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Diabetes

Allgemeines

Diabetes mellitus ist eine Stoffwechselerkrankung, bei der der Zuckerstoffwechsel gestört ist. Bei Diabetes produziert die Bauchspeicheldrüse entweder kein oder nicht mehr genügend Insulin oder das vorhandene Insulin kann an den Zielzellen, allen voran den Muskelzellen, nicht richtig wirken. Dadurch nehmen die Zellen nur wenig Zucker aus dem Blut auf, verbrauchen davon weniger und das Blut enthält sehr viel Zucker. Ab einer bestimmten Menge wird der Zucker mit dem Urin ausgeschieden.

Der Zucker, von dem im Zusammenhang mit Diabetes die Rede ist, heißt chemisch Glucose. Sie ist ein Bestandteil des Haushaltszuckers (Saccharose). Dieser besteht aus Glucose und Fructose.

Einer Untersuchung des Robert-Koch-Instituts zufolge erkranken heutzutage 7 von 100 Menschen in Deutschland im Laufe ihres Lebens an Diabetes.

Gemäß ihrer Ursache werden vornehmlich zwei Arten von Diabetes unterschieden: Typ 1 und Typ 2. Dabei handelt es sich um verschiedene Krankheiten. Weil aber beide den Zuckerstoffwechsel betreffen, auf dem völligen Fehlen von Insulin oder seiner unzureichenden Wirkung beruhen und die gleichen Folgekrankheiten nach sich ziehen können, tragen sie den gleichen Namen.

Bei Typ-1-Diabetes zerstört das körpereigene Abwehrsystem die Zellen der Bauchspeicheldrüse, die Insulin herstellen. Diese Menschen müssen direkt nach Beginn der Erkrankung Insulin spritzen.

Bei Typ-2-Diabetes hält die Bauchspeicheldrüse ihre Produktion an Insulin noch lange Zeit aufrecht. Insbesondere zu Beginn der Erkrankung schüttet sie sogar mehr Insulin aus. Daher kommen diese Menschen oft zunächst ohne gespritztes Insulin aus.

Früher wurde Typ-1-Diabetes als Jugendlichendiabetes bezeichnet, weil die Krankheit häufig in der Kindheit oder Jugend beginnt. Heute ist klar, dass Typ-1-Diabetes in jedem Lebensalter auftreten kann.

Typ-2-Diabetes galt als Altersdiabetes, weil er vorwiegend bei Personen über 50 Jahren auftritt. Die meisten Menschen mit dieser Diabetesform sind übergewichtig und haben hohen Blutdruck. Zusammen mit Veränderungen der Blutfettwerte (wenig HDL-Cholesterin, viel Triglyceride) spricht man vom metabolischen Syndrom.

Ein über lange Zeit schlecht eingestellter Blutzucker kann zu Folgekrankheiten führen, die auf Schäden an den Blutgefäßen und Nerven beruhen. Schäden an den kleinen Blutgefäßen (Mikroangiopathie) betreffen vor allem die Netzhaut der Augen und die Nieren. 9 bis 11 von 100 Menschen mit Typ-2-Diabetes müssen im Laufe der Erkrankung mit solchen Gefäßschäden rechnen. Stärker gefährdet sind Menschen mit Typ-1-Diabetes. Etwa 24 von 100 von ihnen erleiden im Laufe ihres Lebens Schäden an den Augen und 17 von 100 Schäden an den Nieren. Die Endstadien dieser Schäden – Erblinden und Nierenversagen – erleben jedoch nur wenige.

Menschen mit Typ-2-Diabetes haben häufig auch Schäden an den großen Blutgefäßen (Makroangiopathie). Da diese aber oft schon bestehen, wenn die Diabetesdiagnose gestellt wird, ist es fraglich, ob sie allein auf dem erhöhten Blutzuckerspiegel beruhen. Als Folgen dieser Gefäßschäden können Herzinfarkt, Schlaganfall und Durchblutungsstörungen in den Beinen auftreten.

Darüber hinaus kann Diabetes die Nerven beeinträchtigen (Neuropathie). Nervenschäden sind bei etwa 23 von 100 Menschen mit Typ-2-Diabetes im Laufe der Erkrankung zu erwarten. Von denen mit Typ-1-Diabetes sind es etwa 29 von 100. Eine Spätfolge kann das diabetische Fußsyndrom sein, bei dem eine Amputation drohen kann.

Menschen mit Diabetes, denen es gelingt, ihren Blutzuckerspiegel weitgehend normal zu halten, haben fast keine Spätfolgen und annähernd die gleiche Lebenserwartung wie stoffwechselgesunde Menschen. Auch Schwangerschaft und Geburt sind mit einer konsequenten Therapie wesentlich ungefährlicher geworden, als sie es früher waren.

Bei Kindern

Die Behandlung eines Kindes mit Diabetes kann sich dadurch schwierig gestalten, dass Kinder noch keinem gleichmäßigen Lebensrhythmus folgen, sich manchmal ungeplant intensiv bewegen und sich bei ihrer Ernährung lieber an Gleichaltrigen orientieren als an medizinischen Vorgaben. Darum ist es wichtig, sie so früh wie möglich in einer Schulung zu einer selbstständigen Diabetesbehandlung anzuleiten.

Anzeichen und Beschwerden

Menschen mit Typ-1-Diabetes, denen das Insulin ganz fehlt, entwickeln recht schnell typische und zum Teil bedrohliche Symptome:

  • großer Durst und häufiges Wasserlassen, auch nachts
  • Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Kraftlosigkeit, ungewollte Gewichtsabnahme
  • Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, Krämpfe
  • trockene Haut und trockene Schleimhäute
  • Geruch des Atems nach Nagellackentferner (Aceton)
  • besonders tiefes Atmen
  • Bewusstseinsstörungen bis zur Bewusstlosigkeit.

Typ-2-Diabetes wird oft nur zufällig bei einer Blutuntersuchung entdeckt, weil gering erhöhter Blutzucker kaum Symptome verursacht. Die Symptome bei ausgeprägterer Blutzuckererhöhung sind:

  • großer Durst und häufiges Wasserlassen, auch nachts
  • Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Kraftlosigkeit
  • Juckreiz
  • Verschlechterung der Sehfähigkeit
  • häufige Infektionen, Wundsein in Hautfalten, schlecht heilende Wunden.

Die Diagnose Diabetes wird nach zweimaligen Blutzuckermessungen und/oder der Ermittlung des Langzeitblutzuckerwerts HbA1c durch den Arzt gestellt.

Nach einer längeren Nahrungspause – also im Nüchternzustand – enthält das Blut bei gesunden Menschen zwischen 60 und 100 Milligramm (mg) Glucose pro Deziliter (dl); nach dem Essen sollten es nicht mehr als 140 mg/dl sein. Gibt man die Glucosemengen nicht in mg/dl, sondern in internationalen Maßeinheiten an, lauten die Zahlen: Der Nüchternblutzucker soll normalerweise zwischen 3,3 und 5,6 Millimol pro Liter (mmol/l) liegen und nach dem Essen nicht mehr als 7,8 mmol/l betragen. Näheres zu diesen Werten und den unterschiedlichen Einheiten finden Sie unter Bestimmung des Blutzuckers und Maßeinheiten.

Ein Diabetes liegt vor, wenn der Wert der Nüchternplasmaglucose an zwei Tagen über 126 mg/dl (7,0 mmol/l) liegt oder der Blutzucker nach dem Essen über 200 mg/dl (11,1 mmol/l) ansteigt und/oder die oben genannten typischen Diabetessymptome auftreten.

Bei jüngeren, schlanken Menschen, die starke Diabetessymptome aufweisen, hohe Blutzuckerwerte haben, im Urin vermehrt Aceton, ein Stoffwechselprodukt, aufweisen und rasch Insulin benötigen, handelt es sich meist um Typ-1-Diabetes. Bei älteren, übergewichtigen Menschen ohne oder mit leichteren Symptomen und gering bis mäßig erhöhten Blutzuckerwerten ist meist von einem Typ-2-Diabetes auszugehen.

Sowohl der Zuckergehalt des Blutes als auch der des Urins lassen sich ermitteln, ohne zum Arzt zu gehen. Zum einen bieten viele Apotheken an, diesen Test durchzuführen. Zum anderen gibt es für die Blutzuckerbestimmung handliche Messgeräte, in die ein Teststreifen mit einem Tropfen frisch entnommenem Blut eingelegt wird. Der Wert wird digital angezeigt. Näheres zu diesen Ergebnissen finden Sie unter Bestimmung des Blutzuckers und Maßeinheiten.

Der Urin lässt sich mit einem Streifentest auf Zucker prüfen. Dabei reagiert ein Tropfen Urin mit Chemikalien in einem Feld des Teststreifens. Das Ergebnis erhält man, indem man die Farbreaktion auf dem Teststreifen mit der Farbskala auf der Verpackung vergleicht. Verfärbt sich der Teststreifen grün, enthielt das Blutplasma in den letzten zwei Stunden mehr als 180 mg/dl (10 mmol/l) Glucose.

Ursachen

Typ-1-Diabetes

Diese Diabetesart gehört zu den Autoimmunkrankheiten. Aufgrund einer Fehlsteuerung im Immunsystem zerstört der Körper seine insulinproduzierenden Zellen. Bei einem Teil der Betroffenen gibt es auch Störungen an anderen hormonbildenden Zellen und Geweben wie Schilddrüse, Nebennieren und Magenschleimhaut. Die Ursachen dieser Fehlsteuerung sind noch nicht genau erforscht. Typ-1-Diabetes kann in jedem Lebensalter auftreten. Meist sind die Betroffenen aber Kinder, Jugendliche oder junge Erwachsene.

Typ-2-Diabetes

Die Anlage, einen Typ-2-Diabetes zu entwickeln, wird vererbt. Ob sich die Krankheit jedoch wirklich ausprägt, hängt von vielen Faktoren ab. Übergewicht und geringe körperliche Aktivität können dabei eine Rolle spielen.

Ausschlaggebend ist bei dieser Erkrankung, dass die Zellen des Fett- und Muskelgewebes nicht mehr normal auf Insulin reagieren. Sie brauchen erheblich mehr von dem Hormon, um Zucker aus dem Blut aufnehmen zu können. Sie sind "insulinresistent" geworden. Außerdem produzieren die Leberzellen selbst dann noch Glucose, wenn schon reichlich davon im Blut ist. Schließlich können die Zellen der Bauchspeicheldrüse im Laufe der Erkrankung nicht mehr so schnell wie früher Insulin freisetzen und damit nicht mehr ausreichend auf den nach einer Mahlzeit steigenden Blutzuckerspiegel reagieren.

Zu Anfang gleicht die Bauchspeicheldrüse den übermäßigen Bedarf durch eine verstärkte Insulinproduktion aus. In diesem ersten Stadium des Typ-2-Diabetes, von dem die Betroffenen nichts merken, enthält das Blut viel Insulin und zugleich zu viel Zucker. Beides zusammen legt den Grundstein für viele der bedrohlichen Folgeerkrankungen.

Vorbeugung

Typ-1-Diabetes

Bisher gibt es keine Möglichkeit, der Fehlsteuerung im Immunsystem, die dem Typ-1-Diabetes zugrunde liegt, vorzubeugen.

Typ-2-Diabetes

Durch regelmäßige körperliche Aktivität und das Vermeiden von Übergewicht können Menschen, deren Zuckerverwertung bereits auf einen sich entwickelnden Diabetes hinweist, dazu beitragen, die Entstehung eines Diabetes zu verzögern. Gemäß den allgemeinen Ernährungsempfehlungen sollten weniger als 30 Prozent der pro Tag aufgenommenen Kalorienmenge aus Fett stammen. Dabei soll der Anteil an gesättigten Fettsäuren, die vor allem in tierischen Produkten vorkommen, unter 10 Prozent liegen. Die Ballaststoffaufnahme soll hoch sein. Das bedeutet vornehmlich, dass der Speiseplan reichlich Vollkornprodukte, Gemüse und Obst enthalten sollte. Solange das Gewicht etwa im Normalbereich bleibt, ist aber auch jede andere Kost akzeptabel. Geht der Zeiger der Waage jedoch deutlich nach oben, muss die Kalorienzufuhr gedrosselt werden.

Außerdem sollte jeden Tag mindestens 30 Minuten lang körperliche Aktivität auf dem Programm stehen.

Wenn Menschen, die bisher einen anderen Lebensstil gepflegt haben, sich kalorienbewusster ernähren und jeden Tag mindestens eine halbe Stunde körperlich aktiv sind, können sie damit rechnen, fünf Prozent ihres Körpergewichts zu verlieren. Damit diese Veränderungen gelingen, hat sich eine intensive und kompetente Unterstützung als hilfreich erwiesen. Nach den vorliegenden Untersuchungen können die oben beschriebenen Maßnahmen das Risiko senken, dass sich aus einem gestörten Zuckerstoffwechsel ein Diabetes entwickelt. In der Praxis bedeutet dies, dass sich nach etwa drei Jahren Bewegung und kalorienbewusster Ernährung nur bei 5 von 100 Personen ein Diabetes einstellt anstatt bei 11 von 100 Personen. Je besser die Empfehlungen umgesetzt werden, desto länger lässt sich der Übergang zu einem Typ-2-Diabetes verhindern. Ob die Folgen des Diabetes an den kleinen oder großen Blutgefäßen durch Änderung des Lebensstils vermindert werden, ist bis heute nicht nachgewiesen worden.

Schwangerschaftsdiabetes

Exakte Zahlen, wie viele Frauen in der Schwangerschaft einen Diabetes entwickeln, liegen nicht vor. Man geht davon aus, dass es in Deutschland mindestens 5 von 100 schwangeren Frauen sind.

Bei den meisten Frauen normalisiert sich der Zuckerstoffwechsel nach der Schwangerschaft wieder. Doch Schwangerschaftsdiabetes ist ein Warnzeichen. Mehr als die Hälfte der Frauen entwickelt innerhalb der nächsten zehn Jahre einen dauerhaften Typ-2-Diabetes. Darum wird Frauen mit Diabetes während der Schwangerschaft nahegelegt, fortan einmal im Jahr den Blutzucker bestimmen zu lassen.

Frauen, die Übergewicht vermeiden und körperlich aktiv sind, können diesem Risiko entgegenwirken. Möglicherweise verringert sich das Diabetesrisiko der Frau auch, wenn sie das Kind stillt. Für eine sichere Aussage müssen allerdings noch weitere Untersuchungen durchgeführt werden.

Allgemeine Maßnahmen

Unabhängig von der Art der Therapie sollten alle Menschen mit Diabetes den Gehalt ihrer Nahrung an Kohlenhydraten und ihre körperlichen Aktivitäten mit der Diabetesbehandlung abstimmen. Wenn kohlenhydrathaltige Nahrungsmittel und Getränke reduziert werden, sinkt der Blutzucker bald ab. Kohlenhydrathaltige Nahrungsmittel sind vor allem Zucker, Brot, Gebäck, Kuchen, Reis, Kartoffeln, Obst (auch wenn es nicht süß schmeckt), Milch und Joghurt. Außerdem gehören zu jeder Diabetestherapie regelmäßige Selbstkontrollen: Wird Insulin gespritzt, sollte der Blutzucker kontrolliert werden; bei denjenigen, die kein Insulin spritzen, reichen in der Regel Urinzuckerbestimmungen nach dem Essen aus.

Unbedingt zu beachten ist dabei, dass für Diabetespatienten, die ein Medikament aus der Gruppe der Gliflozine (z. B. Dapagliflozin, Empagliflozin) zur Blutzuckersenkung einnehmen, die Messung des Urinzuckers ungeeignet ist. Wer mit Gliflozinen behandelt wird, hat – bedingt durch den Wirkmechanismus der Mittel – auch dann Zucker im Urin, wenn die Blutzuckerwerte gut eingestellt sind.

Zu den allgemeinen Empfehlungen gehört es auch, das Rauchen aufzugeben, da Rauchen unter anderem die Blutgefäße schädigt und damit den Folgeschäden eines Diabetes im Gefäßsystem Vorschub leistet.

Typ-2-Diabetes

Als erste Schritte einer Behandlung von Typ-2-Diabetes werden keine Medikamente empfohlen, sondern individuell angepasste Lebensstiländerungen. Dazu gehören als Basis Gewichtsreduktion, angemessene Ernährung sowie Bewegung. Mindestens ein Viertel der Menschen mit Typ-2-Diabetes kann mit der körpereigenen Insulinproduktion auskommen und muss keine blutzuckersenkenden Medikamente einnehmen, wenn es den Betroffenen dauerhaft gelingt, einige Kilogramm abzunehmen und sich regelmäßig mehr zu bewegen. Dadurch gewinnen die Muskelzellen ihre Insulinempfindlichkeit zurück und das vorhandene Insulin wirkt wieder ausreichend.

Dies trifft vor allem für diejenigen zu, die es schaffen im ersten Jahr nach der Diagnosestellung ihr Körpergewicht um mindestens 10 Prozent zu senken – und diesen Erfolg durch anhaltende strenge und konsequente Lebensstiländerung im weiteren Verlauf auch halten können.

Wann zum Arzt?

Wenn Sie die unter "Anzeichen und Beschwerden" beschriebenen Symptome bei sich feststellen, sollten Sie sich an einen Arzt wenden: Ein Diabetes lässt sich nicht ohne ärztliche Betreuung behandeln. Allerdings können Sie bei einem Typ-2-Diabetes bei guter Schulung und ärztlicher Unterstützung auch ohne dauerhafte medikamentöse Therapie auskommen. Typ-1-Diabetes muss dagegen immer mit Insulin behandelt werden – Testergebnisse Diabetesmedikamente.

Behandlung mit Medikamenten

Ein Diabetes wird so behandelt, dass der Körper nicht unter den Folgen der fehlenden Insulinwirkung leidet. Die Wirkung des jeweiligen Medikaments wird daran gemessen, ob es imstande ist, den Blutzuckerspiegel bzw. den HbA1c-Wert zu senken. Die Patienten sollen keine Beschwerden durch hohe Blutzuckerwerte haben oder bekommen. Das eigentliche Ziel der Behandlung reicht jedoch viel weiter: Es sollen die Folgen eines langjährigen Diabetes an Augen, Nieren, Herz, Kreislauf und Nerven verhindert werden. Die Bewertung der Arzneimittel orientiert sich ganz wesentlich daran, inwieweit für sie nachgewiesen ist, dass sich mit ihnen dieses Behandlungsziel erreichen lässt.

Bei den unerwünschten Wirkungen dieser Arzneimittel liegt das besondere Augenmerk auf zwei Faktoren: Können Unterzuckerungen auftreten und wenn ja, wie wahrscheinlich sind sie? Erhöht sich durch die Behandlung das Körpergewicht und wenn ja, wie sehr? Als seltene, aber schwerwiegende Langzeitnebenwirkungen von Diabetesmedikamenten achtet man zudem auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Osteoporose und Krebs.

Rezeptpflichtige Mittel

Typ-1-Diabetes

Der Insulinmangel muss mit der Injektion von Insulin ausgeglichen werden. Dieses Medikament ist lebensnotwendig.

Die verschiedenen Therapieformen unterscheiden sich in Art und Menge des verwendeten Insulins, der Anzahl der täglichen Spritzen und der notwendigen Blutzuckerkontrollen. Nach Möglichkeit wird eine intensivierte Insulintherapie durchgeführt. Ziel ist es, den Blutzucker im Tagesverlauf so gut wie möglich dem Normalwert anzunähern, ohne dass dabei vermehrt Unterzuckerungen auftreten. Dazu eignen sich Humaninsulin und Insulin-Analoga. Humaninsulin ist in seiner chemischen Struktur mit natürlichem Insulin identisch. Es wird zur Diabetesbehandlung als "geeignet" bewertet.

Insulin-Analoga gelten als "geeignet", wenn Vorteile gegenüber Humaninsulin zu erwarten sind. Insulin-Analoga sind etwas anders aufgebaut als natürliches Insulin. Es ist eher selten der Fall, dass sie günstigere Eigenschaften haben als Humaninsulin.

Typ-2-Diabetes

Die Behandlung richtet sich nach dem angestrebten Ziel. Dieses wird im Gespräch zwischen Arzt und Betroffenen ermittelt und berücksichtigt die individuellen Bedürfnisse des Erkrankten. Das bedeutet, man bezieht ein, wie hoch der Blutzuckerwert und der Blutdruck sind, wie viel der Betroffene wiegt und wie sein alltägliches Leben üblicherweise abläuft. Ein wichtiges Kriterium dafür, welches blutzuckersenkende Medikament eingesetzt und wie es dosiert wird, ist das Alter. Wenn sich der Diabetes um das 50. Lebensjahr herum zeigt, bemüht man sich, den Blutzucker möglichst normal einzustellen. Das bedeutet, dass der Plasmaglucosewert vor einer Mahlzeit zwischen 100 mg/dl (5,5 mmol) und 160 mg/dl (8,9 mmol/l) liegen sollte. Bei solchen Werten liegt der Langzeitblutzucker, der HbA1c-Wert, im angestrebten Bereich von 6,5 bis 7,5 Prozent.

Bei Menschen, die älter sind als 70 Jahre, wenn Typ-2-Diabetes festgestellt wird, gelten Plasmaglucosewerte zwischen 140 und 220 mg/dl (7,8 und 12,2 mmol/l) als gutes Behandlungsziel. Menschen dieses Alters sind durch Schäden an den Augen und Nieren nur wenig gefährdet, denn bis sich ernsthafte Komplikationen entwickeln, dauert es viele Jahre. Niedrigere Plasmaglucosewerte anzustreben, würde bedeuten, die Behandlung deutlich anspruchsvoller und aufwendiger zu gestalten. Das zöge mehr Einschränkungen beim Essen und Trinken sowie häufigere Blutzuckerselbstkontrollen und auch mehr Medikamente und Insulininjektionen nach sich. In der Folge träten vermehrt unerwünschte Wirkungen und Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln auf. Wenn der Betroffene dann bei der Medikamenteneinnahme und der Menge der aufzunehmenden Kohlenhydrate Fehler macht, können je nach Medikament Unterzuckerungen die Folge sein. Diese werden oft verkannt, können in höherem Alter aber bedrohlich sein. Das Risiko, durch eine strengere Diabetesbehandlung zu Schaden zu kommen, kann somit bei Menschen dieses Alters größer sein als der mögliche Nutzen.

Erste Behandlungsmaßnahme bei Typ-2-Diabetes ist eine Ernährungsumstellung. Insbesondere sollte der übermäßige Verzehr von Kohlenhydraten eingeschränkt und auf zuckerhaltige Getränke und Obstsäfte verzichtet werden. Eine Gewichtsabnahme und regelmäßige Bewegung kann die Diabetesbehandlung unterstützen.

Diabetesmedikamente kommen erst infrage, wenn der Blutzucker durch diese Maßnahmen nach vier bis sechs Wochen nicht nennenswert gesunken ist und sich das Körpergewicht nicht verringert hat. Sie sind auch angebracht, wenn nach drei bis sechs Monaten die Ziele nicht erreicht wurden, die der Betroffene und der Arzt zuvor vereinbart hatten.

Zwei Wirkstoffgruppen werden schon lange zur Behandlung des Typ-2-Diabetes eingesetzt: Biguanide und Sulfonylharnstoffe. Wirksamkeit und Sicherheit der Anwendung sind für beide durch langjährige Erfahrung und zahlreiche Studien belegt. Die Substanzen beider Wirkstoffgruppen senken den Blutzucker. Ihr wesentlicher Unterschied liegt in ihren unerwünschten Wirkungen.

Das Biguanid Metformin gilt derzeit als Mittel der ersten Wahl zur Behandlung von Menschen mit Diabetes und wird als "geeignet" bewertet. Wird es als einziges Diabetesmedikament angewendet, führt es nicht zu Unterzuckerungen und auch das Gewicht steigt nicht an. Für übergewichtige Menschen besteht zusätzlich der Vorteil, dass Metformin nachweislich schon in den ersten Anwendungsjahren das Risiko verringert, einen Herzinfarkt zu erleiden und vorzeitig zu versterben.

Sulfonylharnstoffe z. B. Glibenclamid sind in der Diabetesbehandlung von übergewichtigen Patienten nach Metformin die Mittel der zweiten Wahl. Positiv ist, dass sie das Risiko für Folgeschäden von Diabetes an Augen und Nieren verringern können. Dem steht als Nachteil gegenüber, dass sie Insulin freisetzen und dadurch Unterzuckerungen möglich werden.

Mit einer leichten Unterzuckerung muss etwa alle ein bis zwei Jahre gerechnet werden. Diese können insbesondere nach körperlicher Belastung, beim Auslassen einer Mahlzeit und besonders bei Menschen mit guten bis normalen HbA1c-Werten auftreten.

Außerdem ist damit zu rechnen, dass Personen, die über lange Zeit Sulfonylharnstoffe einnehmen, ein bis zwei Kilogramm Gewicht zulegen. Sulfonylharnstoffe werden daher zur Behandlung von Typ-2-Diabetes bei übergewichtigen Menschen als "mit Einschränkung geeignet" bewertet. Sie kommen bei Personen infrage, die Metformin nicht vertragen oder bei denen es aufgrund von Gegenanzeigen nicht eingesetzt werden kann. Bei schlanken Menschen können Sulfonylharnstoffe zudem anstelle von Metformin eingesetzt werden. Menschen mit fortgeschrittener Nierenerkrankung, mit koronarer Herzerkrankung oder Menschen, die bereits einen Herzinfarkt hatten, sollen nicht mit Sulfonylharnstoffen behandelt werden. Nutzen und Langzeitverträglichkeit der Sulfonylharnstoffe sind bei dieser Personengruppe nicht sicher abzuschätzen.

Als Vertreter der Gruppe der Glinide werden Nateglinid und Repaglinid zur Behandlung von Diabetes eingesetzt. Sie wirken ähnlich wie Sulfonylharnstoffe. Für die Glinide ist noch nicht geklärt, ob sie die Langzeitfolgen des Diabetes verhindern können. Das gilt sowohl für Erkrankungen an Augen und Nieren als auch für diabetesbedingte Herzinfarkte und vorzeitigen Tod. Glinide werden daher als "mit Einschränkung geeignet" bewertet. Seit Juli 2016 werden die Kosten für diese Wirkstoffe von den gesetzlichen Krankenversicherungen nur noch in einem medizinisch begründeten Ausnahmefall übernommen. So kann Repaglinid noch verordnet werden, wenn die Nierenfunktion bereits stark eingeschränkt ist und keine anderen Diabetesmittel zum Einnehmen in Frage kommen und eine Insulinbehandlung noch nicht erforderlich ist.

Als weitere Medikamente zur Behandlung von Diabetes sind Wirkstoffe aus der Gruppe der Gliptine und der Inkretin-Analoga verfügbar. Ihre Wirkung setzt an einem Hormon an, das die Zellen in der Bauchspeicheldrüse anregt, Insulin zu produzieren und ins Blut abzugeben.

Zur Gruppe der Gliptine gehören Saxagliptin, Sitagliptin und Vildagliptin. Sie können als alleinige Diabetesmedikamente, aber auch zusätzlich zu Metformin oder Sulfonylharnstoffen eingesetzt werden, wenn eine Behandlung mit einem dieser Mittel nicht das gewünschte Ergebnis gebracht hat. Ob sich mit dem Einsatz eines Gliptins Folgeerkrankungen des Diabetes vermeiden lassen, ist unklar. Studien ergaben hinsichtlich des Risikos für Herz-Kreislauf-Erkrankungen keinerlei Vorteile für Gliptine im Vergleich zu einer Scheinbehandlung. Die Wirkstoffe werden daher als "mit Einschränkung geeignet" bewertet. Das gilt sowohl, wenn sie als alleinige Diabetesmedikamente eingesetzt werden, als auch, wenn sie jeweils mit Metformin oder einem Sulfonylharnstoff kombiniert werden.

Die Inkretin-Analoga Exenatide (schnell freisetzend) und Liraglutid müssen täglich unter die Haut gespritzt werden, bei Dulaglutid und verzögert freisetzendem Exenatide ist nur eine Injektion pro Woche notwendig. Die Mittel können das Körpergewicht um zwei bis drei Kilogramm senken und auch der Blutdruck sinkt unter der Behandlung leicht. Die Mittel dürfen in Kombination mit Metformin und/oder einem Sulfonylharnstoff angewendet werden, wenn sich der Blutzucker mit diesen Medikamenten allein nicht zufriedenstellend senken lässt. Ihre Bewertung ist unterschiedlich – Testergebnisse Inkretin-Analoga Dulaglutid, Exenatide, Liraglutid.

Bei der kombinierten Anwendung von Exenatide mit anderen Diabetesmedikamenten ist es noch unklar, ob die Spätfolgen eines langjährigen Diabetes verringert werden können. Es wird daher als "mit Einschränkung geeignet" bewertet.

Wenn Metformin in angemessener Dosierung alleine den Blutzucker nicht ausreichend senkt, kann Liraglutid in Kombination mit anderen Diabetesmitteln bei Patienten mit einem hohen Herz-Kreislauf-Risiko das Auftreten von Herzinfarkt und Schlaganfall und das Risiko, daran zu sterben, senken. Dies gilt aber nur bei Patienten, die bereits an einer Herz- oder Gefäßerkrankung leiden, deren Nierenfunktion mäßig eingeschränkt ist und deren HbA1c-Wert über 7 Prozent liegt. In diesen Fällen ist Liraglutid geeignet. Für Patienten ohne solche weiteren Erkrankungen oder solche, die eine stark verminderte Nierenfunktion haben, ist ein Nutzen nicht nachgewiesen.

Auch für Dulaglutid ist mittlerweile nachgewiesen, dass durch die wöchentliche Injektion – zusätzlich zu anderen Diabetesmitteln – bei Patienten mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Ereignisse nicht tödliche Schlaganfälle verhindert werden können. Ob es darüber hinaus auch andere Ereignisse wie Herzinfarkte oder Todesfälle in ähnlicher Weise wie Liraglutid verhindern kann, muss dagegen noch besser belegt werden. Das Mittel ist daher zusätzlich zu anderen Mitteln „auch geeignet“ bei Typ-2-Diabetes zur Verhinderung von Herz-Kreislauf-Ereignissen.

Darüber hinaus sind Dulaglutid und Liraglutid auch zur alleinigen Blutzuckersenkung bei Typ-2-Diabetes zugelassen, wenn Metformin nicht eingesetzt werden kann. Für diese Art der Behandlung fehlen bei beiden Mitteln noch Studien, die zeigen, dass Folgeerkrankungen eines langjährigen Diabetes auf das Herz-Kreislauf-System und auf andere Organe wie Augen und Nieren verhindert werden können oder dass sie hierin mindestens ebenso gut wirken wie Sulfonylharnstoffe oder Insulin. Daher gelten die beiden Wirkstoffe als alleinige Mittel als "mit Einschränkung geeignet".

Die blutzuckersenkende Wirkung von Dapagliflozin und Empagliflozin aus der Gruppe der Gliflozine ist gut dokumentiert. Zusätzlich zur Blutzuckersenkung ist es vorteilhaft, dass sich das Körpergewicht bei der Behandlung mit diesen Wirkstoffen häufig leicht verringert, der Blutdruck etwas sinkt und es keine Unterzuckerungen gibt.

Bei Menschen mit Typ-2-Diabetes, die zusätzlich eine Herz- und Gefäßerkrankungen haben, kann Empagliflozin in kombinierter Anwendung mit Metformin schwerwiegende Herz-Kreislauf-Ereignisse und das Sterberisiko senken, wenn Metformin allein den Blutzucker nicht ausreichend senkt. Hierfür gilt Empagliflozin als geeignet.

Auch ein zweiter Vertreter dieser Wirkstoffgruppe, Dapagliflozin, kann bei Menschen mit Typ-2-Diabetes, die zusätzlich an Nierenfunktionsstörungen leiden, eine Verschlimmerung der Nierenerkrankung verhindern und die Sterberate senken. Hierfür wird Dapagliflozin als "geeignet" bewertet.

Für den alleinigen Einsatz von Dapagliflozin oder Empagliflozin ist allerdings nicht nachgewiesen, dass sie die Folgeerkrankungen von Diabetes und das Sterberisiko im Vergleich zu den bisherigen Standardmitteln besser senken können. Aus diesen Gründen sind die Mittel hierfür mit Einschränkung geeignet.

Ein drittes Gliflozin, Ertugliflozin, ist in Deutschland nur als fixe Kombination mit Sitagliptin (Steglujan) auf dem Markt. Das Mittel soll eingesetzt werden, wenn Metformin oder ein Sulfonylharnstoff und Sitagliptin alleine oder in Kombination nicht ausreichend wirksam waren. Für keinen der beiden Wirkstoffe aus Steglujan ist nachgewiesen, dass er schwere kardiovaskuläre Ereignisse wie Herzinfarkt und Schlaganfall verhindern kann oder das Sterberisiko durch die Behandlung sinkt. Die Kombination ist somit nicht sinnvoll und gilt als "wenig geeignet". Es stehen besser geeignete Mittel zur kombinierten Anwendung zur Verfügung.

Die ursprünglich mit großen Erwartungen in die Diabetesbehandlung eingeführten Glitazone haben diese im therapeutischen Einsatz nicht erfüllt und spielen inzwischen nur noch eine untergeordnete Rolle. Vielmehr gab es Hinweise auf bedeutsame unerwünschte Wirkungen, die zu der Bewertung "wenig geeignet" führten. Das erste Glitazon musste bereits vor Jahren wegen unerwünschter Wirkungen aus dem Handel genommen werden. Für das zweite, Rosiglitazon, folgte der Vertriebsstopp bereits im November 2010.

Derzeit ist nur noch Pioglitazon erhältlich. Eine Behandlung mit dieser Substanz und ihren Kombinationen kann das Körpergewicht erhöhen. Das erschwert die Diabetesbehandlung. Ferner ist nicht zweifelsfrei nachgewiesen, dass sich das Risiko für Folgeerkrankungen des Diabetes mit Pioglitazon verringern lässt. Während der Behandlung mit diesem Medikament muss vermehrt mit Knochenbrüchen an Füßen, Händen und Armen gerechnet werden. Zudem ist es nach einer aktuellen Übersichtsarbeit wahrscheinlich, dass Pioglitazon das Risiko für Blasenkrebs erhöht. Daher wird es als "wenig geeignet" bewertet. Seit April 2011 bezahlen die gesetzlichen Krankenkassen die Behandlung mit Pioglitazon nicht mehr.

"Wenig geeignet", um einen Typ-2-Diabetes zu behandeln, ist auch der Alpha-Glukosidasehemmer Acarbose. Eine nennenswerte therapeutische Wirksamkeit ist für die Substanz nicht ausreichend nachgewiesen.

Kombination mehrerer blutzuckersenkender Mittel zur Diabetesbehandlung

Wenn eine Sorte Tabletten den Blutzucker nicht mehr so senkt wie es erforderlich ist, kann eine Diabetesschulung helfen, bessere Blutzuckerwerte zur erreichen. Wenn auch diese Maßnahme nicht zum gewünschten Ergebnis führt, werden zwei Diabetesmedikamente miteinander kombiniert. Alle Kombinationen senken den Blutzucker und den HbA1c-Wert stärker als ein Medikament allein. Mit den bisherigen Studiendaten lassen sich allerdings für die große Gruppe der Menschen, die an Typ-2-Diabetes erkrankt sind, keine wesentlichen Vor- oder Nachteile hinsichtlich Folgeerkrankungen oder Todesfällen einzelner Kombinationen gegenüber anderen nachweisen. Eine Auswahl kann sich aufgrund von individuellen Gegebenheiten ergeben.

  • Metformin plus Sulfonylharnstoff: Wird ein Sulfonylharnstoff, z. B. Glibenclamid, als zweites Medikament zu Metformin gegeben, können geringfügig mehr Unterzuckerungen auftreten, meist sind das aber leichte Ereignisse. Zudem kann das Gewicht um durchschnittlich zwei Kilogramm steigen. Einer großen Beobachtungsstudie und aktuellen Analysen zufolge scheint dies aber nicht das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle oder das Sterberisiko zu erhöhen.
  • Metformin plus Glinid: Der Einfluss dieser Kombination auf die Folgeerkrankungen des Diabetes ist unklar. Auch das Risiko für unerwünschte Wirkungen, vor allem am Herzen, ist noch nicht abzuschätzen. Wegen des Kombinationspartners Glinid können Unterzuckerungen auftreten.
  • Metformin plus Glitazon: Diese Kombination, die es auch als feste Mischung in einem Fertigpräparat gibt, wird als "wenig geeignet" bewertet. Zum einen gibt es Hinweise, dass Glitazone schwerwiegende unerwünschte Wirkungen, insbesondere am Herzen, auslösen können. Zum anderen steigern diese Wirkstoffe vor allem bei Frauen das Risiko für Knochenbrüche. Dass das Glitazon das Risiko für Blasenkrebs erhöht, ist immer noch nicht sicher auszuschließen. Und schließlich ist auch unklar, wie sich diese Kombinationsbehandlung auf die Spätfolgen des Diabetes auswirkt. Als Fertigpräparat ist Metformin + Pioglitazon im Handel.
  • Metformin plus Inkretin-Analogon: Bei den Inkretin-Analoga sind zu den Auswirkungen einer Langzeittherapie noch viele Fragen offen, z. B. zu den Spätfolgen des Diabetes an Herz, Auge und Nieren und – da es sich immer noch um eine vergleichsweise neue Wirkstoffgruppe handelt – auch teilweise bezüglich der Verträglichkeit. Für Liraglutid konnte aber in einer Studie gezeigt werden, dass das Mittel in Kombination mit anderen Antidiabetika zumindest bei Typ-2-Diabetikern mit bereits vorhandenen Herz- und Gefäßerkrankungen und zusätzlichen moderaten Nierenfunktionsstörungen das Auftreten von Herzinfarkt und Schlaganfall sowie das Risiko, daran zu sterben, senken kann. Für diese Patientengruppe wird die kombinierte Anwendung als geeignet angesehen. Ähnlich verhält es sich bei Dulaglutid. Für dessen Anwendung konnte nachgewiesen werden, dass – vorausgesetzt es wird bei Herzkranken in Kombination mit anderen Antidiabetika eingesetzt – Schlaganfälle vermieden werden können. Ob es auch andere Ereignisse verhindert oder die Sterberate senkt, ist dagegen noch unklar. Die Kombination gilt daher als "auch geeignet". Für Exenatide liegen dagegen keine vergleichbaren Studienbelege vor. Dementsprechend ist auch die Kombinationstherapie mit diesem Mittel noch nicht abschließend zu beurteilen und gilt als "mit Einschränkung geeignet".
  • Metformin plus Gliptin: Diese Kombination gibt es als feste Mischung in einem Fertigpräparat, nämlich entweder Metformin + Saxagliptin oder Metformin + Sitagliptin. Bei der Behandlung treten weder Unterzuckerungen noch Gewichtszunahme auf. Ob sich mit dieser Kombination Spätfolgen des Diabetes verringern lassen, ist allerdings nicht klar. Für Metformin allein ist das zwar nachgewiesen, für die Gliptine und auch für die Kombination beider Wirkstoffe jedoch nicht. Die Kombinationen von Metformin und einem Gliptin werden daher als "mit Einschränkung geeignet" bewertet.
  • Metformin plus Gliflozin: Als Kombination stehen Fertigpräparate mit Metformin + Dapagliflozin zur Verfügung. Der besondere Vorteil einer Diabetesbehandlung mit dieser Kombination besteht in einer zusätzlichen leichten Senkung des Blutdrucks und des Körpergewichts. Ob sich mit dieser Kombination generell Folgeerkrankungen besser verhindern lassen als mit Metformin allein, ist noch nicht ausreichend untersucht. Bei Menschen mit Typ-2-Diabetes, deren Nierenfunktion bereits eingeschränkt ist, lässt sich aber mit der kombinierten Anwendung ein Fortschreiten der Erkrankung verhindern und das Sterberisiko senken. Für diese Patientengruppe ist das Kombinationsmittel daher geeignet.
  • Sulfonylharnstoff plus Gliptin: Mit einer Kombination dieser beiden Wirkstoffe sind mehr Nebenwirkungen zu erwarten als bei einer Kombination von Gliptinen mit Metformin. Es können öfter Unterzuckerungen auftreten und das Gewicht kann geringfügig ansteigen. Hinsichtlich der Spätfolgen des Diabetes ist nur gesichert, dass Sulfonylharnstoffe die Gefahr für Augen- und Nierenschäden verringern können. Sowohl die Effekte von Gliptinen als auch die der Kombination von Sulfonylharnstoff und einem Gliptin sind noch ungewiss.
  • Sulfonylharnstoff plus Glitazon: Auch bei dieser Kombination sind im Vergleich zur Kombination Sulfonylharnstoff plus Metformin mehr Nebenwirkungen zu erwarten. Unterzuckerungen und Gewichtszunahme sind möglich. Ansonsten gilt das unter Metformin plus Glitazon Gesagte.
  • Sulfonylharnstoff plus Inkretin-Analogon: Diese Kombination wird ebenso beurteilt wie die Kombination von Metformin und Inkretin-Analoga.

Wenn die Möglichkeiten der Kombination von zwei Diabetesmedikamenten ausgeschöpft sind, kann eine Diabetesschulung durch Optimierung von Essen und Trinken helfen, die Blutzuckereinstellung zu verbessern. Bei der Kombination von drei Diabetesmedikamenten ist meist ein Medikament dabei, welches gespritzt werden muss, wie ein GLP1-Analogon oder Insulin. Studien, die den Einfluss einer Dreierkombination auf die Spätfolgen des Diabetes untersuchen, fehlen bislang.

Insulinbehandlung bei Typ-2-Diabetes

In aller Regel muss die Behandlung auf Insulin umgestellt werden, wenn sich die Blutzuckerwerte nach drei- bis sechsmonatiger Behandlung mit zwei Sorten blutzuckersenkender Tabletten nicht in den angestrebten Bereich senken lassen und der Patient zuvor in einer Patientenschulung über blutzuckererhöhende Nahrungsmittel und Getränke sowie die Möglichkeiten einer geeigneten Glucoseselbstkontrolle informiert wurde.

Wenn Insulin notwendig ist, sind die meisten Patienten mit einer konventionellen Therapie, bei der ein- oder zweimal am Tag ein Kombinationsinsulin, d. h. eine feste Mischung aus kurz- und langwirksames Insulin gespritzt wird, sehr gut behandelt. Menschen mit Typ-2-Diabetes, die häufig Hauptmahlzeiten auslassen oder einen sehr unregelmäßigen Tagesablauf haben, können eventuell von einer intensivierten Insulintherapie profitieren. Studien, die gegenüber der konventionellen Insulintherapie einen Zusatznutzen dieses Vorgehens belegen, gibt es allerdings nicht.

Die meisten Patienten führen die Behandlung mit Metformin zusätzlich zum Insulin fort. Die einfachste Form der Insulintherapie ist die einmalige Injektion von Basalinsulin abends oder spätabends in Kombination mit Metformin eventuell auch kombiniert mit einem zweiten blutzuckersenkenden Mittel zum Einnehmen, etwa einem Sulfonylharnstoff oder Empagliflozin. Die Insulindosis kann niedrig gehalten werden, das Risiko für Unterzuckerungen ist gering und der Behandelte nimmt nicht so stark zu.

Eine Insulinbehandlung ist fast immer unerlässlich, wenn eine Frau mit Typ-2-Diabetes schwanger wird.

Für die Behandlung von Typ-2-Diabetes können Humaninsulin und Insulin-Analoga eingesetzt werden. Einen Nutzen, der bei den derzeit empfohlenen Therapiezielen der Diabetesbehandlung über den von Humaninsulin hinausgeht, haben die Insulin-Analoga bisher nicht nachweisen können.

Neue Medikamente

In seinen frühen Nutzenbewertungen führt das IQWiG auch Empagliflozin / Linagliptin (Glysambi), Insulin glargin / Lixisenatid (Suliqua) sowie Semaglutid (Ozempic und Rybelsus) auf. Zu diesen Mitteln wird die Stiftung Warentest Stellung nehmen, sobald sie zu den häufig verordneten Mitteln gehören.

Frühe Nutzenbewertung des IQWiG

Fixkombination Empagliflozin / Linagliptin (Glyxambi) bei Typ-2-Diabetes

Die Fixkombination der Wirkstoffe Empagliflozin und Linagliptin (Handelsname Glyxambi) ist seit November 2016 für Erwachsene mit Typ-2-Diabetes-mellitus zugelassen, bei denen Ernährungsumstellung und Bewegung sowie zwei andere blutzuckersenkende Mittel den erhöhten Blutzuckerspiegel nicht ausreichend senken. Diabetes mellitus ist eine Stoffwechselerkrankung, die sich auf viele Bereiche des Körpers auswirkt. Beim Typ-2-Diabetes stellt die Bauchspeicheldrüse zunächst noch genug Insulin her, es wird aber von den Körperzellen immer schlechter aufgenommen und verwertet. Lässt sich der Blutzuckerspiegel durch Ernährungsumstellung und Bewegung nicht ausreichend senken, werden blutzuckerkontrollierende Medikamente eingesetzt. Die Kombination kommt für Personen infrage, bei denen üblicherweise eingesetzte Wirkstoffe aus der Gruppe der Sulfonylharnstoffe oder Metformin nicht ausreichen oder die Empagliflozin und Linagliptin bereits einzeln einnehmen. Die Behandlung soll bei Diabetes mellitus Typ 2 vor zu starken Schwankungen des Blutzuckerspiegels und Beschwerden durch Unter- und Überzuckerungen schützen. Zudem sollen Folgeerkrankungen, die durch zu hohen Blutzucker entstehen können, so gut wie möglich vermieden werden.

Anwendung

Die Fixkombination gibt es als Tablette in zwei Dosierungen: Eine Tablette enthält 10 oder 25 mg Empagliflozin und jeweils 5 mg Linagliptin und wird einmal täglich eingenommen. Die Dosierung orientiert sich am Blutzuckerspiegel.

Andere Behandlungen

Für Personen mit Typ-2-Diabetes kommen verschiedene Wirkstoffe als Einzeltherapie oder in Kombination infrage, dazu gehören beispielsweise Metformin, Empagliflozin, Liraglutid, Sulfonylharnstoffe und Insulin.

Bewertung

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat 2019 geprüft, ob die Fixkombination Empagliflozin / Linagliptin im Vergleich zu den Standardtherapien Vor- oder Nachteile hat. Um diese Frage zu beantworten, legte der Hersteller jedoch keine geeigneten Daten vor.

Weitere Informationen

Dieser Text fasst die wichtigsten Ergebnisse eines Gutachtens zusammen, das das IQWiG im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) im Rahmen der Frühen Nutzenbewertung von Arzneimitteln erstellt hat. Der G-BA beschließt auf Basis des Gutachtens und eingegangener Stellungnahmen über den Zusatznutzen von Empagliflozin / Linagliptin (Glyxambi).

Frühe Nutzenbewertung des IQWiG

Insulin glargin / Lixisenatid (Suliqua) bei Typ-2-Diabetes

Die Fixkombination Insulin glargin / Lixisenatid (Handelsname Suliqua) ist seit Januar 2017 für Erwachsene mit Typ-2-Diabetes-mellitus zugelassen. Sie wird zusätzlich zu Metformin eingesetzt, wenn dieses allein oder in Kombination mit anderen Arzneimitteln nicht ausreicht, den Blutzuckerspiegel zu kontrollieren.

Seit März 2020 ist Insulin glargin / Lixisenatid auch für Personen zugelassen, die zusätzlich zu Metformin ein Flozin (SGLT2-Hemmer) anwenden. Flozine bewirken, dass vermehrt Zucker über den Urin ausgeschieden wird. Dadurch sinkt der Blutzuckerspiegel.

Diabetes mellitus ist eine Stoffwechselerkrankung, die sich auf viele Bereiche des Körpers auswirkt. Beim Typ-2-Diabetes stellt die Bauchspeicheldrüse zunächst noch genug Insulin her, es wird aber von den Körperzellen immer schlechter aufgenommen und verwertet. Kann der Blutzuckerspiegel nicht ausreichend durch Diät und Bewegung gesenkt werden, werden blutzuckerkontrollierende Medikamente eingesetzt.

Insulin glargin / Lixisenatid soll vor zu starken Schwankungen des Blutzuckerspiegels und Beschwerden durch Unter- und Überzuckerungen schützen. Zudem sollen Folgeerkrankungen, die durch zu hohen Blutzucker entstehen können, so gut wie möglich vermieden werden.

Anwendung

Die Wirkstoffe Insulin glargin / Lixisenatid werden mit einem Fertigpen einmal täglich eine Stunde vor einer Mahlzeit unter die Haut gespritzt. Die Dosis hängt unter anderem von der bisherigen blutzuckersenkenden Therapie, vom Blutzuckerspiegel und der angestrebten Blutzuckereinstellung ab. Sie muss individuell angepasst werden.

Andere Behandlungen

Für Patienten mit Typ-2-Diabetes kommen verschiedene blutzuckersenkende Wirkstoffe einzeln oder als Kombination infrage, dazu gehören beispielsweise Metformin, Empagliflozin, Liraglutid oder Humaninsulin.

Bewertung

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat zuletzt 2020 geprüft, ob die Fixkombination Insulin glargin / Lixisenatid Vor- oder Nachteile im Vergleich zu den Standardtherapien hat.

Der Hersteller legte keine Studie vor, in der Patientinnen oder Patienten mit Metformin und einem Flozin behandelt wurden. Die Frage, ob Insulin glargin / Lixisenatid für Personen, die zusätzlich zu Metformin ein Flozin einnehmen Vor- oder Nachteile hat, bleibt daher unbeantwortet.

Der Hersteller legte 2018 eine Studie vor, aus der die Daten von insgesamt 544 Personen ausgewertet werden konnten. Bei diesen Personen war der Blutzuckerspiegel mit Metformin in Kombination mit einer anderen blutzuckersenkenden Tablette mit Ausnahme von Flozinen nicht ausreichend kontrolliert. Während der Studie bekam die eine Hälfte der Teilnehmenden zusätzlich zu Metformin die Fixkombination Insulin glargin / Lixisenatid. Die andere Hälfte erhielt Metformin und Insulin glargin. Nach etwa 30 Wochen Behandlung zeigten sich folgende Ergebnisse:

Welche Vorteile hat Insulin glargin / Lixisenatid?

Es zeigten sich keine Vorteile im Vergleich zu der Standardtherapie.

Welche Nachteile hat Insulin glargin / Lixisenatid?

  • Magen-Darm-Erkrankungen: Hier deutet die Studie einen Nachteil von Insulin glargin / Lixisenatid an. In der Gruppe, die die Fixkombination erhielt, traten bei etwa 23 von 100 Personen Beschwerden wie Durchfall, Übelkeit oder Erbrechen auf. In der Gruppe, die mit Insulin glargin behandelt wurde, war dies bei knapp 12 von 100 Personen der Fall.

Wo zeigte sich kein Unterschied?

  • Lebenserwartung: Insgesamt verstarben drei Personen während der Studienzeit.
  • Folgeerkrankungen des Diabetes: Folgeerkrankungen wie beispielsweise Herzinfarkte oder Schlaganfälle traten in beiden Gruppen sehr selten auf.
  • Schwere Nebenwirkungen: In beiden Gruppen traten bei etwa 4 von 100 Personen schwere Nebenwirkungen auf.
  • Auch bei den folgenden Aspekten zeigte sich kein Unterschied zwischen den Therapien:
  • Gesundheitszustand
  • Therapieabbrüche aufgrund von Nebenwirkungen
  • Schwere und nicht schwere Unterzuckerungen
  • Nierenfunktionsstörungen

Welche Fragen sind noch offen?

  • Zur gesundheitsbezogenen Lebensqualität legte der Hersteller keine verwertbaren Daten vor.

Weitere Informationen

Dieser Text fasst die wichtigsten Ergebnisse eines Gutachtens zusammen, das das IQWiG im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) im Rahmen der Frühen Nutzenbewertung von Arzneimitteln erstellt hat. Der G-BA beschließt auf Basis des Gutachtens und eingegangener Stellungnahmen über den Zusatznutzen von Insulin glargin / Lixisenatid (Suliqua).

Frühe Nutzenbewertung des IQWiG

Semaglutid (Ozempic und Rybelsus) bei Typ-2-Diabetes

Semaglutid (Handelsname Ozempic) ist als Fertigpen zum Spritzen seit Februar 2018 für Erwachsene mit Typ-2-Diabetes-mellitus zugelassen, bei denen Ernährungsumstellung und Bewegung einen erhöhten Blutzuckerspiegel nicht ausreichend senken. Es kann mit anderen blutzuckersenkenden Medikamenten wie Metformin, einem Sulfonylharnstoff oder Insulin kombiniert werden. Außerdem kommt es als Einzeltherapie infrage, wenn Metformin nicht vertragen wird. Seit April 2020 ist Semaglutid auch als Tablette mit dem Handelsnamen Rybelsus zugelassen.

Diabetes mellitus ist eine Stoffwechselerkrankung, die sich auf viele Bereiche des Körpers auswirkt. Beim Typ-2-Diabetes stellt die Bauchspeicheldrüse zunächst noch genug Insulin her, es wird aber von den Körperzellen immer schlechter aufgenommen und verwertet. Kann der Blutzuckerspiegel nicht ausreichend durch Diät und Bewegung gesenkt werden, werden blutzuckerkontrollierende Medikamente eingesetzt.

Semaglutid soll vor zu starken Schwankungen des Blutzuckerspiegels und Beschwerden durch Unter- und Überzuckerungen schützen. Zudem sollen Folgeerkrankungen, die durch zu hohen Blutzucker entstehen können, so gut wie möglich vermieden werden.

Anwendung

Semaglutid wird mit einem Fertigpen einmal wöchentlich unabhängig von einer Mahlzeit unter die Haut gespritzt. Als Tablette ist der Wirkstoff in den Dosierungen 3, 7 und 14 mg verfügbar. Die Anfangsdosis beträgt 3 mg einmal täglich, sollte nach einem Monat auf 7 mg erhöht und kann maximal bis zu 14 mg erhöht werden. Die Dosis beider Anwendungen hängt unter anderem von der bisherigen und kombinierten blutzuckersenkenden Therapie, vom Blutzuckerspiegel und der angestrebten Blutzuckereinstellung ab. Sie muss individuell angepasst werden.

Andere Behandlungen

Für Patientinnen und Patienten mit Typ-2-Diabetes kommen verschiedene Wirkstoffe als Einzeltherapie oder in Kombination infrage, dazu gehören Metformin, Sulfonylharnstoffe, Liraglutid, Empagliflozin und Insulin.

Bewertung

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat 2019 geprüft, ob Semaglutid Vor- oder Nachteile für Personen mit Typ-2-Diabetes im Vergleich zu den Standardtherapien hat. Um diese Frage zu beantworten, legte der Hersteller jedoch keine geeigneten Daten vor.

2020 legte der Hersteller eine verwertbare Studie vor, in der Semaglutid in Tablettenform untersucht wurde. Es wurden Patientinnen und Patienten untersucht, bei denen Metformin mit Diät und Bewegung nicht ausreichten, den Blutzucker zu senken, und für die ein zusätzlicher Wirkstoff, außer Insulin, infrage kam. Die eine Gruppe mit 411 Personen erhielt Semaglutid plus Metformin und die Vergleichsgruppe mit 410 Personen eine Behandlung mit Empagliflozin plus Metformin. Sie wurden ein Jahr untersucht. Es zeigten sich für diese Patientinnen und Patienten folgende Ergebnisse:

Welche Vorteile hat Semaglutid?

Schlaganfälle und kurzzeitige Durchblutungsstörungen im Gehirn: Hier gibt die Studie einen Hinweis auf einen Vorteil von Semaglutid plus Metformin: In dieser Gruppe traten die genannten Beschwerden bei keiner Person auf, mit Empagliflozin plus Metformin war 1 von 100 Personen betroffen.

Genitalinfektionen: Die Studie deutet darauf hin, dass bei der Behandlung mit Semaglutid plus Metformin weniger Genitalinfektionen auftreten als bei der Behandlung mit Empagliflozin plus Metformin. Bei der Behandlung mit Semaglutid plus Metformin hatte 1 von 100 Personen eine Genitalinfektion, in der Vergleichsgruppe 8 von 100 Personen.

Welche Nachteile hat Semaglutid?

Magen-Darm-Erkrankungen: Hier deutet die Studie darauf hin, dass Nebenwirkungen wie zum Beispiel Übelkeit mit Semaglutid plus Metformin vermehrt auftraten: In dieser Gruppe gab es bei 41 von 100 Personen Magen-Darm-Erkrankungen, mit Empagliflozin plus Metformin war das bei 14 von 100 Personen der Fall.

Therapieabbrüche wegen Nebenwirkungen: Hier deutet sich ebenfalls ein Nachteil von Semaglutid plus Metformin an: Brachen in dieser Gruppe 11 von 100 Personen die Therapie ab, war das mit Empagliflozin plus Metformin bei 4 von 100 Personen der Fall. Die meisten dieser Patientinnen und Patienten brachen die Therapie aufgrund von Magen-Darm-Erkrankungen ab.

Wo zeigte sich kein Unterschied?

Lebenserwartung: Hier gab es keinen Unterschied zwischen den Gruppen.

Auch bei den folgenden Aspekten konnte kein Unterschied nachgewiesen werden:

  • Krankenhauseinweisungen aufgrund von Herzinsuffizienz
  • Nierenerkrankungen und Bauchspeicheldrüsenentzündungen
  • Blasenentzündungen
  • Gesundheitsbezogene Lebensqualität
  • Schwere Nebenwirkungen (wie beispielsweise schwere Stoffwechselstörungen)
  • Symptomatische und schwere Unterzuckerungen

Welche Fragen sind noch offen?

Herzinfarkte und Krankenhauseinweisungen aufgrund von Angina Pectoris und Netzhautschädigungen durch Diabetes: Zu diesen Beschwerden legte der Hersteller keine verwertbaren Daten vor.

Weitere Informationen

Dieser Text fasst die wichtigsten Ergebnisse eines Gutachtens zusammen, das das IQWiG im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) im Rahmen der Frühen Nutzenbewertung von Arzneimitteln erstellt hat. Der G-BA beschließt auf Basis des Gutachtens und eingegangener Stellungnahmen über den Zusatznutzen von Semaglutid (Ozempic und Rybelsus).