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Blähungen

Allgemeines

Blähungen gehören zu den häufigsten Verdauungsbeschwerden. Eine gewisse Gasbildung im Darm, vor allem von Kohlendioxid, ist allerdings normal. Es wird im Dünndarm ins Blut aufgenommen und über die Lunge abgeatmet. Erst wenn sich während des Verdauungsprozesses übermäßig viel Gas bildet oder bei der Nahrungsaufnahme viel Luft geschluckt wird, kann sich der Darm schmerzhaft aufblähen.

Der Hauptanteil (mehr als 99 Prozent) der Darmgase ist geruchlos und besteht aus Kohlendioxid, Sauerstoff, Stickstoff, Wasserstoff und Methan. Der unangenehme Geruch kommt zustande, wenn Darmbakterien Pflanzenfasern abbauen und bei diesem Gärprozess Spuren von Schwefelwasserstoff, flüchtige Fettsäuren (Buttersäure) und andere Gase entstehen.

Anzeichen und Beschwerden

Übermäßig vorhandene Darmgase können den Bauch schmerzhaft auftreiben (Meteorismus). Häufig gehen vermehrt Winde ab (Flatulenz).

Bei Kindern

Bei Säuglingen stehen Blähungen oft im Verdacht, Ursache der sogenannten Dreimonatskoliken zu sein. Fachleute gehen allerdings davon aus, dass bei gesunden Säuglingen unter drei Monaten untröstliches Schreien meist nicht durch Blähungen oder Verdauungsprobleme verursacht ist, sondern dass es sich um ein vorübergehendes Anpassungsproblem handelt. Das Baby kann sich nur schwer selbst beruhigen. Meist verschwinden die Schreianfälle sehr bald von alleine.

Ursachen

Vielerlei Ursachen können dazu beitragen, dass sich im Darm vermehrt Gas sammelt. Ob allerdings ein direkter Zusammenhang zwischen der Menge an gebildetem Gas und den Blähungsbeschwerden besteht, ist nicht eindeutig belegt. In einige Studien war die Menge an Verdauungsgasen bei Erkrankten und Gesunden gleich.

Dass dennoch Probleme entstehen, könnte daran liegen, dass einige Menschen auf Dehnungsreize der Darmwand überempfindlich reagieren.

Folgende Ursachen können zu Blähungen führen:

  • Einige Lebensmittel können Blähungen fördern. Dazu gehören Hülsenfrüchte, Kohl, Zwiebeln sowie bestimmte Ballaststoffe (z. B. in Vollkornprodukten, Gemüse, Obst).
  • Getreide und Hülsenfrüchte bestehen zu großen Teilen aus Kohlenhydraten. Wenn diese erst im Dickdarm verdaut werden, kommt es zu einer verstärkten Gasbildung und somit zu Blähungen. Normalerweise werden Kohlenhydrate in den oberen Darmabschnitten verdaut und die Nährstoffe dort in den Blutkreislauf aufgenommen. Wenn die Verdauung im Dünndarm nicht in ausreichendem Maße erfolgt, kommt es zur Fermentation im Dickdarm. Sind zu viele Bakterien im Dünndarm (bakterielle Überwucherung), können diese auch dort schon Gärungsprozesse mit Gasbildung hervorrufen.
  • Eine zu fette und üppige Mahlzeit kann die Verdauungskapazität in den oberen Darmabschnitten überfordern, sodass viele Nahrungsbestandteile noch unverdaut in die tieferen Darmabschnitte gelangen. Die dort einsetzenden Abbauprozesse können zu Blähungen führen.
  • Große Mengen kohlensäurehaltiger Getränke wie Mineralwasser, Cola, Limonade oder Sekt erhöhen den Gasgehalt im Darm und können Ursache von Blähungen sein.
  • Wenn Sie wegen Magenbeschwerden oder Sodbrennen säurebindende Mittel einnehmen, die Hydrogencarbonat enthalten, wird vermehrt Kohlendioxid gebildet, das mit dem Speisebrei in den Darm gelangt und diesen aufbläht.
  • Zuckeraustauschstoffe wie Fructose, Sorbit und Xylit (z. B. in Kaugummi, zuckerfreien Bonbons, Diät-Fertiggerichten) verursachen häufig Blähungen.
  • Hastig gegessene Speisen rufen leichter Blähungen hervor als sorgfältig und in Ruhe gekaute.
  • Stress und zu wenig Bewegung können Blähungen fördern.
  • Wenn ein Mangel an milchzuckerspaltenden Enzymen vorliegt (Lactasemangel), wird Milchzucker (Lactose) nicht vertragen, was sich unter anderem durch Blähungen bemerkbar machen kann. Ein vergleichbares Problem kann durch einen Mangel an Transporteiweiß für Fruchtzucker (Fructose) entstehen.
  • Die Aufnahmefähigkeit der Darmschleimhaut für die bei der Verdauung gebildeten Gase kann verringert sein, oft infolge einer Herzschwäche (Rechtsherzinsuffizienz), einer chronischen Lebererkrankung oder einer Behandlung mit Antibiotika. Dann verbleiben die Gase im Darm und können schmerzhafte Blähungen verursachen.
  • Auch Magen-Darm-Erkrankungen wie Verstopfung, Reizdarmsyndrom oder eine Infektion im Magen-Darm-Trakt können Blähungen verursachen.
  • Unangenehme Beschwerden können vor allem auch dann auftreten, wenn der Abtransport der Gase im Darm verlangsamt stattfindet.

Vorbeugung

  • Essen Sie möglichst regelmäßig und zu etwa gleichbleibenden Zeiten.
  • Kauen Sie die Speisen sorgfältig und schlingen Sie das Essen nicht hastig hinunter.
  • Verzichten Sie auf blähende Nahrungsmittel und kohlensäurehaltige Getränke. Welche Nahrungsmittel blähend wirken, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich.
  • Machen Sie einen Verdauungsspaziergang. Die Bewegung hilft mit, die Darmtätigkeit anzuregen.
  • Wenn Sie viel sitzen müssen, sollten Sie täglich 30 Minuten laufen oder schnell gehen oder auf andere Weise für Bewegung sorgen.
  • Sorgen Sie dafür, dass Sie sich nach einem anstrengenden Arbeitstag entspannen können.

Bei Kindern

Säuglinge sollten mindestens vier Monate lang gestillt werden. Muttermilch verträgt und verdaut der kindliche Darm am besten.

Denken Sie daran, dass Babys häufig weniger Hunger als vielmehr Durst haben. Wenn Sie das Kind nicht stillen, sollten Sie ihm zwischendurch, wenn es unruhig wird, ein Fläschchen mit warmem, ungesüßtem Tee anbieten und Milch nur zu den regelmäßigen Mahlzeiten.

Allgemeine Maßnahmen

Alle vorbeugenden Maßnahmen sind auch sinnvoll, wenn Blähungen auftreten, zumal eine medikamentöse Behandlung meist wenig erfolgversprechend ist. Vor allem Bewegung trägt dazu bei, dass Gase, die sich im Darm aufgestaut haben, abgehen können.

Bei schmerzhaften Blähungen sind feuchtwarme Umschläge oder kreisend im Uhrzeigersinn ausgeführte Bauchmassagen hilfreich.

Bei einem Lactasemangel oder einer Lactoseunverträglichkeit wird Milch in geringen Mengen noch vertragen. Mehr als 12 bis 15 Gramm Lactose pro Tag sollten aber nicht aufgenommen werden, das entspricht in etwa einer Tasse Milch. Bei Lactasemangel müssen Sie daher Ihren Konsum an Milchprodukten einschränken. Einige Milchprodukte enthalten nur wenig Lactose, dazu gehören Käsesorten wie Emmentaler oder Appenzeller. Auch Jogurt kann gegessen werden, da die darin enthaltenen Milchsäurebakterien helfen, Lactose abzubauen.

Bei Kindern

Massieren Sie den Bauch des Säuglings bei jedem Wickeln mit einem einfachen Massageöl (Mandelöl, Olivenöl, Kümmelöl) mit sanftem Druck im Uhrzeigersinn. Dadurch wird die Darmbewegung angeregt, Blähungen lösen sich. Ähnlich hilfreich wirkt auch eine Massage des Afters. Der Darm wird dadurch stimuliert, Stuhl und Gase abzugeben.

Enger Körperkontakt beruhigt und entkrampft auch den Darm: Tragen Sie das Baby in einem Tragetuch immer wieder eine Zeit lang möglichst dicht am Körper. Auf diese Weise fühlt es sich gehalten und geborgen, Verspannungen können sich lösen.

Dass bestimmte Säuglingsnahrungen hilfreich sind, um Blähungen zu vermeiden, ist ebensowenig erwiesen wie der Nutzen von Ernährungsempfehlungen für die Mutter.

Wann zum Arzt?

Wenn die Blähungen trotz der genannten allgemeinen Maßnahmen länger als zwei bis drei Wochen anhalten und sich die Schmerzen noch verstärken oder zusätzlich Durchfall auftritt, sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Behandlung mit Medikamenten

Eine medikamentöse Behandlung von Blähungen ist nur sinnvoll, wenn die vorbeugenden und allgemeinen Maßnahmen nicht ausreichend wirken. Bei den meisten Arzneimitteln ist der Effekt jedoch gering. Bei Säuglingen sollten allgemeine Maßnahmen grundsätzlich vorgezogen werden.

Rezeptfreie Mittel

Entschäumer sind bei Blähungen mit Einschränkung geeignet. Die therapeutische Wirksamkeit sollte noch besser belegt werden. Bei der Behandlung von Dreimonatskoliken bei Säuglingen können Entschäumer Studiendaten zufolge die Beschwerden nicht besser lindern als ein Scheinmedikament.

Wenig geeignet ist ein Kombinationspräparat aus Entschäumer + Enzymen. Enzyme haben auf Blähungen keinen Einfluss und sind deshalb entbehrlich.

Tees aus Anis, Fenchel und Kümmel sind wenig geeignet, weil die therapeutische Wirksamkeit nicht ausreichend nachgewiesen ist, unterstützend können sie jedoch eingesetzt werden.