Medikamente im Test

Soja- oder Rotkleeprodukte bei Wechseljahresbeschwerden?

Viele Frauen mit Wechseljahresbeschwerden suchen nach Alternativen zur Hormonbehandlung. Ihnen werden entsprechende Produkte mit dem Extrakt von Sojabohnen, Rotklee oder mit isolierten Isoflavonen angeboten. Letztere werden auf der Basis von Soja oder Rotklee hergestellt. Die entsprechenden Präparate sind als Nahrungsergänzungsmittel im Handel, nicht als Arzneimittel. Sie sind in Drogerien, Reformhäusern, Apotheken und im Internet rezeptfrei erhältlich.

Diese Produkte kamen aufgrund der Beobachtung auf den Markt, dass etwa ein Viertel der Japanerinnen über Wechseljahresbeschwerden klagt, in den USA hingegen 85 Prozent der Frauen. Das führte zu der Vermutung, dass der Unterschied in dem reichlichen Verzehr von Sojaprodukten, wie er in Japan üblich ist, begründet sein könnte. Soja enthält Isoflavone. Diese ähneln dem weiblichen Sexualhormon Östrogen und werden daher als "pflanzliche Östrogene" bezeichnet. Allerdings ist unklar, ob die Unterschiede im Empfinden des Wechseljahresgeschehens bei asiatischen und US-amerikanischen Frauen allein auf unterschiedliche Ernährungsgewohnheiten zurückzuführen sind. Wissenschaftliche Überprüfungen konnten jedenfalls bisher nicht bestätigen, dass diese Produkte Wechseljahresbeschwerden nennenswert beeinflussen.

Eine methodisch hochwertige systematische Übersichtsarbeit hat gezeigt, dass sich Hitzewallungen durch die Einnahme von Rotkleeextrakt nicht verringern. Studien mit Sojaextrakt erbrachten uneinheitliche Ergebnisse. Die therapeutische Wirksamkeit dieser Mittel ist also nicht ausreichend gesichert.

Auch im Hinblick auf die Verträglichkeit isoflavonhaltiger Produkte sind noch viele Fragen offen. Einerseits hat die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) festgestellt, dass es für die Einnahme von Isoflavonen bei gesunden Frauen nach den Wechseljahren keine Hinweise darauf gibt, dass dadurch das Risiko für Brustkrebs und Gebärmutterkrebs ansteigt oder die Schilddrüsenfunktion beeinträchtigt wird. Andererseits sind die hierfür vorliegenden Daten mit Unsicherheiten behaftet und für einige Personengruppen – z. B. für Frauen, die sich in den Wechseljahren befinden oder für Frauen, die eine entsprechende hormonabhängige Krebserkrankung an Brust oder Gebärmutter haben – fehlen Daten gänzlich. Die Behörde empfiehlt daher sowohl Dosierung als auch Dauer der Einnahme zu begrenzen. Diese liegt bei Soja-Isoflavonen bei 100 mg pro Tag für die Dauer von zehn Monaten und bei Rotklee-Isoflavonen bei 43,5 mg pro Tag für die Dauer von drei Monaten. Für eine längere Einnahmedauer und höhere Dosierungen liegen auch für ansonsten gesunde Frauen nach der Menopause keine Risikoabschätzungen vor. Da auch nach der Begutachtung durch die Efsa bei Frauen in den Wechseljahren und bei Frauen, die an einem hormonabhängigen Krebs leiden, weiterhin unklar bleibt, ob die Produkte sicher sind, kann bei diesen keine Einnahme empfohlen werden.