Medikamente im Test

Arterielle Durchblutungs­störungen

Allgemeines

Arterien (Schlagadern) sind Blutgefäße, in denen das Blut vom Herzen ausgehend in den Organismus fließt. In allen diesen Adern können sich Ablagerungen aus Kalk, Blutzellen und Fett (Plaques) bilden, die den Blutfluss behindern (Adernverkalkung, Arteriosklerose, Atherosklerose). Je nachdem, welche Gewebe und Organe diese Arterien versorgen, ist deren Funktion dann mehr oder weniger beeinträchtigt:

  • Ablagerungen in den Herzkranzgefäßen führen dazu, dass der Herzmuskel zu wenig Sauerstoff zur Verfügung hat und nicht voll funktionsfähig ist. Stockt der Blutfluss vollständig in einer oder mehreren Adern, wird der dahinterliegende Bezirk des Herzmuskels nicht mehr durchblutet und es kommt zum Herzinfarkt. Durchblutungsstörungen in den Herzkranzgefäßen und ihre medikamentöse Behandlung werden unter Koronare Herzkrankheit besprochen.
  • Engstellen in den Schlagadern im Hals stören die Sauerstoffversorgung des Gehirns und stellen somit eine latente Gefahr für einen Schlaganfall dar.
  • Sind die Blutgefäße im Gehirn durch Ablagerungen "verkalkt", sind häufig Gedächtnisleistung und Orientierungsfähigkeit beeinträchtigt (vaskuläre Demenz). Durch andere Ursachen bedingte Hirnleistungsstörungen werden unter Demenzerkrankungen besprochen.
  • Nicht selten verstopfen Ablagerungen die Arterien im Becken oder in den Beinen (periphere arterielle Verschlusskrankheit, abgekürzt PAVK). Dadurch können Behinderungen beim Gehen auftreten (Schaufensterkrankheit, medizinisch: Claudicatio intermittens, lateinisch für "vorübergehendes Hinken"). Zudem steigt das Risiko für eine Beinamputation. Bei etwa der Hälfte der PAVK-Patienten sind die Oberschenkelarterien verschlossen, bei einem Drittel geht die PAVK von den Beckenarterien aus. Engstellen in Arterien an Unterschenkel, Fuß und Zehen finden sich häufig bei Menschen mit Diabetes. Die Ablagerungen bilden sich bevorzugt an einer Gefäßverzweigung (Bifurkation). In der Oberschenkelarterie (Arteria femoralis) ist häufig auch die Stelle betroffen, an der das Blutgefäß oberhalb des Knies durch eine Muskellücke (Adduktorenkanal) hindurch verläuft. In diesem Bereich entstehen Ablagerungen besonders leicht, weil die Gefäßwand dort aufgrund mechanischer Beanspruchung chronisch gereizt ist.

An den Ablagerungen können sich Blutgerinnsel (Thromben) bilden, die die Adern und somit auch den Blutfluss blockieren. Diese Blutgerinnsel können sich ablösen, mit dem Blut wegtreiben und nachfolgende kleinere Adern vollständig blockieren (Embolie).

Anzeichen und Beschwerden

Periphere arterielle Verschlusskrankheit (PAVK)

Ablagerungen in den Becken- und Beinarterien verursachen im Anfangsstadium keine Beschwerden ("Stadium I einer PAVK"). Erst wenn sich das Blutgefäß im Lauf der Zeit (über Jahre oder Jahrzehnte hinweg) verengt und schließlich nur noch 30 bis 50 Prozent der Ader durchlässig sind, macht sich das mit Schmerzen bemerkbar. Diese kommen und gehen, mal sind sie schlimmer, dann stagnieren sie wieder. Häufig sind die Füße kalt oder die Zehen fühlen sich taub an. Die Schmerzen betreffen vorwiegend die Bereiche unterhalb der Engstellen. Sind die Beckenarterien verstopft, schmerzen also meist die Gesäßregion und/oder die Oberschenkel. Sind die Oberschenkelarterien betroffen, tun die Waden weh, ähnlich wie bei einem Muskelkater. Bei Ablagerungen in den Unterschenkelgefäßen zeigen sich die Beschwerden eher an den Füßen. Es kann aber ebenso gut sein, dass Waden- oder Fußschmerzen auf verengte Beckenarterien zurückgehen.

Die Schmerzen treten anfangs nur beim Gehen auf und verschwinden in Ruhe nach wenigen Minuten. Mit der Zeit nehmen sie so zu, dass im fortgeschrittenen Stadium nur noch wenige Meter am Stück schmerzfrei zurückgelegt werden können. Dann wird die PAVK als "Schaufensterkrankheit" bezeichnet: Die Schmerzen zwingen die Betroffenen dazu, vor jedem Schaufenster stehenzubleiben. Nach einer Weile lassen die Beschwerden nach und man kann ein Stück weitergehen, bis erneut Schmerzen auftreten.

Wenn die Krankheit fortschreitet, verschwinden die Schmerzen auch in Ruhe nicht mehr und bleiben sogar nachts bestehen. Oft lassen sie nach, wenn das Bein aus dem Bett hängt. Viele PAVK-Kranke schlafen im Sitzen, weil sie die Schmerzen im Liegen nicht ertragen.

Im letzten Krankheitsstadium ist die Durchblutung so schlecht, dass Teile des Fußes absterben (Stadium IV der PAVK), meist zuerst an den Zehen (Nekrose, Gangrän). Dann ist eine Amputation von Zehen, Fuß oder Unterschenkel oft nicht mehr zu vermeiden. Nur damit lässt sich dann verhindern, dass sich die Gangrän ausdehnt und eine Blutvergiftung auslöst.

Eine PAVK wird in vier Stadien eingeteilt:

  • Stadium I: Es sind Ablagerungen vorhanden, sie verursachen aber noch keine Beschwerden.
  • Stadium II: Unter Belastung – z. B. beim Gehen – treten Schmerzen auf. Im Stadium IIa beträgt die schmerzfreie Gehstrecke über 200 Meter, im Stadium IIb liegt sie darunter.
  • Stadium III: Das Bein schmerzt auch in Ruhe.
  • Stadium IV: Am Fuß oder Bein ist die Durchblutung so schlecht geworden, dass offene Geschwüre entstehen oder Gewebe abstirbt (Gangrän).

Durchblutungsstörungen im Gehirn

Ablagerungen in den Hals- und Kopfschlagadern können dazu führen, dass Empfindungs- und Wahrnehmungsstörungen auftreten, beispielsweise ein vorübergehendes Taubheits- und Schwächegefühl in einem Arm oder Bein, Schwierigkeiten beim Sprechen oder Sehen. Das sind Anzeichen dafür, dass das Gehirn nicht mehr genügend mit Sauerstoff versorgt wird. Solche nur wenige Minuten oder auch bis zu 24 Stunden anhaltenden, mit Blutmangel einhergehenden Anfälle (medizinisch als transitorische ischämische Attacken bezeichnet, abgekürzt TIA) sind oft Vorboten eines Schlaganfalls.

Durchblutungsstörungen im Gehirn können auch die Hirnleistungsfähigkeit beeinträchtigen. Eine solche vaskuläre Demenz entwickelt sich langsam und verstärkt sich über Jahre hinweg immer mehr. Im Allgemeinen beginnt sie mit Schwindelgefühlen. Mit der Zeit entwickeln sich Vergesslichkeit und Störungen der Gedächtnisleistung.

Ursachen

Arterielle Durchblutungsstörungen sind meist auf Ablagerungen (Plaques) in den Blutgefäßen zurückzuführen. Sie entstehen, wenn die empfindliche Arterieninnenwand (Intima) sich verdickt. Dann beginnt die Muskulatur der Arterienwand zu wachsen, Fett und kalkhaltige Verbindungen lagern sich ein, sodass sich die Blutgefäße verengen (Arteriosklerose). Die Engstellen führen dazu, dass der Stoffwechsel in der Muskulatur aufgrund der gestörten Durchblutung nicht in gewohnter Form aufrechterhalten werden kann. In den Beinen entstehen dann die typischen Beschwerden (Schmerzen beim Gehen und in Ruhe). Mit der Zeit können diese Plaques so groß werden, dass sie das Blutgefäß komplett verschließen.

Die Ablagerungen in den Blutgefäßen werden durch erbliche Faktoren, in erheblichem Maße aber auch durch eine ungesunde Lebensweise begünstigt:

  • ungesunde Ernährung mit einem zu hohen Anteil an tierischen Fetten und gesättigten Fettsäuren (gehärtete Fette)
  • Bewegungsmangel
  • hoher Blutdruck
  • Diabetes
  • Rauchen
  • Übergewicht.

Die Arterien, vorwiegend in Bauch, Becken und Beinen, können über lange Strecken Kalk einlagern. Dadurch werden sie hart und unelastisch, was die Durchblutung ebenfalls beeinträchtigt.

In seltenen Fällen entstehen Durchblutungsstörungen aufgrund von Entzündungen oder Krämpfen (Spasmen) in den Blutgefäßen.

Vorbeugung

Sie können selbst einiges dazu beitragen, dass die Adern möglichst frei von Ablagerungen bleiben:

  • Geben Sie das Rauchen auf. Rauchen ist der wichtigste Risikofaktor für eine PAVK!
  • Folgende Produkte sollten Sie meiden: Gehärtete Pflanzenfette (enthalten Transfette, d. h. ungesättigte Fettsäuren mit mindestens einer Doppelbindung in der trans-Form); andere Produkte mit Transfetten wie Fertiggerichte, frittierte Produkte, Kartoffelchips sowie Fette mit vielen gesättigten Fettsäuren (Kokos- und Palmfett, Schmalz, Majonnaise, Speck). Günstig ist dagegen eine "Mittelmeerkost" mit einem hohen Anteil an Gemüse und frischem Obst in Kombination mit Getreideprodukten, Meeresfischen, Nüssen (vor allem Walnüssen) und Olivenöl.
  • Hoher Blutdruck sollte auf Werte unter 140/90 mmHg gesenkt werden. Das ist besonders wichtig, wenn Sie zusätzlich Diabetes haben.
  • Sorgen Sie dafür, dass Sie sich täglich eine halbe Stunde bewegen: Spazierengehen, Gartenarbeit, Sport (geeignet sind vor allem Ausdauersportarten wie Joggen, schnelles Gehen, Schwimmen, Radfahren, Skilanglauf). Zusammen mit einer bedarfsangepassten Ernährung gelingt es so leichter, Übergewicht abzubauen und gleichzeitig den Blutdruck zu senken.
  • Körperlich aktiv zu bleiben, soziale Kontakte zu fördern und seine geistigen Fähigkeiten gezielt zu nutzen, etwa durch das Erlernen und Spielen eines Instruments, können dazu beitragen, dass die Leistungsfähigkeit des Gehirns auch im hohen Alter möglichst lange erhalten bleibt.
  • Da Stress bei einer bestehenden Arteriosklerose das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall steigert, sollten Sie lernen, sich ausreichend zu entspannen.

Weitere Hinweise finden Sie unter Erhöhte Blutfette und Hoher Blutdruck.

Allgemeine Maßnahmen

Alles, was Durchblutungsstörungen vorbeugt, ist auch ratsam, wenn bereits Ablagerungen in den Blutgefäßen vorhanden sind. Das gilt insbesondere für das Rauchen. Sie sollten es unbedingt aufgeben. Darüber hinaus sind folgende Maßnahmen sinnvoll:

  • Wenn Sie Diabetes haben, sollten Sie darauf achten, dass der Blutzucker möglichst gut reguliert wird.
  • Besteht bereits eine PAVK und ist auch schon ein Schlaganfall oder Herzinfarkt aufgetreten, sollte der Wert für LDL-Cholesterin unter 100 mg/dl liegen, was in der Praxis allerdings oft nur schwer zu erreichen ist.
  • Der Blutdruck sollte nicht über 140/90 mmHg liegen.
  • Verstopfte Arterien in Hals, Becken und Beinen können durch künstliche Adern ersetzt werden.
  • Engstellen und Verschlüsse in den Arterien lassen sich mit einem Ballonkatheter mechanisch aufdehnen (Ballondilatation) oder operativ entfernen. Langstreckige harte Ablagerungen in den Beinarterien können auch mit Minifräsen abgeraspelt werden. Anschließend wird oft ein Stent eingesetzt. Stents sind feinmaschige Gewebe, z. B. aus sehr feinem Drahtgeflecht, die die Blutgefäße auskleiden und somit offen halten.
  • Eine vitaminreiche und ausgewogene Ernährung trägt zu einem gesunden Lebensstil bei. Die Zufuhr von B-Vitaminen in Form von Nahrungsergänzungsmitteln oder Medikamenten ist aber nicht erforderlich. Die bislang vorliegenden Studien konnten nicht zeigen, dass Vitamin B6, B12 und Folsäure die Herzinfarkt- oder Schlaganfallrate senken. Auch das Sterberisiko blieb unbeeinflusst.
  • Dies trifft auch für die Einnahme von Vitamin E und/oder Omega-3-Fettsäuren (Fischöl) zu. Beides hat bei Menschen, bei denen sich bereits ein Herzinfarkt ereignet hat, kaum einen Einfluss auf das Risiko für einen zweiten Herzinfarkt. Eine langjährige, hoch dosierte Vitamin E-Einnahme steht zudem im Verdacht, das Risiko für Schlaganfälle und auch geringfügig das Prostatakrebsrisiko zu erhöhen.
  • Wenn aufgrund der schlechten Durchblutung bestimmte Gliedmaßen (z. B. die Zehen) trotz Ballondilatation, operativer Eingriffe und eventuell einer medikamentösen Therapie mit Prostaglandinen absterben, bleibt nur die Amputation, weil von den abgestorbenen Gewebeteilen lebensbedrohliche Infektionen ausgehen können.

Wann zum Arzt?

Arterielle Durchblutungsstörungen aufgrund von Arteriosklerose sollten Sie grundsätzlich nicht selbst behandeln. Dies umso mehr, als sie meistens mit behandlungsbedürftigen Begleiterkrankungen wie erhöhtem Blutdruck, erhöhten Blutfetten, Diabetes oder Herzkrankheiten einhergehen. Im Allgemeinen sind zur Behandlung rezeptpflichtige Medikamente erforderlich.

Nach Eingriffen an den Arterien sowie nach einem Herzinfarkt oder Schlaganfall kann Acetylsalicylsäure (in einer Dosierung bis zu 300 Milligramm pro Tablette, meist aber 100 Milligramm) zulasten der gesetzlichen Krankenkassen verordnet werden. Näheres hierzu lesen Sie in der Ausnahmeliste.

Behandlung mit Medikamenten

Ziel der Behandlung aller Formen von arteriellen Durchblutungsstörungen ist es, die Blutversorgung im Bein zu verbessern, vor allem aber geht es darum, Herzinfarkt und Schlaganfall vorzubeugen. Denn sehr häufig besteht neben den Durchblutungsstörungen in den Beinen eine mangelnde Blutversorgung in den Herzkranz- und Hirngefäßen, auch wenn diese bisher noch keine Beschwerden gemacht hat. Deshalb müssen häufig auch Medikamente zur Senkung erhöhter Blutfett- oder Blutzuckerspiegel sowie Mittel gegen Bluthochdruck eingesetzt werden. Es gibt Hinweise, dass eine Behandlung mit ACE-Hemmern bei erhöhtem Blutdruck bei gleichzeitig bestehender PAVK auch die Gehstrecke verbessert.

Rezeptfreie Mittel

Bei allen arteriellen Durchblutungsstörungen ist Acetylsalicylsäure (ASS) in niedriger Dosierung geeignet, um zu verhindern, dass Blutplättchen verkleben und sich Blutgerinnsel bilden. Vorhandene Ablagerungen lassen sich damit jedoch nicht beeinflussen. ASS verringert nach einem Herzinfarkt oder Schlaganfall das Risiko, dass erneut ein solches Ereignis auftritt. Darüber hinaus kann niedrig dosierte ASS auch dazu beitragen, einen Herzinfarkt beziehungsweise Schlaganfall zu verhindern, wenn das Risiko dafür durch koronare Herzkrankheit, PAVK oder Durchblutungsstörungen im Gehirn besonders hoch ist. Bei der Entscheidung für eine niedrig dosierte ASS-Therapie sollte aber auch das individuelle Blutungsrisiko berücksichtigt werden. Manchmal ist es nötig, zusätzlich magenschützende Medikamente einzunehmen. Dies sollte jedoch immer in Absprache mit einem Arzt geschehen.

Alle anderen für die Selbstmedikation angebotenen Medikamente zur Vorbeugung und Behandlung von Durchblutungs- oder Hirnleistungsstörungen können die Therapie mit anderen, rezeptpflichtigen Mitteln nicht ersetzen. Da für keines der rezeptfreien Mittel die therapeutische Wirksamkeit nachgewiesen ist, sollten Sie auf diese Präparate verzichten.

Das gilt bei PAVK auch für Extrakte aus Ginkgo, deren therapeutische Wirksamkeit bei dieser Krankheit nicht ausreichend nachgewiesen ist. Diese rezeptfrei erhältlichen Präparate sind bei arteriellen Durchblutungsstörungen nicht zulasten der gesetzlichen Krankenversicherung erstattungsfähig, sondern nur bei Demenzerkrankungen, bei denen die Studienlage zur Wirksamkeit etwas besser ist.

Rezeptpflichtige Mittel

Der Wirkstoff Clopidogrel , der wie ASS zu den Thrombozytenfunktionshemmer gehört, ist ebenfalls geeignet, um zu verhindern, dass Blutplättchen (Thrombozyten) verkleben und sich Blutgerinnsel bilden. Auch lässt sich mit diesem Wirkstoff das Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall verringern, wenn sich bereits ein Herzinfarkt oder Schlaganfall ereignet hat (Sekundärprophylaxe) oder wenn das Risiko für ein solches Ereignis durch eine koronare Herzkrankheit oder PAVK besonders hoch ist. Das Mittel gilt als Basismedikament, das auch dann eingesetzt wird, wenn keine weitere medikamentöse Behandlung nötig ist.

Der Wirkstoff Prasugrel ähnelt in seiner chemischen Struktur Clopidogrel, wird aber im Körper anders verstoffwechselt. Das hat den Vorteil, dass das Mittel die Blutgerinnung schneller hemmt als Clopidogrel. Bei einem Herzinfarkt (akutes Koronarsyndrom) kommt es unter Prasugrel im Vergleich zu Clopidogrel seltener zu einem erneuten Infarkt. Dieser Vorteil wird aber mit einem erhöhten Risiko für schwere Blutungen erkauft, die in seltenen Fällen auch tödlich verlaufen können. Wenn Sie früher bereits einen Schlaganfall erlitten haben, über 75 Jahre alt sind oder weniger als 60 kg wiegen, profitieren Sie nicht von der Gabe von Prasugrel. In diesen Fällen darf der Wirkstoff nicht, nur ausnahmsweise oder in niedriger Dosierung eingesetzt werden. Prasugrel ist noch wenig erprobt und wird in Kombination mit Acetylsalicylsäure als "auch geeignet" erachtet, wenn bei oder nach einem akuten Herzinfarkt eine Ballondilatation mit oder ohne Stenteinlage notwendig ist.

Der Wirkstoff Ticagrelor wird ebenso wie Clopidogrel und Prasugrel gemeinsam mit Acetylsalicylsäure angewendet, um nach einem akuten Herzinfarkt zu verhindern, dass sich die Arterien erneut verschließen. Das Mittel kann als alleinige medikamentöse Therapie eingesetzt werden, aber ebenso im Zusammenhang mit einer Ballondilatation mit oder ohne Stenteinlage beziehungsweise einer Bypassoperation. Nach den bisher vorliegenden Untersuchungen ist Ticagrelor nur in bestimmten Fällen wirksamer als die Alternativen Clopidogrel und Prasugrel. Es wirkt nur bei akutem Koronarsyndrom besser, wenn bestimmte Veränderungen im EKG fehlen, wenn also – vereinfacht gesagt – nur ein leichter Herzinfarkt vorliegt. In Kombination mit ASS verhindert Ticagrelor dann mehr Todesfälle und mehr Herzinfarkte als die Kombination aus Clopidogrel und ASS. Das Risiko für schwere Blutungen steigt nach den bisherigen Erkenntnissen nicht an. Aufgrund dieses Zusatznutzens ist Ticagrelor bei diesem Personenkreis geeignet. Bei einem schweren Herzinfarkt mit typischen Veränderungen im EKG gilt Ticagrelor als "auch geeignet". In diesem Einsatzgebiet ist es noch wenig erprobt, auch liegen keine direkten Vergleichsstudien zu den Alternativpräparaten Prasugrel und ASS vor.

Der Wirkstoff Tiklopidin ist aufgrund seiner möglichen unerwünschten Wirkungen mit Einschränkung geeignet und kommt nur infrage, wenn ASS und Clopidogrel nicht angewendet werden können.

Nach einem akuten schweren Herzinfarkt oder bei ausgeprägter Angina Pectoris mit oder ohne anschließende Ballondilatation und Stenteinlage kann die zeitlich befristete Behandlung mit einer Kombination aus zwei Thrombozytenfunktionshemmern weitere schwere Infarkte vermeiden helfen. Dafür ist eine Kombination aus den beiden Thrombozytenfunktionshemmern Acetylsalicylsäure + Clopidogrel geeignet.

Rivaroxaban hemmt ähnlich wie Heparin den Faktor Xa der Blutgerinnung. Das Mittel wird daher vor allem bei Venenerkrankungen und Thrombosen eingesetzt. Anders als Heparin muss es jedoch nicht gespritzt werden, sondern wird als Tablette eingenommen. Seit 2013 darf Rivaroxaban zusammen mit Thrombozytenfunktionshemmern auch bei arteriellen Durchblutungsstörungen eingesetzt werden, um einen erneuten Herzinfarkt zu verhindern. Dafür ist das Mittel jedoch wenig geeignet, ob in Kombination mit ASS oder in Kombination mit ASS und Clopidogrel oder Ticagrelor, weil die therapeutische Wirksamkeit nicht ausreichend nachgewiesen ist. Rivaroxaban hat in diesem Fall nur einen geringen positiven Effekt auf das Auftreten kardiovaskulärer Ereignisse, führt aber zu deutlich mehr klinisch relevanten Blutungen. Nachteilig ist auch, dass es derzeit noch kein zugelassenes spezifisches Gegenmittel für Rivaroxaban gibt, was z. B. bei akuten starken Blutungen wichtig wäre.

Die Kombination aus den Thrombozytenfunktionshemmern Acetylsalicylsäure + Dipyridamol ist dagegen wenig geeignet, um vorübergehende Durchblutungsstörungen im Gehirn (TIAs) zu vermeiden oder einem erneuten Schlaganfall vorzubeugen. Es ist noch nicht ausreichend nachgewiesen, dass die Kombination wirksamer ist als die Einzelsubstanzen in der in diesem Präparat vorliegenden Dosierung. Wohl aber können bei längerer Anwendung dieses Mittels vermehrt schwerwiegende Blutungen auftreten. Außerdem gibt es Hinweise darauf, dass Acetylsalicylsäure allein besser wirkt als das Kombinationspräparat, wenn ASS ausreichend hoch dosiert wird (über 75 Milligramm pro Tag).

Naftidrofuryl ist zur Behandlung peripherer arterieller Durchblutungsstörungen im Stadium II (Claudicatio intermittens) nur zugelassen, wenn die Claudicatio tatsächlich Folge einer PAVK ist, wenn keine Herzschwäche besteht und wenn andere Therapien wie ein Gehtraining oder das Aufdehnen der Engstellen in den Blutgefäßen, auch mit Einlage eines Stents oder Einsatz von künstlichen Adern nicht möglich sind. Hierfür ist das Mittel geeignet. Ob Naftidrofuryl auch dann nützlich ist, wenn bereits ein Gehtraining erfolgt, ist nicht untersucht.

Cilostazol ist bei peripheren arteriellen Durchblutungsstörungen in den Beinen mit Einschränkung geeignet. Da seit seiner Markteinführung (2007) immer wieder über Blutungen und schwerwiegende unerwünschte Wirkungen am Herzen berichtet wurde, gelten inzwischen strengere Einschränkungen für die Anwendung dieses Mittels. Es darf erst dann eingesetzt werden, wenn Lebensstiländerungen einschließlich körperlichen Trainings unter Anleitung und Aufgeben des Rauchens keine Besserung erbracht haben. Aber auch dann sollte es nur angewendet werden, wenn eine ausgeprägte Claudicatio intermittens vorliegt und ein Gehtraining sowie andere Therapien wie ein Aufdehnen der Engstellen in den Blutgefäßen mit Einlage eines Stents oder Gefäßoperationen nicht möglich sind. Nach drei Monaten muss überprüft werden, ob die weitere Anwendung wirklich sinnvoll ist.

Pentoxifyllin ist bei arteriellen Durchblutungsstörungen wenig geeignet, weil seine therapeutische Wirksamkeit nicht ausreichend nachgewiesen ist.

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