Medikamente im Test

Bakterielle Infektionen der Augen

Allgemeines

Sowohl eine Bindehautentzündung (Konjunktivitis) als auch eine Hornhautentzündung (Keratitis) kann bakteriell bedingt sein. Durch eine bakterielle Infektion kann sich auch ein Gersten- oder ein Hagelkorn am Auge bilden. Ein Gerstenkorn ist eine Entzündung von Talg- und Schweißdrüsen am Auge, als Hagelkorn bezeichnet man es, wenn sich um die entzündete Drüse eine Kapsel gebildet hat.

Anzeichen und Beschwerden

Gerötete und tränende Augen können ein Anzeichen für eine bakterielle Augenentzündung sein. Ist die Bindehaut betroffen, können die Augen zudem brennen, jucken und es kann sich ein Fremdkörpergefühl einstellen. Die Augen können anschwellen und morgens beim Aufwachen durch weißlich-gelbes Sekret verklebt sein.

Stärkere Schmerzen, Lichtempfindlichkeit und ein Nachlassen der Sehkraft deuten darauf hin, dass auch die Hornhaut betroffen ist.

Die Symptome von Gersten- und Hagelkorn können einander ähneln. Beim Gerstenkorn schwillt das Augenlid an, wird rot und schmerzt, wenn man darauf drückt. Beim Hagelkorn ist die Schwellung in der Regel schmerzlos.

Ursachen

Bakterielle Augenentzündungen werden meistens von Erregern aus der Gruppe der Staphylokokken und Streptokokken sowie Hämophilus- und Moraxella-Arten hervorgerufen. Oft werden sie von den Händen auf die Augen übertragen.

Bei Säuglingen

Gelegentlich gibt es bei Neugeborenen Augenentzündungen, die auf einer Infektion mit Chlamydien oder Gonokokken beruhen. Dann war bei der Frau Muttermund oder Scheide mit diesen Bakterien infiziert und das Kind hat sich auf dem Geburtsweg mit den Erregern angesteckt.

Vorbeugung

  • Geben Sie einer Person mit Bindehautentzündung nicht die Hand. Waschen Sie sich nach dem Kontakt mit einer infizierten Person mindestens 30 Sekunden lang die Hände mit Wasser und Seife.
  • Reiben Sie nicht an den entzündeten Augen, damit Sie die Krankheitserreger nicht mit den Händen von einem Auge auf das andere übertragen.
  • Verwenden Sie Papiertaschentücher, um das Auge abzuwischen, und entsorgen Sie diese so, dass sie niemand mehr anfassen muss. So verhindern Sie, dass sich andere Menschen anstecken.
  • Benutzen Sie immer ein eigenes Handtuch und einen eigenen Waschlappen.

Allgemeine Maßnahmen

Entzündeten Augen sollten Sie Ruhe gönnen. Lesen und langes Arbeiten am Bildschirm belastet die Augen. Fernsehen strengt hingegen kaum an, weil die Augen dabei nicht von Zeile zu Zeile springen müssen.

Ob warme Augenkompressen oder Spülungen mit Kochsalzlösung oder befeuchtende Augentropfen das Abheilen einer bakteriellen Augenentzündung beschleunigen können, ist wissenschaftlich nicht untersucht. Wollen Sie dennoch Kompressen auflegen, verwenden Sie keine Kamillenzusätze. Kamille kann den Reizzustand der Augen verstärken und gelegentlich zu Allergien führen.

Wann zum Arzt?

Augenbeschwerden gehen oft auf harmlose Ursachen zurück, wie etwa unspezifische Reize wie Rauch, Zugluft oder intensives UV-Licht. Wenn Sie sicher sind, dass das bei Ihnen der Fall ist, können Sie eine Bindehautentzündung zwei bis drei Tage lang ohne ärztlichen Rat behandeln. Sind die Beschwerden nach dieser Zeit nicht abgeklungen, müssen Sie einen Augenarzt aufsuchen.

Wenn Sie hingegen die Symptome und Beschwerden nicht zweifelsfrei einer Ursache zuordnen können – und die Symptome vieler schwerwiegender Augenerkrankungen ähneln denen einer Bindehautentzündung –, ist ein baldiger Besuch in der Augenarztpraxis ratsam.

Eine Augenentzündung, die durch Bakterien oder Viren bedingt ist, muss ärztlich behandelt werden. Eine solche lässt sich unter anderem daran erkennen, dass das Sekret eitrig-dickflüssig und gelblich ist.

Bei Kindern

Hat sich bei einem Säugling oder Kleinkind ein Auge entzündet, sollten Sie immer eine Arzt aufsuchen.

Behandlung mit Medikamenten

Rezeptpflichtige Mittel

Neben Bakterien können auch Viren Auslöser einer Bindehautentzündung sein, gegen die Antibiotika aber nichts ausrichten können.

Am besten wäre es, wenn der Arzt vor dem Einsatz von antibiotikahaltigen Augenmitteln die Erreger mittels Abstrich aus der Bindehaut bestimmt und danach einen Wirkstoff auswählt, der sie optimal bekämpft. So geht der Arzt aber meist nur bei sehr schweren Infektionen vor. Üblicherweise werden die Erreger erst nachgewiesen, wenn das zunächst eingesetzte Antibiotikum die Infektion nach fünf Tagen Anwendung nicht beseitigt hat. Dieser Test zeigt dann auch, ob die Erreger bereits gegen einen der gebräuchlichen Arzneistoffe unempfindlich geworden sind. Näheres zur Resistenzentwicklung lesen Sie unter Antibiotika allgemein.

Antibiotika, mit denen Augenerkrankungen behandelt werden, sollen nach Möglichkeit bei Infektionen im übrigen Körper nicht verwendet werden. So verringert sich das Risiko, dass Erreger gegen Antibiotika resistent werden.

Diese Forderung erfüllt das Antibiotikum Kanamycin aus der Gruppe der Aminoglycoside. Es wirkt gegen viele Bakterien, die bei Augeninfektionen eine Rolle spielen, und wird daher als "geeignet" eingestuft. Gentamicin ist ebenfalls ein Aminoglycosid und hat ein dem Kanamycin vergleichbares Wirkspektrum. Weil es aber bei lebensbedrohlichen Infektionen in Kombination mit anderen Antibiotika als Infusion angewendet wird, sollte es zur lokalen Anwendung nur sehr zurückhaltend eingesetzt werden. Allerdings ist Gentamicin bei bakteriellen Augeninfektionen gut wirksam und Resistenzen entwickeln sich bei Aminoglycosiden nur langsam. Daher gilt es dennoch als "geeignet".

Als "geeignet" werden Augenmittel mit einem derart bewerteten Wirkstoff eingestuft, wenn sie unkonserviert sind. Konservierte Mittel gelten als "auch geeignet". Näheres zu den Gründen lesen Sie unter Konservierungsmittel.

Erst wenn die bisher genannten Antibiotika wirkungslos geblieben sind, kommen Chinolone wie Ciprofloxacin, Levofloxacin, Moxifloxacin und Ofloxacin in Betracht. Diese Art von Antibiotika wird bei Infektionen im übrigen Körper eingesetzt. Es zeigt sich, dass manche Bakterien gegenüber Chinolonen relativ schnell unempfindlich werden; darüber hinaus ist zu berücksichtigen, dass sich bei diesen Mitteln eine Allergie entwickeln kann. Deshalb werden Chinolone bei bakteriellen Augeninfektionen als "mit Einschränkung geeignet" bewertet.

Die gleiche Bewertung erhält Azithromycin. Es ist der erste Vertreter aus der Gruppe der Makrolide, den es zur lokalen Anwendung am Auge gibt. Auch dieser Wirkstoff dient zur Behandlung von Infektionen im gesamten Körper und sollte bei lokal begrenzten Infektionen, wie zum Beispiel am Auge, zurückhaltend eingesetzt werden. Es besteht die Gefahr einer Resistenzentwicklung gegen den Wirkstoff – auch wenn dieser bei einer anderen Erkrankung später eingenommen werden muss; außerdem können dann in der Folge auch andere Makrolide wie Clarithromycin und Erythromycin eventuell nicht mehr wirken.

Fusidinsäure ist eingeschränkt geeignet, weil sie nur bei Infektionen eingesetzt werden kann, die durch Staphylokokken – eine spezielle Gruppe von Bakterien – hervorgerufen worden sind. Die Einschränkung bei Oxytetracyclin beruht darauf, dass es nur bei Infektionen sinnvoll ist, die durch Chlamydien – einer anderen Sorte von Bakterien – verursacht werden.

Eine Kombination aus verschiedenen Antibiotika: Gramicidin + Neomycin + Polymyxin B ist wenig geeignet, um bakterielle Augenentzündungen zu behandeln, denn es ist nicht ausreichend nachgewiesen, dass es vorteilhafter ist, sie gemeinsam anzuwenden als eine der Substanzen allein.

Kombinationen aus Antibiotika und Glucocorticoiden gelten zur Behandlung der üblichen bakteriellen Infektionen als "wenig geeignet", da das Glucocorticoid die Abwehrkraft des Immunsystems hemmt und der Körper die Keime dadurch schlechter bekämpfen kann. Zu diesen Kombinationen gehören: Gentamicin + Dexamethason, Neomycin + Dexamethason, Neomycin + Polymyxin + Dexamethason, Oxytetracyclin + Dexamethason oder Prednisolon.

Nach Operationen am Auge, wie zum Beispiel dem Austausch der Augenlinse gegen eine Kunstlinse bei grauem Star (Katarakt) oder nach einem Eingriff an der Hornhaut zur Korrektur von Fehlsichtigkeiten, werden für eine begrenzte Zeit Antibiotikum und Glucocorticoid oft gleichzeitig am Auge angewendet. Die Arzneimittel sollen Infektionen vorbeugen und gleichzeitig Entzündungen entgegenwirken. Seit kurzem gehört Tobradex, ein Präparat, das speziell für den vorbeugenden Einsatz nach Kataraktoperationen zugelassen ist, zu den meistverordneten Augenmitteln. Informationen zu diesem Arzneimittel finden Sie unter Entzündungen am Auge, Nachbehandlung von Operationen.