01.01.2018

IQWiG-Frühbewertung

Seit Anfang 2004 bewertet das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) für die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) Arzneimittel auf einer ähnlichen Basis, wie dies die Stiftung Warentest für die Verbraucherinnen und Verbraucher anbietet. Das IQWiG hat sich zum Ziel gesetzt, den patientenrelevanten Nutzen einer medizinischen Maßnahme und damit auch den Nutzen von Arzneimitteln zu bewerten.

Seit April 2007 ist das IQWiG zudem damit betraut, die Nutzen-Bewertung um die Bewertung der Kosten zu erweitern. Eine solche Kosten-Nutzen-Bewertung, die auch als Basis für Preisverhandlungen dienen soll, ist in den meisten anderen europäischen Ländern und vielen großen Pharmamärkten der Welt wie Australien, Kanada und Neuseeland längst eingeführt.

Dass dies nun auch in Deutschland, dem drittgrößten Pharmamarkt der Welt, geschieht, soll dafür sorgen, dass nicht unnötig hohe Preise für Arzneimittel bezahlt werden müssen, deren Nutzen nicht besser zu bewerten ist als der von schon lange auf dem Markt befindlichen Mitteln oder von Medikamenten, die bereits als kostengünstige Generika angeboten werden.

Seit 2011 hat das Institut zudem die Aufgabe festzustellen, ob ein für den deutschen Arzneimittelmarkt neu zugelassener Wirkstoff oder eine Wirkstoffkombination gegenüber einer zweckmäßigen Vergleichstherapie einen Zusatznutzen aufweist ("Frühe Nutzenbewertung"). Dieser Zusatznutzen muss sich in Effekten äußern, die für den Behandelten direkt erfahrbar sind. Beispielsweise genügt es nicht, wenn ein Prostatamittel das Organ messbar verkleinert. Für die Männer, die es einnehmen, müssen sich die Beschwerden tatsächlich spürbar verringern, oder sie profitieren davon, dass das Medikament Komplikationen wie einen akuten Harnverhalt oder Operationen verhindert, die infolge einer vergrößerten Prostata auftreten können.

Dieser Zusatznutzen kann als erheblich, beträchtlich oder gering eingestuft werden, in manchen Fällen ist das Ausmaß des Zusatznutzens nicht bestimmbar. Die Beurteilung berücksichtigt zudem, wie sicher dieser Zusatznutzen belegt ist.

Auftraggeber für solche Gutachten ist der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA), das oberste Beschlussgremium aus Vertretern der Ärzte, Zahnärzte, Psychotherapeuten, Krankenhäuser und Krankenkassen in Deutschland. Das Gutachten über die neuen Mittel muss dem Auftraggeber drei Monate nach der Zulassung vorgelegt werden. Es dient als Grundlage für Verhandlungen mit dem Hersteller über den Preis des Mittels. Die ausgehandelten Preise gelten dann für gesetzliche und private Krankenversicherungen gleichermaßen.

Seit Mai 2013 sind frühe Nutzenbewertungen von Arzneimitteln, die das IQWiG erstellt hat, in die Texte der Stiftung Warentest eingebunden, sofern ihr Anwendungsgebiet besprochen wird. Sie finden diese Informationen jeweils unter "Neue Medikamente".

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