Medikamente im Test

Unerwünschte Arznei­mittel­wirkungen

Es ist nicht immer einfach, eine unerwünschte Wirkung (Neben­wirkung) von einem möglichen neuen Symptom der Erkrankung abzu­grenzen. Doch einige unerwünschte Reaktionen auf Arznei­mittel sind sehr typisch und sollten beachtet werden. Hier sagen wir, was gegebenenfalls zu tun ist, wenn eine unerwünschte Wirkung auftritt.

Symptom: Haut­erscheinungen

Die meisten unerwünschten Wirkungen an der Haut zeigen sich als allergische Reaktion, meistens als Rötung, juckender Ausschlag, Pusteln bis hin zu großen Blasen. Leichte Haut­re­aktionen sind sehr häufig und verschwinden oft noch während der Behand­lung von selbst, spätestens nach Absetzen der Medikamente.

Späte Auswirkungen. Diese Haut­erscheinungen können aber auch erste Anzeichen für sehr schwerwiegende Reaktionen auf das Arznei­mittel sein. Meist entwickeln diese sich etwa drei bis fünf Wochen nach der Anwendung. Typischer­weise dehnen sich die Hautrötungen aus und es bilden sich Blasen. Auch die Schleimhäute des gesamten Körpers können betroffen und das Allgemeinbefinden wie bei einer fieb­rigen Grippe beein­trächtigt sein. Bereits in diesem Stadium sollten Sie sich unbe­dingt an einen Arzt wenden, denn diese Haut­re­aktionen können sich rasch verschlimmern.

Gefähr­liche Verläufe. Bei der schwersten Verlaufs­form fließen die Blasen zusammen, die Haut reißt auf und löst sich ab. Dann entstehen offene Wunden, das Gewebe stirbt ab und Sie müssen intensivmedizi­nisch behandelt werden. Diese eng miteinander verwandten Krank­heits­bilder heißen Erythema exsudativum multiforme, Stevens-Johnson-Syndrom und Lyell-Syndrom (auch toxische epidermale Nekrolyse genannt) und werden als „Syndrom der verbrühten Haut“ bezeichnet. Ihre Gefähr­lich­keit steigt in der Reihen­folge ihrer Nennung an.

Bedrohliche Einzel­fälle. Diese unerwünschten Wirkungen, die nur für wenige Arznei­mittel beschrieben sind, treten höchs­tens bei 1 von 1 000 000 Behandelten auf, sind aber oft lebens­bedrohlich. Wer jemals eine solche schwerwiegende Haut­erkrankung entwickelt hat, muss die auslösenden Mittel zukünftig strikt meiden.

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Symptom: Allergien auf Arznei­mittel

Grund­sätzlich kann jedes Arznei­mittel eine Allergie auslösen. Schwache allergische Reaktionen äußern sich meist mit einem juckenden Haut­ausschlag. Wird das Mittel abge­setzt, verschwindet der Ausschlag wieder. Kommen Sie allerdings ein zweites Mal mit dem Arznei­mittel in Kontakt, fällt die allergische Reaktion meist sehr viel heftiger aus.

Allergischer Schock. Bezeichnend für eine heftige allergische Reaktion sind kalter Schweiß, Schwindel, Benommenheit, Übel­keit, Nesselfieber, Schwel­lungen im Gesicht und an den Schleimhäuten, Atemnot und Kreis­lauf­zusammenbruch. Bei derartigen Beschwerden muss sofort der Notarzt (Telefon 112) gerufen werden. Ein solcher anaphylaktischer Schock muss unver­züglich mit kreis­laufstabilisierenden Mitteln und Kortison­spritzen behandelt werden. Schwellen die Schleimhäute in den Atemwegen weiter an, droht Ersti­cken. Bricht der Kreis­lauf völlig zusammen, muss sofort beatmet werden, damit das Gehirn und lebens­wichtige Organe durch­blutet bleiben.

Nie wieder. Wer nach der Anwendung eines Wirk­stoffs einmal eine derart lebens­bedrohliche Situation erlebt hat, darf dieses Medikament nie wieder anwenden. Auch andere Arznei­stoffe aus der gleichen Wirk­stoff­gruppe sind unbe­dingt zu meiden. Tragen Sie einen Allergiepass bei sich und fragen bei neuen Medikamenten unbe­dingt nach.

Häufig­keiten verstehen

Wie häufig eine solche Neben­wirkung vorkommt, wird – auch in den Beipack­zetteln – gemäß der nach­folgenden Definition angegeben. Wo immer es möglich war, haben wir die Angaben genau beziffert.

  • Sehr häufig: Die unerwünschte Wirkung wurde bei mehr als 1 von 10 Behandelten beob­achtet.
  • Häufig: Bei 1 bis 10 von 100 Behandelten sind betroffen.
  • Gelegentlich: Bei 1 bis 10 von 1 000 Behandelten müssen mit dieser unerwünschten Wirkung rechnen.
  • Selten: Diese unerwünschte Wirkung kann sich bei 1 bis 10 von 10 000 Behandelten bemerk­bar machen.
  • Sehr selten: Diese unerwünschte Wirkung kommt in wenigen Einzel­fällen vor.

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Symptom: Müdig­keit und andere Befindlich­keits­störungen

Andere typische unerwünschte Wirkungen sind Befindlich­keits­störungen wie Müdig­keit, Abge­schlagenheit und Kopf­schmerzen. Diese unspezi­fischen Symptome können verschiedene Ursachen haben. Beispiels­weise rufen viele Antibiotika solche Beschwerden hervor. Diese können aber auch Folge der Infektions­krankheit selbst sein, gegen die Sie die Antibiotika einnehmen. Besondere Maßnahmen sind dabei nicht erforderlich.

Von leicht bis stark. Müdig­keit kann allerdings auch Zeichen für eine Blut­armut sein, die beob­achtet werden sollte. Je nachdem, wie belastend die Müdig­keit ist und mit welchem Arznei­mittel ihr Auftreten verbunden ist, ist sie bei den Angaben zu „Unerwünschte Wirkungen” in unterschiedlichen Kategorien zu finden.

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Symptom: Schwindel

Schwindel wird ebenfalls häufig als unerwünschte Wirkung beschrieben und kann in verschiedenen Kategorien auftauchen, je nachdem, auf welcher Ursache er beruht:

  • Er kann einsetzen, wenn der Blut­druck beim Aufstehen aus dem Sitzen oder Liegen plötzlich stark absinkt. Diese Art von Schwindel ist harmlos und lässt sich vermeiden, indem Sie lang­sam aufstehen. Meist vergeht das Schwindelgefühl inner­halb kurzer Zeit von selbst.
  • Schwindel kann darauf beruhen, dass ein Medikament das Gleichgewichts­organ im Innen­ohr geschädigt hat. Wenn die Schwindelgefühle anhalten, sich verstärken oder mehr­fach auftreten, sollten Sie dies dem Arzt berichten. Meist muss die Therapie dann abge­brochen werden.
  • Darüber hinaus kann Schwindel im Zusammen­hang mit Herz­rhythmus­störungen auftreten. Bei unregelmäßigem Herz­schlag kann es „Aussetzer“ geben, in deren Folge das Gehirn für kurze Zeit nicht ausreichend mit sauer­stoff­reichem Blut versorgt ist. Dieses Zeichen müssen Sie sehr ernst nehmen und sofort einen Arzt aufsuchen.
  • Weiterhin kann Schwindel eine Neben­wirkung vieler Medikamente sein, die bei Krankheiten des Nerven­systems und der Psyche einge­setzt werden. Das kann unterschiedliche Gründe haben und muss im Einzel­fall besprochen werden. Informieren Sie davon in jedem Fall den Arzt.
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Symptom: Veränderungen des Blut­bilds

Blut­bild­ver­änderungen können Sie kaum selbst erkennen. Besteht ein solches Risiko, muss der Arzt das Blut unter­suchen lassen. In der Rubrik „Anwendung“ wird deshalb auf notwendige Kontroll­unter­suchungen hingewiesen. Die Veränderungen (manchmal auch als Blut­bildungs­störungen bezeichnet) können die roten (Erythrozyten) und weißen Blutkörperchen (Leukozyten) sowie die Blutplätt­chen (Thrombozyten) betreffen. Medikamente können die Neubildung dieser Blut­zellen im Knochenmark stören, einen vermehrten Abbau der Blutkörperchen bewirken oder einen Blut­verlust verursachen. Je nachdem, welche Blut­zellen betroffen sind, zeigen sich unterschiedliche Symptome:

  • Mangelt es an roten Blutkörperchen (Anämie), wird das Gesicht auffallend blass und die feinen Adern in der Bindehaut der Augen treten nur noch blass­rosa hervor. Gleich­zeitig besteht eine ausgeprägte Müdig­keit. Sind Blutungen im Magen-Darm-Trakt die Ursache für die Blut­armut, färbt sich der Stuhl pech­schwarz oder es sind auf dem Stuhl kleine Mengen geronnenes Blut zu sehen.
  • Werden rote Blutkörperchen vermehrt abge­baut, kann sich die Haut gelb verfärben, was sich wiederum am Auge erkennen lässt: Die Bindehaut wird gelb.
  • Sind zu wenig weiße Blutkörperchen vorhanden, zeigt sich das in einer erhöhten Infekt­anfäl­ligkeit, häufig auch durch Fieber, Hals­schmerzen und eitrige Mandeln.
  • Sinkt die Anzahl der Blutplätt­chen ab, erhöht sich die Gefahr für Blutungen. Dann bluten selbst kleine Verletzungen auffällig lange, oder es bilden sich floh­stich­artige Einblutungen in der Haut (Petechien) oder es blutet sogar in Gelenke und Körperhöhlen. Das kann zu sehr großen Blut­ergüssen (Hämatome) führen, die unter Umständen operativ entfernt werden müssen. Andernfalls kann das umge­bende Gewebe beziehungs­weise das Gelenk durch den Druck des Blut­ergusses und eine eventuell entstehende Entzündung in Mitleidenschaft gezogen werden.

Bei diesen Symptomen, insbesondere Anzeichen für einen Mangel an weißen Blutkörperchen, sollten Sie bald einen Arzt aufsuchen.

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Symptom: Leberschäden

Schäden an der Leber erkennen Sie selbst meist erst sehr spät. Wenn Sie ein Medikament einnehmen, das die Leber schädigen kann, sollte der Arzt deshalb immer die Leber­werte im Blut kontrollieren. Dann lassen sich Leber­funk­tions­störungen meist so recht­zeitig erkennen, dass es genügt, das Medikament abzu­setzen, um Schlimmeres zu verhüten.

Entzündung erkennen. Eine akute Leber­entzündung äußert sich mit unspezi­fischen Allgemein­symptomen wie Übel­keit, eventuell Erbrechen und Darm­beschwerden (Blähungen, Druck­gefühl). Möglicher­weise verfärben sich der Urin dunkel und der Stuhl hell. Derartiges sollte Sie zum Arzt führen. Hat sich bereits eine Gelbsucht entwickelt (erkenn­bar an einer gelb verfärbten Augen­bindehaut), eventuell begleitet von starkem Juck­reiz am ganzen Körper, müssen Sie sofort zum Arzt gehen.

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Symptom: Nierenschäden

Ob ein Medikament die Nieren­funk­tion stört, erkennt der Arzt am ehesten, wenn er im Blut den Gehalt von Kreatinin und Harn­stoff bestimmt. Anzeichen einer schweren Nierenschädigung können Schmerzen im Bereich der Nieren sein. Häufig scheiden Sie dann nur wenig Urin aus. Bei solchen Anzeichen sollten Sie den Arzt aufsuchen.

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Symptom: Herz­rhythmus­störungen

Eine Reihe von Arznei­mitteln kann sich auf das Herz und dessen Schlagrhythmus auswirken. Beschleunigt sich der Puls, entsteht häufig das Gefühl von Herz­rasen. Ein unregelmäßiger Puls beruht oft auf Herz­stolpern mit Aussetzern, nicht selten entstehen auch Schwindelgefühle bis hin zur Ohnmacht. Bei solchen Beschwerden sollten Sie einen Arzt aufsuchen. Der Herz­schlag kann sich aber auch dramatisch verlang­samen. Folgen sind dann Schwindel- und Ohnmachts­anfälle.

Insbesondere bei Frauen – Torsade de pointes

Manche Medikamente können – insbesondere bei Frauen und bei bereits vorgeschädigtem Herzen – eine spezielle Form von Herz­rhythmus­störungen (Torsade de pointes) auslösen. Sie ist sehr gefähr­lich, weil sie häufig Kammerflimmern auslöst. Dabei schlagen die Herz­kammern extrem schnell (weit über 300-mal in der Minute), was dazu führt, dass kein Blut mehr in den Kreis­lauf gepumpt wird. Dieses Kammerflimmern mündet inner­halb weniger Minuten in einen Herz­still­stand. Ist bei einem Medikament diese gefähr­liche Stör­wirkung angegeben, müssen Sie bei den geringsten Anzeichen für Herz­rhythmus­störungen sofort einen Arzt aufsuchen.

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Symptom: Depressionen

Üblicher­weise rechnet man nicht mit depressiven Verstimmungen als Neben­wirkung einer Arznei­mittel­behand­lung und führt die Beschwerden eher auf eine Depressions­erkrankung zurück. Die Symptome sind die gleichen wie bei der entsprechenden psychischen Erkrankung. Sie verschwinden aber meist, wenn das Arznei­mittel abge­setzt wird.

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