Medikamente im Test
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Reisen mit Opioiden, Ritalin und Co

Medikamente im Test - Reisen mit Opioiden, Ritalin und Co

Kein Frei­flug. Wer Betäubungs­mittel einnimmt, braucht auf Auslands­reisen eine Bescheinigung.

Wenn Sie aus medizi­nischen Gründen regel­mäßig Medikamente einnehmen, die unter das Betäubungs­mittel­gesetz fallen, gilt es auf Reisen ins Ausland einiges zu beachten.

Amtliche Bescheinigungen gehören ins Gepäck

Betäubungs­mittel­gesetz. Starke Schmerz­mittel wie Opioide, ADHS-Medikamente wie Ritalin oder Drogen­ersatz wie Methadon – das sind Beispiele für verschreibungs­pflichtige Medikamente, die hier­zulande als Betäubungs­mittel (BtM) einge­stuft sind und unter das Betäubungs­mittel­gesetz fallen.

Bescheinigung. Wer aus medizi­nischen Gründen regel­mäßig ein zugelassenes Betäubungsmittel einnimmt und verreisen möchte, kann das Medikament unter bestimmten Voraus­setzungen für den eigenen Bedarf mitnehmen: mit einer amtlich beglaubigten Bescheinigung, wonach eine bestimmte Menge für maximal 30 Reis­etage notwendig ist. Die Art der Bescheinigung hängt davon ab, ob die Reise in einen Schengen-Staat oder ein anderes Land geht.

Das gilt für Reisen in Schengen-Staaten

Formular ausfüllen. Vor Reisen in europäische Staaten, die das Schengen-Abkommen unterzeichnet haben und in denen in der Regel keine Grenz­kontrollen mehr statt­finden, muss ein Arzt oder eine Ärztin ein Formular für betroffene Patienten und Patientinnen ausfüllen: Es bestätigt, dass ein bestimmtes Betäubungs­mittel im Reise­zeitraum aus medizi­nischen Gründen einge­nommen werden muss. Das Formular ist online auf der Home­page des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte abruf­bar.

Beglaubigen lassen. Ergänzend muss diese Bescheinigung noch von der obersten Landes­gesund­heits­behörde oder einer von ihr beauftragten Stelle beglaubigt werden (Übersicht der zuständigen Landesbehörden). Die beglaubigte Bescheinigung ist für eine Reise von maximal 30 Tage gültig. Wer mehrere verschreibungs­pflichtige Betäubungs­mittel einnimmt, braucht für jedes eine eigene Bescheinigung.

Folgende Länder gehören zum Schengen-Raum: Belgien, Dänemark, Deutsch­land, Estland, Finn­land, Frank­reich, Griechen­land, Island, Italien, Lett­land, Liechten­stein, Litauen, Luxemburg, Malta, Nieder­lande, Norwegen, Österreich, Polen, Portugal, Schweden, Schweiz, Slowakei, Slowenien, Spanien, Tschechien und Ungarn.

Das gilt für Reisen in andere Länder

BtM deklarieren. Die Bundesopiumstelle rät bei Reisen in andere Länder, verschreibungs­pflichtige Betäubungs­mittel nach einem Leitfaden für Reisende des Internationalen Suchtstoffkontrollamtes zu deklarieren. Der interna­tional verständliche Leitfaden stellt eine Orientierung für Ärzte und Ärztinnen dar. Nach diesem Muster können sie für ihre Patienten und Patientinnen die Wirk­stoff­bezeichnung sowie die Einzel- und Tages­dosierungen des jeweiligen Medikaments für die Dauer der Reise angeben.

Beglaubigen lassen. Auch diese Bescheinigung muss von der zuständigen obersten Landes­gesund­heits­behörde oder einer von ihr beauftragten Stelle beglaubigt sein. Für die Form dieser Bescheinigung gibt es keine strikte Vorgaben, sie gilt ebenfalls maximal 30 Tage.

Nationale Regeln beachten. Reisende müssen zusätzlich die nationalen Bestimmungen des Ziel­landes sowie eventueller Durch­reiseländer beachten: Einige Länder verlangen zusätzliche Importgenehmigungen, schränken die Menge der mitzuführenden Betäubungs­mittel ein oder verbieten die Mitnahme von bestimmten BtM wie Mitteln zur Drogen­substitution sogar generell.

Informationen einholen. Auskünfte kann die jeweilige diplomatische Vertretung des Ziel­landes in Deutsch­land erteilen, Kontakt­adressen finden sich auf der Internetseite des Auswärtigen Amts.

Tipps für eine stress­freie Reise

  • Dokumente verwahren. Im Reise­land sollten Sie das Schreiben, das Ihnen das Mitführen von BtM für den Eigenbedarf bestätigt, immer bei sich tragen.
  • Längere Reisen. Wollen Sie länger als 30 Tage verreisen, sollten Sie sich erkundigen, ob die länger­fristige Versorgung durch einen Arzt vor Ort sicher­gestellt werden kann. 
  • Mitreisende. Nur die Person, auf die die amtliche Bescheinigung ausgestellt ist, darf das entsprechende BtM mit sich führen. Für Minderjäh­rige ist laut Bfarm nicht geregelt, ob sie das Betäubungs­mittel selbst mitführen müssen oder ob es durch erziehungs­berechtigte oder beauftragte Mitreisende mitgeführt werden kann. Letzteres sei im Einzel­fall zweifellos sinn­voll. Die erziehungs­berechtigten oder beauftragen Personen sollten den Sach­verhalt bei Fragen seitens der Zoll­behörden dann vor Ort klären