Medikamente im Test

Aktinische Keratosen

Allgemeines

Aktinische Keratosen sind krankhafte Veränderungen der oberen Hautschichten. Sie entstehen, wenn sich bestimmte Hautzellen (Keratozyten) durch häufige und starke Sonneneinstrahlung verändern und vermehren. Aktinische Keratosen gelten als Frühform von Hautkrebs ("weißer" Hautkrebs). Manchmal bilden sich diese Hautveränderungen spontan zurück. Die Störung kann sich aber auch in tiefere Hautschichten ausbreiten und eine Krebsgeschwulst bilden. Ein solches Plattenepithel-Karzinom wird bei etwa einem von zehn Menschen mit lichtbedingten Hautveränderungen beobachtet. Wenn gleichzeitig das Immunsystem unterdrückt wird (z. B. nach einer Organtransplantation), erhöht sich die Zahl auf drei von zehn.

Betroffen sind vor allem Menschen, die sich häufig im Freien aufhalten und oft starker Sonneneinstrahlung ausgesetzt sind. Bei Männern kommt es öfter zu lichtbedingten Hautveränderungen als bei Frauen und hellhäutige Menschen sind häufiger betroffen als Personen mit dunklem Teint. Die Erkrankung tritt mit zunehmendem Alter vermehrt auf, meist erst nach dem 50. Lebensjahr.

Anzeichen und Beschwerden

Zunächst zeigen sich gerötete und verhärtete Hautstellen mit rauer Oberfläche, die trotz guter Pflege nicht abheilen. Die betroffenen Stellen können auch jucken und zum Bluten neigen. Im Lauf der Zeit verhornt die Stelle, oft verfärbt sie sich weißlich. Bleibt die Stelle unbehandelt, kann sie sich warzig-höckerig verändern.

Aktinische Keratosen treten vor allem an Hautstellen auf, die viel der Sonne ausgesetzt sind: an Kopf, Hals, Dekolletee, Armen, Handrücken sowie im Gesicht und an den Lippen.

Ursachen

Hauptursache der Hautveränderungen sind UV-B-Strahlen. Ausschlaggebend ist die Zeit, in der die Haut im Laufe des Lebens dieser Strahlung ausgesetzt war, also nicht nur ein Sonnenbrand.

Aber auch aufgrund einer exzessiven Nutzung von Solarien, durch UV-A-Licht oder Röntgenstrahlen kann sich eine aktinische Keratose entwickeln. Viren (Papillomaviren) können mit dazu beitragen, dass aus diesen lichtbedingten Hautschäden Hautkrebs wird.

Seit dem 01.01.2015 gelten sonnenbedingte Hautschäden unter bestimmten Bedingungen als Berufskrankheit. Wenn die Haut beruflich über viele Jahre der Sonnenstrahlung ausgesetzt war und die Haut chronisch so geschädigt ist, dass mindestens sechs aktinische Keratosen innerhalb eines Jahres aufgetreten sind oder eine mehr als vier Quadratzentimeter große, zusammenhängende Hautfläche betroffen ist, können Ansprüche an die gesetzliche Unfallversicherung bestehen. Bei entsprechenden Hinweisen sollte man sich bei einem Hautarzt untersuchen und beraten lassen. Dies gilt auch, wenn die Erkrankung erst nach der Berentung auftritt; die Ansprüche an die gesetzliche Unfallversicherung erlöschen nicht mit dem Erreichen der Altersgrenze.

Vorbeugung

Der beste Schutz vor solchen Hautschäden besteht darin, auf Solarienbesuche zu verzichten und die Zeit, die die Haut der Sonne ausgesetzt ist – abhängig vom Hauttyp – zu begrenzen. Sonnenbrand sollte man vermeiden.

Deshalb sollten Sie vor allem über Mittag nicht sonnen. Vor 10 Uhr und nach 16 Uhr treffen die Sonnenstrahlen in einem flacheren Winkel auf die Erde als in der Zeit dazwischen, was ihre Energie abschwächt. Damit sinkt auch die Gefahr für einen Sonnenbrand.

Es ist auch sinnvoll, den eigenen Hauttyp zu kennen. Man unterscheidet insgesamt sechs Hauttypen, beginnend mit dem keltischen Hauttyp (Typ 1) mit einem sehr hohen Sonnenbrandrisiko bis zum schwarzen Hauttyp (Typ 6), bei dem Sonnenbrand nur sehr selten vorkommt.

Die gesunde Haut ist in der Lage sich bei direkter Sonnenexposition abhängig vom Hauttyp zwischen fünf bis zehn (Typ 1) und 90 Minuten (Typ 6) selbst vor den UV-Strahlungen zu schützen. Dazu helfen folgende Regeln:

  • Bleiben Sie nicht länger schutzlos in der Sonne, als es ihr Hauttyp zulässt.
  • Schützen Sie die Haut möglichst mit einem Sonnenschutzmittel mit hohem Lichtschutzfaktor, das sowohl UV-A- als auch UV-B-Strahlen abhält.
  • Tragen Sie reichlich Sonnenschutzmittel auf, bevor Sie sich der Sonne aussetzen und wiederholen Sie das Auftragen. Meiden Sie trotzdem intensive Mittagssonne, denn die Wirkung all dieser Mittel hat ihre Grenzen.
  • Vor allem Kinder sollten Sie nicht unbekleidet in der Sonne spielen lassen. Ein leichtes T-Shirt und Shorts oder Hosen aus Baumwolle, ein Sonnenhut und eine Sonnenbrille schützen Haut, Kopf und Augen. Allerdings lassen die meisten Kleidungsstücke immer noch eine Restmenge an UV-Strahlung durch.
  • Bei der Sonnenbrille sollten Sie darauf achten, dass die Gläser nachgewiesenermaßen UV-Strahlen abhalten (dafür gibt es ein Qualitätssiegel).
  • Kleinkinder unter sechs Monaten sollten überhaupt nicht der direkten Sonne ausgesetzt werden.

Im Winter, wenn Schnee liegt, gelten für den Sonnenschutz in Bergregionen noch strengere Regeln als im Sommer, weil die Haut im Winter nur wenig UV-Strahlung gewöhnt ist und weil in höher gelegenen Regionen die UV-Strahlung intensiver ist als im Flachland. Hinzu kommt, dass der Schnee die Sonne zusätzlich reflektiert und aufgrund der kalten Temperaturen die Intensität der Sonneneinstrahlung häufig unterschätzt wird. Beim Wintersport sowie beim Sonnenbad in der Wintersonne ist deshalb eine gut haftende Sonnencreme wichtig. Lotionen, Milch, Hydro- oder Lipogele sind in dieser Jahreszeit weniger geeignet. Für Nasenrücken und Lippen sind fettreiche Salben mit hohen Lichtschutzfaktoren ratsam, damit die Haut nicht austrocknet und rissig wird. Die Lippen lassen sich auch mit weicher Zinkpaste (Pasta zinci mollis) vor einem Sonnenbrand schützen.

Allgemeine Maßnahmen

Wenn sich bereits lichtbedingte Hautveränderungen (Keratosen) gebildet haben, sollten Sie Ihre Haut besonders gut vor der Sonne schützen.

Um zu verhindern, dass aus den Hautveränderungen ein Tumor wird, können die betroffenen Hautstellen operativ, mit Laser oder unter Kälteeinwirkung (Kryotherapie) entfernt werden, vor allem, wenn es sich um isolierte Hautareale handelt.

Die Kältetherapie ist sehr sicher und wirkt zuverlässig. Allerdings ist sie recht schmerzhaft, die Haut kann sich verfärben und es können Narben zurückbleiben.

Eine Operation ist immer dann sinnvoll, wenn anhand einer Gewebeprobe untersucht werden soll, wie tief sich die Wucherung bereits in die Haut hinein ausgebreitet hat.

Darüber hinaus wird die photodynamische Therapie eingesetzt. Diese sehr gut wirksame Behandlungsform nutzt Licht einer bestimmten Wellenlänge und eine lichtempfindlich machende Substanz. Der sich dabei im Gewebe bildende reaktionsfreudige Sauerstoff zerstört die kranken Hautstellen. Bei 70 bis knapp 80 Prozent der Behandelten heilen die behandelten Stellen schon nach einer einzigen Behandlung ab, wird die Therapie wiederholt, erhöht sich die Erfolgsquote auf 90 Prozent.

Nach einem Jahr ist allerdings nur noch bei 38 von 100 Behandelten eine deutliche Verbesserung sichtbar.

Auch diese Behandlung kann schmerzhaft sein.

Wann zum Arzt?

Da sich aus den lichtbedingten Hautveränderungen Hautkrebs entwickeln kann, ist es sinnvoll diese durch einen Arzt beurteilen und eventuell entfernen zu lassen.

Behandlung mit Medikamenten

Ob eine aktinische Keratose medikamentös behandelt werden sollte, hängt von verschiedenen Faktoren ab: von dem Ort, an dem sie sich ausgebildet hat, von der Zeit, wie lange die Hautveränderung bereits besteht, von ihrer Größe und ob es sich um einzelne Hautveränderungen handelt oder um flächige oder zahlreiche Veränderungen an verschiedenen Körperstellen, vom Alter des Betroffenen und gegebenenfalls von anderen, zusätzlich vorhandenen Erkrankungen.

Rezeptpflichtige Mittel

Eine äußerliche Behandlung mit einem Diclofenac-Gel kann das Hautbild verbessern und ist gut verträglich. Allerdings ist der Therapieerfolg wie auch bei anderen Präparaten aufgrund der Art der Erkrankung nicht immer von Dauer. Das Gel mit Diclofenac ist zwar gut verträglich, wirkt aber vermutlich etwas schwächer als andere Mittel zum Auftragen. Es gilt für die Behandlung einer aktinischen Keratose als geeignet, beispielsweise wenn eine Kältetherapie oder operative Entfernung nicht erwünscht ist.

Hoch dosiertes Fluorouracil wird bereits seit Langem zur Behandlung aktinischer Keratosen eingesetzt und ist dafür geeignet. Das Mittel hemmt die Zellteilung und kann das Hautbild verbessern. Es reizt allerdings dabei die Haut in aller Regel deutlich und muss über mehrere Wochen angewendet werden, bis die Hautveränderungen abgeheilt sind. Im direkten Vergleich mit Diclofenac scheint Fluorouracil das Hautbild deutlicher zu verbessern, es wird aber weniger gut vertragen.

Auch die Kombination von niedrig dosiertem Fluorouracil mit Salicylsäure verbessert das Hautbild und ist zur Behandlung aktinischer Keratosen geeignet. Salicylsäure wirkt haut- und hornhauterweichend und erleichtert so das Eindringen von Fluorouracil in die Haut, wenn bereits leichte Verhornungen vorliegen. Die Heilungsraten scheinen mit der Kombination bei konsequenter Anwendung etwas höher zu liegen als mit Diclofenac. Allerdings ist die Kombination schlechter verträglich als dieses.

Sind die geschädigten Hautstellen noch nicht verhornt, können eine Creme mit Imiquimod oder ein Gel mit Ingenolmebutat eingesetzt werden. Eine Creme mit dem immunmodulierenden Wirkstoff Imiquimod lässt die Hautschäden gut abheilen, ist aber weniger gut verträglich als ein Diclofenacgel. Imiquimod gilt als geeignet, wenn andere äußerlich anzuwendende Mittel oder eine Kältebehandlung weniger gut eingesetzt werden können. Ein Gel mit dem hautreizenden Ingenolmebutat gibt es in zwei Wirkstärken, für die Behandlung im Gesicht und Kopfbereich muss der Wirkstoff in geringerer Dosierung eingesetzt werden. Das Mittel wird nur wenige Tage angewendet und verursacht eine Hautreizung, die anzeigt, dass der Körper auf die Behandlung anspricht. Das Mittel wirkt schneller als andere äußerlich anzuwendende Mittel. Ob es langfristig Vor- oder Nachteile gegenüber anderen äußerlich anzuwendenden Mitteln hat, ist nicht untersucht. Auch Ingenolmebutat wird als "geeignet" bewertet.

Alle äußerlich anzuwendenden Mittel können das Hautbild verbessern. Für keinen der Wirkstoffe ist allerdings nachgewiesen, dass er langfristig die Hautkrebsrate vermindern kann.