Medikamente im Test

Colitis ulcerosa

Allgemeines

Colitis ulcerosa ist eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung, die Dick- und Enddarm (Kolon und Rektum) betrifft. Dabei ist nur die Darmschleimhaut entzündet. Davon unterschieden wird Morbus Crohn, eine Darmentzündung, die meist die ganze Darmwand betrifft und sich zudem im gesamten Verdauungstrakt von der Mundhöhle bis zum Darmausgang zeigen kann.

Eine Fehlsteuerung des Immunsystems oder speziell eine fehlende Regulation der Entzündungsvorgänge im Körper führt bei Colitis ulcerosa zu einer dauerhaften chronischen Entzündung. Im weitesten Sinn lässt sich Colitis ulcerosa deshalb zu den Autoimmunerkrankungen zählen, weil das Immunsystem hierbei körpereigenes Gewebe – in diesem Fall die Darmschleimhaut – angreift.

Bei Kindern

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen können bereits bei Kindern auftreten. Zirka 20 Prozent der Betroffenen sind jünger als sechs Jahre.

Anzeichen und Beschwerden

Colitis ulcerosa verläuft oft schubweise. Im Vordergrund stehen schleimig-blutige Durchfälle, die nicht selten bis zu 20-mal täglich auftreten, sowie nächtlicher Stuhldrang. Immer wieder kommt es auch auch zu krampfartigen Bauchschmerzen und Fieber. Die Erkrankung geht mit Gewichtsverlust und extremer Müdigkeit einher.

Die Beschwerden treten ohne Vorankündigung von einem Tag auf den anderen auf, halten Tage oder Wochen an und klingen ebenso plötzlich wieder ab. Wie viel Zeit zwischen zwei Krankheitsschüben verstreicht, ist nicht vorhersehbar.

Zusätzlich können Entzündungen an Gelenken, Augen, Leber und Haut auftreten.

Ursachen

Die Ursachen sind nicht völlig geklärt. Sicher ist, dass bei Betroffenen häufiger bestimmte genetische Auffälligkeiten vorkommen, die auch vererbt werden können. Unklar ist jedoch, inwieweit diese den Krankheitsverlauf beeinflussen. Als möglicher Auslöser wird in diesem Zusammenhang eine erhöhte Durchlässigkeit der Darmschleimhaut (Barrierestörung) diskutiert.

Der Ausbruch der Krankheit und ihr Verlauf hängen jedoch von zusätzlichen Faktoren ab, die nicht erblich sind. Dazu gehören z. B. der allgemeine Lebensstil, Stress und Rauchen , aber auch die Beschaffenheit und Zusammensetzung der eigenen Darmflora, die in Abhängigkeit von der Ernährung sehr unterschiedlich sein kann.

Allgemeine Maßnahmen

Eine Psychotherapie kann dazu beitragen, die Symptome zu lindern und die chronische Erkrankung besser zu bewältigen. An der Grunderkrankung selbst ändert sich meist nichts.

Wenn die Entzündung mit Medikamenten nicht einzudämmen ist, kann es notwendig sein, Teile des Darms operativ zu entfernen. Colitis ulcerosa lässt sich damit heilen.

Manchmal wirkt sich eine spezielle Kost (z. B. kohlenhydratfreie Ernährung oder eine "Elementardiät" mit reinen Aminosäuregemischen) oder eine Veränderung der Ernährungsweise (z. B. sechs kleine Mahlzeiten statt drei große) positiv aus. Einheitliche Empfehlungen zur Ernährung und zum Lebensstil gibt es jedoch nicht.

Um den Flüssigkeits- und Salzverlust auszugleichen, müssen Sie viel trinken und gegebenenfalls zusätzlich Präparate mit Vitaminen und Mineralstoffen einnehmen.

Bei Kindern

Für Kinder gibt es mittlerweile positive Ergebnisse mit einer Ernährungstherapie. Sie besteht darin, den Kindern mehrere Wochen lang über eine Sonde hoch kalorische Flüssignahrung zu verabreichen (mit normalem Trinken wäre eine so hohe Nährstoffaufnahme nicht zu erzielen). Dadurch geht die Entzündung im Darm zurück. Häufig lässt sich dann die Gabe von cortisonhaltigen Medikamenten vermeiden, die Kinder nehmen an Gewicht zu und können Wachstumsrückstände aufholen.

Wann zum Arzt?

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen wie Colitis ulcerosa müssen vom Arzt behandelt werden. Wegen der Vielfalt der Krankheitsverläufe und angesichts der vielen möglichen Begleiterkrankungen ist es sinnvoll, sich für die Betreuung und Behandlung Ärzte zu suchen, die mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen spezielle Erfahrung haben (Gastroenterologen).

Behandlung mit Medikamenten

Colitis ulcerosa kann noch nicht ursachenbezogen behandelt werden, die Medikamente bekämpfen vorwiegend die Entzündungsreaktion in der Darmschleimhaut und somit die Symptome der Krankheit. Ziel der Behandlung ist daher, die aktiven Krankheitssymptome zurückzudrängen, also eine Remission zu erreichen, und diesen Zustand mit den am besten verträglichen Mitteln aufrechtzuerhalten.

Rezeptpflichtige Mittel

Um die Entzündung bei einer akuten leicht bis mittelschwer verlaufenden Colitis ulcerosa zu dämpfen, sind die Wirkstoffe Mesalazin und Sulfasalazin geeignet. Diese Mittel können auch vorbeugend eingesetzt werden, um erneute Entzündungen zu verhindern. Ist vorwiegend der Enddarm betroffen, sollten möglichst nur lokal wirkende Zubereitungen verwendet werden (Zäpfchen, Klysma, Rektalschaum). Bei ausgedehnterer Entzündung sind Tabletten sinnvoller. Wegen des Sulfonamid-Anteils können bei Sulfasalazin häufiger unerwünschte Wirkungen auftreten als bei Mesalazin; dieses ist deshalb vorzuziehen, es sei denn, neben der Colitis soll auch noch eine rheumatische Begleiterkrankung behandelt werden.

Wenn diese Mittel allein nicht ausreichend wirken, werden für die Akutbehandlung zusätzlich Glucocorticoide eingesetzt. Rektalschäume und -tabletten mit Budesonid oder Hydrocortison sind hierfür mit Einschränkung geeignet, da sie relativ schwach wirken. Sie können allenfalls bei leichten bis mittelstarken akuten Schüben der Colitis ulcerosa, die vorwiegend auf den Enddarm und den unteren Teil des Dickdarms begrenzt ist, eingesetzt werden. Bei ausgedehntem Darmbefall oder schweren Krankheitsschüben sollte die Behandlung jedoch nicht mit Budesonid oder Hydrocortison erfolgen, sondern mit dem stärker wirkenden Prednisolon oder mit Methylprednisolon in Form von Tabletten. Näheres dazu lesen Sie unter Glucocorticoide.

Bessert sich die Entzündung auch damit nicht ausreichend oder dürfen die obengenannten Substanzen, insbesondere cortisonhaltige Mittel, nicht eingesetzt werden, ist Azathioprin geeignet. Dieser Wirkstoff ist auch sinnvoll, wenn aufgrund einer ausgedehnten chronisch-aktiven Entzündung der Darmschleimhaut eine Dauerbehandlung notwendig ist, für die Cortison-Tabletten aufgrund schwerer Nebenwirkungen nicht infrage kommen. Das ist gegeben, wenn jährlich mehr als zwei aktive Krankheitsschübe auftreten. Falls erforderlich, kann Azathioprin auch mit Mesalazin oder Sulfasalazin kombiniert werden, um die Krankheit weiterhin in Schach zu halten.

Die TNF-alpha-Hemmstoffe Adalimumab, Golimumab und Infliximab sind bei mittelschwerer bis schwerer Colitis ulcerosa mit Einschränkung geeignet. Wegen der möglichen, zum Teil sehr schwerwiegenden unerwünschten Wirkungen kommen diese Mittel nur infrage, wenn besser bewertete Medikamente nicht ausreichend wirksam waren oder nicht eingesetzt werden können. Für den Wirkstoff Infliximab liegen die meisten Daten vor. In Kombination mit Azathioprin wirkt Infliximab oft noch besser als allein. Die Verträglichkeit der TNF-alpha-Hemmer bei einer Langzeitanwendung lässt sich derzeit noch nicht abschließend beurteilen.

Um die überschüssige Flüssigkeit im Darm zu binden, werden unterstützend auch Flohsamen als pflanzliches Quellmittel eingesetzt.

Neue Medikamente

Vedolizumab (Entyvio), ein neuer immunmodulierender Wirkstoff, kann die überschießende Immunreaktion in der Darmschleimhaut bremsen und Entzündungsreaktionen verhindern. Das Mittel ist zur Behandlung von mittelschweren bis schweren Formen von Colitis ulcerosa zugelassen. Es muss als Infusion verabreicht werden. Voraussetzung für eine Behandlung ist, dass zuvor eine Standardtherapie oder eine Behandlung mit TNF-alpha-Hemmstoffen nicht ausreichend wirkte oder nicht vertragen wurde. In den für die Zulassung vorgelegten Studien sprachen nach sechs Wochen Behandlungszeit 47 von 100 derart vorbehandelte Patienten mit Colitis ulcerosa auf Vedolizumab an. Unter einer Scheinbehandlung waren dies nur 26 von 100. Nach 52 Behandlungswochen waren 42 von 100 Patienten klinisch geheilt, wenn alle acht Wochen mit Vedolizumab behandelt wurde. Wurde nur ein Scheinmedikament verabreicht, war dies nur bei 16 von 100 Patienten der Fall. Daher kann auch keine Aussage darüber gemacht werden, ob Vedolizumab Vor- oder Nachteile gegenüber den derzeit verfügbaren Therapieoptionen aufweist. Als Nebenwirkungen können vermehrt Infektionen auftreten. Das Mittel ist noch wenig erprobt, Informationen zur Langzeitverträglichkeit fehlen.