Medikamente im Test

Infektionskrankheit Tuberkulose: Dreifachtherapie mit Rifampicin

Ein Drittel der Weltbevölkerung ist nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) mit Tuberkulosebakterien infiziert. Aber nicht alle Träger des Bakteriums haben auch Symptome und sind damit ansteckend. Nur 5 bis 10 von 100 Infizierten erkranken aktiv an Tuberkulose (TB oder Tbc). Dennoch ist Tuberkulose nach Angaben der (WHO) weiterhin die tödlichste Infektionskrankheit der Welt. Besonders häufig kommt TB, auch als Schwindsucht bekannt, in ärmeren Ländern vor. Durch die steigende Mobilität der Menschen ist auch hierzulande ein Infektionsrisiko gegeben.

Ansteckung durch Husten

Der Erreger der Tuberkulose ist ein Mykobakterien (z. B. Mycobacterium tuberculosis, Mycobacterium bovis, Mycobacterium africanum). Die Übertragung erfolgt meist durch Tröpfcheninfektion beim Husten oder Niesen. Je mehr Menschen auf engem Raum zusammenleben, umso größer ist die Gefahr einer Ansteckung. Doch nur etwa jeder Zehnte, der mit den Bakterien in Kontakt kommt, wird krank. Eine intakte körpereigene Abwehr kann die Erreger meist unschädlich machen, manchmal verbleiben die Bakterien aber über Jahre schlummernd im Körper.

Gefahr bei geschwächter Abwehr. Die Krankheit bricht besonders bei Menschen mit geschwächten Abwehrkräften aus, z. B. Menschen, die mit dem HI-Virus infiziert oder chronisch krank sind, oder Menschen mit schlechtem Ernährungszustand. Am häufigsten befallen die Bakterien die Lunge (Lungentuberkulose), aber auch in anderen Organen können sich Entzündungsherde bilden (z. B. Gehirn, Gelenke, Knochen). Die Anzeichen einer Infektion sind nur wenig charakteristisch und umfassen zu Beginn der Erkrankung unter anderem leichtes Fieber, Husten, nächtliches Schwitzen, ungewollte Gewichtsabnahme und allgemeine Schwäche. Erst wenn sich die Entzündungsherde in der Lunge ausbreiten und Lungengewebe zerstören, hustet der Betroffene Schleim ab, der blutig sein kann (offene Lungentuberkulose). Diese Form der Tuberkulose ist hochansteckend. Durch eine Röntgenaufnahme des Brustkorbes lassen sich mögliche Entzündungsherde in der Lunge aufdecken.

In Deutschland eher selten

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO sterben an Tuberkulose jährlich etwa 1,4 Millionen Menschen. Insbesondere in bestimmten afrikanischen Ländern, Länder im westpazifischen Raum sowie Ländern Südostasiens ist die Infektionserkrankung verbreitet. In Osteuropa hat besonders die multiresistente Tuberkulose in den letzten Jahren zugenommen. In Deutschland kommt Tuberkulose selten vor. Im Jahre 2017 wurden pro 100 000 Einwohner knapp 7 Neuerkrankungen registriert. Seit 2015 haben Tuberkuloseerkrankungen aber auch in Deutschland aufgrund der erhöhten Zuwanderung zugenommen.

Resistente Bakterien – schwierige Therapie

Mykobakterien teilen sich langsam und haben dadurch genügend Zeit, Mechanismen zu entwickeln, die sie unempfindlich gegen Antibiotika machen. So bilden die Bakterien beispielsweise Eiweißstoffe, die die eingesetzten Antibiotika aus der Bakterienzelle hinausschleusen. Deshalb ist die Behandlung der Tuberkulose – selbst einer eigentlich unkomplizierten – sehr aufwändig. Es müssen über längere Zeit mehrere Antibiotika (Antituberkulotika), die speziell gegen Mykobakterien wirksam sind, eingesetzt werden. Nach den derzeitigen Empfehlungen der WHO dauert die Standardtherapie einer unkomplizierten Lungentuberkulose ein halbes Jahr. Zu Beginn müssen zwei Monate lang die vier Antibiotika Rifampicin (Eremfat), Isoniazid (Isozid), Ethambutol (EMB-Fatol), Pyrazinamid (Pyrazinamid 500 mg JENAPHARM) eingenommen werden. In den folgenden vier Monate besteht die Behandlung aus den beiden Wirkstoffen Rifampicin und Isoniazid. Es ist wichtig, diese Therapievorgaben genau einzuhalten, da ansonsten die Gefahr besteht, dass die Bakterien unempfindlich (resistent) werden. Die vier Mittel unterscheiden sich in ihren Wirkmechanismen und Wirkorten. Das ist wichtig, um alle Erreger zu erreichen, auch solche, die gegen einen der Wirkstoffe bereits resistent sind.

Wie wirkt Rifampicin?

Rifampicin tötet Mykobakterien ab, allerdings muss darauf geachtet werden, dass keine Resistenzen bestehen. Die antibakterielle Wirksamkeit von Rifampicin ist von wesentlicher Bedeutung für den Erfolg der Tuberkulosebehandlung. Bei einer Resistenz gegenüber Rifampicin wird die Behandlung komplizierter und langwieriger. Auch die Aussicht auf Heilung ist dann wesentlich schlechter.

Dosis ausrechnen. Die Dosierung von Rifampicin richtet sich nach dem Körpergewicht. Das Antibiotikum kann auch bei Kindern und Schwangeren eingesetzt werden. Für Kinder gibt es das Mittel in Form eines Sirups. Rifampicin sollte gleichzeitig mit den anderen Mitteln der Kombinationstherapie auf leeren Magen (eine halbe Stunde vor oder zwei Stunden nach dem Essen) eingenommen werden.

Unerwünschte Effekte von Rifamipicin

Rifampicin – insbesondere in Kombination mit den anderen Wirkstoffen – kann die Leber schädigen. Dies ist vor allem bei Patienten mit vorgeschädigter Leber zu beachten. Während der Behandlung sollten Sie möglichst keine weiteren Mittel einnehmen, die Leberschäden verursachen können. Dazu zählen sowohl Mittel aus der Selbstmedikation, wie Paracetamol (bei Schmerzen und Fieber), aber auch solche, die der Arzt verordnet, z. B. Methotrexat (bei Schuppenflechte, rheumathoider Arthritis). Um die Leber nicht zusätzlich zu belasten, sollten Sie während der Behandlung außerdem auf Alkohol verzichten. Typische Anzeichen einer schweren Leberschädigung sind eine dunkle Verfärbung des Urins, eine helle Verfärbung des Stuhlgangs oder es entwickelt sich eine Gelbsucht (erkennbar an einer Gelbfärbung der Augen) – oft begleitet von starkem Juckreiz am ganzen Körper. Tritt eines dieser für einen Leberschaden charakteristischen Krankheitszeichen auf, müssen Sie sofort zum Arzt gehen.

Das Mittel kann auch die Niere schädigen. Bei vermehrter oder verminderter Harnausscheidung, wenn die Haut nach Urin riecht, bei neu auftretenden oder sich verschlimmernden Wasseransammlungen z. B. in den Beinen (Ödeme) oder Schmerzen in der Nierengegend sollten Sie in den nächsten Tagen den Arzt aufsuchen und gezielt die Nieren untersuchen lassen.

Das Mittel kann bei etwa 1 von 1000 Behandelten Auswirkungen auf die Blutbildung haben. Dies kann beispielsweise aufgrund einer zu geringen Anzahl von Blutplättchen in Form von Nasenbluten äußern. Dann sollte der Arzt Ihr Blutbild untersuchen.

Beachten Sie folgende Hinweise

Um eine Schädigung der Leber, Niere oder der Blutbildung rechtzeitig zu entdecken, ist es notwendig, dass der Arzt während der Therapie regelmäßig die Blut-, Leber- und Nierenwerte überprüft.

Wenn sich Körperflüssigkeiten wie Tränenflüssigkeit, Speichel und Urin orangebraun verfärben, ist das eine harmloser Effekt durch Rifampicin.

Rifampicin verringert die Wirksamkeit zahlreicher Medikamente, weil es deren Abbau stark beschleunigt. Die Wirkung bestimmter HIV-Mittel (Ritonavir, Saquinavir, Nevirapin) und von Mitteln gegen Pizinfektionen (Voriconazol, Itraconazol, Fluconazol) wird beispielsweise so stark abgeschwächt, dass diese nicht mehr ausreichend wirksam sind. Auch Epilepsiemittel, Mittel bei Herzrhythmusstörungen, Gerinnungshemmer wie Warfarin und Phenprocoumon (bei Thrombosen) oder die Pille zur Empfängnisverhütung können bei gleichzeitiger Anwendung von Rifampicin in ihrer Wirkung deutlich beeinträchtigt werden. Umgekehrt kann die Wirkung von Rifampicin durch die Anwendung anderer Arzneimittel beeinflusst werden, so dass häufig eine Dosisanpassung notwendig ist. Beispielsweise verzögert Cotrimoxazol (bei Harnwegsinfektionen) den Abbau von Rifampicin, dann steigt das Risiko für Nebenwirkungen. Informieren Sie deshalb jeden Arzt, den Sie während der Tuberkulosebehandlung aufsuchen, dass Sie Rifampicin einnehmen.

Bewertung von Rifampicin

Rifampicin ist zur Behandlung der Tuberkulose allerdings nur in Kombination mit anderen Antibiotika geeignet.

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