Medikamente im Test

Übergewichtige Kinder

Von 100 Kindern und Jugendlichen in Deutschland zwischen 5 und 19 Jahren sind 25 Mädchen und 28 Jungen übergewichtig. Bei 11 von 100 Jungen und 7 von 100 Mädchen sprechen Mediziner sogar von Fettleibigkeit (Adipositas). Jüngere Kinder, die bereits fettleibig sind, nehmen beim Heranwachsen häufig weiter zu. Am häufigsten weisen die Kinder Übergewicht auf, deren Eltern bereits übergewichtig sind. Außerdem fällt auf, dass Mädchen und Jungen aus sozial benachteiligten Familien dreimal so häufig betroffen sind wie die mit einem anderen familiären Hintergund. Bei allen übergewichtigen Kindern stimmt die Balance zwischen Kalorienzufuhr und -verbrauch nicht. Vor allem stundenlanges Sitzen vor Fernseher, Handy oder Computer verhindert, dass sich die Kinder ausreichend bewegen und so Kalorien verbrauchen.

Bei übergewichtigen Kindern werden nicht selten Gesundheitsstörungen diagnostiziert, die sonst vorwiegend bei Erwachsenen vorkommen: Typ-2-Diabetes, hoher Blutdruck, Fettstoffwechselstörungen, Gelenkprobleme. Außerdem leiden die Kinder unter ihrem Aussehen, ihrer eingeschränkten Beweglichkeit und darunter, dass sie gehänselt und von anderen ausgeschlossen werden. Diese Kränkungen können ihre psychosoziale Entwicklung beeinträchtigen.

Oft beginnt das Gewichtsproblem bereits im Säuglings- und Kleinkindalter. Die Annahme der Eltern, dass das Kind Hunger hat, wenn es schreit, ist bei Weitem nicht immer richtig. Bei Kleinkindern übersehen Eltern beim Füttern oft die Hinweise, mit denen das Kind signalisiert, dass es satt ist.

Sehr oft spiegelt das Kind aber nur die Essgewohnheiten der gesamten Familie wider: Kompakte, kalorienreiche Nahrung, so weich, dass sie kaum gekaut werden muss, wird während anderer Tätigkeiten hastig hinuntergeschlungen. Ein Anfang zur Verbesserung kann in gemeinsamen Mahlzeiten in ruhiger Atmosphäre bestehen, die unter Mithilfe der Kinder selbst zubereitet werden.

Dass ein Kind Gewichtsprobleme hat, kann bereits bei den regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen auffallen, die für Kinder vorgesehen sind. Hierbei muss der Arzt auch Größe und Gewicht beurteilen, sodass er frühzeitig auf Übergewicht aufmerksam werden kann. In jedem Fall sollten Eltern, denen auffällt, dass ihr Kind "zu dick" ist, ärztlichen Rat suchen. Ohne fachkundige Hilfe können sie nicht beurteilen, ob das Kind wirklich übergewichtig ist.

Zwar wird auch bei Kindern der BMI berechnet, doch ab wann ein Kind als übergewichtig gilt, richtet sich nach seinem Alter, seiner Körpergröße und dem Geschlecht. Die Tabellen, in denen diese Zusammenhänge dargestellt sind (Somatogramme), kann der Arzt in der Literatur nachschlagen. Sie selbst können im Internet auf der Website www.a-g-a.de unter "Über Adipositas, Definition" die entsprechenden Informationen einsehen.

Eltern meinen oft, der Babyspeck ihres Kindes "verwächst" sich noch. In der Tat kann es bei Kindern manchmal ausreichen, eine weitere Gewichtszunahme zu verhindern, weil sie den Überschuss "aufbrauchen", während sie an Länge zulegen. Ob das tatsächlich zutrifft, muss der Arzt anhand des Gesundheitszustands und des Alters des Kindes beurteilen.

Die Behandlung von übergewichtigen Kindern besteht darin, Ernährungs- und Bewegungsgewohnheiten zu verändern. Arzneimittel werden nicht eingesetzt. Stattdessen sind ausführliche Beratungen und Anleitungen notwendig, die die gesamte Familie einbeziehen. Wenn Eltern und Geschwister gemeinsam mit dem übergewichtigen Kind zu einem neuen Lebensstil finden, wird ein dauerhafter Erfolg wahrscheinlicher.

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