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Colitis ulcerosa

Allgemeines

Colitis ulcerosa ist eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung, die Dick- und Enddarm (Kolon und Rektum) betrifft. Dabei ist nur die Darmschleimhaut entzündet. Davon unterschieden wird Morbus Crohn, eine Darmentzündung, die meist die ganze Darmwand betrifft und sich zudem im gesamten Verdauungstrakt von der Mundhöhle bis zum Darmausgang zeigen kann.

Eine Fehlsteuerung des Immunsystems oder speziell eine fehlende Regulation der Entzündungsvorgänge im Körper führt bei Colitis ulcerosa zu einer dauerhaften chronischen Entzündung. Im weitesten Sinn lässt sich Colitis ulcerosa deshalb zu den Autoimmunerkrankungen zählen, weil das Immunsystem hierbei körpereigenes Gewebe – in diesem Fall die Darmschleimhaut – angreift.

Bei Kindern

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen können bereits bei Kindern und Jugendlichen auftreten. Zirka jeder fünfte Betroffene ist jünger als 20 Jahre.

Anzeichen und Beschwerden

Colitis ulcerosa verläuft oft schubweise. Im Vordergrund stehen schleimig-blutige, schmerzhafte Durchfälle, die nicht selten bis zu 20-mal täglich auftreten, sowie nächtlicher Stuhldrang. Immer wieder kommt es auch zu krampfartigen Bauchschmerzen und Fieber. Die Erkrankung geht mit Gewichtsverlust und extremer Müdigkeit einher.

Die Beschwerden treten ohne Vorankündigung von einem Tag auf den anderen auf, halten Tage oder Wochen an und klingen ebenso plötzlich wieder ab. Wie viel Zeit zwischen zwei Krankheitsschüben verstreicht, ist nicht vorhersehbar.

Zusätzlich können Entzündungen an Gelenken, Augen, Leber und Haut auftreten.

Ursachen

Die Ursachen sind nicht völlig geklärt. Sicher ist, dass bei Betroffenen häufiger bestimmte genetische Auffälligkeiten vorkommen, die auch vererbt werden können. Unklar ist jedoch, inwieweit diese den Krankheitsverlauf beeinflussen. Als möglicher Auslöser wird in diesem Zusammenhang eine erhöhte Durchlässigkeit der Darmschleimhaut (Barrierestörung) diskutiert.

Der Ausbruch der Krankheit und ihr Verlauf hängen jedoch von zusätzlichen Faktoren ab, die nicht erblich sind. Dazu gehören z. B. der allgemeine Lebensstil, Stress und Rauchen , aber auch die Beschaffenheit und Zusammensetzung der eigenen Darmflora, die in Abhängigkeit von der Ernährung sehr unterschiedlich sein kann.

Allgemeine Maßnahmen

Eine Psychotherapie kann dazu beitragen, die Symptome zu lindern und die chronische Erkrankung besser zu bewältigen. An der Grunderkrankung selbst ändert sich meist nichts.

Wenn die Entzündung mit Medikamenten nicht einzudämmen ist, kann es notwendig sein, Teile des Darms operativ zu entfernen. Colitis ulcerosa lässt sich damit heilen.

Manchmal wirkt sich eine spezielle Kost (z. B. kohlenhydratfreie Ernährung oder eine "Elementardiät" mit reinen Aminosäuregemischen) oder eine Veränderung der Ernährungsweise (z. B. sechs kleine Mahlzeiten statt drei große) positiv aus. Einheitliche Empfehlungen zur Ernährung und zum Lebensstil gibt es jedoch nicht.

Um den Flüssigkeits- und Salzverlust auszugleichen, müssen Sie viel trinken. Wenn ein Arzt bei Ihnen einen Mangel an bestimmten Nährstoffen, beispielsweise Proteinen, Vitaminen oder Mineralstoffen feststellt, sollten Sie dagegen gezielt Präparate einnehmen.

Um die überschüssige Flüssigkeit im Darm zu binden, werden unterstützend auch Flohsamen als pflanzliches Quellmittel eingesetzt.

Wann zum Arzt?

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen wie Colitis ulcerosa müssen vom Arzt behandelt werden. Wegen der Vielfalt der Krankheitsverläufe und angesichts der vielen möglichen Begleiterkrankungen ist es sinnvoll, sich für die Betreuung und Behandlung Ärzte zu suchen, die mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen spezielle Erfahrung haben (Gastroenterologen).

Behandlung mit Medikamenten

Die Medikamente bekämpfen vorwiegend die Entzündungsreaktion in der Darmschleimhaut und somit die Symptome der Krankheit. Ziel der Behandlung ist es daher, die aktiven Krankheitssymptome zurückzudrängen, also eine Remission zu erreichen, und diesen Zustand mit den am besten verträglichen Mitteln aufrechtzuerhalten.

Rezeptpflichtige Mittel

Um die Entzündung bei einer akuten leicht bis mittelschwer verlaufenden Colitis ulcerosa zu dämpfen, sind die Wirkstoffe Mesalazin und Sulfasalazin geeignet. Diese Mittel können auch vorbeugend eingesetzt werden, um erneute Entzündungen zu verhindern. Ist vorwiegend der Enddarm betroffen, sollten möglichst nur lokal wirkende Zubereitungen verwendet werden (Zäpfchen, Klysma, Rektalschaum). Bei einer ausgedehnteren Entzündung sind Tabletten sinnvoller.

Wegen des Sulfonamid-Anteils können bei Sulfasalazin häufiger unerwünschte Wirkungen auftreten als bei Mesalazin. Zur Behandlung einer Colitis ulcerosa ist Mesalazin deshalb vorzuziehen, es sei denn, neben der Colitis soll auch noch eine rheumatische Begleiterkrankung behandelt werden.

Wenn diese Mittel allein nicht ausreichend wirken, werden für die Akutbehandlung zusätzlich Glucocorticoide eingesetzt. Rektalsschaum und -tabletten mit Budesonid sind hierfür mit Einschränkung geeignet, da sie relativ schwach wirken. Der Wirkstoff wird vorwiegend bei leichten bis mittelstarken akuten Schüben der Colitis ulcerosa, die auf den Enddarm und den unteren Teil des Dickdarms begrenzt ist, eingesetzt. Bei ausgedehntem Darmbefall oder schweren Krankheitsschüben sollte die Behandlung jedoch nicht mit Budesonid erfolgen, sondern mit dem stärker wirkenden Prednisolon oder mit Methylprednisolon in Form von Tabletten. Näheres dazu lesen Sie unter Glucocorticoide.*

Bessert sich die Entzündung auch damit nicht ausreichend oder dürfen die oben genannten Substanzen, insbesondere cortisonhaltige Mittel, nicht eingesetzt werden, ist Azathioprin geeignet. Dieser Wirkstoff ist auch sinnvoll, wenn aufgrund einer ausgedehnten chronisch-aktiven Entzündung der Darmschleimhaut eine Dauerbehandlung notwendig ist, für die Cortison-Tabletten aufgrund schwerer Nebenwirkungen nicht infrage kommen. Das ist gegeben, wenn jährlich mehr als zwei aktive Krankheitsschübe auftreten. Falls erforderlich, kann Azathioprin auch mit Mesalazin oder Sulfasalazin kombiniert werden, um die Krankheit weiterhin in Schach zu halten.

Die TNF-alpha-Hemmstoffe Adalimumab, Golimumab und Infliximab und der Integrin-Hemmstoff Vedolizumab sind bei mittelschwerer bis schwerer Colitis ulcerosa mit Einschränkung geeignet. Wegen der möglichen, zum Teil sehr schwerwiegenden unerwünschten Wirkungen kommen TNF-alpha-Hemmstoffe nur infrage, wenn besser bewertete Medikamente nicht ausreichend wirksam waren oder nicht eingesetzt werden können. Für den Wirkstoff Infliximab liegen die meisten Daten vor. In Kombination mit Azathioprin wirkt Infliximab oft noch besser als allein. Die Langzeitverträglichkeit bei Colitis ulcerosa sollte noch besser untersucht werden.

Der therapeutische Stellenwert des neuen Wirkprinzips von Vedolizumab kann derzeit noch nicht ausreichend eingeschätzt werden. Zudem ist erst unzureichend erforscht, welche unerwünschten Wirkungen dieses Mittel bei Anwendung über längere Zeit hat. Vedolizumab darf daher erst eingesetzt werden, wenn besser bewertete Medikamente nicht ausreichend wirksam waren oder nicht eingesetzt werden können.

Neue Medikamente

Tofacitinib (Xeljanz) hemmt ganz bestimmte Zellenzyme (Januskinasen). Der Wirkstoff ist zur Behandlung von mittelschweren bis schweren Formen von Colitis ulcerosa zugelassen, wenn zuvor eine konventionelle Therapie oder eine Therapie mit einem Biologikum, z. B. einem TNF-alfa-Hemmer, nicht ausreichend wirksam war oder nicht vertragen wurde. In den für die Zulassung vorgelegten Studien waren nach acht Wochen Behandlungszeit 16 bis 19 von 100 Behandelten beschwerdefrei. Unter einer Scheinbehandlung waren es nur 3 bis 8 von 100.

Nach einjähriger Behandlung waren 34 von 100 Patienten klinisch geheilt, wenn zweimal täglich mit fünf Milligramm Tofacitinib behandelt wurde, und 41 von 100, wenn zweimal täglich mit 10 Milligramm Tofacitinib behandelt wurde. Ein Scheinmedikament führte bei 11 von 100 Patienten zu einer klinischen Heilung.

Tofacitinib hat zahlreiche, schwerwiegende Nebenwirkungen. Neben schweren Infektionen, kann die Leber geschädigt werden, die Darmwand durchbrechen oder sich ein Blutgerinnsel in der Lunge entwickeln. Zudem gibt es Hinweise auf ein erhöhtes Krebsrisiko und ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislaufereignisse. Welche Folgen eine längere Anwendung des Mittels hat, ist derzeit unbekannt.

Allerdings haben Hinweise auf weitere schwerwiegende Risiken von Tofacitinib im März 2020 zu einer Warnung der Behörden geführt: Das Mittel kann in Abhängigkeit von der Dosis zu schweren Nebenwirkungen wie Lungenembolien und tiefen Beinvenenthrombosen kommen. Personen, die bereits ein erhöhtes Risiko für solche Ereignisse haben, dürfen das Mittel nur noch in niedriger Dosierung erhalten. Menschen über 65 Jahren sollten Tofacitinib nur bekommen, wenn keine Behandlungsalternativen zur Verfügung stehen. *

* aktualisiert am 15.04.2020