Medikamente im Test

Desinfektion von Haut und Wunden

Allgemeines

Nach kleinen Verletzungen und bei verschmutzten Schürfwunden kann es sinnvoll sein, die Wunde selbst sowie die umgebende Haut zu desinfizieren, um zu verhindern, dass Bakterien, Pilze oder Viren aus Erde, Steinen oder Sand in der Wunde verbleiben und sich dort vermehren. Im weiteren Verlauf sind Maßnahmen zum Spülen der Wunde meist überflüssig und stören nur den Heilungsprozess.

Desinfektionsmittel sind auch sinnvoll, wenn Wasser und Seife zum Reinigen der Haut nicht genügen, z. B. vor einer Spritze oder Infusion, beim Anlegen eines Verbandes oder wenn ein Piercing oder eine Tätowierung angebracht wird.

Allgemeine Maßnahmen

Oberflächliche Schürfwunden können Sie mit fließendem Wasser abspülen, um Erdreste und kleine Steinchen abzuwaschen. Tiefe Wunden sollten Sie kurz bluten lassen, weil damit auch die Krankheitskeime ausgeschwemmt werden.

Um die Hände zu reinigen, genügt es im Allgemeinen, diese mit Wasser und Seife gründlich zu waschen.

Bei Kindern

Bei Neugeborenen wird der Nabelstumpf nach dem Durchtrennen der Nabelschnur meist einmalig mit Alkohollösung desinfiziert. Anschließend brauchen Sie kein Desinfektionsmittel mehr. Zum Reinigen genügt eine Kompresse mit steriler Kochsalzlösung. Achten Sie darauf, dass Sie die Stelle sauber und trocken halten und bedecken Sie den Nabel nicht mit der Windel.

Wann zum Arzt?

Wenn sich die Haut in der Umgebung einer Wunde trotz der Erstdesinfektion entzündet, sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Zur Behandlung offener Geschwüre sowie bei Wundliegen oder -sitzen (Dekubitalgeschwüre) kann der Arzt rezeptfreie Desinfektionsmittel mit Jodverbindungen zulasten der gesetzlichen Krankenkassen verordnen. Antiseptika können zur Selbstbehandlung schwerwiegender generalisierter blasenbildender Hauterkrankungen noch auf Kassenrezept verschrieben werden und wenn sie im Rahmen einer Selbstkatheterisierung eingesetzt werden. Näheres hierzu finden Sie in der Ausnahmeliste.

Bei Kindern

Wenn der Nabelstumpf bei Neugeborenen schmierig ist, sich rötet oder unangenehm riecht, sollten Sie umgehend die Hebamme oder einen Arzt um Rat fragen. Nässt die Stelle länger als vier Tage, kann ein Nabelgranulom vorliegen, das ärztlich behandelt werden muss.

Behandlung mit Medikamenten

Wenn Sie die hier besprochenen Präparate einsetzen, um eine Wunde zu desinfizieren, sollten Sie dies mit Bedacht tun, weil die Mittel auch unerwünschte Wirkungen haben können. Wenn Sie die Wunde mit sauberem, lauwarmem Wasser abgespült haben, genügt in aller Regel ein einmaliges Desinfizieren unmittelbar nach der Verletzung. Danach sollten Sie die Wunde mit einem geeigneten Verband oder Pflaster abdecken.

Rezeptfreie Mittel

Geeignete Hautdesinfektionsmittel sind die Alkohole Ethanol und Isopropanol, die Kombination aus zwei Alkoholen sowie jodhaltige Mittel. Damit können Sie auch gesunde Haut in der Umgebung einer Wunde desinfizieren oder die Hände, wenn Sie einen Verband anlegen wollen.

Zu diesem Zweck eignet sich auch die Kombination aus Phenoxyethanol + Octenidin, weil es auf verletzter Haut wenig brennt. Kombinationen mit Isopropanol + Propanol + Biphenylol/Mecetronium sind zur Hautdesinfektion nur mit Einschränkung geeignet, weil sich durch die Kombination mehrerer Wirkstoffe das Risiko für Allergien oder unerwünschte Wirkungen erhöht.

Ob ein Präparat aus der Gruppe der hier erwähnten Antiseptika zur Desinfektion von Haut und Wunden sinnvoll ist, kommt unter anderem auf die Art des Wirkstoffes an. Zwar wirken alle keimtötend, haben aber jeweils verschiedene Risiken für unerwünschte Wirkungen. Wasserstoffperoxid wirkt nur sehr kurz und insgesamt schwach. Dieser Wirkstoff ist deshalb nur mit Einschränkung geeignet. Clioquinol ist zur Hautdesinfektion wenig geeignet, weil es über die Haut in den Blutkreislauf aufgenommen wird und bei großflächiger Anwendung unter anderem Nervenschäden hervorrufen kann. Ethacridin ist wenig geeignet, weil es die Wundheilung verzögert und häufig Allergien auslöst.

Die Kombination Chlorhexidin + Dexpanthenol ist ebenfalls nur mit Einschränkung geeignet. Zum einen kann Chlorhexidin die Wundheilung verzögern, zum anderen ist nicht ausreichend belegt, dass der Zusatz von Dexpanthenol zu Chlorhexidin die therapeutische Wirksamkeit erhöht. In der Regel ist dieser hautpflegende Wirkstoff nicht erforderlich.

Rezeptpflichtige Mittel

Das Antiseptikum Nitrofural ist wenig geeignet zur Desinfektion von Haut und Wunden, weil es die Wundheilung verzögert und häufig Allergien auslöst.