01.01.2018

Arzneimittelpreise

Bis 2011 basierten die Preise für neue und verschreibungspflichtige patentgeschützte Arzneimittel ausschließlich auf der Vorgabe der Pharmafirmen, es sei denn, sie wurden trotz des bestehenden Patentschutzes in eine Festbetragsgruppe eingeordnet. Bis zu diesem Jahr hatten die Hersteller in Deutschland das Recht festzulegen, zu welchem Preis sie ihre Mittel an den Pharmagroßhandel abgeben (Herstellerabgabepreis). Seit 2011 gilt diese Regelung für neuartige patentgeschützte Arzneimittel nur im ersten Jahr nach ihrer Zulassung. Innerhalb dieses Jahres wird nämlich für alle in Deutschland neu zugelassenen Arzneimittel, die im Rahmen der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) verordnet werden dürfen, eine „Frühe Nutzenbewertung“ durchgeführt. Das bedeutet, es wird geprüft, ob das neue Arzneimittel einen Zusatznutzen gegenüber einer „zweckmäßigen Vergleichstherapie“ hat, also der derzeit akzeptierten Standardtherapie. Wird ein Zusatznutzen festgestellt, müssen Vertreter des Spitzenverbands der GKV und die betroffenen Hersteller einen Erstattungsbetrag aushandeln, der zumeist niedriger liegt als der zunächst vom Hersteller verlangte Preis. Kann kein Zusatznutzen festgestellt werden, unterliegt der neue Wirkstoff der Festbetragsregelung.

Der pharmazeutische Großhandel bezieht neue Arzneimittel also im ersten Jahr nach der Zulassung zu dem vom Hersteller bestimmten Preis, danach zu dem neu ausgehandelten Preis. Auf dieser jeweiligen Preisbasis berechnet der Großhandel einen Aufschlag, dessen maximale Höhe gesetzlich festgelegt ist. Zu diesem Preis verkauft er die Produkte an die Apotheken. Alle Apotheken Deutschlands beziehen verschreibungspflichtige Arzneimittel also zum gleichen Apothekeneinkaufspreis.

Auch der Preis, zu dem die Apotheken verschreibungspflichtige Arzneimittel abgeben, ist bundesweit einheitlich. Er entsteht folgendermaßen: Zum Apothekeneinkaufspreis kommt ein dreiprozentiger Aufschlag hinzu. Ferner wird ein "Abgabehonorar" (Fixaufschlag) von 8,35 Euro aufgeschlagen. Danach wird die Mehrwertsteuer hinzugerechnet. Bei Abrechnung mit den gesetzlichen Krankenkassen ist der Preis niedriger – zur finanziellen Entlastung der Krankenkassen. Seit 2015 beträgt der Abschlag 1,77 Euro pro Packung.

Den Preis für rezeptfrei erhältliche Arzneimittel und Medizinprodukte kann jede Apotheke frei kalkulieren. Preisvergleiche können sich also durchaus lohnen. Wenn diese Mittel ausnahmsweise verordnet werden dürfen (hierzu siehe Ausnahmeliste), wird auf den Apothekeneinkaufspreis eine gesetzlich geregelte Apothekenmarge aufgeschlagen.

Auch den Preis von freiverkäuflichen Arzneimitteln, die in Apotheken, aber auch in Drogerie- und Supermärkten angeboten werden können, legt jede Verkaufsstelle selbst fest. Zu diesen Mitteln zählen beispielsweise Pflanzenextrakte, Kräutertees, Vitamine und Mineralstoffe. In den Tabellen sind für sie Zirka-Preise angegeben, die auf der Basis der Großhandelsabgabepreise errechnet werden (siehe Erläuterungen zu den Tabellen).

Vergleicht man die durchschnittlichen Arzneimittelpreise in Europa, liegt Deutschland im Mittelfeld. Dies liegt vor allem an der großen Zahl preisgünstiger Generika, wohingegen die Preise patentgeschützter Mittel relativ hoch sind. Solche Mittel kosten im Ausland häufig nur ein Drittel oder die Hälfte. Ein Grund dafür ist, dass manche Länder einen geringeren Mehrwertsteuersatz haben oder Arzneimittel von der Mehrwertsteuer haben als Deutschland oder Arzneimittel von der Mehrwertsteuer ausnehmen und dass es staatliche Preisverhandlungen oder -kontrollen gibt. Allerdings zeigt das Arzneimittelmarktneuordnungsgesetz (AMNOG) seit dem 1.1.2011 Wirkung: Die Verhandlungen über einen Erstattungsbetrag dämpfen die Preise.

Nach wie vor führen bestehende Preisunterschiede noch immer dazu, dass manche Großhändler namensgleiche Medikamente aus dem Ausland importieren ("Re- oder Parallel-Importe"). Die Mittel sind dann preisgünstiger als die deutschen Originale. Importierte Produkte sehen manchmal etwas anders aus als die in Deutschland üblichen, sind aber identisch. Dies wird vorab in einem Zulassungsverfahren geprüft. Die Präparate tragen eine eigene "Zul.-Nr.".

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