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Allergischer Schnupfen

Allgemeines

Heuschnupfen tritt saisonal als allergische Reaktion auf Pollen von Blumen, Gräsern und Bäumen auf. Jeder Dritte fühlt sich dabei bei den alltäglichen Verrichtungen auf der Arbeit und zu Hause oder im sozialen Leben beeinträchtigt.

Sind andere Allergene die Ursache, bleibt der Schnupfen so lange bestehen, wie der Organismus mit dem Allergen in Kontakt ist. Dies gilt etwa für Tierhaare und Schimmelpilze oder Allergene aus dem Kot von Hausstaubmilben.

Anzeichen und Beschwerden

Die Nasenschleimhaut schwillt an und sondert vermehrt Flüssigkeit ab, begleitet von anhaltendem Niesreiz und Juckreiz im Rachen. Das Riechen oder Schmecken kann beeinträchtigt sein.

Bei starken allergischen Reaktionen kann sich die Nasenschleimhaut auch entzünden und schmerzen, viele fühlen sich schlapp und müde. Häufig tritt gleichzeitig eine allergische Bindehautentzündung auf. Auch asthmatische Beschwerden wie Husten, pfeifende Atmung und Kurzatmigkeit können auftreten.

Bei Kindern

Die Beschwerden äußern sich ähnlich wie bei Erwachsenen. Wenn die Nasenatmung blockiert ist, atmen Kinder durch den Mund ein und aus. Im Schlaf schnarchen sie dann oft hörbar und sind nach dem Aufwachen sehr durstig. Außerdem husten sie oft. Ist der Schlaf dadurch beeinträchtigt, können Lern- und Konzentrationsstörungen die Folge sein.

Ursachen

Heuschnupfen wird durch die Pollen blühender Blumen, Sträucher und Bäume hervorgerufen. Im Frühling z. B. von Haselnuss, Erle und Birke, im Sommer von Gräsern, Getreide und Wegerich, im Herbst eher durch Beifuß. Ist die Blütezeit der Pflanzen zu Ende, verschwinden auch die allergischen Beschwerden.

Allergischer Dauerschnupfen beruht meist auf einem Reiz durch Tierhaare, Schimmelpilze oder den Kot von Hausstaubmilben.

Manchmal weitet sich ein Heuschnupfen im Laufe der Zeit auch auf bestimmte Nahrungsmittel aus (Kreuzallergie).

Vorbeugung

Die unter Allergie allgemein angegebenen Maßnahmen sind auch zur Vorbeugung gegen allergischen Schnupfen geeignet.

Allgemeine Maßnahmen

Die unter Allergie allgemein angegebenen Maßnahmen sind auch bei allergischem Schnupfen sinnvoll.

Zusätzlich kann es sinnvoll sein, die Nasenschleimhaut mithilfe eines Nasenspülkännchens mit Salzlösung oder lauwarmem Leitungswasser zu spülen und zu befeuchten. Dabei können Pollen und andere Allergene für kurze Zeit aus der Nase gespült werden. Dadurch können sich die Beschwerden kurzfristig bessern.

Um eine zusätzliche Reizung der ohnehin empfindlichen Nasenschleimhaut zu vermeiden, sollten Sie nicht rauchen und rauchgeschwängerte Räume meiden.

Bei einer Kreuzallergie gegen bestimmte Obst- und Gemüsesorten kann es sinnvoll sein, die Lebensmittel zu erhitzen und damit verträglicher zu machen.

Wann zum Arzt?

Bei allergischem Dauerschnupfen sollten Sie sich unbedingt vom Arzt beraten lassen. Gegebenenfalls ist eine langfristige medikamentöse Behandlung erforderlich, die immer von einem Arzt begleitet werden sollte. Möglicherweise ist auch eine spezifische Immuntherapie (Hyposensibilisierung) angebracht. Die Mittel für diese Behandlung sind verschreibungspflichtig.

Beachten Sie darüber hinaus die Hinweise unter Allergie allgemein.

Nicht verschreibungspflichtige Arzneimittel dürfen nicht zulasten der Krankenkasse verordnet werden. Unter bestimmten Vorrausetzung kann der Arzt aber davon abweichen. Glucocorticoidhaltige Nasensprays können bei andauerndem, allergischem Schnupfen mit schwerwiegender Symptomatik verordnet werden. Wenn ein heftiger allergischer Schnupfen weder mit örtlich anzuwendenden Antihistaminika noch mit cortisonhaltigen Nasensprays ausreichend nachlässt, kann der Arzt ein Kassenrezept für Antihistaminika ausstellen, auch wenn diese nicht verordnungspflichtig sind. Näheres hierzu finden Sie in der Ausnahmeliste.

Bei Kindern

Wenn die Nasenatmung länger als zwei Wochen blockiert ist, sollten Sie das Kind einem Arzt vorstellen.

Behandlung mit Medikamenten

Rezeptfreie Mittel

Haben Sie in der Pollenflugzeit nur wenige Wochen lang einen Heuschnupfen und wissen Sie, welche Pflanzen ihn auslösen, können Sie anhand der Pollenflugvorhersage schon vor der Blütezeit damit beginnen, Nasentropfen oder -sprays mit dem Mastzellstabilisator Cromoglicinsäure anzuwenden, damit der Heuschnupfen gar nicht erst ausbricht. Damit können Sie auch einer anderen Allergie vorbeugen, wenn Sie z. B. nicht vermeiden können, mit Tieren in Kontakt zu kommen, auf deren Haare Sie allergisch reagieren. Der Wirkstoff Cromoglicinsäure ist für diesen Zweck geeignet. Sie müssen das Mittel jedoch ausreichend hoch dosieren und rechtzeitig vor Beginn des Pollenflugs oder dem Kontakt mit dem Allergen anwenden, weil es ein bis zwei Wochen dauert, bis es seine volle Wirkung entfaltet.

Ist der Niesreiz bereits sehr ausgeprägt und die Nasenschleimhaut angeschwollen, kommen Nasensprays mit örtlich anzuwendenden Antihistaminika infrage. Diese Mittel wirken sofort und Sie können sie auch verwenden, bis die Wirkung von Cromoglicinsäure einsetzt. Wenn das Mittel nicht ausreichend wirkt oder wenn zu erwarten ist, dass die Blühperiode lange dauert (z. B. bei einer Allergie auf Birken-, Gräser- oder Getreidepollen), sollten Sie Antihistaminika zum Einnehmen anwenden. Sie beeinflussen das Allergiegeschehen über den Blutkreislauf und können so auch Heuschnupfen bessern. Die nicht oder nur wenig müdemachenden Wirkstoffe Cetirizin, Desloratadin, Levocetirizin und Loratadin sind dabei vorzuziehen, es sei denn, die schlafanstoßende Wirkung der müdemachenden Wirkstoffe Clemastin und Dimetinden ist erwünscht, z. B. abends vor dem Schlafengehen. Alle Mittel müssen Sie so lange anwenden, wie die Blütezeit der Bäume, Sträucher oder Gräser oder der Kontakt mit den allergieauslösenden Stoffen anhält. Weitere Wirkstoffe aus dieser Gruppe sind nur nach Verordnung durch den Arzt erhältlich – Testergebnisse zu den Mitteln bei Heuschnupfen im Überblick.

Cortisonhaltige Nasensprays mit dem Wirkstoff Beclometason sind für die Behandlung von Heuschnupfen bei Erwachsenen rezeptfrei erhältlich. Voraussetzung ist aber, dass ein Arzt zuvor die Diagnose eindeutig gestellt hat. Das Cortison wirkt besser beschwerdelindernd als Cromoglicinsäure und Antihistaminika, und ist daher besonders bei ausgeprägten Beschwerden zu empfehlen. Da es sich um konservierte Nasentropfen handelt, gelten sie als "auch geeignet". Konservierungsmittelfreie Nasentropfen sind grundsätzlich vorzuziehen. Mittlerweile sind auch andere Glucocorticoide als Nasensprays rezeptfrei erhältlich, aber noch nicht in der Marktauswahl von Medikamente im Test vertreten. Weitere Informationen dazu finden Sie unter Neue Medikamente.

Es gibt auch cortisonhaltige Nasensprays mit Beclometason sowie anderen Glucocorticoid-Vertretern, die rezeptpflichtig sind und bei Kindern angewendet werden können.

Schleimhautabschwellende Mittel mit den Wirkstoffen Naphazolin, Oxymetazolin, Tramazolin und Xylometazolin sind bei allergischem Schnupfen mit Einschränkung geeignet, um die Nasenatmung zu verbessern. Diese Mittel dürfen Sie höchstens fünf bis sieben Tage lang anwenden. Nähere Informationen dazu finden Sie bei Schnupfen unter schleimhautabschwellende Mittel. Für eine länger andauernde Behandlung, wie sie bei allergischem Schnupfen in der Regel notwendig ist, sind Mastzellstabilisatoren, Antihistaminika-Nasensprays oder Antihistaminika zum Einnehmen vorzuziehen.

Eine Kombination aus einem Antihistaminikum und einem Alpha-Sympathomimetikum wie Cetirizin + Pseudoephedrin oder Triprolidin + Pseudoephedrin zum Einnehmen ist bei allergischem Schnupfen wenig geeignet, da das Alpha-Sympathomimetikum die Blutgefäße im ganzen Körper verengen kann, was möglicherweise schwere unerwünschte Wirkungen nach sich zieht.

Bei allen Nasensprays und -tropfen sollten Sie Präparate ohne Konservierungsmittel vorziehen, weil Konservierungsmittel die Bewegung der Flimmerhärchen in der Nasenschleimhaut behindern können. Dadurch verringert sich die Selbstreinigungskraft der Nase, was bei allergischem Schnupfen nachteilig ist. Bei langfristiger Anwendung können Konservierungsmittel die Nasenschleimhaut direkt schädigen. Mittel, die normalerweise geeignet wären, werden aus diesem Grund als "auch geeignet" eingestuft.

Bei Kindern

Bei Kindern unter sechs Jahren mit allergischem Schnupfen können bestimmte Antihistaminika zum Einnehmen eingesetzt werden, wenn sie sich ungern etwas in die Nase sprühen lassen und es schwierig ist, die Mittel korrekt zu dosieren.

Rezeptpflichtige Mittel

Vom Arzt werden, insbesondere zur Behandlung von Kindern, häufig auch Präparate eingesetzt, die als rezeptfreie Mittel im Handel sind. Das sind Mittel mit den Wirkstoffen Cromoglicinsäure und Antihistaminika zur Anwendung im Auge oder in der Nase. Näheres hierzu lesen Sie unter "Rezeptfreie Mittel".

Antihistaminika zum Einnehmen sind je nach Wirkstoff nur nach Verschreibung durch den Arzt zu erhalten. Präparate mit Ebastin, Fexofenadin, Mizolastin oder Rupatadin gelten als "auch geeignet", weil sie weniger gut erprobt sind als die schon seit längerem auch für die Selbstbehandlung eingesetzten Antihistaminika Cetirizin, Desloratadin, Levocetirizin und Loratadin.

Hydroxyzin gilt als "wenig geeignet". Dem müdemachenden Wirkstoff hat die europäische Arzneimittel-Zulassungsbehörde negative Auswirkungen auf den Herzrhythmus attestiert.

Bei langandauernden allergischen Beschwerden in der Nase oder auch wenn Kinder an Heuschnupfen leiden, müssen cortisonhaltige Nasensprays von einem Arzt verordnet werden. Die Wirkstoffe Beclometason, Budenosid, Fluticason, Mometason und Triamcinolon wirken stärker als Cromoglicinsäure und Antihistaminika und sind unkonserviert – insbesondere bei ausgeprägten Beschwerden – geeignet. Wenn die Mittel konserviert sind, gelten sie als "auch geeignet". Konservierungsmittel können die Nasenschleimhaut vor allem bei länger andauernder Behandlung schädigen, daher sind konservierungsmittelfreie Nasensprays grundsätzlich zu bevorzugen.

Cortisonhaltige Nasensprays mit den Wirkstoffen Dexamethason und Flunisolid sind dagegen nur mit Einschränkung geeignet. Ob sie ebenso verträglich sind wie besser bewertete Cortison-Nasensprays sollte noch weiter untersucht werden.

Da cortisonhaltige Nasensprays ihre volle Wirkung erst nach einigen Tagen entfalten, hat sich für den Anfang die Kombination mit einem akut wirkenden Mittel (z. B. ein Antihistaminika-Nasenspray) bewährt. Seit einigen Jahren werden auch Kombinationspräparate aus Antihistaminikum + Glucocorticoid angeboten. Sie sind mit Einschränkung geeignet. Es ist noch nicht ausreichend belegt, dass die festgelegte Kombination auf Dauer besser wirkt als ein cortisonhaltiger Nasenspray alleine. Sie können aber zu Beginn der Behandlung ausgeprägter Beschwerden eingesetzt werden, wenn Cortison-Nasensprays alleine nicht ausreichen.

Eine Behandlung mit den cortisonhaltigen Mitteln sollte so kurz wie möglich sein. Bei Daueranwendung können diese Sprays die Nasenschleimhaut schädigen und in Einzelfällen Defekte an der Nasenscheidewand verursachen.

Als spezifische Immuntherapie (auch Hyposensibilisierung genannt) sind Allergenextrakte, die unter die Haut gespritzt werden oder täglich als Tablette oder Tropfen unter der Zunge angewendet, bei Heuschnupfen mit Einschränkung geeignet. Die Therapie muss mindestens ein Jahr lang, besser jedoch drei Jahre, regelmäßig durchgeführt werden. Dann kann sie die Beschwerden lindern und dazu beitragen, dass weniger antiallergische Medikamente benötigt werden. Wie lange der Effekt nach Beendigung der Therapie anhält, ist unklar.

Da während der Therapie schwerwiegende allergische Reaktionen auftreten können, sollte sie erst erfolgen, wenn das Allergen nicht gemieden oder wenn der allergische Schnupfen mit anderen, geeigneten Mitteln nicht mehr ausreichend behandelt werden kann. Dass eine frühzeitige Hyposensibilisierung die Ausbildung weiterer Allergien oder einen "Etagenwechsel" des allergischen Schnupfens von der Nase auf die Bronchien und somit das Entstehen von allergischem Asthma verhindern kann, ist denkbar, aber noch nicht abschließend geklärt.

Bei allergischem Schnupfen, der aufgrund einer Hausstaubmilbenallergie das ganze Jahr über besteht, können eine Hyposensibilisierung mit Milbenextrakten über ein Jahr lang wohl Beschwerden geringfügig verbessern und es werden auch etwas weniger antiallergische Mittel gebraucht. Ob dieser Effekt nach Beendigung der Therapie anhält, ist allerdings unklar. Die Hyposensibilisierung kann dabei in Form von Spritzen oder als Tablette bzw. Tropfen unter der Zunge verabreicht werden. Für die Milbenextrakte liegen nur wenige Studien an kleinen Patientengruppen vor. Ihre therapeutische Wirksamkeit sollte daher noch besser belegt werden. Da auch eine derartige Therapie schwerwiegende unerwünschte Wirkungen haben kann, sollte sie erst erfolgen, wenn die Beschwerden mit anderen, geeigneten Mitteln nicht mehr ausreichend behandelt werden können – Testergebnisse Allergenextrakte.

Neue Medikamente

Neben Beclometason stehen seit Oktober 2016 zwei weitere cortisonhaltige Nasensprays zur Behandlung von ausgeprägtem Heuschnupfen rezeptfrei zur Verfügung. Sie sind allerdings nur für die Selbstbehandlung von Erwachsenen gedacht. Bevor die Mittel eingesetzt werden dürfen, muss ein Arzt feststellen, dass es sich tatsächlich um einen allergisch bedingten Schnupfen auf Gräser oder Pollen handelt. Die Präparate mit den Wirkstoffen Mometason (z. B. Momeallerg, Mometahexal Heuschnupfenspray, Mometason-ratiopharm Heuschnupfenspray) und Fluticasonpropionat (z. B. OTRI-Allergie Nasenspray Fluticason) werden kaum in den Körper aufgenommen, sondern wirken überwiegend in der Nasenschleimhaut. Es genügt die einmal tägliche Anwendung. Zu beachten ist: Cortisonnasensprays entfalten ihre volle Wirkung erst nach einigen Tagen. Bei der Anwendung kann es zu Blutbeimengungen im Nasensekret und zu Krustenbildung kommen. Wenn die Mittel über längere Zeit angewendet werden müssen, ist eine ärztliche Kontrolle sinnvoll.

Seit 2019 ist ein Allergenextrakt als Tablette (Itulazax) verfügbar, der bei einer Baumpollenallergie (Birke und andere Frühblüher wie Erle, Hainbuche, Hasel, Eiche, Buche) unter der Zunge angewendet werden kann. In einer Studie, an der 634 Patienten mit Baumpollenallergie teilnahmen, verbesserten sich die Heuschnupfenbeschwerden im Vergleich zu Placebo etwas und es wurden etwas weniger antiallergische Arzneimittel gebraucht, wenn die tägliche Anwendung des Mittels vier Monate vor Beginn der Baumpollensaison begonnen wurde und auch während der Baumblühphase weitergeführt wurde. Bei mehr als 30 von 100 Behandelten kommt es zu Juckreiz oder Reizungen im Mund, 8 von 100 brechen die Therapie aus diesem Grund ab. Bei zwei Studienteilnehmern trat eine schwere allergische Reaktion auf (ein schwerer Asthmaanfall, ein allergischer Schock).