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Augen schonen: Welche Konservierungs­mittel kommen in Augen­tropfen vor?

Ohne Konservierungs­mittel sind Augen­tropfen besser verträglich.

Sind Augen­mittel nicht konserviert, können sie schnell zu einer guten Brut­stätte für Keime werden. Das tut den kranken Augen nicht gut. Allerdings sind auch nicht alle Konservierungs­mittel unpro­blematisch.

Warum Augen­tropfen Konservierungs­mittel enthalten

Augen­arznei­mittel werden keimfrei hergestellt. Dazu werden die Produkte beispiels­weise sterilisiert. Wenn es sich nicht um Spezialflaschen handelt, wie sie unten beschrieben sind, gelangen beim Gebrauch aber unver­meidlich Keime in die Mittel und können sich dort vermehren – es sei denn, das Mittel enthält einen antibakteriellen Wirk­stoff. Um eine Verkeimung zumindest zu beschränken, sind wäss­rigen Augen­zubereitungen wie Augen­tropfen und -gelen, die länger als 24 Stunden benutzt werden, Konservierungs­mittel zugesetzt. Die Konzentration des Konservierungs­mittels ist so bemessen, dass seine keimtötende Wirkung etwa vier Wochen lang gewähr­leistet ist. Danach sollten angebrochene Augen­mittel weggeworfen werden. Um diesen Zeitraum nicht zu über­schreiten, ist es hilf­reich, auf der Packung zu notieren, an welchem Datum sie geöffnet wurde.

Alternative: Augen­tropfen ohne Konservierungs­mittel

Unkon­servierte Augen­mittel können in speziellen Flaschen abge­füllt sein, aus denen man zwar Tropfen heraus­drücken kann, in die aber nichts hinein­gelangen kann. Sie sind spar­sam und umwelt­schonend, weil ihre Verpackung keinen zusätzlichen Abfall darstellt. Ihre Hand­habung ist allerdings nicht ganz einfach und erfordert einige Kraft. Wer mit diesen Produkten nicht zurecht­kommt, kann zu unkon­servierten Augen­tropfen in Ein-Tages-Portionen greifen, die in kleinen Pipetten abge­füllt sind. Diese sollen 24 Stunden nach Anbruch weggeworfen werden. Über­triebene Spar­samkeit kann die Augen­gesundheit gefährden. Ein-Dosis-Behält­nisse sollten Sie in der Verpackung aufbewahren, um den Inhalt vor Licht zu schützen.

Wer konservierungs­mittel­freie Augen­tropfen nehmen sollte

Konservierungs­mittel können die Augen schädigen. Das gilt ganz besonders, wenn die Mittel lange Zeit und an erkrankten Augen angewendet werden. Menschen mit bereits geschädigter Hornhaut oder dem Beschwerde­bild des "trockenen Auges" sind gegen­über Konservierungs­mitteln besonders empfindlich. Sie sollten konservierungs­mittel­freie Produkte bevor­zugen.

Problemkeim Pseudomonas aeruginosa

Die in Augen­präparaten einge­setzten Konservierungs­mittel werden hinsicht­lich ihres Wirk­spektrums und Risikos für unerwünschte Wirkungen unterschiedlich beur­teilt. Ein wichtiges Kriterium ist ihre Wirk­samkeit gegen­über der Bakterien­art Pseudomonas aeruginosa. Dieser "Problemkeim" ist als Infektions­auslöser am Auge besonders gefürchtet, weil er sich mit den zur Verfügung stehenden Antibiotika nur schlecht bekämpfen lässt.

Wie verträglich sind die Konservierungs­mittel in Augen­tropfen?

Vergleicht man die Verträglich­keit einiger Konservierungs­mittel, gilt Benzalkonium­chlorid als das problema­tischste. Purite scheint derzeit das verträglichste zu sein. Poly­quad nimmt eine Mittel­stellung ein.

Benzalkonium­chlorid

Benzalkonium­chlorid wirkt gegen die meisten Keime, die am Auge vorkommen, nicht aber gegen den "Problemkeim" Pseudomonas. Gegen Viren wirkt Benzalkonium­chlorid nur schwach.

Benzalkonium­chlorid verringert die Stabilität des Tränenfilms und kann bei lang­dauernder Anwendung ein trockenes Auge verursachen. Es greift die Hornhaut des Auges bis in die tieferen Zell­schichten hinein an. In der Folge wird die oberste Hornhaut­schicht an winzigen Stellen dünner. Aus diesen Punkten kann ein Hornhaut­geschwür entstehen. Wirkt Benzalkonium­chlorid dauer­haft ein, können erhebliche Hornhautschäden auftreten. Gelegentlich treten durch Benzalkonium­chlorid Allergien auf.

Wenn eine mit Benzalkonium­chlorid konservierte Tränen­ersatz­flüssig­keit ins Auge getropft wird und einige Zeit danach Augen­tropfen mit einem anderen Wirk­stoff, kann dieser schneller und tiefer in die Hornhaut eindringen als sonst. Auf diese Weise kann Benzalkonium­chlorid diese Substanz stärker wirken lassen und auch ihre unerwünschten Wirkungen können verstärkt auftreten.

Mit Benzalkonium­chlorid konservierte Augen­tropfen sollten nicht über längere Zeit ohne augen­ärzt­liche Kontrolle angewendet werden, weil das die Augen­gesundheit erheblich gefährden kann.

Benzododecinium­chlorid

Dieses Konservierungs­mittel wirkt ähnlich wie Benzalkonium­chlorid. Unter­suchungen erbrachten Hinweise, dass es auch ähnlich schädliche Wirkungen haben kann, so kann sich z. B. eine Allergie entwickeln.

Cetrimid

Das Wirk­spektrum von Cetrimid umfasst nicht alle Bakterien­arten, die am Auge bedeut­sam sein können; auch gegen die speziellen "Problemkeime" am Auge richtet es nichts aus. Es ist aber effektiv gegen­über einigen Viren und hat auch eine gewisse pilztötende Wirkung.

Die unerwünschten Wirkungen von Cetrimid ähneln denen von Benzalkonium­chlorid. Zusätzlich können nach dem Eintropfen von mit Cetrimid konservierten Augen­tropfen Geschmack­sirritationen auftreten.

Chlorhexidin

In Form der Salze Chlorhexidin-diacetat und Chlorhexidingluconat wird dieses Konservierungs­mittel in Augen­tropfen einge­setzt. Es wirkt gegen die meisten am Auge relevanten Bakterien, jedoch nur schwach gegen die "Problemkeime". Es hemmt die Vermehrung von einigen Virus- und Pilzarten.

Chlorhexidin kann zu allergischen Reaktionen führen. Auch lagert es sich in weiche Kontaktlinsen ein und kann die Hornhaut schädigen. Solange Sie die Augen­tropfen anwenden, sollten Sie deshalb keine weichen Kontaktlinsen tragen.

Chlorobutanol

Diese Substanz wirkt gegen Bakterien und Pilze. Auch gegen die "Problemkeime" ist sie wirk­sam. Chlorobutanol beein­trächtigt die Hornhaut zwar auch, aber nicht so stark wie Benzalkonium­chlorid.

Natrium-hydroxy­methylglycinat

Diese Substanz wirkt nicht selbst als Konservierungs­mittel. Vielmehr zersetzt sie sich und dabei entsteht unter anderem eine geringe Menge Form­aldehyd. Dieses ist das eigentliche Konservierungs­mittel. Form­aldehyd wird allerdings als nervenschädigend und giftig angesehen. Es kann Allergien auslösen und in hoher Konzentration auch den Sehnerv schädigen.

Natrium­perborat und Phosphonsäure

Aus diesen beiden Substanzen entsteht unter anderem eine geringe Menge Wasser­stoff­per­oxid. Dieses ist gegen Bakterien wirk­sam. Wasser­stoff­per­oxid zerfällt beim Kontakt mit der Augen­oberfläche inner­halb einer Minute in Sauer­stoff und Wasser. Gerade bei sehr trockenen Augen ist es allerdings denk­bar, dass die Substanz nicht komplett zersetzt wird, weil das dazu nötige Wasser nicht in ausreichender Menge vorhanden ist. Zurück­bleibendes, nicht voll­ständig zersetztes Wasser­stoff­per­oxid kann die Augen reizen.

Phenoxyethanol

Phenoxyethanol ist als Konservierungs­mittel gut wirk­sam. Um alle infrage kommenden Bakterien abzu­töten, ist allerdings eine relativ starke Konzentration vonnöten. Gegen Hefen und Pilze wirkt es nur schwach.

Poly­hexanid

Hierbei handelt es sich um ein neuartiges Konservierungs­mittel, das vom Augen­gewebe gut vertragen werden soll.

Poly­quad

Als Poly­quad wird die chemische Verbindung Polidronium­chlorid bezeichnet. Sie gehört in die gleiche Gruppe von Konservierungs­mitteln wie Benzalkonium­chlorid und Cetrimid. Allerdings soll diese neue Verbindung besser verträglich sein als die älteren Vertreter. Ob das auch bei einer Anwendung über lange Zeit gilt, ist aber bisher noch nicht durch entsprechende Unter­suchungen belegt. Vergleicht man die Verträglich­keit von Poly­quad mit der von anderen Stoffen zur Konservierung, nimmt es eine Mittel­stellung ein.

Purite

Als Purite wird die chemische Verbindung Natrium­chlorit bezeichnet. Dieses Konservierungs­mittel zerfällt bei Tages­licht in Wasser und Kochsalz. Wie schnell das geschieht, ist nicht klar. Verschiedene Unter­suchungen belegen, dass Purite weniger zell­schädigend ist als die sonst gebräuchlichen Konservierungs­mittel und seltener Augen­reizungen und Allergien verursacht. Dafür ist seine konservierende Wirkung nicht so gut wie die von Benzalkonium­chlorid. Wie sich Purite bei Dauer­gebrauch auswirkt, ist noch unklar. Die Frage aber, ob unerwünschte Wirkungen aufgrund der Konservierung sicher auszuschließen sind, ist anhand der den bisherigen Unter­suchungs­ergeb­nissen nicht zu beant­worten. So kann es sein, dass Purite bei Menschen mit sehr ausgeprägt trockenen Augen nicht komplett zerfällt, weil ihr Tränenfilm dafür nicht genügend Wasser enthält. Dann ist mit Augen­reizungen zu rechnen.

Thiomersal

Thiomersal ist ein queck­silber­haltiges Konservierungs­mittel mit bakterien- und pilztötenden Eigenschaften. Auch die "Problemkeime" bekämpft es relativ gut.

Doch es ruft relativ häufig – manchmal auch erst mit Verzögerung – Augen­reizung und allergische Reaktionen hervor, die zu einer allergischen Bindehautentzündung führen können. An der Unbe­denk­lich­keit von Thiomersal als Konservierungs­zusatz in Haut­mitteln oder Injektions­lösungen gibt es erhebliche Zweifel. Daher bemühte man sich, beispiels­weise Impf­stoffe thiomersalfrei herzu­stellen. In der Folge wurde es dann auch in Augen­mitteln seltener einge­setzt.