9 000 Medikamente im Test
  • Über 9 000 Medikamente
  • Geprüft durch unabhängige Experten
  • Ständig aktualisiert

Testosteron – haben Männer auch Wechsel­jahre?

Nach dem 40. Geburts­tag sinkt der Testoster­onspiegel beim Mann. Beschwerden werden gern darauf zurück­geführt – doch Belege für die Wechsel­jahre des Mannes fehlen.

Testosteron: Zusammen­spiel Hirn und Hoden

Das bekann­teste Sexualhormon von Männern ist Testosteron. Dieses baut der Körper aus einer Vorstufe auf, dem Dehydroepiandrosteron (DHEA). Testosteron trägt zur Lust auf Sex bei, zur Funk­tion der Sexual­organe und zur Ausprägung des männ­lichen Körperbaus.

Die Produktion von Testosteron ist in einen Regel­kreis zwischen Hirn­anhang­drüse und Geschlechts­drüsen einge­bunden. Ein Hormon der Hirn­anhang­drüse regt bestimmte Zellen in den Hoden an, Testosteron zu produzieren. Ist im Blut genügend Testosteron vorhanden, drosselt die Hirn­anhang­drüse die Hormon­produktion. Umge­kehrt fördert sie sie, wenn der Testoster­onspiegel sinkt.

Mit DHEA das Altern aufhalten?

DHEA sowie Testosteron werden damit beworben, dass sie den Alterungs­prozess aufhalten und eine nach­lassende Sexual­funk­tion verbessern können. Die Idee, DHEA auf diese Weise einzusetzen, basiert darauf, dass Menschen, die ein hohes Alter erreicht haben, oft auch einen relativ hohen DHEA-Blutspiegel haben.

In klinischen Unter­suchungen ließen sich allerdings keine nennens­werten Effekte durch die Zufuhr von DHEA fest­stellen. Die Einnahme von DHEA beein­flusst weder die Leistungs­fähig­keit noch den Körper­aufbau oder die Knochendichte. Die Ergeb­nisse waren so ernüchternd, dass die beteiligten Forscher weitere Studien für wenig erfolg­versprechend hielten.

Bei den Frauen abge­schaut

Der Einsatz von Testosteron ist eine Analogie zur Östrogen­anwendung bei Frauen in den Wechsel­jahren. Ab dem 40. Lebens­jahr beginnt bei Männern der Testoster­onspiegel im Blut abzu­sinken. Doch anders als bei Frauen tut er dies allmählich.

Zweifelhaftes Anwendungs­gebiet für Medikamente

Ein Komplex aus Beschwerden und Symptomen, der auf die nach­lassende Hormon­konzentration beim Mann zurück­zuführen ist, ist bisher nicht bekannt. Da somit die Belege für ein „Klimakterium virile“ fehlen, sind Medikamente für dieses Anwendungs­gebiet als fragwürdig anzu­sehen.

Präparate: Fehlender Nutzen, Risiken möglich

Der Nutzen einer Anwendung von Testosteron ließ sich bisher nicht nach­weisen. Eine Studie an relativ wenigen Männern, die das Hormon in geringer Dosierung für zwei Jahre verabreicht bekamen, ergab keinen Anhalts­punkt für eine Verbesserung alters­bedingter Körpervorgänge. Ob mit einer hoch dosierten Testosteron­einnahme andere Ergeb­nisse erzielt werden, ist nicht sicher. Auch bei Männern mit Testoster­onmangel scheint die Hormonbe­hand­lung nur geringe Auswirkungen auf die Libido, die Erektion oder die sexuelle Zufriedenheit zu haben.

Risiken fürs Herz möglich. Es gibt ernst zu nehmende Hinweise darauf, dass die dauer­hafte Anwendung von Testosteron schädlich auf das Herz wirken kann. Diese betreffen vor allem ältere Männer, die an verschiedenen chro­nischen Erkrankungen leiden.

Gefahr für die Prostata. Außerdem ist nicht auszuschließen, dass die Anwendung von Testosteron eine Prostata­vergrößerung verstärken oder die Zahl der Prostata-Krebs­erkrankungen erhöhen kann. Aussagekräftige Studien­daten gibt es dazu jedenfalls nicht. Solange mögliche Risiken nicht ausgeschlossen werden können, wird von der Anwendung von DHEA oder Testosteron im Zusammen­hang mit den genannten, nicht zu begründenden Anwendungs­gebieten abge­raten.

Testosteron-Gele nicht besser

Auch die äußerlich anzu­wendenden testoster­onhaltigen Gele haben nach bisherigen Erkennt­nissen keinen relevanten Effekt auf die sexuelle Aktivität, das sexuelle Verlangen, das Erinnerungs­vermögen und die Vitalität. Zudem fehlen Unter­suchungs­daten, die belegen, dass sie Herz, Kreis­lauf und Prostata nicht schaden.