Wer lange krank ist, hat große Einkommens­einbußen. Hier erfahren Sie die grund­legenden Fakten zur Lohn­fortzahlung im Krank­heits­fall, zum Krankengeld der gesetzlichen Kranken­versicherung und zur Berufs­unfähigkeits­versicherung. Dazu lesen Sie, auf welchen Wegen es nach der Krankheit wieder zurück in den Job gehen kann.

Arbeitnehmer mit Krankengeld­anspruch

Wenn Arbeitnehmer krank werden, haben sie zunächst Anspruch darauf, dass ihre Firma das volle Gehalt weiterzahlt – bis zu sechs Wochen lang. Danach bekommen Mitglieder der gesetzlichen Kranken­versicherung – das geringere – Krankengeld von ihrer Krankenkasse, allerdings nur maximal 72 Wochen lang. Ist diese Zeit vorbei, gibt es drei Alternativen, je nach Gesund­heits­zustand des Versicherten:

  • Wieder­einstieg in den Job,
  • Arbeits­losig­keit oder
  • Erwerbs­minderungs­rente.

Ist der Arbeitnehmer binnen drei Jahren mehr­mals wegen derselben Krankheit arbeits­unfähig, gibt es Krankengeld maximal für die 72 Wochen. Die Frist verlängert sich nicht, wenn inner­halb der ersten Arbeits­unfähigkeit eine weitere Krankheit hinzutritt. Erst wenn eine weitere Krankheit frühestens am Tage nach Ende der ersten Erkrankung auftritt, hat der Arbeitnehmer erneut einen Krankengeld­anspruch.

Wichtig: Arbeitnehmer müssen inner­halb einer Woche nach Beginn ihrer Arbeits­unfähigkeit (AU) die AU-Bescheinigung des Arztes bei ihrer Krankenkasse einreichen.

Die wichtigsten Tipps zum Krankengeld

Gesetzlich versichert. Über­schlagen Sie, ob Sie mit dem Krankengeld auskommen. Es liegt deutlich unter Ihrem Netto­verdienst. Eine private Kranken­tagegeld­versicherung kann den Einkommens­verlust ausgleichen. Ausführ­liche Informationen finden Sie im Vergleich Krankentagegeld für gesetzlich Versicherte.

Privat versichert. In der privaten Kranken­versicherung ist ein Krankengeld nicht auto­matisch enthalten. Als privat Versicherter benötigen Sie den Tarif­baustein „Kranken­tagegeld“, um Ihren Verdienst abzu­sichern. Gute Tarife finden Sie in unserem Test Vergleich Private Krankenversicherung.

Berufs­unfähigkeits­versicherung. Wenn Sie Ihren Beruf nicht mehr ausüben können, zahlt eine private Berufs­unfähigkeits­versicherung eine Rente. Einen bezahl­baren Schutz gibt es aber nur für Junge und Gesunde. Wenn Sie bereits schwer krank sind, bekommen Sie keinen Vertrag. Erkundigen Sie sich daher schon in jungen Jahren nach einem Angebot. Sehr gute Tarife finden Sie in unserem Vergleich Berufsunfähigkeitsversicherung.

So läuft die Krankengeldbe­rechnung

Hat der Arbeitnehmer einen Krankengeld­anspruch, zahlt die Krankenkasse maximal 90 Prozent des täglichen Netto­entgelts. Es beträgt höchs­tens 2 966 Euro im Monat (2017) – für Versicherte, die 4 237,50 Euro oder mehr verdienen. Sonderzah­lungen wie Urlaubs- und Weihnachts­geld werden in die Berechnung einbezogen. Davon gehen aber noch Sozial­abgaben ab, außer den Beiträgen zur Krankenkasse. Diese fallen während des Krankengeldbe­zuges nicht an. Ein Arbeitnehmer, der monatlich 3 000 Euro brutto verdient, kommt auf knapp 1 513 Euro Krankengeld im Monat. Das sind gut 400 Euro weniger als sein früheres Netto­gehalt von 1 916 Euro.

Steuer­nach­forderung wegen Krankengeld

Der Fiskus will häufig auch noch etwas: Am Jahres­ende schlägt das Finanz­amt das Krankengeld auf das bis zur Krankheit verdiente Gehalt drauf. Ist für diese Summe ein höherer Steu­ersatz fällig als für das verminderte Gehalt, wird dieses mit dem höheren Satz versteuert. Dann muss der Kranke mit einer Steuer­forderung rechnen.

Aufstockung des Krankengelds in manchen Branchen

In einigen Branchen gibt es mehr als Krankengeld. So haben Gewerk­schaften und Arbeit­geber im öffent­lichen Dienst eine Aufstockung des Krankengelds vereinbart. Kranke Arbeitnehmer, die mindestens drei Jahre beschäftigt sind, bekommen die Differenz zwischen Krankengeld und Netto­lohn vom Arbeit­geber dazu. Dies gilt bis zu einer Krank­heits­dauer von zehn Monaten. Erst bei längerer Erkrankung fällt dieser Zuschlag weg. Ähnliche Vereinbarungen gibt es etwa in der Chemie-Industrie, der Versicherungs­branche und im Bank­gewerbe.

10 Milliarden Euro fürs Krankengeld

Die Krankenkassen haben im Jahr 2015 insgesamt 11,23 Milliarden Euro Krankengeld an rund 1,8 Millionen Versicherte gezahlt. Erkrankungen des Muskel- und Skelett­systems sind die Haupt­ursache von mehr als sechs­wöchiger Krankheit, dicht gefolgt von psychischen Erkrankungen. Sie dauern im Durch­schnitt besonders lang.

Wenn die Krankenkasse Zweifel hat

Versicherte, die Krankengeld beziehen, dürfen nicht ohne ihre Einwilligung von ihrer Krankenkasse angerufen werden. Die Kassen dürfen jedoch den Medizi­nischen Dienst der Kranken­versicherung (MDK) zur Prüfung einschalten, wenn sie Zweifel an der Arbeits­unfähigkeit ihres Versicherten haben.

Tipp: Wenn die Kasse Ihnen aufgrund eines Gutachtens des MDK das Krankengeld streicht, können Sie Wider­spruch einlegen. Wenn Ihr Arzt Sie weiterhin für arbeits­unfähig hält, bitten Sie ihn, dass er bei der Kasse ein Zweit­gut­achten beantragt.

Krankengeld trotz Urlaubs­reise?

Grund­sätzlich muss die Krankenkasse nur Krankengeld zahlen, wenn der Versicherte sich in Deutsch­land aufhält. Doch in Ausnahme­fällen ist es auch möglich, ins Ausland zu verreisen. Der Versicherte muss sich dafür zunächst von seinem Arzt bestätigen lassen, dass er zwar weiterhin arbeits­unfähig ist, aus medizi­nischer Sicht jedoch nichts gegen einen Orts­wechsel spricht. Sinn­voll ist es außerdem, dass der Versicherte Unter­suchungs- und Behand­lungs­termine so vereinbart, dass er während des Urlaubs nichts versäumt. Außerdem sollte er auch im Ausland für Rück­fragen zumindest per Mail erreich­bar sein.

Wichtig: Holen Sie eine schriftliche Einwilligung Ihrer Krankenkasse ein. Sobald Sie diese haben, informieren Sie auch Ihren Arbeit­geber über den Auslands­auf­enthalt.

Zu krank fürs Krankengeld

Wer gesund ist, dem streichen die Kassen das Krankengeld. Das ist plausibel. Zu krank fürs Krankengeld – das klingt paradox. Doch auch bei Schwerst­kranken machen Kassen Druck. Wer so krank ist, dass er möglicher­weise dauer­haft nicht wieder arbeiten kann, kann voraus­sicht­lich eine Erwerbs­minderungs­rente bekommen. Die zahlt die Renten­versicherung, nicht die Krankenkasse. So spart die Kasse Geld.

Erst Reha, dann Rente

Die Kassen können Versicherte auffordern, inner­halb einer Frist von zehn Wochen einen Antrag auf Rehabilitations­maßnahmen zu stellen. Weigert sich der Kranke, hat er keinen Anspruch auf Krankengeld mehr. Das Problem: Wenn eine Reha zum gegen­wärtigen Zeit­punkt die Erwerbs­fähig­keit des Kranken nicht wieder­herstellen kann, wird sein Antrag auf Reha als Renten­antrag gewertet. Eine Erwerbs­minderungs­rente aber bedeutet meist eine „erhebliche finanzielle Einbuße.

Zurück in den Job

Die beste Lösung nach langer Krankheit: Gesund werden und zurück in den Job. Dabei muss der Arbeit­geber helfen. Laut Sozialgesetz­buch muss er mit einem „betrieblichen Einglie­derungs­management“ dafür sorgen, dass der Mitarbeiter möglichst dauer­haft einen geeigneten Arbeits­platz bekommt. Das Einglie­derungs­management muss ein Arbeit­geber nicht nur den Schwerbehinderten anbieten, sondern allen Arbeitnehmern.

Tipp: Die Integrations­ämter der Kommunen bieten Schwerbehinderten Hilfe bei der Wieder­einglie­derung in den Job. Ausführ­liche Informationen finden Sie unter www.Integrationsaemter.de.

Wieder­einstieg mit Hamburger Modell

Versicherte, die nach langer Krankheit zunächst nur stunden­weise arbeiten können, haben die Möglich­keit, nach dem „Hamburger Modell“ allmählich wieder ins Arbeits­leben einzusteigen. Sie bekommen in dieser Zeit weiterhin Krankengeld. Allerdings zählt die Zeit für die maximal 72 Wochen mit.

Anspruch auf Arbeits­losengeld

Wenn das Krankengeld ausläuft und Erwerbs­minderungs­rente nicht oder noch nicht bewil­ligt worden ist, hat ein Kranker Anspruch auf Arbeits­losengeld I. Wer unter 50 Jahre alt ist, bekommt es ein Jahr lang, Ältere stufen­weise länger. Ab 58 Jahre wird es zwei Jahre lang gezahlt. Danach gibt es das wesentlich geringere Arbeits­losengeld II. Es ist ein großer Unterschied, ob ein Versicherter nach einem Jahr Arbeits­losengeld II beziehen muss und dann sein erspartes Vermögen verliert – oder ob er länger Krankengeld oder Arbeits­losengeld I bekommt und erst später Arbeits­losengeld II.

Wenn das Kind krank ist – Kinder­krankengeld

Sind Eltern­teil und Kind gesetzlich kranken­versichert, können Beschäftigte sich direkt an ihre Krankenkasse wenden und während einer unbe­zahlten Frei­stellung Kinder­krankengeld beziehen. Nach Paragraf 45 SGB V darf jeder beschäftigte Eltern­teil für die Betreuung seines kranken Kindes 10 Tage im Jahr freinehmen, Allein­erziehende dürfen das sogar 20 Tage lang. Wer zwei und mehr Kinder hat, hat mehr Tage zur Verfügung. Es gilt jedoch eine Ober­grenze. Sie liegt bei 25 Arbeits­tagen pro Eltern­teil, bei ­Allein­erziehenden bei 50 Tagen. Die Krankenkasse zahlt Kinder­krankengeld,

  • wenn das kranke Kind nicht älter als zwölf ist. Diese Alters­grenze gilt nicht, wenn es behindert und auf Hilfe angewiesen ist.
  • Außerdem muss der Arzt ein Attest ab dem ersten Krank­heits­tag ausgestellt haben und die ­Betreuung des Kindes für erforderlich halten.
  • Darüber hinaus darf keine andere Person im Haushalt leben, die sich um das Kind kümmern kann.

Was gilt für Privatversicherte und Selbst­ständige?

Wer privat kranken­versichert ist, hat keinen Anspruch auf Kinder­krankengeld. Selbst­ständige, die freiwil­lig gesetzlich kranken­versichert sind und den allgemeinen Beitrag von 14,6 Prozent plus Zusatz­beitrag zahlen, haben ab dem 43. Krank­heits­tag des Kindes Anspruch auf das Kinder­krankengeld (Bundes­sozialge­richt Az.: 1 RK 1/94). Das ist der Tag, an dem sie, wenn sie selbst erkrankt wären, Krankengeld erhalten würden. Einige Krankenkassen über­nehmen diese Leistung für Selbst­ständige bereits ab dem ersten Krank­heits­tag des Kindes.

Tipp: Krankenkassen unterscheiden sich nicht nur durch ihre Leistungen und ihren Service, sondern auch durch den Preis. Das kommt jetzt besonders zum Tragen: Im Januar erhöhen viele Kassen ihren Beitrag. Ein Kassen­wechsel kann mehrere hundert Euro Ersparnis pro Jahr bringen. Unser großer Krankenkassenvergleich zeigt Beitrags­sätze, Leistungen und Service von 75 Kassen.

Kinder­krankengeld bei der Kasse beantragen

Um das Kinder­krankengeld zu erhalten, müssen sich die Eltern direkt an die Krankenkasse wenden. Die Eltern erhalten vom Kinder­arzt eine Bescheinigung über die Krank­heits­dauer ihres Kindes. Sie müssen auf der Rück­seite des Formulars unter anderem angeben, ob – und wenn ja, für wie lange – ihr Arbeit­geber während ihrer Abwesenheit den Lohn weiterbezahlt, und ob sie in diesem Jahr bereits Kinder­krankengeld für das betreffende Kind erhalten haben. Das ausgefüllte Formular müssen sie an die Krankenkasse schi­cken und dem Arbeit­geber eine Kopie über­mitteln.

Sonder­regeln für Beamte

Bundes­beamte dürfen laut Verordnung über den Sonder­urlaub für Bundes­beamtinnen, Bundes­beamte, Richte­rinnen und Richter des Bundes (SUrlV) bis zu vier Tagen Sonder­urlaub pro Kind nehmen, wenn es „schwer erkrankt und unter 12 Jahren alt ist“. Einige Verordnungen für Landes­beamte haben diese Rege­lungen unter dem Stich­wort „Urlaub aus persönlichen Gründen“ über­nommen (siehe etwa NRW). Landes­beamte sollten in jedem Fall noch einmal in die für ihr Bundes­land gültige Verordnung schauen.

Tipp: Steht nichts zum Sonder­urlaub im Arbeits­vertrag, lohnt es sich, in den Betriebs­ver­einbarungen oder im Tarif­vertrag nach­zusehen. Für Landes­beamte gelten die Sonder­urlaubs­ver­ordnung bzw. die Sonder­urlaubs­bestimmungen der Bundes­länder. Wer unsicher ist, kann in der Personal­stelle oder beim Betriebsrat nach­fragen, am besten bevor das Kind zum ersten Mal krank wird.

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