Indexmiet­verträge Wie Sie die Miet­erhöhung ausrechnen

0
Indexmiet­verträge - Wie Sie die Miet­erhöhung ausrechnen
Miet­wohnungen. Bei nied­riger Inflation sind Indexmieten günstig für Mieter. Doch nun ändert sich das rasant.

Bei Indexmiet­verträgen klettert die Miete genau so schnell wie die Lebens­haltungs­kosten. test.de erklärt, wie Sie Ihre Indexmiete berechnen.

Alles zu Miet­erhöhungen auf test.de

Weiter unten lesen Sie alles zu Miet­erhöhungen bei Indexmiet­verträgen.

Alles zu Miet­erhöhungen...

Außerdem wichtig:

Mietpreisbremse: Wie Sie sich gegen zu hohe Mieten wehren

Nebenkostenabrechnung: So prüfen Mieter die Betriebs­kosten­abrechnung

Indexmiete: Erhöhung ganz ohne Streit

Indexmiet­vertrag heißt: Die Miete soll sich wie die Lebens­haltungs­kosten entwickeln. Einfaches, klares Beispiel für eine solche Vereinbarung: „Der vom statistischen Bundes­amt ermittelte Verbraucher­preis­index für Deutsch­land bestimmt den Mietzins“. So lässt es § 557b des Bürgerlichen Gesetzbuchs ausdrück­lich zu. Jede Vereinbarung, die die Miete an eine andere Preis­entwick­lung koppelt, ist allerdings unwirk­sam. Nur der offizielle Verbraucher­preis­index darf Maßstab sein. Vorteil solcher Indexmiet-Vereinbarungen: Es kann keinen Streit um Miet­erhöhungen geben. Die sonst zulässigen und oft heftig umstrittenen Mieterhöhungen sind bei Indexmiet­verträgen ausgeschlossen. Wie viel Indexmiete zu zahlen ist, lässt sich nach einem Besuch auf den Seiten des Statistischen Bundesamts zum Verbraucherpreisindex mit dem Taschen­rechner klären – eigentlich. So einfach funk­tioniert das aber nicht. Mehr dazu unten unter Berechnung der Indexmiete.

Indexmiet­verträge - Wie Sie die Miet­erhöhung ausrechnen
© Stiftung Warentest

Keine Auto­matik

Indexmieten steigen aber – anders als Staffelmieten – nicht auto­matisch. Erst die Erklärung des Vermieters, dass die Miete nunmehr an die Entwick­lung des Verbraucher­preis­index anzu­passen ist, führt zur Miet­erhöhung. Auf die Zustimmung der Miete­rinnen oder Mieter, wie sie bei Mieterhöhungen sonst nötig ist, kommt es dann aber nicht mehr an. Die Miete steigt nach Ablauf eines Monats zum dann nächsten Monats­beginn nach Zugang der Indexmiet­erhöhungs­erklärung. Beispiel: Die Miet­erhöhungs­erklärung landet am Donners­tag, 30. Juni 2022, im Brief­kasten der Mieterin. Ihre Miete steigt dann ab August 2022. Für diesen Monat ist bereits die erhöhte Miete wie im Vertrag vorgesehen – meist bis zum dritten Werk­tag des Monats – zu zahlen. Tun Miete­rinnen und Mieter das nicht, riskieren sie über kurz oder lang die Kündigung.

Einzige Voraus­setzung für die Miet­erhöhung entsprechend Verbraucher­preis­index: Die Miete war zuvor ein Jahr unver­ändert. Vereinzelt finden sich Vereinbarungen, wonach die Miete nur steigt, wenn sich der Verbraucher­preis­index inzwischen um mindestens drei Prozent­punkte geändert hat. Solche Vereinbarungen sind wirk­sam. Wenn der Index die vereinbarte Schwelle über­steigt, steigt die Miete aber wieder genau so wie der Index. Die drei Prozent werden nicht von der Miet­erhöhung abge­zogen. Auch die so genannte Kappungs­grenze, wie Vermieter und Vermiete­rinnen sie für Miet­erhöhungen bei Verträgen ohne besondere Vereinbarung dazu beachten müssen, gilt nicht.

Sonst noch wichtig: Die Vermieterin oder der Vermieter müssen sagen, wie viel Miete sie von Beginn des über­nächsten Monats an fordern. Sie müssen außerdem die Werte aus dem Verbraucher­preis­index nennen, auf die sie sich beziehen. Wenn dabei Fehler geschehen, führt das aber in der Regel nicht zur Unwirk­samkeit der Forderung. Mieter oder Mieterin müssen aber natürlich nicht mehr zahlen, als die korrekte Berechnung ergibt. Haben sich Vermieter oder Vermieterin zu ihren Ungunsten vertan, müssen Miete­rinnen und Mieter nicht mehr zahlen als gefordert.

Bei Deflation Recht auf Mietsenkung

Nur Theorie und auch im Wortlaut der gesetzlichen Regelung nicht vorgesehen, aber nach Ansicht der Rechts­experten der Stiftung Warentest trotzdem zwingend: Sollte der Verbraucher­preis­index mal sinken und statt Inflation Deflation herr­schen, dann sinkt auf Verlangen von Mieter oder Mieterin die Miete genau so, wie sie bei steigenden Lebens­haltungs­kosten auf Verlangen des Vermieters steigt.

Berechnung der Indexmiete

Wie hoch steigt die Indexmiete denn jetzt genau? Wer es versucht auszurechnen, merkt schnell: Zumindest die einfachen Indexmietklauseln reichen nicht aus, um eine genaue Rechnung aufzumachen. Wie es geht, hat der Bundes­gerichts­hof erst im vergangenen Jahr fest­gelegt: Es gilt der Monats­verbraucher­preis­index, den das Statistische Bundes­amt bei Zugang der Miet­erhöhungs­erklärung bei Mieterin oder Mieter verwendet.

Dieser fließt in eine Formel ein: Die ursprüng­lich vereinbarte Miete geteilt durch den Wert des Verbraucher­preis­index für den Monat des Einzugs multipliziert mit dem Verbraucher­preis­index für den Monat bei Zugang der Miet­erhöhungs­erklärung ergibt die neue Miete, wie sie ab dem Beginn des über­nächsten Monats zu zahlen ist.
Bundes­gerichts­hof, Urteil vom 26.05.2021
Aktenzeichen: VIII ZR 42/20

test.de-Rechner Indexmiete

Für alle nach Inkraft­treten der gesetzlichen Regelung zur Indexmiete am 1. September 1993 angemieteten Wohnungen können Sie mit unserem Online-Rechner Indexmiete alle Miet­erhöhungen berechnen, deren Anforderung Ihnen nach 11. März 2022 zugegangen ist. Geben Sie als Ausgangs­miete den Betrag ein, der in Ihrem Miet­vertrag genannt wird. Meist ist das die Nettokaltmiete ohne Neben­kosten. Ausnahme sind Verträge mit Warmmiete. Bei einem solchen ist der dafür genannte Betrag Grund­lage für die Berechnung der neuen Indexmiete.

{{data.error}}

{{accessMessage}}

Bitte beachten Sie bei Benut­zung des Indexmiete-Rechners:

Abweichende Vereinbarungen. Der Rechner gilt für einfache Indexmiet­vertrags-Klauseln, wie sie der Bundes­gerichts­hof bisher beur­teilt hat (siehe oben). Zu Lasten von Mietern abweichende Rege­lungen sind unwirk­sam. Wirk­sam sind Rege­lungen im Miet­vertrag, die Mieter nicht belasten, aber von den Rechen­regeln abweichen, die der Bundes­gerichts­hof für Basis-Indexmiet­verträge fest­gelegt hat. So halten es die Rechts­expertinnen der Stiftung Warentest für zulässig, wenn der Vertrag der Vermieterin das Recht gibt, die Miete einmal im Jahr anhand der vom statistischen Bundes­amt fest­gestellten Inflations­rate zu erhöhen. Sie entspricht der Entwick­lung des Verbraucher­preis­index. Eine Regelung im Miet­vertrag, wonach sich die Miete auto­matisch um die Inflations­rate erhöht, ist allerdings unwirk­sam.

Höhere Steigerung als gefordert. Der test.de-Online­rechner wird Ihnen immer mal wieder eine etwas höhere Miete anzeigen, als Ihr Vermieter oder Ihre Vermieterin über­haupt fordert. Sie müssen dann nur zahlen, was verlangt wird. Hintergrund für zuweilen höhere Ergeb­nisse der test.de-Berechnung: Das Statistische Bundes­amt veröffent­licht den Monats­wert für den Verbraucher­preis­index immer zwischen dem 10. und 14. des Folge­monats. Geht Ihnen die Indexmiet­erhöhungs­anforderung bis zu diesem Tag zu, dann ist nach den Ansagen des Bundes­gerichts­hofs zur Indexmiete der vorige Wert maßgeblich. Der immer schon am Monats­ende veröffent­lichte vorläufige Wert für den Verbraucher­preis­index zählt nicht. Praktisch relevant wird das für Sie, wenn der Index mal wieder fallen sollte, wie er es in der Vergangenheit einige Male getan hat. Dem Vermieter steht dann, wenn seine noch auf dem alten Index­wert beruhende Erhöhungs­erklärung erst nach Veröffent­lichung des neuen geringeren Index­werts beim Mieter ankommt, nur eine entsprechend geringere Miet­erhöhung zu. Nur diesen Betrag müssen sie dann vom über­nächsten Monat an zahlen. Sie sollten Ihren Vermieter oder Ihre Vermieterin darauf hinweisen, um unnötige Streitig­keiten zu vermeiden.

Zugang der Miet­erhöhungs­erklärung. Entscheidender Zeit­punkt für die Berechnung der Miet­erhöhung ist der Werk­tag, an dem Ihnen die Erhöhungs­erklärung Ihres Vermieters oder Ihrer Vermieterin zugeht. Das ist nicht immer der Tag, an dem Sie sie im Brief­kasten finden. Es kommt vielmehr darauf an, wann damit zu rechnen war, dass Sie den Brief lesen. Das hängt davon ab, wann bei Ihnen normaler­weise die Post kommt. Ist der Brief mit der Erhöhungs­erklärung bis zu dieser Uhrzeit im Brief­kasten, ist er an diesem Tag zugegangen. Kommt der Post­bote ungewöhnlich spät oder wirft der Vermieter selbst oder eine Bote ihn erst später nach­mittags oder gar abends ein, dann ist Zugang des Schreibens erst am folgenden Werk­tag. Wenn sich nicht klären lässt, wann Zugang war, dann geht das zu Lasten des Vermieters oder der Vermieterin. Er oder sie müssen darlegen und beweisen, dass die Erklärung so recht­zeitig bei Ihnen einge­troffen ist, dass seine Forderung berechtigt ist. Sie können daher in der Regel mit dem Tag rechnen, an dem Sie die Erklärung im Brief­kasten gefunden haben. Ausnahme: Sams­tage zählen nicht. Erklärungen, die am Samstag im Brief­kasten landen, gehen erst am darauf­folgenden Werk­tag zu. So ist es im Bürgerlichen Gesetz­buch geregelt.

Folgemiet­erhöhungen. Ungünstig für Mieter: Es ist stets mit der bei Einzug geltenden vereinbarten Miete zu rechnen. Sie würden etwas besser abschneiden, wenn immer von der letzten Miet­erhöhung ausgehend zu rechnen ist, da diese wegen der Mindest­frist für die Erhöhung von einem Monat und einem Tag sowie der durch die Errechnung des neuen Werts für den Verbraucher­preis­index beim Statistischen Bundes­amt bedingten Verzögerung auf dem Index­wert für den Vor- oder Vorvormonat beruht. Diese unver­meid­bare Verzögerung würde Mietern und Miete­rinnen bei jeder Miet­erhöhung immer wieder neu zugute kommen und die Entwick­lung der Miete damit doch erheblich hinter dem Verbraucher­preis­index zurück­bleiben.

Indexmiete und Miet­preisbremse. Die Miet­preisbrems­regeln gelten auch für Indexmiet­verträge. Allerdings: Anders als bei Staffelmietverträgen, bei denen die Miet­preisbremse immer wieder neu wirken kann, wird nur die ursprüng­lich vereinbarte Miete über­prüft. Später anhand des Verbraucher­preis­index neu errechnete Mieten gelten selbst dann, wenn sie zu diesem Zeit­punkt gegen die Miet­preisbrems­regeln verstoßen sollten. Einzel­heiten unter Mietpreisbremse: Wie Sie sich gegen zu hohe Mieten wehren.

0

Mehr zum Thema

  • Wohn­fläche Nach­messen kann bares Geld bringen

    - Die Wohn­fläche beein­flusst den Umfang einer Miet­erhöhung und die Höhe der Betriebs­kosten. Nach­messen lohnt! Ist die Wohnung kleiner als vereinbart, kann die Miete sinken.

  • Rauchen Regeln zum Schutz von Nicht­rauchern

    - Rauchen ist laut Bundes­regierung eine „der größten Risiko­faktoren für die Gesundheit“. Darum bemüht sich der Staat die Raucherquote zu senken.

  • Modernisierung Wann Mieter zahlen müssen, wenn der Vermieter modernisiert

    - Vermieter dürfen in ihre Wohnungen investieren und Mieter an den Kosten beteiligen. Doch es gibt Grenzen. Luxussanierungen können Mieter stoppen.

0 Kommentare Diskutieren Sie mit

Nur registrierte Nutzer können Kommentare verfassen. Bitte melden Sie sich an. Individuelle Fragen richten Sie bitte an den Leserservice.