Medikamente im Test

Testosteron – haben Männer auch Wechsel­jahre?

Nach dem 40. Geburts­tag sinkt der Testoster­onspiegel beim Mann nach und nach ab. In Anlehnung an die Wechsel­jahre der Frau propagierten manche Experten daher ein Klimakterium virile und führten Beschwerden und Symptome auf einen gesunkenen Hormonspiegel zurück. Einen Beleg gibt es bisher dafür jedoch nicht.

Sexualhormon Testosteron: Zusammen­spiel Hirn und Hoden

Das bekann­teste Sexualhormon von Männern ist Testosteron. Dieses baut der Körper aus einer Vorstufe, dem Dehydroepiandrosteron (DHEA), auf. Testosteron trägt zur Lust auf Sex bei, zur Funk­tion der Sexual­organe und zur Ausprägung des männ­lichen Körperbaus. Die Produktion von Testosteron ist in einen Regel­kreis zwischen Hirn­anhang­drüse und Geschlechts­drüsen einge­bunden. Ein Hormon der Hirn­anhang­drüse regt bestimmte Zellen in den Hoden an, Testosteron zu produzieren. Ist im Blut genügend Testosteron vorhanden, drosselt die Hirn­anhang­drüse die Hormon­produktion; umge­kehrt fördert sie sie, wenn der Testoster­onspiegel sinkt.

Mit DHEA das Altern aufhalten?

Beide Substanzen, DHEA sowie Testosteron, werden damit beworben, dass sie den Alterungs­prozess aufhalten und eine nach­lassende Sexual­funk­tion verbessern können. Die Idee, DHEA auf diese Weise einzusetzen, basiert darauf, dass Menschen, die ein hohes Alter erreicht haben, oft auch einen relativ hohen DHEA-Blutspiegel haben. Allerdings ließen sich in klinischen Unter­suchungen keine nennens­werten Effekte durch die Zufuhr von DHEA fest­stellen. Die Einnahme von DHEA beein­flusst weder die Leistungs­fähig­keit noch den Körper­aufbau oder die Knochendichte. Die Ergeb­nisse waren so ernüchternd, dass die beteiligten Forscher weitere Studien für wenig erfolg­versprechend hielten.

Bei den Frauen abge­schaut

Der Einsatz von Testosteron ist eine Analogie zur Östrogen­anwendung bei Frauen in den Wechsel­jahren. Ab dem 40. Lebens­jahr beginnt bei Männern der Testoster­onspiegel im Blut abzu­sinken. Doch anders als bei Frauen tut er dies allmählich.

Erfundenes Anwendungs­gebiet für Medikamente

Ein Komplex aus Beschwerden und Symptomen, der auf die nach­lassende Hormon­konzentration beim Mann zurück­zuführen ist, ist bisher nicht bekannt. Damit ist das "Klimakterium virile" – die "Wechsel­jahre des Mannes" – ein erfundenes Anwendungs­gebiet für Medikamente.

Testosteron-Präparate: Kein Nutzen nachgewiesen, Risiken möglich

Der Nutzen einer Anwendung von Testosteron ließ sich bisher nicht nach­weisen. Eine Studie an relativ wenigen Männern, die das Hormon in geringer Dosierung für zwei Jahre verabreicht bekamen, ergab keinen Anhalts­punkt für eine Verbesserung alters­bedingter Körpervorgänge.

Risiken fürs Herz möglich. Aussagekräftige Ergeb­nisse zu einer Testosteron­einnahme in höherer Dosierung liegen noch nicht vor. Demgegen­über gibt es aber ernst­zunehmende Hinweise darauf, dass die dauer­hafte Anwendung von Testosteron bei älteren Männern mit verschiedenen chro­nischen Erkrankungen schwerwiegende Schad­wirkungen nach sich ziehen kann. Diese betreffen vor allem das Herz.

Gefahr für die Prostata. Außerdem ist nicht auszuschließen, dass die Anwendung von Testosteron eine Prostata­vergrößerung verstärken oder die Zahl der Krebs­erkrankungen dieses Organs erhöhen kann. Aussagekräftige Studien­daten gibt es dazu jedenfalls nicht. Solange mögliche Risiken nicht ausgeschlossen werden können, wird von der Anwendung von DHEA oder Testosteron im Zusammen­hang mit den genannten, nicht zu begründenden Anwendungs­gebieten abge­raten.

Testosteron-Gele nicht besser

Auch bei der äußerlichen Anwendung von testoster­onhaltigen Gelen ist nach den bislang vorliegenden Analysen keine relevante Wirk­samkeit auf sexuelle Aktivität, Verlangen, Erinnerungs­vermögen und Vitalität zu erwarten. Zudem fehlen Unter­suchungs­daten, die die Unbe­denk­lich­keit bei einer Anwendung als Gel auf Herz, Kreis­lauf und Prostata ausreichend belegen.