Medikamente im Test

Depressionen

Allgemeines

Depressionen sind psychische Erkrankungen, bei denen Erleben und Verhalten gestört sind. Gleichzeitig können auch körperliche Störungen vorliegen. Verschiedene Untersuchungen zeigen, dass Depressionen häufig gemeinsam mit z. B. Magengeschwüren, Migräne, Überempfindlichkeitsreaktionen und Herzerkrankungen auftreten.

Lange Zeit wurden Depressionen nach ihren vermeintlichen Ursachen unterteilt. Die heutige Einteilung orientiert sich am Schweregrad der Depression – sie kann leicht, mittelschwer, schwer oder sehr schwer ausgeprägt sein – und daran, ob sie dazu neigt, wiederholt aufzutreten, wobei es zwischen den einzelnen Depressionsphasen mehr oder minder lange krankheitsfreie Zeiten gibt. Zu den leichten Depressionen werden auch vorübergehende depressive Verstimmungszustände gezählt, die sich als Reaktion auf unbefriedigende, traurige oder sinnentleerte Lebensumstände einstellen können. Bei der Zuordnung wird darüber hinaus die Art der Symptome berücksichtigt. So unterscheidet man zwischen "agitiert-ängstlich-depressiven" und "gehemmt-depressiven" Erscheinungsformen. Eine "wahnhafte Depression" geht mit objektiv falschen Überzeugungen einher, beispielsweise der, verarmt, schuldig oder unheilbar krank zu sein, und bei denen der Kranke nicht in der Lage ist, seine Ansichten zu korrigieren.

Die saisonale Depression oder Winterdepression tritt vor allem in der dunklen Jahreszeit auf. Sie gilt als Störung des körpereigenen Biorhythmus.

Diese Formen von Depressionen werden als unipolare Depressionen zusammengefasst, um sie von den bipolaren Erkrankungen abzugrenzen. Bei Letzteren wechseln Phasen von Übererregtheit und krankhaften Stimmungshochs, die als Manie bezeichnet werden, mit Phasen von Depression oder Gesundheit.

Vorübergehende, episodenartig auftretende depressive Stimmungen und Verstimmungszustände, die sich als Reaktion auf unbefriedigende, traurige oder sinnentleerte Lebensumstände einstellen können, werden zu den leichten Depressionen gezählt.

Bei Kindern

Depressionen machen auch vor Kindern nicht halt. Etwa 3 von 100 Kindern unter 13 Jahren sind davon betroffen. Bis zum 18. Lebensjahr hat nahezu ein Viertel der Jugendlichen einmal eine depressive Phase durchgemacht.

Anzeichen und Beschwerden

Menschen mit Depressionen interessieren sich für nichts mehr, können sich nicht mehr motivieren. Sie sind bedrückt, schwermütig, können sich kaum oder gar nicht mehr freuen. Sie sind jedoch nicht im üblichen Sinn traurig, sondern leiden im Gegenteil darunter, dass sie nur begrenzt in der Lage sind, Traurigkeit oder Trauer zu empfinden. Sie kapseln sich ab, quälen sich mit Selbstzweifeln und Selbstanklagen. Bewegungstempo und Denkgeschwindigkeit lassen nach. Oft essen die Betroffenen so wenig, dass sie erheblich an Gewicht verlieren. Der Schlaf ist fast immer schwer gestört. Meist wachen die Kranken sehr früh morgens auf oder ihr Schlaf ist zerhackt und nicht erholsam.

Obwohl das äußere Erscheinungsbild depressiv Kranker von Passivität bestimmt scheint, sind manche von ihnen innerlich sehr erregt (agitiert) und voller Ängste, die sich aber nicht auf etwas Konkretes richten. Sehr häufig haben sie das Gefühl, als Mensch nichts wert zu sein, und wünschen sich, alles hinter sich zu lassen. Solche Gedanken können sich bis zur Selbsttötungsabsicht steigern. Bei Menschen mit Depressionen ist es 30-mal wahrscheinlicher als bei anderen, dass sie Selbsttötungsgedanken in die Tat umsetzen. Deswegen und weil bei Menschen mit Depressionen schwere Herzerkrankungen häufiger vorkommen, haben sie ein etwa zwei- bis dreifach erhöhtes Sterberisiko im Vergleich zu Menschen ohne Depressionen.

Bei vielen Menschen mit Depressionen schwankt das Befinden im Tagesverlauf deutlich, wobei die Stimmung morgens üblicherweise ihren Tiefpunkt hat.

Viele Menschen mit Depressionen leiden zudem an körperlichen Beschwerden. Hierzu gehören Müdigkeit, Kopf- und Rückenschmerzen, Muskelverspannungen, Verstopfung, Kältegefühl und Störungen der Sexualität.

Ursachen

Bei vielen Depressionen ist die Ursache nur teilweise bekannt. Manche Konstellationen begünstigen das Entstehen und Wiederauftreten der Erkrankung. Diese stammen überwiegend aus fünf Bereichen:

  • Familiär: Vor allem die bipolare (manisch-depressive) Krankheit tritt in manchen Familien gehäuft auf, was auf eine erbliche Komponente schließen lässt. Das Gleiche gilt für die Bereitschaft zur Selbsttötung.
  • Körperlich: Viele hirnorganische und andere innere Krankheiten können Depressionen verursachen. Andererseits begleiten Depressionen häufig körperliche oder andere seelische Erkrankungen, z. B. Demenzerkrankungen, multiple Sklerose und Schizophrenien. Depressionen können auch unerwünschte Wirkungen von Medikamenten sein, beispielsweise von Interferon (bei multipler Sklerose), bestimmten Antibiotika (bei bakteriellen Infektionen) und Glucocorticoiden (bei Entzündungen, Immunkrankheiten). Ferner können Depressionen die Abhängigkeit von Alkohol und anderen Drogen begleiten.
  • Seelisch: Menschen, die zu Depressionen neigen, glauben, perfekt sein zu müssen, und sind unablässig bestrebt, ihren Wert durch Leistung zu beweisen – Verhaltensweisen, die die Psychologie als zwanghaft bezeichnet.
  • Sozial: Der Verlust nahestehender Personen, berufliche Misserfolge und Vereinsamung verschärfen die Situation.
  • Traumatisch: Nach einem schwerwiegenden, bedrohlichen, vielleicht sogar lebensbedrohlichen Ereignis wie einem schweren Unfall, Kriegs- und Gewalterfahrungen kann das Gefühl der Ohnmacht und Verzweiflung in eine chronische Depression münden.

Man nimmt an, dass sich als Folge solcher Störungen oder Erfahrungen die Konzentration einiger Botenstoffe im Gehirn verändert und diese biochemischen Veränderungen die psychische Störung widerspiegeln. Vermutlich spielt dabei eine chronische Überaktivierung der Stresshormone eine wichtige Rolle. Nach heutiger Auffassung ist chronischer Stress ebenfalls eine Ursache von Depressionen.

Bei Kindern

Die Ursachen für Depressionen bei Kindern sind die Gleichen wie bei Erwachsenen, nur erstrecken sie sich auf andere Bereiche, z. B. allgemeine Probleme in der Familie, Gewalterfahrungen und Schwierigkeiten in der Schule. Auch entwickeln Kinder aus Familien, in denen es bereits jemand mit Depressionen gibt, diese Krankheit eher als Kinder aus unbelasteten Familien.

Allgemeine Maßnahmen

Menschen mit Depressionen brauchen Gesprächspartner, die ihnen zu verstehen geben, dass sie ihren Zustand nicht verschuldet haben, sondern dass sie von einer Krankheit erfasst worden sind, die fachgerecht behandelt werden muss. Gut gemeinte Ratschläge, wie mal wieder auszuspannen, sind ebenso sinnlos oder sogar gefährlich wie die Aufforderung, sich zusammenzureißen. Die Betroffenen brauchen vielmehr Entlastung von ihren alltäglichen Verpflichtungen und das Gefühl, dass sie von jemandem, der keine Forderungen an sie stellt, verstanden und nicht allein gelassen werden. Manchmal hilft bereits eine solche Begleitung, die Auslöser zu erkennen, zu bewältigen und zu normalem Erleben und Verhalten zurückzufinden.

Psychotherapien sind bei Depressionen akzeptierte Behandlungsformen. Sie können bei leichten und mittelschweren Erkrankungen eine Alternative zur Behandlung mit Medikamenten sein. Werden bei einer schweren Depression beide Behandlungsarten kombiniert, unterstützen sie sich gegenseitig in ihrer Wirksamkeit.

Die gesetzlichen Krankenversicherungen Deutschlands haben festgelegt, für welche Psychotherapieformen sie im ambulanten Rahmen die Kosten übernehmen: die kognitive Verhaltenstherapie und psychodynamische Psychotherapien.

Eine sehr sorgfältig durchgeführte Studie konnte zeigen, dass mäßige bis schwere depressive Episoden mit einer kognitiven Therapie ebenso erfolgreich behandelt werden können wie mit einer kontinuierlichen medikamentösen Therapie. Die Psychotherapie besserte die akute Episode in gleichem Maß wie die medikamentöse Therapie. Nach zwei Jahren waren allerdings entschieden mehr Personen, die eine kognitive Therapie erhalten hatten, rückfallfrei gegenüber denen, die nur mit Medikamenten behandelt wurden. Auch eine achtsamkeitsbasierte kognitive Therapie kann helfen, Rückfälle in die Depression zu vermeiden. Hierbei lernen die Patienten zusätzlich, ihre Aufmerksamkeit gezielt auf die Wahrnehmung ihres Körpers zu richten.

Als Eigenmaßnahme können mäßige bis intensive sportliche Aktivität und Yoga die Symptome einer Depression verringern.

Des Weiteren können länger dauernde, sanfte Massagen des ganzen Körpers den Zustand depressiver Patienten erheblich verbessern.

Schlafentzug

Schlafentzug (Wachtherapie) bedeutet, entweder die ganze Nacht über wach zu bleiben oder nach drei Stunden Schlaf geweckt und dann wach gehalten zu werden. Diese Maßnahme beeinflusst den körpereigenen Tag-Nacht-Rhythmus und bessert bei manchen Menschen die Depression deutlich. Der Effekt hält zwar nur zwei bis drei Tage an, doch die Kranken erfahren dadurch, dass es Besserung geben kann und sie in ihrer Düsternis nicht gefangen bleiben müssen. Schlafentzug wird höchstens zweimal pro Woche durchgeführt.

Lichttherapie

Eine Lichttherapie kann nur Depressionen günstig beeinflussen, die in den lichtarmen Wintermonaten auftreten oder sich verschlimmern. Spricht der Behandelte darauf an, lässt die Depression innerhalb einer Woche nach. Dann sollte die Behandlung durchgängig während der ganzen lichtarmen Zeit fortgesetzt werden.

Zwei Arten von Lichttherapie müssen unterschieden werden: die Bestrahlung mit Sonnenlicht und die Anwendung von einzelnen Strahlungsanteilen des Sonnenlichts. Die Lichttherapie zur Behandlung von depressiven Störungen arbeitet mit Weißlicht. Bei einer solchen Lichttherapie sitzt man morgens zwischen sechs und acht Uhr ein bis zwei Stunden lang vor einer Lampe, die mit mindestens 2 500 Lux strahlt. Bei einer Lampe mit höherer Lichtintensität verkürzt sich die Behandlungszeit. Im Handel sind spezielle Lampen für diesen Zweck erhältlich; die Lichtintensität gewöhnlicher Leuchten oder Lampen reicht für eine antidepressive Wirkung nicht. Vor allem blaues Licht scheint wirksam zu sein. Scheint die Sonne jedoch vom wolkenlosen Himmel, genügt ihr Licht auch im Winter, wenn man sich ihm entsprechend lange aussetzt.

Elektrokrampftherapie

Bei der Elektrokrampftherapie (EKT) wird beim narkotisierten Patienten mit einem Gerät gezielt ein Krampfanfall hervorgerufen. Die Behandlung ist nicht schmerzhaft, ihre unerwünschten Wirkungen sind gering. Da aber sowohl Ärzte als auch Betroffene einer solchen Behandlung eher ablehnend gegenüberstehen und sie zudem erheblichen Aufwand erfordert, bleibt sie besonders schweren Krankheitsfällen vorbehalten. Die EKT gilt als Maßnahme der letzten Wahl bei schwersten Depressionen, die auf keine andere Therapie ansprechen, und wird auch bei Depressionen eingesetzt, die mit einer Psychose einhergehen. Für diese Menschen stellt sie häufig eine sehr wirksame Behandlungsmethode dar.

Wann zum Arzt?

Depressiv gefärbte Stimmungen, die nicht binnen Kurzem von selbst vergehen, sollten unbedingt ärztlich beurteilt werden. Nur in einem von Psychotherapeuten oder Arzt geleiteten Gespräch ist es möglich, die zugrunde liegenden Bedingungen zu erkennen und in den Lebenszusammenhang einzuordnen. Das wiederum ist unbedingt notwendig, um depressive Stimmungen von einer tiefer gehenden depressiven Störung abzugrenzen.

Je nach Schweregrad klingen Depressionen auch ohne spezielles therapeutisches Eingreifen irgendwann ab. Allerdings kann das viele Monate oder gar Jahre dauern. Diesen langsamen Weg der Selbstheilung soll die Therapie beschleunigen.

Gerade bei leichten Depressionen hat die Auswertung vieler Studien gezeigt, dass der Effekt einer Behandlung mit Antidepressiva und der einer Behandlung mit einem Scheinmedikament nah beieinander liegen. Wenn keine medikamentöse Behandlung erfolgt, sollte sich der Betroffene allerdings ärztlich oder psychologisch begleiten lassen. Depressionen können sich unversehens wandeln. Was als leichte Störung begann, kann sich innerhalb von Tagen zu einer schweren Erkrankung steigern, die dann unbedingt in die Hand eines Arztes oder Psychotherapeuten gehört, auch und gerade wegen des immer vorhandenen Selbsttötungsrisikos.

Bei mittelschweren Depressionen kann die persönliche Neigung die Art der Therapie mit bestimmen. Wer einer Arzneimitteltherapie ablehnend gegenübersteht, versäumt nichts, wenn er sich für eine psychotherapeutische Behandlung entscheidet. Am effektivsten ist es, Psychotherapie und medikamentöse Therapie gemeinsam einzusetzen.

Bei mittelschweren bis sehr schweren Depressionen ist die therapeutische Wirksamkeit von Antidepressiva unbestritten. Ihr Einsatz liegt in der Hand des Arztes.

Menschen, die von einer unerträglich scheinenden Belastung niedergedrückt werden, erleichtern sich ihre Situation häufig, indem sie zu leicht verfügbaren Hilfsmitteln greifen: Sie rauchen viel und/oder trinken reichlich Alkohol und nehmen möglicherweise zu viel und zu lange Schlaf- und/oder Schmerzmittel ein. Diese "Selbsthilfemaßnahmen" können die Gesundheit jedoch erheblich schädigen. Wer zu solchen untauglichen "Bewältigungsstrategien" neigt, sollte sich lieber an einen Arzt wenden und mit ihm eine Therapie vereinbaren, die ihm hilft, die schwere Zeit zu überbrücken.

Behandlung mit Medikamenten

Unipolare Depressionen

Je nach Schweregrad klingen Depressionen auch ohne spezielles therapeutisches Eingreifen irgendwann ab. Allerdings kann das viele Monate oder gar Jahre dauern. Diesen langsamen Weg der Selbstheilung soll die Therapie beschleunigen.

Gerade bei leichten Depressionen hat die Auswertung zahlreicher Studien gezeigt, dass der Effekt einer Behandlung mit Antidepressiva und der einer Behandlung mit einem Scheinmedikament nah beieinander liegen. Wenn keine medikamentöse Behandlung erfolgt, sollte sich der Betroffene allerdings ärztlich oder psychologisch begleiten lassen. Depressionen können sich unversehens wandeln. Was als leichte Störung begann, kann sich innerhalb von Tagen zu einer schweren Erkrankung steigern.

Bei mittelschweren Depressionen kann die persönliche Neigung die Art der Therapie stärker bestimmen. Wer einer Arzneimitteltherapie ablehnend gegenübersteht, kann sich für eine psychotherapeutische Behandlung entscheiden. Am effektivsten ist es, Psychotherapie und medikamentöse Therapie gemeinsam einzusetzen.

Bei mittelschweren bis sehr schweren Depressionen ist die therapeutische Wirksamkeit von Antidepressiva unbestritten. Ist die Depression schwer ausgeprägt oder gibt es psychotische Anteile, sind Medikamente die Basis der Behandlung. Hier sollte die Therapie mindestens 6 bis 18 Monate dauern. Unter Umständen dauert sie auch lebenslang an. Wenn der bisherige Krankheitsverlauf eine wiederholte Selbsttötungsneigung erkennen lässt, kann der Arzt auch die Überleitung in eine Langzeitmedikation mit Lithium empfehlen.

Ziel einer Depressionsbehandlung ist, im akuten Zustand die depressive Stimmung, Angst, Selbstzweifel und das geminderte Selbstwertgefühl, Unruhe und Schlafstörungen zu lindern. Darüber hinaus sollen Selbstbeschädigung oder Selbsttötung verhindert werden. Im weiteren Verlauf der Behandlung sollen Stimmung und Antrieb nachhaltig verbessert werden. Hat sich der Betroffene stabilisiert, soll die Therapie einem Rückfall entgegenwirken.

Rezeptfreie Mittel

Nach Rücksprache mit einem Arzt können Sie eine vorübergehende depressive Störung zunächst mit dem Extrakt aus Johanniskraut behandeln. Dieser wird unter der Voraussetzung als "geeignet" bewertet, dass er ausreichend hoch dosiert ist.

Die hier besprochenen Präparate mit Johanniskrautextrakt sind zur Behandlung der leichten Depression als rezeptfreie Produkte auf dem Markt. Johanniskrautpräparate, die für die Anwendung unter ärztlicher Betreuung bei mittelschweren depressiven Phasen gedacht sind, sind verschreibungspflichtig.

Bei einer depressiven Stimmung, die klar als Reaktion auf äußere Ereignisse zu erkennen ist, kann es für begrenzte Zeit hilfreich sein, mit einem Schlafmittel die Nachtruhe sicherzustellen. Welche Mittel sich dafür eignen, lesen Sie unter Schlafstörungen. Diese medikamentöse Stütze sollten Sie aber nur einige Tage bis höchstens zwei Wochen lang in Anspruch nehmen.

Rezeptpflichtige Mittel

Antidepressiva können dazu beitragen, das Ziel einer Depressionsbehandlung zu erreichen. Allerdings wirken sie in den ersten Tagen der Behandlung anders als bei Anwendung über lange Zeit. Zu Beginn bessern sie rasch Symptome wie Angst und Unruhe. Im günstigsten Fall unterdrücken sie diese sogar vollständig. Der antidepressive Effekt setzt jedoch erst nach Tagen oder höchstens nach ein bis drei Wochen ein. Das generell bei depressiven Menschen erhöhte Risiko einer Selbsttötung, wird durch Antidepressiva allerdings nicht gesenkt oder normalisiert. Dies ist lediglich für Lithiumsalze gesichert.

Antidepressiva wirken nicht sehr spezifisch. Im Prinzip beeinflussen alle Substanzen alle Symptome mehr oder minder stark. Welches Mittel gewählt wird, hängt zunächst davon ab, welche Symptome im Vordergrund stehen. Weitere Kriterien sind die Art der Depression, die es zu behandeln gilt, wie stark sie ausgeprägt ist, wie alt der Betroffene ist, ob und wie erfolgreich er schon vorher mit Antidepressiva behandelt wurde, welche anderen Erkrankungen zusätzlich vorliegen und welche unerwünschten Wirkungen vermieden werden sollen.

Bei Depressionen mit großer Unruhe gelten die trizyklischen Antidepressiva Amitriptylin, Amitriptylinoxid, Doxepin und Trimipramin als "geeignet". Sie können auch dann bevorzugt werden, wenn die depressive Störung von chronischen Schmerzen begleitet ist.

Stehen Angstzustände im Vordergrund, sind Clomipramin, Imipramin oder selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer die bessere Wahl.

Die unerwünschten Wirkungen der trizyklischen Antidepressiva belasten viele Menschen erheblich. Meist betreffen sie ältere Personen und solche mit Herz-Kreislauf-Problemen, aber auch Männer mit gutartiger Prostatavergrößerung. Vor allem für sie sind die selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer, SSRI, Citalopram, Escitalopram, Fluvoxamin, Paroxetin und Sertralin geeignet. Sie weisen allerdings nicht generell weniger Nebenwirkungen auf als trizyklische Antidepressiva, sondern andere. Besonders ausgeprägt und für viele Patienten problematisch sind die unter SSRI auftretenden Sexualstörungen.

Fluoxetin, das ebenfalls zu den SSRI gehört, wirkt viele Tage lang und weist zudem ausgeprägte Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln auf. Es wird deshalb als "mit Einschränkung geeignet" bewertet.

Die chemische Struktur von Tianeptin ähnelt zwar den trizyklischen Antidepressiva, doch wie seine Wirkung zustande kommt, unterscheidet sich von diesen. Daher sind auch die entsprechenden unerwünschten Wirkungen bei Tianeptin weniger stark ausgeprägt. Seine therapeutische Wirksamkeit sollte aber sowohl im Vergleich zu einer Scheinmedikation und auch zu den bisherigen Standardmedikamenten aus der Gruppe der trizyklischen Antidepressiva oder SSRI noch besser belegt werden. Es gibt Hinweise, dass das Mittel ein gewisses Risiko birgt, eine Abhängigkeit zu entwickeln. Aus diesen Gründen wird es als "mit Einschränkung geeignet" bewertet.

Fehlt dem Depressionskranken der Antrieb zu Aktivitäten, sind Wirkstoffe zu bevorzugen, die kaum dämpfend wirken. Die selektiven Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer, SNRI, Duloxetin und Venlafaxin werden hierfür als "geeignet" beurteilt.

Monoaminoxidase-Hemmer, sogenannte MAO-Hemmer, werden bei Depressionen mit Antriebshemmung vor allem dann eingesetzt, wenn sie chronisch verlaufen und mit ungewöhnlichen Symptomen wie vermehrtem Schlafbedürfnis, gesteigertem Appetit, Stimmungsschwankungen und Empfindlichkeit einhergehen. Moclobemid gilt dabei als "auch geeignet", Tranylcypromin als "mit Einschränkung geeignet". Die Bewertung von Tranylcypromin beruht vor allem auf seinen ausgeprägten Wechselwirkungen mit vielen Lebensmitteln. Bei einer Behandlung mit Tranylcypromin müssen viele Nahrungsmittel gemieden werden, um keine schweren Herz-Kreislauf-Komplikationen zu provozieren. Das erschwert seinen Einsatz im Alltagsleben. MAO-Hemmer kommen infrage, wenn geeignete Mittel nicht wirksam sind oder aufgrund ihrer unerwünschten Wirkungen nicht eingesetzt werden können.

Die tetrazyklischen Antidepressiva Mianserin und Mirtazapin sind Antidepressiva mit deutlich dämpfender Komponente. Mirtazapin zeigt eine gute antidepressive Wirksamkeit, die möglicherweise etwas schneller einsetzt als bei den SSRI und dem SNRI Venlafaxin. Es gilt als "geeignet". Bei einer Behandlung mit Mirtazapin muss aber im Vergleich zu den anderen Wirkstoffen häufiger mit Appetitsteigerung und Gewichtszunahme gerechnet werden. Mianserin wird als "mit Einschränkung geeignet" bewertet, da sich mit ihm ein erhöhtes Risiko für schwere Blutbildungsstörungen verbindet.

Auch Maprotilin ist mit Einschränkung geeignet. Es verursacht zwar relativ wenig unerwünschte Wirkungen, wirkt aber durchschnittlich 60 Stunden lang. Mit kürzer wirkenden Mitteln lässt sich die Behandlung besser steuern. Darüber hinaus gibt es Hinweise, dass das Risiko für Krampfanfälle bei der Einnahme von Maprotilin im Vergleich zu anderen Antidepressiva erhöht ist.

Die gleiche Bewertung gilt für Trazodon. Seine antidepressive Wirksamkeit sollte noch besser nachgewiesen werden. Außerdem hält seine müdemachende Wirkung den ganzen Tag über an.

Der selektive Dopamin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer Bupropion wird für Depressionen mit Antriebshemmung als "mit Einschränkung geeignet" beurteilt. Das Mittel ist bei Depressionen noch wenig erprobt, scheint aber schwächer zu wirken als andere Mittel. Seine therapeutische Wirksamkeit und seine Verträglichkeit sollten noch besser belegt werden.

Ein Medikament mit völlig anderem Wirkprinzip als die bisher genannten Antidepressiva ist Agomelatin. Es ist dem körpereigenen Hormon Melatonin verwandt, das den Tag-Nacht-Rhythmus des Menschen beeinflusst. Bei diesem Mittel sind weitere Studien erforderlich, um seinen therapeutischen Stellenwert bei der Behandlung von Depressionen besser einschätzen zu können. So zeigt die Mehrzahl der Studien zu Agomelatin, dass es besser wirkt als eine Scheinbehandlung. Aber es finden sich auch Studien, in denen dies nicht der Fall war. Das Mittel ist im Vergleich zu anderen Antidepressiva gut verträglich, kann aber die Leber schädigen. Daher wird es als "mit Einschränkung geeignet" bewertet.

Als pflanzliches Mittel ist Johanniskrautextrakt im Gebrauch. Er wird als "mit Einschränkung geeignet" bewertet, weil noch nicht ausreichend geklärt ist, welchen Stellenwert er – auch im Vergleich zu anderen Antidepressiva – bei der üblicherweise notwendigen Langzeittherapie hat. Aufgrund der vorliegenden Studien ist es vertretbar, bei einer leichten depressiven Störung, die medikamentös behandelt werden soll, Johanniskrautextrakt versuchsweise anzuwenden. Dazu muss er ausreichend hoch dosiert sein, was in den hier bewerteten Präparaten gewährleistet ist. Zur Wirksamkeit von Johanniskrautextrakt bei mittelschweren Depressionen ist die Datenlage nicht einheitlich, bei schweren Depressionen reicht sie nicht aus.

Die hier besprochenen Präparate mit Johanniskrautextrakt sind zur Behandlung mittelschwerer depressiver Phasen gedacht und verschreibungspflichtig. Darüber hinaus gibt es rezeptfreie Produkte zur Anwendung bei leichten Depressionen.

Sulpirid gehört nicht eigentlich zu den Antidepressiva, sondern ist eher ein Neuroleptikum. Es wird als "wenig geeignet" angesehen. Für diesen Wirkstoff, der bei verschiedenen Erkrankungen eingesetzt wird, ist die therapeutische Wirksamkeit bei Depressionen nicht ausreichend nachgewiesen. Er hat darüber hinaus beträchtliche unerwünschte Wirkungen auf das Hormonsystem.

Wenn das gewählte Antidepressivum nach zwei bis vier Wochen nicht den erhofften Erfolg zeigt, kann es daran liegen, dass es nicht hoch genug dosiert wurde. Auskunft gibt darüber eine Blutuntersuchung. Bei trizyklischen Antidepressiva und dem SNRI Venlafaxin kann die Dosis dann erhöht werden. Ist damit keine Besserung zu erreichen, wird oft zu einem Wirkstoff aus einer anderen Wirkstoffklasse gewechselt. Gemäß den vorliegenden Studien ist diese Strategie jedoch wenig erfolgreich. Zumindest einige Studien legen nahe, dass sich die Krankheit besser mit einer Kombination aus trizyklischen Antidepressiva oder SSRI und Mitteln wie z. B. Mirtazapin unter Kontrolle bringen lässt.

Eine andere wissenschaftlich gut untersuchte Möglichkeit ist, zusätzlich zu dem bisher angewendeten Antidepressivum noch Lithium einzunehmen. Eine solche zusätzliche Gabe wird als Augmentation bezeichnet und in der Regel vom Facharzt durchgeführt. Wenn sich aufgrund der zusätzlichen Behandlung mit Lithium die depressive Symptomatik verbessert, sollte die Kombinationsbehandlung für mindestens sechs Monate beibehalten bleiben. Lithium ist zudem das einzige Medikament, das bei einer Langzeitbehandlung das Selbsttötungsrisiko wesentlich senkt.

Die verschiedenen Antidepressiva wirken in unterschiedlichem Maß beruhigend und schlafanregend. Bei den Mitteln, bei denen diese Wirkung nur gering ausgeprägt ist, kann es besonders in den ersten beiden Behandlungswochen notwendig sein, zusätzlich ein Benzodiazepin einzunehmen. Es gewährleistet einen erholsamen Schlaf und mildert tagsüber schwere Angstzustände. Diese Zusatzbehandlung darf aber höchstens vier Wochen lang dauern. Die geeigneten Substanzen finden Sie unter Angst- und Zwangsstörungen sowie unter Schlafstörungen. Eine derartige vorübergehende ergänzende Behandlung kann besonders bei den SSRI erforderlich werden.

Manisch-depressive Erkrankung

Bei manisch-depressiver Erkrankung (bipolare Störung), bei der die Krankheit entweder phasenweise auftritt oder sich mehrfach wiederholt, ist Lithium das Mittel der ersten Wahl. Der Wirkstoff wird als "geeignet" bewertet, um eine akute Manie zu behandeln und um bei bipolaren Störungen Rückfällen vorzubeugen. Lithium ist das einzige Medikament, von dem nachgewiesen ist, dass es bei längerer Einnahme das Selbsttötungsrisiko sehr eindrucksvoll senkt. Wenn Lithium aber nicht eingenommen werden darf oder wegen seiner Nebenwirkungen nicht infrage kommt, muss man auf andere Substanzen ausweichen.

Dann steht zur Akutbehandlung der Manie Valproinsäure zur Verfügung. Die Substanz kann die Symptome nachweislich lindern und wird als "geeignet" bewertet, wenn Lithium nicht infrage kommt. Die Auswirkungen einer solchen Behandlung – insbesondere, wenn sie über lange Zeit beibehalten wird – sind aber noch nicht so gut erforscht wie die von Lithium. Frauen, die Kinder bekommen können, dürfen allerdings nicht mit Valproinsäure behandelt werden, weil der Wirkstoff das Ungeborene schädigen kann.

Zur vorbeugenden Langzeitbehandlung von manisch-depressiven Erkrankungen werden Carbamazepin und Lamotrigin als "mit Einschränkung geeignet" bewertet, wenn Lithium nicht infrage kommt. Den Studien zufolge, in denen Carbamazepin mit Lithium verglichen wurde, scheint Lithium überlegen zu sein. Zudem sind bei Carbamazepin zahlreiche Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten zu beachten. Lamotrigin beeinflusst vor allem die depressiven Phasen einer bipolaren Erkrankung günstig. Seine therapeutische Wirksamkeit zur Vorbeugung gegen manische Phasen ist hingegen nicht ausreichend belegt.

Wissenswertes zum Thema