kino.to Strafverfahren Meldung

Die Verantwortlichen des Dienstes kino.to kommen hinter Gitter. Das Landgericht Braunschweig hat den Chef des illegalen Internet-Filmportals zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt. Doch die Staatsan­waltschaft Dresden ermittelt weiter. Möglicherweise bekommen auch Premium-Nutzer, die Geld an kino.to gezahlt haben, noch Ärger. test.de erklärt die Hintergründe.

So funktionierte der Dienst kino.to

Das war kino.to: So genannte „Uploader“ durchsuchten das Internet ständig nach Kino-Filmen und Fernsehserien. Wurden sie fündig, speicherten sie diese Filme als Dateien auf den Servern sogenannter File-Hoster ab und meldeten das an kino.to. Das Portal veröffentlichte dann den Link zu den Dateien. Nutzer konnten solche Links anklicken und Filme kostenlos anschauen. Gelegentlich waren über kino.to Hollywood-Hits zu sehen, bevor sie überhaupt ins Kino kamen.

Geschäft mit Werbung

Das illegale Filmportal war von 2008 bis 2011 eine äußerst beliebte Adresse im Netz. Über 200 000 Besucher guckten sich täglich über kino.to Filme an. Das haben die Staatsanwälte herausgefunden, nachdem sie bei Razzien vor einem Jahr zahlreiche Unterlagen und Daten beschlagnahmt hatten. Die kino.to-Hintermänner hatten viele Millionen Euro für Werbung kassiert, die sie Nutzern des Portals einblendeten. Auch ein Teil der Nutzer bezahlte für kino.to. Diese Premium-Kunden bekamen dafür einen zeitlich unbegrenzten und werbefreien Zugriff auf kino.to-Dateien.

Viele Jahre Gefängnis

Die Hauptverantwortlichen des Dienstes müssen nun für viele Jahre hinter Gitter. Außer dem kino.to-Gründer sind bis jetzt der Chefprogrammierer (drei Jahre und zehn Monate Haft), ein Webmaster (drei Jahre), ein Filehoster (drei Jahre und fünf Monate) und ein Webdesigner (zweieinhalb Jahre Haft) verurteilt. Ein Uploader kam mit einer Verurteilung zu 21 Monaten auf Bewährung davon und muss nicht ins Gefängnis, wenn er sich nicht erneut strafbar macht.

Weitere Ermittlungen

Die Generalstaatsanwaltschaft in Dresden ermittelt noch weiter. Im Visier haben die Strafverfolger zunächst weitere Uploader und Werbevermarkter. Doch auch Premium-Nutzer von Kino.to könnten noch Ärger kriegen. Sind die derzeit laufenden Strafverfahren abgeschlossen, dann wollen die Staatsanwälte prüfen, ob sie auch gegen die zahlenden Kunden des illegalen Filmportals vorgehen. Das hat Oberstaatsanwalt Wolfgang Klein angekündigt. Ob sich nicht nur die Betreiber, sondern auch die Nutzer von kino.to strafbar gemacht haben, ist rechtlich umstritten. Juristen sind sich zwar einig, dass es nicht strafbar ist, auch illegal kopierte Filme anzuschauen. Wenn man die Filme aus dem Internet auf den heimischen Rechner „streamt“, so wie es bei der Nutzung von kino.to geschah, werden aber Teile davon vorübergehend im Computer des Benutzers abgespeichert. Manche Juristen bewerten das als Kopieren urheberrechtlich geschützter Werke – und nach dieser Lesart wäre die Nutzung dann doch strafbar.

Keine teuren Abmahnungen in Sicht

Ehemalige kino.to-Nutzer ohne Premium-Mitgliedschaft müssen kaum noch mit Ärger rechnen. Im Blick der Staatsanwaltschaft sind sie nicht – und auch die Inhaber der Filmrechte sind bislang untätig. Von ihrer Seite könnten Nutzern kostspielige Abmahnungen und Schadenersatzforderungen drohen. Allerdings haben sich nach Angaben der Staatsanwaltschaft bisher noch keine Rechteinhaber bei der Staatsanwaltschaft gemeldet, um an Daten von kino.to-Nutzern zu gelangen.

Tipp: Ganz anders ist die Situation bei – vor allem bei Jugendlichen beliebten – illegalen Tauschbörsen, bei Ebay sowie sozialen Netzwerken wie Facebook. test sagt, wie Sie dort teuren Ärger vermeiden.

Dieser Artikel ist hilfreich. 58 Nutzer finden das hilfreich.