran, inwieweit für sie nachgewiesen ist, dass sich mit ihnen dieses Behandlungsziel erreichen lässt.

Bei den unerwünschten Wirkungen dieser Arzneimittel liegt das besondere Augenmerk auf zwei Faktoren: Können Unterzuckerungen auftreten und wenn ja, wie wahrscheinlich sind sie? Erhöht sich durch die Behandlung das Körpergewicht und wenn ja, wie sehr? Als seltene, aber schwerwiegende Langzeitnebenwirkungen von Diabetesmedikamenten achtet man zudem auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Osteoporose und Krebs.

Rezeptpflichtige Mittel

Typ-1-Diabetes

Der Insulinmangel muss mit der Injektion von Insulin ausgeglichen werden. Dieses Medikament ist lebensnotwendig.

Die verschiedenen Therapieformen unterscheiden sich in Art und Menge des verwendeten Insulins, der Anzahl der täglichen Spritzen und der notwendigen Blutzuckerkontrollen. Nach Möglichkeit wird eine intensivierte Insulintherapie durchgeführt. Ziel ist es, den Blutzucker im Tagesverlauf so gut wie möglich dem Normalwert anzunähern, ohne dass dabei vermehrt Unterzuckerungen auftreten. Dazu eignen sich Humaninsulin und Insulin-Analoga. Humaninsulin ist in seiner chemischen Struktur mit natürlichem Insulin identisch. Es wird zur Diabetesbehandlung als "geeignet" bewertet. Insulin-Analoga gelten demgegenüber als "auch geeignet". Diese Insuline sind etwas anders aufgebaut als natürliches Insulin. Ihr Vorteil gegenüber dem schon länger gebräuchlichen und besser zu beurteilenden Humaninsulin ist allenfalls gering. Vor allem hinsichtlich der Auswirkungen von Insulin-Analoga bei einer Behandlung über sehr lange Zeit gibt es noch offene Fragen.

Typ-2-Diabetes

Die Behandlung richtet sich nach dem angestrebten Ziel. Dieses wird im Gespräch zwischen Arzt und Betroffenen ermittelt und berücksichtigt die individuellen Gegebenheiten des Erkrankten. Das bedeutet, man bezieht ein, wie hoch der Blutzuckerwert, der Blutdruck und die Fettstoffwerte im Blut sind, wie viel der Betroffene wiegt und wie sein alltägliches Leben üblicherweise abläuft. Ein wichtiges Kriterium, welches blutzuckersenkende Medikament eingesetzt und wie es dosiert wird, ist das Alter. Wenn sich der Diabetes um das 50. Lebensjahr herum zeigt, bemüht man sich, den Blutzucker möglichst normal einzustellen. Das bedeutet, dass der Plasmaglucosewert vor einer Mahlzeit zwischen 80 mg/dl (4,4 mmol/l) und 160 mg/dl (8,9 mmol/l) liegen sollte. Bei solchen Werten liegt der Langzeitblutzucker, der HbA1c-Wert, im angestrebten Bereich von 6,5 bis 7,5 Prozent.

Bei Menschen, die älter sind als 70 Jahre, wenn Typ-2-Diabetes festgestellt wird, gelten Plasmaglucosewerte zwischen 140 und 220 mg/dl (7,8 und 12,2 mmol/l) als gutes Behandlungsziel. Menschen dieses Alters sind durch Schäden an den Augen und Nieren nur wenig gefährdet, denn bis sich ernsthafte Komplikationen entwickeln dauert es viele Jahre. Niedrigere Plasmaglucosewerte anzustreben, würde bedeuten, die Behandlung deutlich anspruchsvoller und aufwendiger zu gestalten. Das zöge Einschränkungen beim Essen und Trinken sowie häufigere Blutzuckerselbstkontrollen nach sich. Wenn der Betroffene dann bei der Medikamenteneinnahme und der Menge der aufzunehmenden Kohlenhydrate Fehler macht, können je nach Medikament Unterzuckerungen die Folge sein. Diese werden oft verkannt, können in diesem Alter aber bedrohlich sein. Das Risiko, durch eine strengere Diabetesbehandlung zu Schaden zu kommen, kann bei Menschen dieses Alters größer sein als der mögliche Nutzen.

Erste Behandlungsmaßnahme ist eine Ernährungsumstellung. Insbesondere sollte der übermäßige Verzehr von Kohlenhydraten eingeschränkt und auf zuckerhaltige Getränke und Obstsäfte verzichtet werden. Eine Gewichtsabnahme und regelmäßige Bewegung kann die Diabetesbehandlung unterstützen.

Diabetesmedikamente kommen erst infrage, wenn der Blutzucker durch diese Maßnahmen nach vier bis sechs Wochen nicht nennenswert gesunken ist und sich das Körpergewicht nicht verringert hat. Sie sind auch angebracht, wenn nach drei bis sechs Monaten die Ziele nicht erreicht wurden, die der Betroffene und der Arzt zuvor vereinbart hatten.

Zwei Wirkstoffgruppen werden schon lange zur Behandlung des Typ-2-Diabetes eingesetzt: Biguanide und Sulfonylharnstoffe. Wirksamkeit und Sicherheit der Anwendung sind für beide durch langjährige Erfahrung und zahlreiche Studien belegt. Die Substanzen beider Wirkstoffgruppen senken den Blutzucker. Ihr wesentlicher Unterschied liegt in ihren unerwünschten Wirkungen.

Das Biguanid Metformin gilt derzeit als Mittel der ersten Wahl zur Behandlung von Menschen mit Diabetes und wird als "geeignet" bewertet. Wird es als einziges Diabetesmedikament angewendet, führt es nicht zu Unterzuckerungen und auch das Gewicht steigt nicht an. Für übergewichtige Menschen besteht zusätzlich der Vorteil, dass Metformin nachweislich schon in den ersten Anwendungsjahren das Risiko verringert, einen Herzinfarkt zu erleiden und vorzeitig zu versterben.

Sulfonylharnstoffe sind in der Diabetesbehandlung von übergewichtigen Patienten nach Metformin die Mittel der zweiten Wahl. Positiv ist, dass sie das Risiko für Folgeschäden von Diabetes an Augen und Nieren verringern können. Dem steht als Nachteil gegenüber, dass sie Insulin freisetzen und dadurch Unterzuckerungen möglich werden. Mit einer leichten Unterzuckerung muss etwa alle ein bis zwei Jahre gerechnet werden. Diese können insbesondere nach körperlicher Belastung, beim Auslassen einer Mahlzeit und besonders bei Menschen mit guten bis normalen HbA1c-Werten auftreten. Außerdem ist damit zu rechnen, dass Personen, die über lange Zeit Sulfonylharnstoffe einnehmen, ein bis zwei Kilogramm Gewicht zulegen. Sulfonylharnstoffe werden daher zur Behandlung von Typ-2-Diabetes bei übergewichtigen Menschen als "mit Einschränkung geeignet" bewertet. Sie kommen bei Personen infrage, die Metformin nicht vertragen oder bei denen es aufgrund von Gegenanzeigen nicht eingesetzt werden kann. Bei schlanken Menschen können Sulfonylharnstoffe zudem anstelle von Metformin eingesetzt werden. Menschen mit fortgeschrittener Nierenerkrankung, Herzinfarkt oder koronarer Herzerkrankung sollten nicht mit Sulfonylharnstoffen behandelt werden. Ihr Nutzen und ihre Langzeitverträglichkeit sind bei dieser Personengruppe nicht sicher abzuschätzen.

Als Vertreter der Gruppe der Glinide werden Nateglinid und Repaglinid zur Behandlung von Diabetes eingesetzt. Sie wirken ähnlich wie die Sulfonylharnstoffe. Für die Glinide ist noch nicht geklärt, ob sie die Langzeitfolgen des Diabetes verhindern können. Das gilt sowohl für Erkrankungen an Augen und Nieren als auch für diabetesbedingte Herzinfarkte und vorzeitigen Tod. Glinide werden daher als "mit Einschränkung geeignet" bewertet. Seit Juli 2016 werden die Kosten für diese Wirkstoffe von den gesetzlichen Krankenversicherungen nur noch in einem medizinisch begründeten Ausnahmefall übernommen. So kann Repaglinid noch verordnet werden, wenn die Nierenfunktion bereits stark eingeschränkt ist und keine anderen oralen Antidiabetika in Frage kommen und eine Insulinbehandlung noch nicht erforderlich ist.

Als weitere Medikamente zur Behandlung von Diabetes sind Wirkstoffe aus der Gruppe der Gliptine und der Inkretin-Analoga verfügbar. Ihre Wirkung setzt an einem Hormon an, das die Zellen in der Bauchspeicheldrüse anregt, Insulin zu produzieren und ins Blut abzugeben.

Zur Gruppe der Gliptine gehören Saxagliptin, Sitagliptin und Vildagliptin. Sie können als alleinige Diabetesmedikamente, aber auch zusätzlich zu Metformin oder Sulfonylharnstoffen eingesetzt werden, wenn eine Behandlung mit einem dieser Mittel nicht das gewünschte Ergebnis gebracht hat. Ob sich mit dem Einsatz eines Gliptins Folgeerkrankungen des Diabetes vermeiden lassen, ist unklar. Studien ergaben hinsichtlich des Risikos für Herz-Kreislauf-Erkrankungen keinerlei Vorteile für Gliptine im Vergleich zu einer Placebobehandlung. Da die Erfahrungen mit dieser Wirkstoffgruppe noch begrenzt sind, ist auch noch nicht bekannt, ob bei Langzeitanwendung schwerwiegende unerwünschte Wirkungen auftreten. Aus diesen Gründen werden die Wirkstoffe als "mit Einschränkung geeignet" bewertet. Das gilt sowohl, wenn sie als alleinige Diabetesmedikamente eingesetzt werden, als auch, wenn sie jeweils mit Metformin oder einem Sulfonylharnstoff kombiniert werden.

Die Inkretin-Analoga Exenatide (schnell freisetzend) und Liraglutid müssen täglich unter die Haut gespritzt werden, bei Dulaglutid und verzögert freisetzendem Exenatide ist nur eine Injektion pro Woche notwendig. Die Mittel können das Körpergewicht um zwei bis drei Kilogramm senken und auch der Blutdruck sinkt unter der Behandlung leicht. Die Mittel dürfen in Kombination mit Metformin und/oder einem Sulfonylharnstoff angewendet werden, wenn sich der Blutzucker mit diesen Medikamenten allein nicht zufriedenstellend senken lässt. Für kombinierte Anwendung von Exenatide und Dulaglutid ist es noch unklar, ob durch die Behandlung die Spätfolgen eines langjährigen Diabetes verringert werden können. Sie werden daher als "mit Einschränkung geeignet" bewertet.

Wenn Metformin in angemessener Dosierung alleine den Blutzucker nicht ausreichend senkt, kann Liraglutid bei Typ-2-Diabetikern mit hohem Herz-Kreislauf-Risiko das Auftreten von Herzinfarkt und Schlaganfall und das Risiko, daran zu sterben, senken kann, wenn es gemeinsam mit anderen Diabetesmitteln eingesetzt wird. Dies gilt aber nur bei Patienten die bereits an einer Herz- oder Gefäßerkrankung leiden und deren Nierenfunktion zudem bereits mäßig eingeschränkt ist. Für weniger kranke Patienten ist ein Nutzen nicht nachgewiesen.

Darüber hinaus sind Dulaglutid und Liraglutid auch zur alleinigen Blutzuckersenkung bei Typ-2-Diabetes zugelassen, wenn Metformin nicht eingesetzt werden kann. Für diese Art der Behandlung fehlen bei beiden Mitteln noch Studien, die zeigen, dass Folgeerkrankungen eines langjährigen Diabetes auf das Herz-Kreislauf-System und auf andere Organe wie Augen und Nieren verhindert werden können oder dass sie hierin mindestens ebenso gut wirken wie Sulfonylharnstoffe oder Insulin. Daher gelten die beiden Wirkstoffe als alleinige Mittel als "mit Einschränkung geeignet".

Die blutzuckersenkende Wirkung von Dapagliflozin und Empagliflozin aus der Gruppe der Gliflozine ist gut dokumentiert. Zusätzlich ist vorteilhaft, dass sich das Körpergewicht bei dieser Behandlung häufig leicht verringert, der Blutdruck etwas sinkt und es keine Unterzuckerungen gibt. Bei Typ-2-Diabtikern mit bestehenden Herz- und Gefäßerkrankungen kann Empagliflozin in kombinierter Anwendung mit Metformin schwerwiegende Herz-Kreislauf-Ereignisse und das Sterberisiko senken, wenn Metformin allein den Blutdruck nicht ausreichend senkt. Hierfür gilt es als geeignet.

Ob dies auch für die kombinierte Anwendung von Metformin mit Dapagliflozin gilt, muss noch in weiteren Untersuchungen geklärt werden. Das Mittel wird daher als "mit Einschränkung geeignet" eingestuft.

Auch für den alleinigen Einsatz der beiden Mittel ist nicht nachgewiesen, dass sie die Folgeerkrankungen von Diabetes und das Sterberisiko im Vergleich zu den bisherigen Standardmitteln besser senken können. Aus diesen Gründen sind die Mittel hierfür mit Einschränkung geeignet.

Die ursprünglich mit großen Erwartungen in die Diabetesbehandlung eingeführten Glitazone haben diese im therapeutischen Einsatz nicht erfüllt und spielen inzwischen nur noch eine untergeordnete Rolle. Vielmehr gab es Hinweise auf bedeutsame unerwünschte Wirkungen, die zu der Bewertung "wenig geeignet" führten. Das erste Glitazon musste bereits vor Jahren wegen unerwünschter Wirkungen aus dem Handel genommen werden. Für das zweite, Rosiglitazon, folgte der Vertriebsstopp bereits im November 2010.

Derzeit ist nur noch Pioglitazon erhältlich. Eine Behandlung mit dieser Substanz und ihren Kombinationen kann das Körpergewicht erhöhen. Das erschwert die Diabetesbehandlung. Ferner ist nicht zweifelsfrei nachgewiesen, dass sich das Risiko für Folgeerkrankungen des Diabetes mit Pioglitazon verringern lässt. Während der Behandlung mit diesem Medikament muss vermehrt mit Knochenbrüchen an Füßen, Händen und Armen gerechnet werden. Zudem ist es nach einer aktuellen Übersichtsarbeit wahrscheinlich, dass Pioglitazon das Risiko für Blasenkrebs erhöht. Daher wird es als "wenig geeignet" bewertet. Seit April 2011 bezahlen die gesetzlichen Krankenkassen die Behandlung mit Pioglitazon nicht mehr.

"Wenig geeignet", um einen Typ-2-Diabetes zu behandeln, ist auch der Alpha-Glukosidasehemmer  Acarbose. Eine nennenswerte therapeutische Wirksamkeit ist für die Substanz nicht ausreichend nachgewiesen.

Kombination mehrerer blutzuckersenkender Mittel zur Diabetesbehandlung

Wenn eine Sorte Tabletten den Blutzucker nicht mehr so senkt wie es erforderlich ist, kann eine Diabetesschulung helfen, bessere Blutzuckerwerte zur erreichen. Wenn auch diese Maßnahme nicht zum gewünschten Ergebnis führt, werden zwei Diabetesmedikamente miteinander kombiniert. Alle Kombinationen senken den Blutzucker und den HbA1c-Wert stärker als ein Medikament allein. Mit den bisherigen Studiendaten lassen sich allerdings für die große Gruppe der Typ-2-Diabetiker keine wesentlichen Vor- oder Nachteile hinsichtlich Folgeerkrankungen oder Todesfällen einzelner Kombinationen gegenüber anderen nachweisen. Eine Auswahl kann sich aufgrund von individuellen Gegebenheiten ergeben.

  • Metformin plus Sulfonylharnstoff: Wird ein Sulfonylharnstoff als zweites Medikament zu Metformin gegeben, können geringfügig mehr Unterzuckerungen auftreten, meist sind das aber leichte Ereignisse. Zudem kann das Gewicht um durchschnittlich zwei Kilogramm zunehmen. Einer großen Beobachtungsstudie und aktuellen Analysen zufolge scheint dies aber nicht das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle oder das Sterberisiko zu erhöhen.
  • Metformin plus Glinid: Der Einfluss dieser Kombination auf die Folgeerkrankungen des Diabetes ist unklar. Auch das Risiko für unerwünschte Wirkungen, vor allem am Herzen, ist noch nicht abzuschätzen. Wegen des Kombinationspartners Glinid können Unterzuckerungen auftreten.
  • Metformin plus Glitazon: Diese Kombination, die es auch als feste Mischung in einem Fertigpräparat gibt, wird als "wenig geeignet" bewertet. Zum einen gibt es Hinweise, dass Glitazone schwerwiegende unerwünschte Wirkungen, insbesondere am Herzen, auslösen können. Zum anderen steigern diese Wirkstoffe vor allem bei Frauen das Risiko für Knochenbrüche. Dass das Glitazon das Risiko für Blasenkrebs erhöht, ist immer noch nicht sicher auszuschließen. Und schließlich ist auch unklar, wie sich diese Kombinationsbehandlung auf die Spätfolgen des Diabetes auswirkt. Als Fertigpräparat ist Metformin + Pioglitazon im Handel.
  • Metformin plus Inkretin-Analogon: Bei den Inkretin-Analoga sind zu den Auswirkungen einer Langzeittherapie noch viele Fragen offen, z. B. zu den Spätfolgen des Diabetes an Herz, Auge und Nieren und – da es sich immer noch um eine vergleichsweise neue Wirkstoffgruppe handelt – auch teilweise bezüglich der Verträglichkeit. Für Liraglutid konnte aber in einer Studie gezeigt werden, dass das Mittel in Kombination mit anderen Antidiabetika zumindest bei Typ-2-Diabetikern mit bereits vorhandenen Herz und Gefäßerkrankungen und zusätzlichen moderaten Nierenfunktionsstörungen das Auftreten von Herzinfarkt und Schlaganfall sowie das Risiko, daran zu sterben, senken kann. Für diese Patientengruppe wird die kombinierte Anwendung als geeignet angesehen. Für Exenatide ist das nicht der Fall. Die Daten einer Langzeitstudie zu Dulaglutid sind noch nicht verfügbar (Stand Frühjahr 2019). Dementsprechend ist auch die Kombinationstherapie mit diesen Mitteln noch nicht abschließend zu beurteilen und gilt als "mit Einschränkung geeignet".
  • Metformin plus Gliptin: Diese Kombination gibt es als feste Mischung in einem Fertigpräparat, nämlich entweder Metformin + Saxagliptin oder Metformin + Sitagliptin. Bei der Behandlung treten weder Unterzuckerungen noch Gewichtszunahme auf. Ob sich mit dieser Kombination Spätfolgen des Diabetes verringern lassen, ist allerdings nicht klar. Für Metformin allein ist das zwar nachgewiesen, für die Gliptine und auch für die Kombination beider Wirkstoffe jedoch nicht. Die Kombinationen von Metformin und einem Gliptin werden daher als "mit Einschränkung geeignet" bewertet.
  • Metformin plus Gliflozin: Auch diese Kombination gibt es als Fertigpräparate (Metformin + Dapagliflozin). Der besondere Vorteil einer Behandlung mit dieser Kombination besteht in einer leichten Senkung des Blutdrucks und des Körpergewichts. Ob sich mit dieser Kombination Folgeerkrankungen besser verhindern lassen als mit Metformin allein, ist noch nicht ausreichend untersucht. Sie ist daher nur eingeschränkt zu empfehlen. Empagliflozin kann einer Studie zufolge aber zumindest bei Typ-2-Diabetikern mit hohem Herz-Kreislauf-Risiko Herzinfarkt und Schlaganfall sowie das Sterberisiko reduzieren, wenn andere Antidiabetika den Blutzucker nicht ausreichend senken können.
  • Sulfonylharnstoff plus Gliptin: Mit einer Kombination dieser beiden Wirkstoffe sind mehr Nebenwirkungen zu erwarten als bei einer Kombination von Gliptinen mit Metformin. Es können öfter Unterzuckerungen auftreten und das Gewicht kann geringfügig ansteigen. Hinsichtlich der Spätfolgen des Diabetes ist nur gesichert, dass Sulfonylharnstoffe die Gefahr für Augen- und Nierenschäden verringern können. Sowohl die Effekte von Gliptinen als auch die der Kombination von Sulfonylharnstoff und einem Gliptin sind noch ungewiss.
  • Sulfonylharnstoff plus Glitazon: Auch bei dieser Kombination sind im Vergleich zur Kombination Sulfonylharnstoff plus Metformin mehr Nebenwirkungen zu erwarten. Unterzuckerungen und Gewichtszunahme sind möglich. Ansonsten gilt das unter Metformin + Pioglitazon Gesagte.
  • Sulfonylharnstoff plus Inkretin-Analogon: Diese Kombination wird ebenso beurteilt wie die Kombination von Metformin und Inkretin-Analoga.

Wenn die Möglichkeiten der Kombination von zwei Diabetesmedikamenten ausgeschöpft sind, kann eine Diabetesschulung durch Optimierung von Essen und Trinken helfen, die Blutzuckereinstellung zu verbessern. Bei der Kombination von drei Diabetesmedikamenten ist meist ein Medikament dabei welches gespritzt werden muss, wie ein GLP1-Analogon oder Insulin. Studien, die den Einfluss einer Dreierkombination auf die Spätfolgen des Diabetes untersuchen, fehlen bislang.

Insulinbehandlung bei Typ-2-Diabetes

In aller Regel muss die Behandlung auf Insulin umgestellt werden, wenn sich die Blutzuckerwerte nach drei- bis sechsmonatiger Behandlung mit zwei Sorten blutzuckersenkender Tabletten nicht in den angestrebten Bereich senken lassen und der Patient zuvor in einer Patientenschulung über blutzuckererhöhende Nahrungsmittel und Getränke sowie die Möglichkeiten einer geeigneten Glucoseselbstkontrolle informiert wurde.

Wenn Insulin notwendig ist, sind die meisten Patienten mit einer konventionellen Therapie, bei der ein- oder zweimal am Tag ein Kombinationsinsulin, d. h. eine feste Mischung aus kurz- und langwirksames Insulin gespritzt wird, sehr gut behandelt. Menschen mit Typ-2-Diabetes, die häufig Hauptmahlzeiten auslassen oder einen sehr unregelmäßigen Tagesablauf haben, können eventuell von einer intensivierten Insulintherapie profitieren. Studien, die gegenüber der konventionellen Insulintherapie einen Zusatznutzen dieses Vorgehens belegen, gibt es allerdings nicht.

Die meisten Patienten führen die Behandlung mit Metformin zusätzlich zum Insulin fort. Die einfachste Form der Insulintherapie ist die einmalige Injektion von Basalinsulin abends oder spätabends in Kombination mit Metformin eventuell auch kombiniert mit einem zweiten blutzuckersenkenden Mittel zum Einnehmen, etwa einem Sulfonylharnstoff oder Empagliflozin. Die Insulindosis kann niedrig gehalten werden, das Risiko für Unterzuckerungen ist gering und der Behandelte nimmt nicht so stark zu.

Eine Insulinbehandlung ist fast immer unerlässlich, wenn eine Frau mit Typ-2-Diabetes schwanger wird.

Für die Behandlung von Typ-2-Diabetes können Humaninsulin und Insulin-Analoga eingesetzt werden. Einen Nutzen, der über den von Humaninsulin hinausgeht, haben die Insulin-Analoga bisher nicht nachweisen können.

Neue Medikamente

In seinen frühen Nutzenbewertungen führt das IQWiG auch Ertugliflozin / Sitagliptin (Steglujan) und Insulin degludec (Tresiba) bei Kindern und Jugendlichen auf. Die Stiftung Warentest wird zu einem späteren Zeitpunkt ausführlich dazu Stellung nehmen.

Frühe Nutzenbewertung des IQWiG

Fixkombination Ertugliflozin/Sitagliptin (Steglujan) bei Typ-2-Diabetes

Die Fixkombination der Wirkstoffe Ertugliflozin und Sitagliptin (Handelsname Steglujan) ist seit März 2018 für Erwachsene mit Typ-2-Diabetes-mellitus zugelassen, bei denen Ernährungsumstellung und Bewegung einen erhöhten Blutzuckerspiegel nicht ausreichend senken.

Diabetes mellitus ist eine Stoffwechselerkrankung, die sich auf viele Bereiche des Körpers auswirkt. Beim Typ-2-Diabetes stellt die Bauchspeicheldrüse zunächst noch genug Insulin her, es wird aber von den Körperzellen immer schlechter aufgenommen und verwertet. Lässt sich der Blutzuckerspiegel durch Ernährungsumstellung und Bewegung nicht ausreichend senken, werden blutzuckerkontrollierende Medikamente eingesetzt.

Eine Behandlung soll Menschen mit Diabetes mellitus vor zu starken Schwankungen des Blutzuckerspiegels und Beschwerden durch Unter- und Überzuckerungen schützen. Zudem sollen Folgeerkrankungen, die durch zu hohen Blutzucker entstehen können, so gut wie möglich vermieden werden.

Die Kombination kommt für Personen infrage, bei denen die üblicherweise eingesetzten Wirkstoffe aus der Gruppe der Sulfonylharnstoffe oder Metformin nicht ausreichend helfen oder die bereits Sitagliptin und Ertugliflozin als Einzeltabletten einnehmen. Die Behandlung soll bei Diabetes mellitus Typ 2 vor zu starken Schwankungen des Blutzuckerspiegels und Beschwerden durch Unter- und Überzuckerungen schützen. Zudem sollen Folgeerkrankungen, die durch zu hohen Blutzucker entstehen können, so gut wie möglich vermieden werden.

Anwendung

Ertugliflozin und Sitagliptin gibt es als Tablette in zwei Dosierungen: Eine Tablette enthält 100 mg Sitagliptin und entweder 5 mg oder 15 mg Ertugliflozin. Die Auswahl orientiert sich am Blutzuckerspiegel.

Andere Behandlungen

Für Patienten mit Typ-2-Diabetes kommen verschiedene Wirkstoffe als Einzeltherapie oder in Kombination infrage, dazu gehören Metformin, Empagliflozin, Liraglutid, Sulfonylharnstoffe und Insulin.

Bewertung

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat 2018 geprüft, ob die Fixkombination Ertugliflozin / Sitagliptin Vor- oder Nachteile im Vergleich zu den Standardtherapien hat.

Um diese Frage zu beantworten, legte der Hersteller jedoch keine geeigneten Daten vor.

Weitere Informationen

Dieser Text fasst die wichtigsten Ergebnisse eines Gutachtens zusammen, das das IQWiG im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) im Rahmen der Frühen Nutzenbewertung von Arzneimitteln erstellt hat. Der G-BA beschließt auf Basis des Gutachtens und eingegangener Stellungnahmen über den Zusatznutzen von Ertugliflozin / Sitagliptin.  URL: https://www.g-ba.de/informationen/nutzenbewertung/364

Frühe Nutzenbewertung des IQWiG

Insulin degludec (Tresiba) bei Kindern und Jugendlichen mit Diabetes mellitus

Insulin degludec (Handelsname Tresiba) ist seit 2015 auch für Jugendliche und Kinder ab einem Jahr mit Typ-1- oder Typ-2-Diabetes-mellitus zugelassen. Der Wirkstoff ist ein langwirksames Insulinanalogon. Es soll den Blutzuckerspiegel bis zu 24 Stunden kontrollieren.

Diabetes mellitus ist eine Stoffwechselerkrankung, die sich auf viele Bereiche des Körpers auswirkt. Bei Menschen mit Typ-1-Diabetes kann die Bauchspeicheldrüse kein oder nur sehr wenig Insulin produzieren. Daher müssen sie regelmäßig Insulin spritzen, um den Körper damit zu versorgen. Beim Typ-2-Diabetes stellt die Bauchspeicheldrüse zunächst eigentlich genug Insulin her, es wird aber von den Körperzellen immer schlechter aufgenommen und verwertet. Kann der Blutzuckerspiegel nicht ausreichend durch Diät und Bewegung gesenkt werden, werden blutzuckerkontrollierende Medikamente eingesetzt.

Die Behandlung soll Kinder und Jugendliche mit Diabetes vor zu starken Schwankungen des Blutzuckerspiegels und Beschwerden durch Unter- und Überzuckerungen schützen. Zudem sollen Folgeerkrankungen, die durch zu hohen Blutzucker entstehen können, so gut wie möglich vermieden werden.

Das langwirksame Insulin degludec wird bei Typ-1-Diabetes mit einem zu den Mahlzeiten verabreichten kurzwirksamen Insulin kombiniert. Bei Kindern und Jugendlichen mit Typ-2-Diabetes kann es als Einzel- oder Kombinationstherapie mit einem anderen kurzwirksamen Insulin (zu den Mahlzeiten) oder mit blutzuckersenkenden Tabletten angewendet werden. Auch eine Dreifachkombination mit Insulin und Tabletten ist möglich.

Anwendung

Insulin degludec wird mit einem Insulinpen einmal täglich unter die Haut gespritzt. Den Wirkstoff gibt es als Fertigpen oder Patrone in verschiedenen Dosierungen. Die Dosis hängt unter anderem von der zusätzlichen blutzuckersenkenden Therapie, vom Blutzuckerspiegel und der angestrebten Blutzuckereinstellung ab. Sie muss individuell angepasst werden

Andere Behandlungen

Für Kinder und Jugendliche mit Typ-1-Diabetes wird als Standardtherapie Humaninsulin eingesetzt. Zur Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit Typ-2-Diabetes kommen ebenfalls Humaninsulin oder eine Kombination aus Humaninsulin und dem Wirkstoff Metformin infrage.

Bewertung

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat 2015 geprüft, welche Vor- und Nachteile Insulin degludec für Jugendliche und Kinder ab einem Jahr mit Typ-1- und Typ-2-Diabetes als Einzeltherapie oder in den zugelassenen Kombinationen im Vergleich zu den bewährten Standardtherapien hat.

Für Kinder und Jugendliche mit Typ-2-Diabetes legte der Hersteller keine geeigneten Daten vor. Für diese Patientinnen und Patienten kann daher die Frage, welche Vor- und Nachteile Insulin degludec gegenüber den Standardtherapien hat, nicht beantwortet werden.

Für Kinder und Jugendliche mit Typ-1-Diabetes legte der Hersteller eine Studie mit 350 Teilnehmenden vor. Eine Gruppe der Studienteilnehmer erhielt die Insulinanaloga Insulin degludec und Insulin aspart, die andere Gruppe bekam eine Behandlung mit den Insulinanaloga Insulin detemir und Insulin aspart. Aus dieser Studie lassen sich Aussagen zum Vergleich mit der eigentlichen Standardtherapie (Humaninsulin) ableiten. Die Ergebnisse dieser Studie sind im Folgenden dargestellt.

Welche Nachteile hat Insulin degludec?

  • Schwere Nebenwirkungen: Es gibt einen schwachen Hinweis, dass eine Behandlung mit Insulin degludec für Mädchen mit Typ-1-Diabetes Nachteile hat. Bei Mädchen, die Insulin degludec erhielten, zeigten sich mehr schwere Nebenwirkungen als bei Mädchen, die Insulin detemir bekamen. Bei etwa 15 von 100 Mädchen, die Insulin degludec erhielten, traten innerhalb von 52 Wochen schwere Nebenwirkungen auf. Bei den Mädchen, die die Standardtherapie erhielten, war das bei etwa 3 von 100 der Fall. Bei Jungen mit Typ-1-Diabetes kam es in beiden Behandlungsgruppen vergleichbar häufig zu schweren Nebenwirkungen.

Wo zeigte sich kein Unterschied?

  • Lebenserwartung: Während der Studie trat kein Todesfall auf.
  • Folgeerkrankungen: Die Studie dauerte nicht lange genug, um den Einfluss von Insulin degludec auf mikrovaskuläre Folgeerkrankungen wie eine Retinopathie (geschädigte Augennetzhaut), Neuropathie (Nervenschädigung) oder Nephropathie (Nierenschädigung) beurteilen zu können. Der HbA1c-Wert gibt an, wie hoch der Blutzucker in den letzten zwei bis drei Monaten im Durchschnitt war. Da der HbA1c-Wert nach dem derzeitigen Stand des Wissens das Risiko für solche Folgeerkrankungen beeinflusst, betrachtet das IQWiG diesen Wert als Kriterium für einen möglichen Zusatznutzen des Medikaments. In der vorgelegten Studie war der HbA1c-Wert der Kinder und Jugendlichen in beiden Behandlungsgruppen gleich.
  • Behandlungsabbrüche wegen Nebenwirkungen: Es brachen nur sehr wenige Kinder und Jugendliche ihre Behandlung wegen Nebenwirkungen ab. Hier zeigte sich kein Unterschied zwischen Insulin degludec und Insulin detemir.
  • Stoffwechselentgleisungen: Eine Übersäuerung durch Ketonkörper (Ketoazidose) und eine schwere oder symptomatische Unterzuckerung trat bei beiden Behandlungen vergleichbar häufig auf.

Welche Fragen sind noch offen?

  • Lebensqualität: In der Studie wurde die Lebensqualität nicht untersucht. Hier sind die Vor- oder Nachteile des Wirkstoffs unklar.
  • Symptomatische Überzuckerung: Wie häufig eine Behandlung mit Insulin degludec im Vergleich zu Insulin detemir zu einer Überzuckerung führt, ließ sich nicht beurteilen. Die Studie liefert hierzu keine geeigneten Daten.

Weitere Informationen

Dieser Text fasst die wichtigsten Ergebnisse eines Gutachtens zusammen, das das IQWiG im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) im Rahmen der Frühen Nutzenbewertung von Arzneimitteln erstellt hat. Der G-BA beschließt auf Basis der Gutachten und eingegangener Stellungnahmen über den Zusatznutzen von Insulin degludec (Tresiba). URL: https://www.g-ba.de/informationen/nutzenbewertung/162/