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Allergisches Asthma

Allgemeines

Allergien sind der häufigste Grund dafür, dass sich im Kindes- und Jugendalter Asthma entwickelt. Reagiert der Organismus schon jahrelang z. B. mit einem heftigen Heuschnupfen auf Blütenpollen oder lässt sich der Kontakt zu einem Allergen, das allergischen Dauerschnupfen auslöst, nicht vermeiden, kann es sein, dass die entzündliche allergische Reaktion auch die Bronchien erfasst und Asthmaanfälle auslöst ("Etagenwechsel"). Das gilt insbesondere, wenn die Beschwerden des Heuschnupfens nicht ausreichend behandelt werden.

Anzeichen und Beschwerden

Typisches Kennzeichen für allergisches Asthma ist eine anfallsweise einsetzende Atemnot, die auch von dem Gefühl einer Brustenge und/oder Husten begleitet sein kann. Durch den Reiz des Allergens entzündet sich die Bronchialschleimhaut und schwillt an. Dadurch verengen sich die Bronchien, außerdem verkrampft sich die Bronchialmuskulatur und die Schleimhaut sondert vermehrt klaren, zähen Schleim ab, was das Atmen noch mehr erschwert.

Die Asthmaanfälle treten häufig nachts oder in den frühen Morgenstunden auf und gehen mit einem pfeifenden Atemgeräusch (Giemen) einher. Insbesondere das Ausatmen ist erschwert.

Ursachen

Dass die Bronchialschleimhaut auf bestimmte Stoffe aus der Umwelt überempfindlich reagiert, ist meist erblich bedingt (Atopie). Auslöser können z. B. Tierhaare sein oder Blütenpollen, Hausstaubmilben oder Schimmelpilze, aber auch Nahrungsmittel wie Hühnereier, Nüsse, Äpfel, Fisch, Kiwis und Erdbeeren. Auch Medikamente (vor allem Acetylsalicylsäure, Betablocker), Farben, Klebstoffe und Haushaltsreiniger können Asthmaanfälle verursachen.

Reizstoffe wie Auto- und Industrieabgase, Ozon und Tabakrauch können die Empfindlichkeit der Schleimhäute in den Atemwegen verstärken (Sensibilisierung) und somit zum Ausbruch eines allergischen Asthmas beitragen oder ein vorhandenes Asthma verstärken.

Bei Kindern

Gelegentlich geht allergischem Asthma ein Heuschnupfen voraus.

Vorbeugung

Siehe die unter Allergie allgemein aufgeführten Maßnahmen.

Allgemeine Maßnahmen

Siehe hierzu die unter Allergie allgemein und Asthma aufgeführten Maßnahmen.

Wann zum Arzt?

Ein Asthma, gleich welchen Auslösers, bedarf einer sorgfältigen Behandlung und Betreuung durch einen Arzt. Wenn Sie bereits einen allergischen Schnupfen haben und zusätzlich Atemnot auftritt, hat die Allergie sich eventuell auf die Bronchien ausgeweitet ("Etagenwechsel").

Behandlung mit Medikamenten

Rezeptpflichtige Mittel

Allergisches Asthma wird grundsätzlich mit den gleichen Medikamenten behandelt, die auch bei nichtallergischem Asthma eingesetzt werden. Das bedeutet: Hat ein Asthmatiker akut Atembeschwerden, wendet er zunächst kurzwirkende Beta-2-Sympathomimetika (Fenoterol, Salbutamol und Terbutalin) zum Inhalieren an. Diese Mittel lösen die verkrampfte Bronchialmuskulatur und erweitern auf diese Weise die Bronchien. Dauert das allergische Asthma längere Zeit an (z. B. eine ganze Pollenflugsaison), sind cortisonhaltige Mittel zum Inhalieren als Dauermedikamente erforderlich, um die entzündliche Reaktion in den Bronchien abzumildern. In dieser Situation werden kurzwirkende Beta-2-Sympathomimetika meist noch zusätzlich nach Bedarf eingesetzt.

Mitunter reichen diese beiden Wirkstoffe nicht aus, um einen Alltag ohne allergische Beschwerden zu ermöglichen und allergische Asthmaanfälle ausreichend zu verhindern. Dann können zusätzlich zu Glucocorticoiden als Dauermedikation langwirkende Beta-2-Sympathomimetika inhaliert werden. In Ausnahmefällen können die Glucocorticoide auch mit Montelukast zum Einnehmen kombiniert werden.

Im Übrigen gelten zur Erstbehandlung der verschiedenen Asthmastadien die Angaben unter Asthma. Im späteren Verlauf der Erkrankung richtet sich die Auswahl der Medikamente nach den Beschwerden und danach, wie ausgeprägt diese sind (Testurteile zu Asthmamitteln).

Eine weitere Behandlungsmöglichkeit, die aber nur bei bestimmten Patienten mit schwerem allergischen Asthma in Frage kommt, ist die Gabe des Antikörpers Omalizumab. Dieser bindet im Blut einen körpereigenen Antikörper (IgE), der bei allergisch bedingtem Asthma die sich steigernde Entzündung in den Atemwegen auslöst. Der Wirkstoff sollte nur bei einem schweren Krankheitsbild eingesetzt werden, wenn die Patienten bereits täglich hochdosierte Glucocorticoide und langwirkende Beta-Sympathomimetika inhalieren und dennoch Beschwerden haben oder akute Verschlechterungen eintreten. Zusätzlich müssen noch weitere Bedingungen erfüllt sein, bevor mit Omalizumab behandelt werden kann. Dann kann das Mittel als Zusatztherapie akute Verschlechterungen vermindern. Omalizumab wird unter die Haut gespritzt. Allerdings kann es in seltenen Fällen schwere Überempfindlichkeitsreaktionen auslösen und auch seine Langzeitverträglichkeit ist noch unklar. Omalizumab gilt als "mit Einschränkung geeignet".

Allergenextrakte aus Pollen von Gräsern, frühblühenden Sträuchern und Bäumen (Birke, Erle, Hasel), die unter die Haut gespritzt werden (subkutane Immuntherapie, abgekürzt SKIT), sind "mit Einschränkung geeignet" bei allergischem Asthma. Voraussetzungen für ihren Einsatz sind zum einen ein eindeutiger Nachweis, dass eine Sensibilisierung stattgefunden hat und zum zweiten, dass bei einem Allergenkontakt deutliche Beschwerden auftreten. Eine solche Hyposensibilisierung kann zwar die Symptome eines bereits vorhandenen allergischen Asthmas etwas bessern und den Medikamentenverbrauch reduzieren, allerdings verschwinden die Symptome nicht vollständig. Ob die Immuntherapie das Fortschreiten der Erkrankung positiv beeinflusst, ist unklar. Besteht das Asthma schon lange, zeigt eine Hyposensibilisierung meist nur eine unzureichende Wirkung. Studien, in denen eine solche spezifische Immuntherapie mit cortisonhaltigen Mitteln zum Inhalieren verglichen wurden, konnten keine Wirkvorteile für die Hyposensibilisierung aufzeigen. Da Allergenextrakte zum Spritzen mit schwerwiegenden unerwünschten Wirkungen (z. B. anaphylaktischer Schock) verbunden sein können, sollte eine spezifische Immuntherapie erst erfolgen, wenn die als "geeignet" erachteten anderen Mittel zur Asthmabehandlung nicht mehr ausreichend wirken oder es nicht möglich ist, das Allergen zu meiden.

Allergenextrakte gegen Gräserpollen, die unter der Zunge angewendet werden – entweder als Tropfen oder als Tablette (sublinguale Immuntherapie, abgekürzt SLIT) –, sind zwar leichter anzuwenden als die Spritzen. Aber auch bei ihnen sind schwerwiegende unerwünschte Wirkungen wie (z. B. anaphylaktischer Schock) nicht auszuschließen. Sie gelten als "mit Einschränkung geeignet", und stellen eine Therapieoption dar, wenn die als "geeignet" erachteten Mittel zur Asthmabehandlung nicht mehr ausreichend wirken oder es nicht möglich ist, das Allergen zu meiden.

Auch die Allergenextrakte aus Hausstaubmilben zum Spritzen oder als Tablette gelten als "mit Einschränkung geeignet". Für diese Art der Anwendung liegen zwar einige Untersuchungen an Asthmapatienten oder Patienten mit Asthmabeschwerden im Zusammenhang mit einem allergischen Schnupfen vor, allerdings entsprechen diese nicht in allen Punkten der notwendigen wissenschaftlichen Qualität, sodass die Ergebnisse mit Unsicherheiten verbunden sind. Die therapeutische Wirksamkeit der Mittel muss daher in weiteren Studien noch besser belegt werden.

Bei Kindern

Bei Kindern richtet sich die Erstbehandlung nach dem Schweregrad des Asthmas. Im weiteren Verlauf der Erkrankung werden die erforderlichen Medikamente und ihre Dosierung dem Beschwerdebild angepasst. Ziel ist es, asthmabedingte Beschwerden mit der geringsten Anzahl von Asthmamitteln in der niedrigsten Dosierung möglichst vollständig zu verhindern:

  • Wenn das allergische Asthma nur zeitweise auftritt (z. B. während der Blütezeit eines bestimmten Baumes), ist eine Dauerbehandlung mit Medikamenten nicht erforderlich. Vielmehr sollten nur die akut auftretenden Asthmaanfälle behandelt werden, und dann in erster Linie mit einem Beta-2-Sympathomimetikum zum Inhalieren.
  • Wenn allergisches Asthma über einen längeren Zeitraum besteht, etwa aufgrund eines lang dauernden Pollenflugs oder einer Milbenallergie, sollten Kinder und Jugendliche mit Glucocorticoiden zum Inhalieren behandelt werden. Diese Mittel sind am wirksamsten, um Asthmaanfällen, auch allergischen, vorzubeugen.
  • Falls Glucocorticoide von Kindern zwischen 2 und 14 Jahren nicht inhaliert werden können oder von den Eltern des Kindes abgelehnt werden, kann auch mit Montelukast behandelt werden. Voraussetzung ist jedoch, dass die Kinder nur an leichtem Asthma leiden und bisher keine schwerwiegenden Asthmaanfälle hatten. Der Arzt sollte aber genau beobachten, ob das Mittel tatsächlich ausreichend wirksam ist. Bessert sich das Asthma innerhalb von vier bis acht Wochen nicht deutlich, müssen dann doch zur Dauertherapie cortisonhaltige Mittel zum Inhalieren eingesetzt werden sowie bei Bedarf – bei einem akuten Anfall – kurz wirkende Beta-2-Sympathomimetika zum Inhalieren.
  • Wenn trotz einer Basistherapie mit cortisonhaltigen Mitteln zum Inhalieren weiterhin Asthmaanfälle auftreten, sollten diese mit kurzwirkenden Beta-2-Sympathomimetika zum Inhalieren behandelt werden. Wenn kurz wirkende Beta-2-Sympathomimetika aber immer häufiger inhaliert werden müssen (z. B. mehr als dreimal pro Woche), sollte die Basistherapie angepasst werden. Dies kann durch eine Dosiserhöhung der Glucocorticoide zum Inhalieren erreicht werden. Alternativ kann auch eine Kombination aus niedrig bis mittelhoch dosiertem inhalativem Glucocorticoid und Montelukast eingesetzt werden.
  • Bei schwerem allergischem Asthma sind hoch dosierte Glucocorticoide zum Inhalieren als Dauermedikament notwendig. Alternativ kann auch hier eine Kombination aus mittelhoch bis hoch dosiertem Glucocorticoid, einem langwirkenden Beta-2-Sympathomimetikum und Montelukast eingesetzt werden. Schließlich kann es auch erforderlich sein, Glucocorticoide zum Einnehmen kurzzeitig dazuzugeben.

Bei Kindern unter fünf Jahren sollte noch keine Hyposensibilisierung erfolgen.

Neue Arzneimittel

Seit 2019 ist ein Allergenextrakt als Tablette verfügbar (Itulazax), der bei einer Baumpollenallergie (Birke und andere Frühblüher wie Erle, Hainbuche, Hasel, Eiche, Buche) unter der Zunge angewendet werden kann. In einer Studie, an der 634 Patienten mit Baumpollenallergie teilnahmen, von denen 279 auch Asthmabeschwerden hatten, verbesserten sich die allergischen Beschwerden leicht und es wurden etwas weniger antiallergische Arzneimittel gebraucht, wenn die tägliche Anwendung des Mittels vier Monate vor Beginn der Baumpollensaison begonnen wurde und auch während der Birkenpollensaison weitergeführt wurde. Juckreiz und Reizungen im Mund kommen bei mehr als 30 von 100 mit dem Allergenextrakt Behandelten vor, 8 von 100 brechen die Therapie aus diesem Grund ab. Bei zwei Studienteilnehmern trat eine schwere allergische Reaktion auf (ein schwerer Asthmaanfall, ein allergischer Schock).