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Allergische Haut­erkrankungen

Allgemeines

Ein Hautausschlag (Ekzem) als ein möglicher Ausdruck einer allergischen Reaktion kann von einem Tag zum anderen entstehen und in jedem Lebensalter auftreten. Es kann auch sein, dass z. B. eine bestimmte Substanz jahrelang völlig unproblematisch ist, dann aber plötzlich nicht mehr vertragen wird und einen Hautausschlag verursacht. Wie lange es dauert, bis der Körper Abwehrstoffe gegen das Allergen bildet (Sensibilisierungsphase), hängt unter anderem davon ab, ob es sich bei dem auslösenden Stoff um ein schwaches oder starkes Allergen handelt.

Mehr oder minder stark hautreizende (toxische) Substanzen lösen ein toxisches Kontaktekzem aus. Von einem allergischen Kontaktekzem spricht man, wenn die Ursache allergisch bedingt ist. Beide lassen sich auch unter dem medizinischen Oberbegriff Kontaktdermatitis (Dermatitis = Hautentzündung) zusammenfassen.

Die Wahrscheinlichkeit für die Entwicklung eines Kontaktekzems steigt mit der Intensität und Dauer, mit der eine toxische oder allergisierende Substanz auf die Haut einwirkt.

Ein über den gesamten Körper verteilter allergischer Hautausschlag (Exanthem) entsteht meist durch die Aufnahme eines Allergens in den Organismus, beispielsweise beim Essen. Dadurch wird der allergisierende Stoff über die Blutbahn im gesamten Körper verteilt und allergische Reaktionen können sich prinzipiell auf der gesamten Hautoberfläche zeigen.

Wenn verdickte, aufgequollene Hautstellen, die innerhalb von 24 Stunden wieder vergehen, den ganzen Körper überziehen, handelt es sich um eine generalisierte Urtikaria (Nesselsucht). Derartige Quaddeln, wie sie auch nach einem Kontakt mit Brennnesseln zu beobachten sind, können über mehrere Tage immer wieder auftreten und abheilen.

Anzeichen und Beschwerden

Bei der allergischen Kontaktdermatitis entzündet sich die Haut zunächst an den Stellen, die Kontakt mit dem Auslöser hatten. Häufig betroffen sind die Hände, aber auch Gesicht, Nacken, Unterschenkel und Füße. Dieser Vorgang ist durch eine Abfolge mehrerer Reaktionen gekennzeichnet:

  • Es werden viele weiße Blutkörperchen und entzündungsfördernde Stoffe (Zytokine) produziert.
  • Es tritt Juckreiz auf, manchmal – je nach Schweregrad der Reaktion – auch Schmerzen.
  • Das Gewebe lagert Wasser ein und schwillt an.
  • Die kleinen Blutgefäße (Kapillaren) weiten sich. Dadurch rötet sich die Haut.
  • In den oberen Hautschichten wird die Zellteilung angekurbelt, wodurch sich die oberste Hautschicht abschilfert.
  • An der Hautoberfläche bilden sich kleine flüssigkeitsgefüllte Bläschen, die leicht aufplatzen und offene, nässende Stellen hinterlassen. Diese überziehen sich innerhalb weniger Tage mit einer brüchigen, dünnen Kruste.

Lässt sich der Kontakt mit dem auslösenden Stoff meiden, heilen die oberflächlichen Hautschäden innerhalb von ein bis zwei Wochen ab. Die Haut schuppt sich dabei meist etwas.

Ist der Kontakt mit dem Allergen unvermeidlich oder wird die Ursache für das Ekzem nicht gefunden, kann sich der Ausschlag verschlimmern und chronisch werden. Die Haut verdickt sich, juckt und schuppt. Auf diese Weise passt sie sich dem chronisch gewordenen Reiz an. Häufig reißt sie auch etwas ein, sodass immer wieder kleine Wunden entstehen. Über diese offenen Stellen können Bakterien eindringen und eine Infektion auslösen, sodass sich die Haut noch stärker entzündet (infiziertes Ekzem).

Später können die allergischen Reaktionen auch in Körperbereichen auftreten, die keinen Kontakt mit dem Allergen hatten.

Wenn aufgrund einer akuten Infektionserkrankung oder einer allergisch bedingten Abwehrreaktion am ganzen Körper ein allergisches Hautexanthem auftritt, ist dies dagegen durch gleichförmige juckende rote Flecken oder auch erhabene rote Stellen sowie Quaddeln, meist an Rumpf, Armen und Beinen charakterisiert.

Ursachen

Auslöser für eine solche entzündliche Reaktion in den oberflächlichen Hautschichten können sehr viele Substanzen sein: z. B. Nickel, Kobalt, Chemikalien, Reinigungs- und Desinfektionsmittel, Kosmetika, chemische UV-Filter in Sonnenschutzmitteln, Wolle, Farbstoffe, Parfum, Weichmacher in Kunststoffen, Latex, Farb- und Konservierungsmittel, Pflanzen wie Kamille und Arnika, Lebensmittel wie Nüsse, Erdbeeren, Hühnereiweiß, Milch und vieles andere mehr. Manche Substanzen werden erst unter UV-Einwirkung (z. B. durch die Sonne) in ihre allergieauslösende Form überführt (Phototoxizität oder Photoallergie).

Arznei- und Naturheilmittel können ebenfalls eine allergische Hauterkrankung verursachen. Dazu gehören sogar Präparate, die Symptome einer allergischen Reaktion lindern sollen, z. B. Cremes oder Gele mit Antihistaminika oder örtlich betäubende Mittel wie Benzocain.

Allgemeine Maßnahmen

Die wichtigste Maßnahme bei einer Kontaktdermatitis ist, einen erneuten Kontakt mit der toxischen oder allergisierenden Substanz zu vermeiden. Wenn sich das nicht bewerkstelligen lässt, z. B., weil sie beruflich mit dieser Substanz in Berührung kommen, sollten Sie Schutzkleidung (in vielen Fällen vor allem Schutzhandschuhe) tragen.

Folgende Maßnahmen können eventuell den natürlichen Heilungsprozess unterstützen:

  • Nässende Stellen können Sie mit Umschlägen mit schwarzem Tee behandeln.
  • Feuchtkalte Umschläge können die gereizte Haut beruhigen.
  • Wenn Sie trockene Haut haben, pflegen Sie diese am besten mit einer Creme oder Salbe, die einen hohen Fettanteil hat (möglichst Wasser-in-Öl-Zubereitung). Im Gesicht sollten Sie sehr fettige Zubereitungen aber meiden. Nähere Angaben hierzu finden Sie unter trockene Haut und äußerlich anzuwendende Arzneimittel.
  • Baden oder duschen Sie nur alle zwei bis drei Tage (bei schweren Ekzemen noch seltener, um die Haut nicht auszutrocknen) und cremen Sie die Haut regelmäßig sowie nach jeder Reinigung mit einer milden Fettcreme oder einer fetthaltigen Lotion ein.
  • Um gerötete, trockene, rissige Haut zu beruhigen und vor weiterem Feuchtigkeitsverlust zu schützen, können Sie wirkstofffreie Pasten oder Salben (z. B. weiche Zinkpaste – auch Pasta zinci mollis genannt – oder nichtionische hydrophile Creme SR) verwenden. Bei einem akuten, feuchten Ekzem sind dagegen Gele, Lotion oder Cremes mit hohem Wassergehalt (Öl-in-Wasser-Zubereitung) angebracht, die auf der Haut keinen abschließenden, fettigen Film bilden.
  • Vermeiden Sie alles, was die Haut austrocknen oder reizen kann: ausgedehnte Sonnenbäder (im Freien oder im Solarium), Schaumbäder, herkömmliche Seifen oder Duschgele.
  • Pflegen Sie die Haut besser mit seifenfreien Produkten, die weder Duftstoffe noch Konservierungsmittel enthalten. Beide Substanzgruppen können Allergien auslösen.
  • Hochflorige Stoffe und Fasern (Wolle, Angora, Mohair) reizen empfindliche Haut. Ratsamer sind glatt gebügelte Baumwolle und Seide.

Wann zum Arzt?

Bevor Sie ein Ekzem medikamentös behandeln, sollten Sie wissen, wodurch es ausgelöst wurde. Haben Sie Zweifel an der Ursache oder ist das Ekzem nach zwei bis drei Tagen der Selbstbehandlung immer noch vorhanden oder kennen Sie zwar die auslösende Substanz, können aber den Kontakt mit ihr nicht vermeiden, sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Unter folgenden Bedingungen sollten Sie sofort einen Arzt aufsuchen:

  • Das Ekzem umfasst große Hautflächen.
  • Es betrifft die Haut am Auge.
  • Die Haut hat sich stark entzündet, es zeigen sich schmierig-gelbliche Beläge.
  • Sie haben den Verdacht, dass es sich um eine Neurodermitis handeln könnte.
  • Das Ekzem könnte durch Ihren Beruf ausgelöst worden sein. Gibt es hierfür Belege, sollte der Hautarzt einen Bericht an die gesetzliche Unfallversicherung schreiben (Hautarztbericht), damit Sie Ihre Ansprüche dort geltend machen können. Mehr hierzu unter Berufsunfähigkeit und Versicherung.

Bei schwerwiegendem und anhaltendem Juckreiz sowie zur Behandlung schwerer, immer wiederkehrender Nesselsucht kann der Arzt rezeptfreie Antihistaminika zum Einnehmen auch zulasten der gesetzlichen Krankenkassen verordnen. Näheres hierzu finden Sie in der Ausnahmeliste.

Bei Kindern

Wenn bei einem Kind Juckreiz und/oder ein Ekzem auftreten und Sie nicht sicher sind bezüglich Ursache, Diagnose oder Behandlung, sollten Sie es immer einem Arzt vorstellen.

Behandlung mit Medikamenten

Rezeptfreie Mittel

Zusätzlich zu den hautpflegenden Mitteln sind für die Behandlung allergischer Hauterkrankungen und von Nesselsucht (Urtikaria) Antihistaminika zum Einnehmen geeignet. Vorzuziehen sind dabei die nicht oder nur wenig müdemachenden Wirkstoffe Cetirizin, Desloratadin, Levocetirizin und Loratadin.

Die Wirkstoffe Clemastin und Dimetinden sind mit Einschränkung geeignet, weil deren müdemachende Wirkung tagsüber sehr stört, die Konzentrationsfähigkeit beeinträchtigt und benommen macht. Dann können Sie auch nicht mehr aktiv am Verkehr teilnehmen oder Maschinen führen. Gegebenenfalls kann die schlafanstoßende Wirkung dieser Mittel jedoch auch erwünscht sein, z. B. kurz vor dem Schlafengehen, bei Schichtarbeit, wenn die Nachtruhe auf den Tag verlegt werden muss. Manche Präparate mit diesen Wirkstoffen und andere Wirkstoffe dieser Gruppe sind rezeptpflichtig (Testurteile zu Antihistaminika im Überblick).

Gele mit Antihistaminika sind wenig geeignet, weil nicht gut belegt ist, dass der Wirkstoff schnell und tief genug in die Haut eindringt, um eine ähnliche Wirkung wie Antihistaminika zum Einnehmen zu erzielen. Darüber hinaus können sie selbst Allergien auslösen. Wenn sich der Juckreiz eines Kontaktekzems durch Antihistaminika-Gele bessert, liegt das meist weniger an den enthaltenen Wirkstoffen als daran, dass die Gelgrundlage auf der Haut etwas kühlt.

Bei der Selbstbehandlung eines örtlich begrenzten allergischen Kontaktekzems können Cremes mit Hydrocortison die Beschwerden lindern. Sie sollten solche Mittel allerdings ohne ärztlichen Rat nicht auf großen Hautflächen und nicht länger als zwei Wochen anwenden. Näheres hierzu lesen Sie unter Juckreiz, Ekzem.

Rezeptpflichtige Mittel

Präparate mit den wenig müdemachenden Wirkstoffen Ebastin, Fexofenadin, Mizolastin oder Rupatadin gelten als "auch geeignet", weil sie weniger gut erprobt sind als die oben erwähnten frei verkäuflichen Mittel.

Dem müdemachenden Wirkstoff Hydroxyzin hat die europäische Arzneimittel-Zulassungsbehörde unlängst negative Auswirkungen auf den Herzrhythmus attestiert. Es gilt zur Behandlung allergischer Hauterkrankungen als wenig geeignet (Testurteile zu Antihistaminika und cortisonhaltigen Mitteln).

Bei mittelschweren bis schweren allergischen Hautreaktionen müssen meist rezeptpflichtige cortisonhaltige Mittel äußerlich anwendet oder als Glucocorticoide auch eingenommen werden. Wenn bei einem allergischen Kontaktekzem große Hautbereiche oder das Gesicht, die Hände, Füße oder die Genitalien betroffen sind, müssen Glucocorticoide häufig eingenommen werden. Sie wirken entzündungshemmend und unterdrücken das Immunsystem. Dadurch verhindern sie das Austreten von Flüssigkeit und Zellen aus Blut und Lymphbahnen ins Gewebe.