Medikamente im Test

Beschwerden in den Wechseljahren

Allgemeines

Im Alter zwischen 45 und 55 Jahren endet die zyklische Hormonproduktion der Eierstöcke und damit die Fruchtbarkeit jeder Frau. Die letzte Regelblutung, medizinisch Menopause genannt, haben Frauen durchschnittlich im Alter von 50 bis 53 Jahren.

Die Wechseljahre (Klimakterium) durchleben etwa 40 von 100 Frauen ohne Beschwerden. Bei weiteren 40 von 100 sind die Beschwerden so leicht, dass die Frauen keine Behandlung suchen. Etwa 20 von 100 Frauen haben Beschwerden und wünschen eine Behandlung.

Anzeichen und Beschwerden

Die Beschwerden, die sich während der Wechseljahre einstellen können, sind individuell verschieden und belasten die Frauen unterschiedlich stark. Am häufigsten treten auf:

  • Hitzewallungen und Schweißausbrüche. Sie sind durchschnittlich fünf bis zehn Jahre lang zu bemerken. 
  • Schlafstörungen durch nächtliche Hitzewallungen und in der Folge Müdigkeit
  • Herzklopfen, Schwindel
  • trockene Scheide.

Harnwegsinfektionen und Harninkontinenz hängen gewöhnlich nicht mit Veränderungen während der Wechseljahre zusammen. Diese Störungen können sich vielmehr im Rahmen des allgemeinen Alterungsprozesses einstellen. Die betroffenen Frauen können sie aber belasten.

Ursachen

Mit zunehmendem Alter verändert sich die Durchblutung in den Eierstöcken. Dadurch reagieren sie nicht mehr wie gewohnt auf die vom Gehirn produzierten Hormone. Zunächst bleibt der Schub des Hormons aus dem Gehirn aus, der den Eisprung auslöst. Ohne Eisprung wird kein Gelbkörper und mithin kaum Progesteron gebildet. Dadurch verkürzen oder verlängern sich die Zyklen. Fällt auch der Östrogenspiegel, bleibt die Menstruation aus. Dann versucht die Hirnanhangdrüse, die Eierstöcke zu stimulieren, um den Östrogenspiegel hoch zu halten. Diese Veränderungen werden für die typischen Wechseljahrssymptome verantwortlich gemacht. Möglicherweise gewöhnen sich bei den betroffenen Frauen Zwischenhirn und Hirnanhangdrüse nur langsam an die niedrigeren Östrogenspiegel.

Diese Veränderungen vollziehen sich im Allgemeinen ganz allmählich. Phasen mit geregeltem und ungeregeltem Zyklus wechseln einander ab. Nur Frauen, deren Eierstöcke operativ entfernt oder zur Behandlung einer Krankheit gezielt funktionsunfähig gemacht wurden, kommen abrupt in die Wechseljahre.

Auf welchem Wege die hormonellen Veränderungen daran beteiligt sind, Hitzewallungen auszulösen, ist noch nicht bekannt. Das Zentrum für die Wärmeregulation im Zwischenhirn und das vegetative Nervensystem können vorübergehend Überreaktionen zeigen. Diese können einerseits durch einen gesunden Lebensstil abgeschwächt und andererseits durch ungünstige Einflüsse wie Stress, Kaffee und Alkohol verstärkt werden. Allerdings erleben Frauen die Körperreaktionen in den Wechseljahren sehr verschieden: Manche Frauen empfinden das Mehr an Wärme als angenehm, andere fühlen sich damit unwohl.

Nach derzeitigem Kenntnisstand hat die Veränderung der Haut nur wenig mit Hormonen zu tun. Die Haut wird mit zunehmendem Alter, bei häufigen Sonnenbädern und durch langjähriges Rauchen faltiger. Zudem ist der Zustand der Haut durch familiäre Anlagen bestimmt. Östrogene erhöhen lediglich den Wassergehalt der Haut, sodass sie glatter erscheint.

Wie Frauen mit den Wechseljahren zurechtkommen, hängt zudem nicht allein von den Hormonen ab. Diejenigen, die mit ihrem Berufs- und Liebesleben zufrieden sind und ein stabiles Selbstwertgefühl haben, leiden deutlich seltener unter Wechseljahresbeschwerden als andere.

Darüber hinaus verbessert eine Hormontherapie allein die Lebensqualität nicht. In den Studien, die dazu gemacht wurden, unterschied sich das körperliche und seelische Befinden der Frauen, die Hormone angewendet hatten, nicht von dem derer, die ein Scheinmedikament erhalten hatten. Auch hinsichtlich Depressionen, psychischer Störungen und sexueller Zufriedenheit gab es keinen Unterschied. Hormone können zwar Wechseljahresbeschwerden wie Hitzewallungen und Schweißausbrüche mildern. Ob dies von den Frauen aber als Verbesserung ihrer Lebensqualität gewertet wird, hängt davon ab, wie stark die Beschwerden sind und wie die Frauen sie gefühlsmäßig beurteilen.

Vorbeugung

Alles, was die körperliche und seelische Stabilität fördert, kann dazu beitragen, gut durch die Wechseljahre zu kommen. Dazu gehört unter anderem, was bei Allgemeine Maßnahmen aufgeführt ist.

In früheren Jahren verband man mit der langfristigen Hormonbehandlung auch die Hoffnung, damit einer Reihe von Erkrankungen, die bei älteren Frauen häufiger auftreten, vorbeugen zu können. Dass eine solche Behandlung im Hinblick auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen eher schadet als nützt, zeigte sich in groß angelegten Untersuchungen, in denen Frauen mit einem durchschnittlichen Alter von 63 Jahren langfristig mit Hormonpräparaten behandelt wurden. Wie sich eine zehn Jahre lang andauernde Hormonbehandlung auf Herz-Kreislauf-Ereignisse wie Herzinfarkt und Schlaganfall auswirkt, wenn sie direkt nach der letzten Regelblutung beginnt oder bereits sobald sich die ersten Wechseljahresbeschwerden einstellen, ist hingegen noch nicht ausreichend untersucht.

Zur Vorbeugung gegen Osteoporose ist die Wirksamkeit einer Hormonbehandlung zwar nachgewiesen. Trotzdem kommt sie nur selten infrage, da die sorgfältige Abwägung des zu erwartenden Nutzens und der möglichen Risiken nur bei wenigen Frauen zugunsten einer Behandlung mit Hormonen ausgeht. Die Hoffnung, mit einer Hormonbehandlung dem Abbau geistiger Fähigkeiten vorbeugen zu können, hat sich ebenfalls zerschlagen. Nach Studienergebnissen wirkt sich eine Hormontherapie bei gesunden Frauen nicht vorteilhaft auf die Denk- und Erinnerungsleistung aus, wenn diese direkt nach der letzten Regelblutung beginnt. Ob Frauen mit leichten Gedächtnisstörungen von Hormonen profitieren können, ist nicht untersucht.

Frauen über 65 Jahre, die lange Zeit Hormone eingenommen haben, scheinen sogar ein höheres Risiko für eine Demenz zu haben als Frauen, die keine Hormone angewendet haben. Das gilt allerdings nicht, wenn es sich um eine vaginale Östrogentherapie handelt.

Ähnlich ungünstig waren die Ergebnisse, wenn bei älteren Frauen mit Hormontabletten einer Harninkontinenz vorgebeugt werden sollte. Bei den Frauen, die bisher keine Probleme mit der Blase hatten, stieg das Risiko nach den Wechseljahren an, wenn sie Hormone anwendeten. Bei Frauen mit Inkontinenz vor der Hormonbehandlung hatten sich die Beschwerden nach einem Jahr verschlimmert.

Ob sich all diese Erkenntnisse auch auf Frauen übertragen lassen, die mit einer Hormonbehandlung bereits in engem zeitlichen Zusammenhang mit ihrer letzten Regelblutung beginnen, ist unklar. Studien, die zur Beantwortung dieser Fragen verlässliche Ergebnisse liefern, wurden bisher für diese Frauen nicht durchgeführt. Damit ist auch offen, ob eine langjährige Anwendung von Hormonen für jüngere Frauen sicher ist.

Allgemeine Maßnahmen

Folgende Maßnahmen können zum Wohlbefinden in den Wechseljahren beitragen. Dass sich dadurch auch die typischen Wechseljahresbeschwerden wie Hitzewallungen bessern, ist aber nicht ausreichend nachgewiesen.

  • Sportliche Betätigung, z. B. Ausdauersportarten wie Gehen (Walking), Laufen (Jogging), Wandern, Skilanglaufen, Fahrradfahren und Schwimmen. Um einer Osteoporose vorzubeugen, sind Bewegungen, bei denen das eigene Gewicht eingesetzt wird, wie beim Gehen, Laufen und Springen (z. B. Seilspringen, Stepping) oder Krafttraining besonders effektiv.
  • Regelmäßige Kaltwasserbehandlungen und Saunagänge.
  • Entspannungsmethoden wie Yoga und autogenes Training.
  • Bei Scheidentrockenheit kann ein Gleitgel oder ein Befeuchtungsmittel hilfreich sein.

Wann zum Arzt?

Wenn Sie sich durch Wechseljahresbeschwerden nachhaltig beeinträchtigt fühlen, Ihr Alltagsleben zu bewältigen, sollten Sie ein ärztliches Beratungsgespräch suchen.

Frauen, die vor dem 45. Lebensjahr in die Wechseljahre kommen, sollten mit einem Frauenarzt besprechen, ob sie eventuell eine Zeit lang Hormone anwenden sollen. Wenn die Östrogenwirkung schon derart früh endet, ist das ein Risikofaktor für die Entstehung einer Osteoporose.

Ein Besuch in der Arztpraxis ist auch immer dann notwendig, wenn nach einer längeren blutungsfreien Zeit erneut Blutungen auftreten. Dann muss abgeklärt werden, ob es in der Gebärmutter ein krankhaftes Schleimhautwachstum gibt.

Behandlung mit Medikamenten

Viele Frauen empfinden die Einnahme von Hormonen als einen zu großen Eingriff in den natürlichen Prozess ihres Körpers und erwägen stattdessen die Einnahme von rezeptfreien Pflanzenmitteln. Bei der Behandlung ist grundsätzlich zu bedenken, dass weder mit Hormonen noch mit pflanzlichen Mitteln allen Folgen zu begegnen ist, die aufgrund der nachlassenden Östrogenproduktion eintreten können. Für spezifische Probleme sind andere Ansätze notwendig:

Nähere Informationen zur Vorbeugung und Behandlung einer Osteoporose finden Sie unter Osteoporose.

Was Sie bei Nervosität und Unruhe tun können, lesen Sie unter Nervosität und Unruhe.

Was bei einer depressiven Störung angezeigt ist, erfahren Sie unter Depressionen.

Wie Sie einer beeinträchtigten Nachtruhe begegnen können, lesen Sie unter Schlafstörungen.

Rezeptfreie Mittel

Von den pflanzlichen Mitteln gegen allgemeine Wechseljahresbeschwerden wird vor allem Traubensilberkerze, – auch Schlangenwurzel, Cimicifuga racemosa genannt – und Rhapontikrhabarber eingenommen. Die betroffenen Frauen hoffen, dass diese Pflanzenextrakte Hitzewallungen und Schweißausbrüche lindern, aber keine unerwünschten Wirkungen entfalten. Einen sicheren und ausreichenden Beleg, dass Produkte mit diesen Pflanzenextrakten therapeutisch wirksam sind, gibt es jedoch nicht. Zudem fehlen Nachweise, dass eine Einnahme dieser Pflanzenextrakte über lange Zeit ohne schwerwiegende unerwünschte Wirkungen bleiben wird. Außerdem besteht zwischen der Langzeiteinnahme von cimicifugahaltigen Mitteln und Leberschäden möglicherweise ein Zusammenhang. Aus diesen Gründen werden die Mittel als "wenig geeignet" bewertet.

Auch die Kombination aus Traubensilberkerze + Johanniskraut wird als "wenig geeignet" beurteilt, da die therapeutische Wirksamkeit dieser festgelegten Kombination bei Wechseljahresbeschwerden nicht ausreichend nachgewiesen ist.

Rezeptpflichtige Mittel

Östrogene beeinflussen viele Vorgänge, die sich in den Wechseljahren verändern: Sie regen das Zellwachstum an, vor allem in der Schleimhaut der Gebärmutter und der Eileiter, in der Muskelschicht der Gebärmutter, der Haut der Scheide und in der Brust. Sie greifen in den Salz- und Wasserhaushalt ein und beeinflussen den Knochenabbau und den Fettstoffwechsel.

Eine Hormontherapie in den Wechseljahren wird in aller Regel mit zwei Hormonen, Östrogen und Gestagen, durchgeführt. Das Gestagen darf nur bei den Frauen entfallen, deren Gebärmutter entfernt wurde. Die Kombinationsbehandlung ist erforderlich, weil sich auch bei Frauen nach den Wechseljahren die Gebärmutterschleimhaut durch das zugeführte Östrogen weiterhin aufbaut. Da es aber keinen geregelten Zyklus mehr gibt, wird sie nicht mehr mit einer Blutung abgestoßen. Je dicker die Schleimhaut anwächst, desto größer wird das Risiko, dass aus einzelnen bösartig veränderten Zellen Gebärmutterschleimhautkrebs (Endometriumkarzinom) entsteht. Das wird verhindert, wenn die Schleimhaut regelmäßig im Rahmen einer Blutung abgestoßen wird. Die Blutung wird durch das Hormon Gestagen ausgelöst. Es muss als Medikament hinzugenommen werden, weil es der Körper durch die Veränderungen im Zusammenhang mit den Wechseljahren nicht mehr selbst produziert.

Dass Östrogene Wechseljahresbeschwerden bessern können, ist zweifelsfrei nachgewiesen. Große Studien, in denen Tausende von Frauen mit Hormonen behandelt und über viele Jahre lang beobachtet wurden, haben aber auch die Probleme dieses Vorgehens aufgezeigt. Dabei ist unter anderem deutlich geworden, dass es Unterschiede gibt, ob eine kombinierte Behandlung mit Östrogen und Gestagen durchgeführt wird oder ob Frauen ohne Gebärmutter eine reine Östrogenbehandlung erhalten.

Frauen nach den Wechseljahren, die eine Östrogen-Gestagen-Kombination dauerhaft anwenden, haben ein höheres Risiko, einen Herzinfarkt, einen Schlaganfall, Thrombosen in den Beinvenen, Lungenembolien und Gallenwegserkrankungen zu erleiden, als Frauen, die ohne Hormontherapie auskommen.

Darüber hinaus steigt das Risiko für Brustkrebs mit der Dosis der Hormone und der Dauer ihrer Anwendung weiter an. Eine qualitativ hochwertige Untersuchung zeigte zudem, dass die Tumore bei Frauen, die Hormone angewendet hatten, oft größer sind und häufiger auch die Lymphknoten betrafen, als bei Frauen, die keine Hormone angewendet hatten. Sie gibt sogar Hinweise darauf, dass eine Hormonbehandlung die Sterberate erhöht.

Ferner erhöht bereits eine Hormonbehandlung von weniger als fünf Jahren das Risiko für Eierstockkrebs.

Die nachträgliche Auswertung einer der größten Studien zur Hormontherapie in den Wechseljahren liefert einen Hinweis, dass die Hormonbehandlung die Entstehung von Nierensteinen fördern kann.

Die konkreten Zahlen, wenn 10 000 Frauen ein Jahr lang Östrogen und Gestagen anwenden, lauten folgendermaßen:

  • 18 Frauen mehr bekommen eine Thrombose in den Beinvenen oder eine Lungenembolie (35 mit Hormonen, 17 ohne).
  • 8 Frauen mehr bekommen Brustkrebs (38 mit Hormonen, 30 ohne).
  • 8 Frauen mehr erleiden einen Schlaganfall (26 mit Hormonen, 18 ohne).
  • 6 Frauen mehr entwickeln eine koronare Herzerkrankung (39 mit Hormonen, 33 ohne).
  • 23 Frauen mehr werden dement (45 mit Hormonen, 22 ohne).
  • 20 Frauen mehr entwickeln eine Erkrankung der Gallenwege (55 mit Hormonen, 35 ohne).
  • 6 Frauen weniger bekommen Dickdarmkrebs (10 mit Hormonen, 16 ohne).
  • 44 Frauen weniger erleiden Knochenbrüche (147 mit Hormonen, 191 ohne).

Das erhöhte Risiko für schwerwiegende Erkrankungen ist deutlich mit dem Alter verknüpft: Je älter die Frau ist, die Hormone anwendet, umso größer ist das Risiko für Thrombosen und Krebserkrankungen der Brust und der Geschlechtsorgane. Dass infolge der Hormontherapie weniger Hüftbrüche und weniger Dickdarmkrebserkrankungen vorkommen, wiegt das Risiko, das mit der Behandlung einhergeht, im Allgemeinen nicht auf.

Bei Frauen ohne Gebärmutter, die nur Östrogen – ohne Gestagenzusatz – anwenden, erhöht sich das Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden ebenso wie das Risiko, Eierstockkrebs zu bekommen. Das Risiko für Herzerkrankungen wird hingegen nicht beeinflusst. Für sie lauten die konkreten Zahlen, wenn 10 000 Frauen ein Jahr lang Östrogen anwenden:

  • 6 Frauen mehr bekommen eine Thrombose in den Beinvenen oder eine Lungenembolie (21 mit Hormonen, 15 ohne).
  • 12 Frauen mehr erleiden einen Schlaganfall (44 mit Hormonen, 32 ohne).
  • 31 Frauen mehr entwickeln eine Erkrankung der Gallenwege (78 mit Hormonen, 47 ohne).
  • 56 Frauen weniger erleiden Knochenbrüche (139 mit Hormonen, 195 ohne).

Diese Zahlen beruhen auf US-amerikanischen Studien. Die beteiligten Frauen haben Präparate angewendet, die teilweise anders zusammengesetzt sind als die Mittel, die Frauen in Deutschland verordnet werden. Es ist also nicht mit letzter Sicherheit zu sagen, ob für Frauen, die in Deutschland eine Hormonbehandlung in den Wechseljahren durchführen, exakt die gleichen Zahlen gelten.

Wenn eine Frau Wechseljahresbeschwerden mit einer Hormonbehandlung abschwächen möchte, sollte der Arzt ihr Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen sehr sorgfältig bestimmen. Erst wenn sich danach keine Einschränkungen ergeben, ist die Verordnung der Medikamente in der niedrigsten wirksamen Dosierung zu vertreten. Als angemessener Zeitraum für die Therapie gelten ein bis zwei Jahre. Mehr als fünf Jahre sollen es möglichst nicht sein.

Auswahl des Mittels

Hormonpräparate zur Behandlung von Wechseljahresbeschwerden wie Hitzewallungen, Schweißausbrüche, trockene Scheide werden für eine begrenzte Anwendungszeit als "geeignet" angesehen. Zur Langzeitanwendung sind sie hingegen wenig geeignet. Abweichende Bewertungen ergeben sich aufgrund der Dosierung des Östrogens und des jeweils eingesetzten Gestagens.

Unterschiedliche Bewertungen aufgrund der Anwendungsart gibt es hingegen nicht. Ob die Hormone eingenommen, als Gel oder Pflaster angewendet werden – bisher gibt es keine klinischen Studien, die sicher nachweisen, dass eine dieser Anwendungsarten hinsichtlich des Risikos für Herzinfarkt, Schlaganfall und Krebserkrankungen Vorteile gegenüber den anderen hat. Das gilt auch für jene Studien, die Hinweise darauf ergeben, dass bei der Pflasteranwendung das Risiko, im ersten Behandlungsjahr eine Thrombose in den Beinvenen oder eine Lungenembolie zu bekommen oder einen Schlaganfall zu erleiden, möglicherweise geringer ist als bei der Anwendung von Tabletten. Auch das Risiko für eine Gallenwegserkrankung erschien geringer. Die Hersteller nahmen diese Untersuchungen zum Anlass, einen therapeutischen Vorteil der Pflaster gegenüber Tabletten hervorzuheben. Da die Studienergebnisse aber mit zahlreichen Unsicherheiten behaftet sind, ist es für eine definitive Empfehlung noch zu früh. Hierfür müssen erst methodisch hochwertige Studien durchgeführt werden.

Von den Östrogenen zum Einnehmen hat Estriol die geringste Wirkstärke. Bei leichten Wechseljahresbeschwerden kann man versuchen, ob eine Behandlung mit Estrioltabletten ausreicht. Bei stärkeren Beschwerden kommen Tabletten mit Estradiol/Estradiolvalerat oder konjugierten Östrogenen sowie Gel oder Pflaster mit Estradiol in niedriger oder mittlerer Dosierung infrage. Sie alle sind bei Frauen ohne Gebärmutter für eine zeitlich begrenzte Behandlung geeignet.

Mit Einschränkung geeignet sind Präparate zum Einnehmen, die mehr als 2 Milligramm Estradiol oder Estradiolvalerat oder mehr als 0,625 Milligramm konjugierte Östrogene enthalten. Bei den Pflastern gelten die als hoch dosiert, die mehr als 0,05 Milligramm Estradiol am Tag abgeben. Durch diese Mittel wirkt sehr viel Östrogen auf die Schleimhaut der Gebärmutter ein. Sie sind allenfalls angebracht, wenn sehr starke Wechseljahresbeschwerden mit den geringer dosierten Mitteln nicht ausreichend gebessert werden können.

Frauen mit Gebärmutter müssen zusätzlich zu dem Östrogen mindestens in den letzten 10 bis 14 Tagen des Einnahmezyklus ein Hormon aus der Gruppe der Gestagene anwenden, infrage kommen hierfür Chlormadinon oder Progesteron. Es kann als Extratablette zusätzlich zu dem Östrogenprodukt eingenommen werden. Die dafür eingesetzten Gestagenprodukte werden unterschiedlich bewertet – je nachdem, wie hoch ihr Risiko eingeschätzt wird, Thrombosen in den Beinen und Lungenembolien auszulösen. Dydrogesteron und Progesteron sind nach bisherigem Wissensstand in dieser Hinsicht günstiger zu bewerten als andere Gestagene und werden daher als "geeignet" beurteilt. Chlormadinon wird hingegen als "mit Einschränkung geeignet" bewertet, da für diese Substanz zur Frage dieser Nebenwirkungen noch keine ausreichenden Untersuchungen vorliegen.

Das Gestagen kann auch als fester Bestandteil in einer Kombination aus Östrogen und Gestagen zum Einnehmen oder als Kombination aus Östrogen- und Gestagenpflaster eingesetzt werden. Diese Produkte gelten als "geeignet", sofern sie ein Gestagen enthalten, dessen Thromboserisiko als gering beurteilt wird. Das sind Dydrogesteron, Levonorgestrel und Norethisteron.

Kombinationspräparate zum Einnehmen mit Dienogest, Medrogeston oder Medroxyprogesteron als Gestagenkomponente werden hingegen als "mit Einschränkung geeignet" eingestuft. Ihr Risiko für Thrombosen in den Beinvenen und für Lungenembolien ist noch nicht hinreichend zu beurteilen.

Die Kombination aus Östrogen und dem Gestagen Drospirenon wird als "wenig geeignet" angesehen, da neue Untersuchungen den Verdacht aufkommen ließen, dass sich mit diesem Gestagen im Vergleich zu Levonorgestrel ein erhöhtes Risiko für Thrombosen in den Beinen und Lungenembolien verbindet.

Auch die Kombination Estrogen + Antiandrogen wird als "wenig geeignet" bewertet. Bei der Behandlung von Wechseljahresbeschwerden ist das Gestagen Cyproteron kaum gebräuchlich. Es steht in Verdacht, schwere Leberschäden auszulösen. Außerdem gibt es deutliche Hinweise, dass sich mit ihm ein höheres Risiko für Thrombosen verbindet als mit Levonorgestrel.

Für Frauen, deren Gebärmutter entfernt wurde, sind alle Kombinationsmittel aus Östrogen und Gestagen wenig geeignet, denn diese Frauen benötigen keinen Gestagenzusatz. Sie sollten diese Mittel nicht verwenden, um sich nicht unnötig mit den unerwünschten Wirkungen des Gestagens zu belasten.

Tibolon ist ein synthetisches Sexualhormon, aus dem im Körper unter anderem Substanzen entstehen, die wie Östrogen und solche, die wie Gestagen wirken. Dieser Arzneistoff ist mit Einschränkung geeignet, denn die Wirksamkeit gegen die typischen Wechseljahresbeschwerden Hitzewallungen und Schweißausbrüche ist weniger gut nachgewiesen als die der kombinierten Hormontherapie und seine Langzeitwirkungen sind noch nicht ausreichend untersucht.

Frauen, die hormonell bedingte Veränderungen der Scheidenhaut bessern wollen, können Östrogen-Creme oder-Scheidenzäpfchen verwenden. Damit kann auch wiederholten Harnwegsinfekten vorgebeugt werden. Auch bei diesen Produkten sollte die Dosis so gering wie möglich gehalten werden. Geeignet sind die Mittel mit Estriol; als "auch geeignet" werden die Mittel mit Estradiol bewertet. Estradiol wirkt deutlich stärker als Estriol und kann die Gebärmutterschleimhaut auch bei vaginaler Anwendung zum Wachsen anregen. Von der Dosierung und der Anwendungsdauer hängt es ab, ob Frauen mit Gebärmutter dann zusätzlich ein Gestagen einnehmen müssen.

Vaginaltabletten mit Estrogen + milchsäurebildende Bakterien (Kombination) anzuwenden, ist therapeutisch nicht sinnvoll. Ein Nutzen der Bakterienzubereitung, der über den der Anwendung von Östrogen allein hinausgeht, ist nicht nachgewiesen. Daher gilt dieses Produkt als "wenig geeignet".