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Bettnässen

Allgemeines

In der Medizin spricht man von Einnässen (Enuresis), wenn ein Kind, das älter ist als fünf Jahre, öfter als zweimal im Monat tagsüber oder nachts unabsichtlich Urin verliert, ohne dass es dafür organische Ursachen gibt. Der Mehrzahl der Kinder passiert dieses Malheur im Schlaf. Daher spricht man von Bettnässen oder medizinisch von Enuresis nocturna (lat. für nächtliches Einnässen).

Ein Kind, das wiederholt ins Bett macht, ist zweifelsohne eine Belastung für die gesamte Familie: Für die Eltern, die ihr eigentlich schon "großes" Kind in der Nacht umziehen und in ein trockenes Bett schaffen müssen, für die Geschwister, deren Schlaf ebenfalls gestört wird, und natürlich für das betroffene Kind selbst. Viele Familien müssen mit dieser schwierigen Situation fertig werden, denn jedem sechsten Kind im Alter von fünf Jahren passiert gelegentlich ein solches Missgeschick. Doch je älter das Kind wird, desto mehr reifen seine Körperfunktionen heran und desto seltener wird nachts das Bett noch nass. Im Alter von zehn Jahren nässt nur noch jedes 20. Kind zeitweise ein.

Bis das Kind seine Blasenfunktion tagsüber und nachts sicher kontrollieren kann, ist von den Eltern vor allem Geduld gefragt. Schimpfen und andere Arten von Bestrafung helfen nicht, sondern verlängern die problematische Zeit eher.

Anzeichen und Beschwerden

Bis zum Schulalter haben die meisten Kinder gelernt, ihre Blasenfunktion sowohl tagsüber als auch nachts so zu kontrollieren, dass Unterwäsche und Bett trocken bleiben. Bei denjenigen, denen das noch nicht immer gelingt, hapert es vornehmlich nachts mit der Blasenkontrolle.

Ursachen

Bei einem älteren Kind, das nachts ungewollt Urin verliert, sind die Nervenfunktionen, die für die Blasenkontrolle notwendig sind, noch nicht ausgereift. Es braucht Zeit, um diese Entwicklung abzuschließen. Auch familiäre Gemeinsamkeiten scheint es beim Bettnässen zu geben: Kinder, deren Eltern oder Großeltern bereits mit Bettnässen zu kämpfen hatten, entwickeln diese Problematik häufiger.

Bei manchen Kindern erklärt sich das Einnässen damit, dass die Blase nur ein geringes Volumen fasst, bei anderen drosseln die Nieren nachts die Urinproduktion nicht.

Coffeinhaltige Getränke wie Cola, Mate-Limonaden oder Energydrinks, aber auch Kakao wirken harntreibend und können zum Bettnässen beitragen.

Medizinisch muss abgeklärt werden, ob das einnässende Kind Diabetes hat, Fehlbildungen im Harntrakt oder eine Harnwegsinfektion. Diese Erkrankungen können Bettnässen begünstigen.

Wenn ein eigentlich bereits trockenes Kind wieder anfängt, ins Bett zu machen, steckt oftmals Kummer oder anderer Stress dahinter.

Allgemeine Maßnahmen

Vielen Eltern und Kindern hilft es zu wissen, dass Bettnässen nichts Ungewöhnliches ist und dass sich das Problem sehr wahrscheinlich von selbst erledigt. Eltern sollten sich bewusst sein, dass ihr Kind sie nicht ärgern will oder ungezogen ist, sondern selbst unter dem Bettnässen leidet. Möglicherweise schämt es sich sogar so, dass es auf Übernachtungen bei Freunden oder Klassenfahrten verzichtet. Verständnis, Motivation und das sichere Vertrauen, dass sich das alles geben wird, helfen dem Kind am ehesten. Es braucht Lob für seine Fortschritte, die es beispielsweise anhand eines Tagebuchs oder Kalenders nachvollziehen kann. Dabei malt das Kind nach einer trockenen Nacht eine Sonne in sein Heft und nach einer nassen Nacht eine Wolke. Auch sollte ihm beispielsweise das Wechseln der Bettwäsche übertragen werden, sobald es dafür groß genug ist – nicht als Strafe, sondern als Eigenverantwortung für seine Belange.

Viele Kinder trinken tagsüber nur wenig und erhöhen dann am Nachmittag die Flüssigkeitsmenge. Achten Sie darauf, dass das Kind die Trinkmenge über den Tag besser verteilt und nach 17 Uhr begrenzt. Zudem sollte das Kind direkt vor dem Zubettgehen noch einmal auf die Toilette gehen. Um den Aufwand für die ganze Familie möglichst gering zu halten, sind Windelhöschen, wasserdichte Matratzenauflagen, waschbare Schutzbezüge für Decke und Kissen praktisch.

Bei Kindern, die den festen Willen haben, trocken zu werden, und die darin von ihren Eltern unterstützt werden, sind elektronische Alarmsysteme wie Klingelhosen oder -matratzen sehr erfolgreich. Diese Geräte lassen einen Klingelton hören, sobald eindringender Urin einen schwachen Stromkreis schließt. Der Ton weckt das Kind, sodass es zur Toilette gehen kann. Im Laufe der Zeit lernt das Kind aufzuwachen, bevor der erste Tropfen Urin das Gerät erreicht. Wenn das Kind 14 aufeinanderfolgende Nächte im Bett verbracht hat, ohne dass sich das Gerät gemeldet hat, kann das Alarmsystem entfernt werden. Bei manchen Kindern dauert das zwar mehrere Monate, doch die Ausdauer lohnt sich: Etwa die Hälfte der Kinder bleibt dauerhaft trocken. Manchmal kann eine Verhaltenstherapie den Erfolg eines Alarmsystems unterstützen. Nach einer Behandlung mit Medikamenten bleibt demgegenüber nur etwa ein Fünftel der Kinder trocken und selbst bei denen verliert sich der Effekt meist wieder, wenn das Arzneimittel abgesetzt wird.

Kinder, die auch tagsüber einnässen, haben oft eine Reifungsstörung der Blasenfunktion. Dann kann ein Blasentraining helfen. Dabei lernt das Kind, stärker auf die Signale der Harnblase zu achten. Grundlage ist ein Tagebuch, in dem festgehalten wird, wie häufig das Kind zur Toilette geht oder unfreiwillig Urin verliert. Um die Blase an einen Rhythmus zu gewöhnen, ist es wichtig, regelmäßig in einem festen Zeitabstand zur Toilette zu gehen. Der Toilettengang sollte immer rechtzeitig, entspannt und mit Zeit erfolgen. Der Toilettenplan wird mit einem Trinkplan kombiniert, in dem festgehalten wird, wann und wie viel das Kind trinkt.

Wann zum Arzt?

Sie können solche Probleme bei den Früherkennungsuntersuchungen beim Kinderarzt ansprechen. Dort stehen Entwicklung und Gesundheit des Kindes im Vordergrund. Ein Gespräch ist besonders wichtig, wenn Ihr Kind älter als fünf Jahre ist und Sie hinter dem Bettnässen ein ernstes Problem befürchten.

Behandlung mit Medikamenten

Medikamente können bei Bettnässen helfen, sie sind aber rezeptpflichtig und ihr Effekt ist begrenzt.

Rezeptpflichtige Mittel

Desmopressin wirkt wie das Hormon, das im Körper an der Regulierung der Flüssigkeitsausscheidung beteiligt ist. Der Wirkstoff kann die Episoden nächtlichen Einnässens recht schnell verringern, ist langfristig aber weniger effektiv als elektronische Alarmsysteme. Er gilt daher als "mit Einschränkung geeignet". Der Wirkstoff kann in besonderen Situationen zeitlich begrenzt eingesetzt werden; beispielsweise auf einer Klassenfahrt, wenn das Kind ein nasses Bett unbedingt vermeiden will.

Längerfristig eingesetzte trizyklische Antidepressiva erreichen dasselbe, wirken aber nicht besser als Desmopressin. Sie können hingegen bedeutende unerwünschte Wirkungen hervorrufen. Auch für sie gilt das Urteil "mit Einschränkung geeignet". Sie kommen erst infrage, wenn Desmopressin nicht eingesetzt werden kann oder nicht ausreichend gewirkt hat.

Mit Medikamenten soll Bettnässen allenfalls drei Monate lang behandelt werden. Dann ist zu prüfen, ob das Kind nicht auch ohne sie trocken bleibt.

Wenn Kinder nicht nur nachts, sondern auch tagsüber einnässen, kann eine Reifungsstörung der Blasenfunktion vorliegen. Die betroffenen Kinder haben tagsüber sehr häufig Harndrang und die Harnblase des Kindes zieht sich schon bei geringer Füllung unwillkürlich zusammen. Dann kann versucht werden, ob der Wirkstoff Propiverin ein verhaltenstherapeutisches Blasentraining unterstützen kann. Bisher gibt es aber nur sehr wenige Studien, die dieses Vorgehen unterstützen. Das Mittel ist daher „mit Einschränkung geeignet“.