01.01.2018

Unerwünschte Arzneimittelwirkungen

Die Häufigkeit ist gemäß der nachfolgenden Definition angegeben. Wo immer es möglich war, haben wir die Angaben genau beziffert. Darüber hinaus haben wir angeführt, was gegebenenfalls zu tun ist, wenn eine unerwünschte Wirkung auftritt.

  • Sehr häufig: Die unerwünschte Wirkung wurde bei mehr als 1 von 10 Behandelten beobachtet.
  • Häufig: Bis zu 10 von 100 oder 1 bis 10 von 100 Behandelten sind betroffen.
  • Gelegentlich: Bis zu 10 von 1 000 oder 1 bis 10 von 1 000 Behandelten müssen mit dieser unerwünschten Wirkung rechnen.
  • Selten: Diese unerwünschte Wirkung kann sich bei bis zu 10 von 10 000 oder 1 bis 10 von 10 000 Behandelten bemerkbar machen.
  • Sehr selten: Diese unerwünschte Wirkung kommt in wenigen Einzelfällen vor.

Es ist nicht einfach, eine unerwünschte Wirkung von einem möglichen neuen Symptom der Erkrankung abzugrenzen. Doch einige unerwünschte Reaktionen auf Arzneimittel sind sehr typisch. Treten diese bei einem bestimmten Mittel auf, steht im Text ein Verweis auf nachfolgende Erklärungen.

Symptom: Hauterscheinungen

Die meisten unerwünschten Wirkungen an der Haut zeigen sich als allergische Reaktion, meistens als Rötung, juckender Ausschlag, Pusteln bis hin zu großen Blasen. Leichte Hautreaktionen sind sehr häufig und verschwinden oft noch während der Behandlung von selbst, spätestens nach Absetzen der Medikamente.
Diese Hauterscheinungen können aber auch erste Anzeichen für sehr schwerwiegende Reaktionen auf das Arzneimittel sein. Meist entwickeln diese sich etwa drei bis fünf Wochen nach der Anwendung. Typischerweise dehnen sich die Hautrötungen aus und es bilden sich Blasen. Auch die Schleimhäute des gesamten Körpers können betroffen und das Allgemeinbefinden wie bei einer fiebrigen Grippe beeinträchtigt sein. Bereits in diesem Stadium sollten Sie sich unbedingt an einen Arzt wenden, denn diese Hautreaktionen können sich rasch verschlimmern. Bei der schwersten Verlaufsform fließen die Blasen zusammen, die Haut reißt auf und löst sich ab. Dann entstehen offene Wunden, das Gewebe stirbt ab und Sie müssen intensivmedizinisch behandelt werden. Diese eng miteinander verwandten Krankheitsbilder heißen Erythema exsudativum multiforme, Stevens-Johnson-Syndrom und Lyell-Syndrom (auch toxische epidermale Nekrolyse genannt) und werden als "Syndrom der verbrühten Haut" bezeichnet. Ihre Gefährlichkeit steigt in der Reihenfolge ihrer Nennung an.
Diese unerwünschten Wirkungen, die nur für wenige Arzneimittel beschrieben sind, treten höchstens bei 1 von 1 000 000 Behandelten auf, sind aber oft lebensbedrohlich.
Wer jemals eine solche schwerwiegende Hauterkrankung entwickelt hat, muss die auslösenden Mittel zukünftig strikt meiden.

Symptom: Allergien auf Arzneimittel

Grundsätzlich kann jedes Arzneimittel eine Allergie auslösen. Schwache allergische Reaktionen äußern sich meist mit einem juckenden Hautausschlag. Wird das Mittel abgesetzt, verschwindet der Ausschlag wieder. Kommen Sie allerdings ein zweites Mal mit dem Arzneimittel in Kontakt, fällt die allergische Reaktion meist sehr viel heftiger aus.

Bezeichnend für eine heftige allergische Reaktion sind kalter Schweiß, Schwindel, Benommenheit, Übelkeit, Nesselfieber, Schwellungen im Gesicht und an den Schleimhäuten, Atemnot und Kreislaufzusammenbruch. Bei derartigen Beschwerden muss sofort der Notarzt (Telefon 112) gerufen werden. Ein solcher anaphylaktischer Schock muss unverzüglich mit kreislaufstabilisierenden Mitteln und Kortisonspritzen behandelt werden. Schwellen die Schleimhäute in den Atemwegen weiter an, droht Ersticken. Bricht der Kreislauf völlig zusammen, muss sofort beatmet werden, damit das Gehirn und lebenswichtige Organe durchblutet bleiben.
Wer nach der Anwendung eines Wirkstoffs einmal eine derart lebensbedrohliche Situation erlebt hat, darf dieses Medikament nie wieder anwenden. Auch andere Arzneistoffe aus der gleichen Wirkstoffgruppe sind unbedingt zu meiden.

Symptom: Müdigkeit und andere Befindlichkeitsstörungen

Andere typische unerwünschte Wirkungen sind Befindlichkeitsstörungen wie Müdigkeit, Abgeschlagenheit und Kopfschmerzen. Diese unspezifischen Symptome können verschiedene Ursachen haben. Beispielsweise rufen viele Antibiotika solche Beschwerden hervor. Diese können aber auch Folge der Infektionskrankheit selbst sein, gegen die Sie die Antibiotika einnehmen. Besondere Maßnahmen sind dabei nicht erforderlich.
Müdigkeit kann allerdings auch Zeichen für eine Blutarmut sein, die beobachtet werden sollte. Je nachdem, wie belastend die Müdigkeit ist und mit welchem Arzneimittel ihr Auftreten verbunden ist, ist sie bei den Angaben zu „Unerwünschte Wirkungen” in unterschiedlichen Kategorien zu finden.

Symptom: Schwindel

Schwindel wird ebenfalls häufig als unerwünschte Wirkung beschrieben und kann in verschiedenen Kategorien auftauchen, je nachdem, auf welcher Ursache er beruht:

  • Er kann einsetzen, wenn der Blutdruck beim Aufstehen aus dem Sitzen oder Liegen plötzlich stark absinkt. Diese Art von Schwindel ist harmlos und lässt sich vermeiden, indem Sie langsam aufstehen. Meist vergeht das Schwindelgefühl innerhalb kurzer Zeit von selbst.
  • Schwindel kann darauf beruhen, dass ein Medikament das Gleichgewichtsorgan im Innenohr geschädigt hat. Wenn die Schwindelgefühle anhalten, sich verstärken oder mehrfach auftreten, sollten Sie dies dem Arzt berichten. Meist muss die Therapie dann abgebrochen werden.
  • Darüber hinaus kann Schwindel im Zusammenhang mit Herzrhythmusstörungen auftreten. Bei unregelmäßigem Herzschlag kann es "Aussetzer" geben, in deren Folge das Gehirn für kurze Zeit nicht ausreichend mit sauerstoffreichem Blut versorgt ist. Dieses Zeichen müssen Sie sehr ernst nehmen und sofort einen Arzt aufsuchen.
  • Weiterhin kann Schwindel eine Nebenwirkung vieler Medikamente sein, die bei Krankheiten des Nervensystems und der Psyche eingesetzt werden. Das kann unterschiedliche Gründe haben und muss im Einzelfall besprochen werden. Informieren Sie davon in jedem Fall den Arzt.

Symptom: Veränderungen des Blutbilds

Blutbildveränderungen können Sie kaum selbst erkennen. Besteht ein solches Risiko, muss der Arzt das Blut untersuchen lassen. In der Rubrik "Anwendung" wird deshalb auf notwendige Kontrolluntersuchungen hingewiesen. Die Veränderungen (manchmal auch als Blutbildungsstörungen bezeichnet) können die roten (Erythrozyten) und weißen Blutkörperchen (Leukozyten) sowie die Blutplättchen (Thrombozyten) betreffen. Medikamente können die Neubildung dieser Blutzellen im Knochenmark stören, einen vermehrten Abbau der Blutkörperchen bewirken oder einen Blutverlust verursachen. Je nachdem, welche Blutzellen betroffen sind, zeigen sich unterschiedliche Symptome:

  • Mangelt es an roten Blutkörperchen (Anämie), wird das Gesicht auffallend blass und die feinen Adern in der Bindehaut der Augen treten nur noch blassrosa hervor. Gleichzeitig besteht eine ausgeprägte Müdigkeit. Sind Blutungen im Magen-Darm-Trakt die Ursache für die Blutarmut, färbt sich der Stuhl pechschwarz oder es sind auf dem Stuhl kleine Mengen geronnenes Blut zu sehen.
  • Werden rote Blutkörperchen vermehrt abgebaut, kann sich die Haut gelb verfärben, was sich wiederum am Auge erkennen lässt: Die Bindehaut wird gelb.
  • Sind zu wenig weiße Blutkörperchen vorhanden, zeigt sich das in einer erhöhten Infektanfälligkeit, häufig auch durch Fieber, Halsschmerzen und eitrige Mandeln.
  • Sinkt die Anzahl der Blutplättchen ab, erhöht sich die Gefahr für Blutungen. Dann bluten selbst kleine Verletzungen auffällig lange, oder es bilden sich flohstichartige Einblutungen in der Haut (Petechien) oder es blutet sogar in Gelenke und Körperhöhlen. Das kann zu sehr großen Blutergüssen (Hämatome) führen, die unter Umständen operativ entfernt werden müssen. Andernfalls kann das umgebende Gewebe beziehungsweise das Gelenk durch den Druck des Blutergusses und eine eventuell entstehende Entzündung in Mitleidenschaft gezogen werden.

Bei diesen Symptomen, insbesondere Anzeichen für einen Mangel an weißen Blutkörperchen, sollten Sie bald einen Arzt aufsuchen.

Symptom: Leberschäden

Schäden an der Leber erkennen Sie selbst meist erst sehr spät. Wenn Sie ein Medikament einnehmen, das die Leber schädigen kann, sollte der Arzt deshalb immer die Leberwerte im Blut kontrollieren. Dann lassen sich Leberfunktionsstörungen meist so rechtzeitig erkennen, dass es genügt, das Medikament abzusetzen, um Schlimmeres zu verhüten. Eine akute Leberentzündung äußert sich mit unspezifischen Allgemeinsymptomen wie Übelkeit, eventuell Erbrechen und Darmbeschwerden (Blähungen, Druckgefühl). Möglicherweise verfärben sich der Urin dunkel und der Stuhl hell. Derartiges sollte Sie zum Arzt führen. Hat sich bereits eine Gelbsucht entwickelt (erkennbar an einer gelb verfärbten Augenbindehaut), eventuell begleitet von starkem Juckreiz am ganzen Körper, müssen Sie sofort zum Arzt gehen.

Symptom: Nierenschäden

Ob ein Medikament die Nierenfunktion stört, erkennt der Arzt am ehesten, wenn er im Blut den Gehalt von Kreatinin und Harnstoff bestimmt. Anzeichen einer schweren Nierenschädigung können Schmerzen im Bereich der Nieren sein. Häufig scheiden Sie dann nur wenig Urin aus. Bei solchen Anzeichen sollten Sie den Arzt aufsuchen.

Symptom: Herzrhythmusstörungen

Eine Reihe von Arzneimitteln kann sich auf das Herz und dessen Schlagrhythmus auswirken. Beschleunigt sich der Puls, entsteht häufig das Gefühl von Herzrasen. Ein unregelmäßiger Puls beruht oft auf Herzstolpern mit Aussetzern, nicht selten entstehen auch Schwindelgefühle bis hin zur Ohnmacht. Bei solchen Beschwerden sollten Sie einen Arzt aufsuchen. Der Herzschlag kann sich aber auch dramatisch verlangsamen. Folgen sind dann Schwindel- und Ohnmachtsanfälle.

Insbesondere bei Frauen – Torsade de pointes
Manche Medikamente können – insbesondere bei Frauen und bei bereits vorgeschädigtem Herzen – eine spezielle Form von Herzrhythmusstörungen (Torsade de pointes) auslösen. Sie ist sehr gefährlich, weil sie häufig Kammerflimmern auslöst. Dabei schlagen die Herzkammern extrem schnell (weit über 300-mal in der Minute), was dazu führt, dass kein Blut mehr in den Kreislauf gepumpt wird. Dieses Kammerflimmern mündet innerhalb weniger Minuten in einen Herzstillstand. Ist bei einem Medikament diese gefährliche Störwirkung angegeben, müssen Sie bei den geringsten Anzeichen für Herzrhythmusstörungen sofort einen Arzt aufsuchen.

Symptom: Depressionen

Üblicherweise rechnet man nicht mit depressiven Verstimmungen als Nebenwirkung einer Arzneimittelbehandlung und führt die Beschwerden eher auf eine Depressionserkrankung zurück. Die Symptome sind die gleichen wie bei der entsprechenden psychischen Erkrankung. Sie verschwinden aber meist, wenn das Arzneimittel abgesetzt wird.

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