Medikamente im Test

Medikamentöse Behand­lung von Kindern

Für die Jüngsten stehen oftmals keine speziellen Medikamente zur Verfügung. Um sie gut und sicher zu behandeln, bedarf es dringend weiterer Forschung.

EU nimmt Pharma­industrie in die Pflicht

Für viele Arznei­mittel fehlen klinisch-pharmakologische Daten für die Anwendung bei Kindern. Sie bekommen also vielfach Medikamente, ohne dass ihr Einsatz bei dieser Alters­gruppe geprüft und dafür zugelassen wurde (Off-Label-Use). Auch die Dosierungs­angaben beruhen oft auf Erfahrung und nicht auf Prüf­ergeb­nissen.

Neue Regeln

Dieser Miss­stand ändert sich nur lang­sam. Seit Januar 2007 verpflichtet eine EU-Verordnung die pharmazeutischen Hersteller zu klinischen Prüfungen an Kindern, wenn ein neuer Wirk­stoff für die Kinder­heil­kunde medizi­nisch notwendig ist. Wird für bereits zugelassene Wirk­stoffe eine Erweiterung der Anwendungs­gebiete beantragt, muss der Hersteller Unter­suchungen an Kindern nach­reichen. Von dieser Regelung sind lediglich Wirk­stoffe ausgenommen, die bei Kindern ohnehin nicht einge­setzt werden. Legen die Firmen entsprechende Studien­daten vor, verlängert sich der Patent­schutz für diese Wirk­stoffe um ein halbes Jahr.

Medikamente für Kinder

Bis Ende 2013 waren nach Angaben der deutschen Zulassungs­behörde 385 Arznei­mittel explizit für Kinder zugelassen. Erkenn­bar ist das daran, dass der Zusatz „für Kinder“ zum Namen des Arznei­mittels gehört.

Exklusive Vermarktungs­rechte

Auch für nicht mehr patent­geschützte Wirk­stoffe hat die EU Anreize geschaffen, um die Daten­lage für die Anwendung bei Kindern zu verbessern. Legt ein Hersteller für einen solchen Wirk­stoff Studien­daten an Kindern vor, die zur Zulassung führen, darf er sein Mittel als „für die pädiatrische Verwendung zugelassen“ kenn­zeichnen und mit einem hoch­gestellten „P“ von namens­gleichen Produkten abgrenzen. Außerdem erhält er ein zehnjäh­riges exklusives Vermarktungs­recht für die Anwendung bei Kindern. In dieser Zeit dürfen andere Hersteller Präparate mit dem gleichen Wirk­stoff nicht für die Anwendung bei Kindern anbieten.

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Richtig dosieren

Medikamente sollten für Kinder gemäß den Angaben in dieser Daten­bank oder der Packungs­beilage dosiert werden. Es ist nicht sinn­voll, die Erwachsen­endosis „irgendwie“ für Kinder umzu­rechnen. Arznei­mittel können bei Kindern nämlich nicht nur stärker, sondern grund­sätzlich anders wirken als bei Erwachsenen.

Mal weniger, mal mehr

Für die Dosierung spielt es unter anderem eine Rolle, wie viel Wasser der Körper enthält und ob es sich vornehmlich inner­halb oder außer­halb der Zellen befindet. Bei Neugeborenen befindet sich etwa die Hälfte des Körperwassers außer­halb der Zellen, bei Erwachsenen ist es rund ein Drittel. Dementsprechend müssen Arznei­mittel, die sich im Flüssig­keits­raum verteilen, bei Kindern höher dosiert werden als bei Erwachsenen. Genau umge­kehrt verhält es sich mit Arznei­stoffen, die sich im Fett­gewebe verteilen.

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Richtige Arzneiform wählen

Viele Kinder tun sich schwer, Tabletten zu schlu­cken. Werden die Tabletten jedoch zerrieben, zerkleinert oder aufgelöst, damit das Kind sie besser einnehmen kann, verändert sich unter Umständen ihre Wirk­samkeit. Teilen Sie die Tabletten, um dem Kind eine geringere Dosis geben zu können, ist nicht garan­tiert, dass der Wirk­stoff gleich­mäßig auf die Bruch­stücke aufgeteilt ist. Nähere Erläuterungen hierzu lesen Sie unter Tabletten teilen. Säfte und Tropfen lassen sich besser dosieren und Kinder können sie besser einnehmen.

Unsichere Zäpf­chen

In Deutsch­land gibt man Kindern Arznei­mittel gern als Zäpf­chen. Aus diesen wird der Wirk­stoff aber oft nur unzu­verlässig in den Körper aufgenommen, sodass sich schlecht abschätzen lässt, wie viel tatsäch­lich für eine Wirkung zur Verfügung steht.

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Arzt­besuch nicht aufschieben

Bei der Selbst­behand­lung von Kindern sollten Sie besonders zurück­haltend und vorsichtig sein. Ein als „geeignet“ bewertetes Medikament kann – richtig dosiert – die Zeit bis zur ärzt­lichen Therapie über­brücken. Für eine länger dauernde Behand­lung und in Zweifels­fällen sollten Sie sich jedoch lieber an den Arzt wenden.

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Mittel mit Alkohol meiden

Auf Mittel, die Alkohol enthalten, wird speziell hingewiesen, damit Sie auf andere Zubereitungs­formen oder Medikamente ausweichen können. Die geringe Alkoholmenge, die sich bei bestimmungs­gemäßem Gebrauch solcher Medikamente im Blut findet, schadet Kindern zwar nicht, es ist aber nicht wünschens­wert, dass sie sich mit der Einnahme solcher Arznei­mittel an den Geschmack von Alkohol gewöhnen.

Diese Personen­gruppen sollten keine alkoholhaltige Medikamente nehmen

Auch für Schwangere wird speziell auf den Alkohol hingewiesen sowie für Menschen, die Alkohol­probleme haben. Darüber hinaus sollten Leber­kranke und Personen mit Anfall­leiden den Alkohol­gehalt von Medikamenten berück­sichtigen.

Unerwünschte Effekte

Alkohol kann zudem die Wirkung vieler Arznei­mittel (zum Beispiel Schlaf- und Beruhigungs­mittel, Psycho­pharmaka, andere starke Schmerz­mittel, einige Mittel bei hohem Blut­druck) verstärken.

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