Pflege­zeit für Angehörige: Das müssen Arbeitnehmer wissen

Hier erklären wir, was Sie als Arbeitnehmer tun müssen, wenn Sie kurz­fristig oder auf Dauer einen Angehörigen pflegen müssen. Alle notwendigen Formulare und Anträge für die Auszeiten finden Sie auf der Internetseite Wege zur Pflege.

Frei­stellung im Notfall möglich

Tritt ein akuter Pflegefall ein, können Sie sich als Arbeitnehmer für bis zu zehn Tage sofort von der Arbeit frei­stellen lassen. Erkundigen Sie sich, ob Ihr Arbeit­geber Ihren Lohn weiterzahlt, das ist eine freiwil­lige Leistung. Erhalten Sie keinen Lohn für diese Zeit, können Sie von der Pflege­versicherung Ihres Angehörigen Pflege­unterstüt­zungs­geld erhalten. Es beträgt maximal 109,38 Euro pro Tag und deckt in der Regel einen Groß­teil des Lohn­ausfalls ab.
So gehts: Informieren Sie sofort Ihren Arbeit­geber. Er kann ein Attest verlangen, in dem ein Arzt bestätigt, dass Ihr Angehöriger voraus­sicht­lich pflegebedürftig ist und Ihre Hilfe benötigt. Beantragen Sie, wenn nötig, Pflege­unterstüt­zungs­geld. Legen Sie dem Antrag die ärzt­liche Bescheinigung zur prognostizierten Pflegebedürftig­keit bei.

Bis zu sechs Monate Pflege­zeit

Darüber hinaus dürfen Sie für die Pflege naher Angehöriger bis zu sechs Monate freinehmen oder auf Teil­zeit wechseln – wenn Ihr Angehöriger mindestens Pfle­gegrad 1 hat. Der Anspruch besteht nur in Firmen mit mehr als 16 Mitarbeitern. In der Pflege­zeit wird kein Lohn gezahlt. Sie können aber ein zins­loses Darlehen beim Bundes­amt für Familie und zivilgesell­schaftliche Aufgaben (Bafza) beantragen.
So gehts: Kündigen Sie Ihrem Chef Ihre bis zu sechs­monatige Auszeit mindestens zehn Tage vorher schriftlich an. Möchten Sie nur reduzieren, informieren Sie ihn, wie Sie die Arbeits­zeit aufteilen wollen. Legen Sie eine Bescheinigung über die Pflegebedürftig­keit Ihres Angehörigen vor.

nach oben

Bis zu 24 Monate Familien­pflege­zeit

Hat das Unternehmen mehr als 25 Mitarbeiter, besteht zusätzlich die Möglich­keit, eine 24-monatige Familien­pflege­zeit zu nehmen. Sie dürfen Ihre Arbeits­zeit reduzieren – aber nicht auf weniger als 15 Wochen­stunden. Sie können für die Familien­pflege­zeit ebenfalls ein zins­loses Darlehen erhalten.
So gehts: Kündigen Sie Ihrem Arbeit­geber die Familien­pflege­zeit mindestens acht Wochen vor Beginn an.

Kombination aus Pflege­zeit und Familien­pflege­zeit

Sie können Pflege­zeit und Familien­pflege­zeit auch kombinieren. Der Über­gang muss aber nahtlos sein, die Gesamt­pflege­zeit darf nicht länger als 24 Monate dauern.
So gehts: Wollen Sie aus der Pflege­zeit in die Familien­pflege­zeit gehen, teilen Sie Ihrem Chef dies mindestens drei Monate vorher mit. Umge­kehrt gilt eine Frist von acht Wochen.

nach oben

Sonderkündigungs­schutz in der Pflege­zeit

Menschen, die Pflege­zeit in Anspruch nehmen oder beantragt haben, fallen unter einen besonderen Kündigungs­schutz. Dieser besteht vom Zeit­punkt der Ankündigung der Pflege beim Arbeit­geber bis zur Beendigung der kurz­zeitigen Verhinderung beziehungs­weise der Pflege­zeit. Grund­sätzlich gilt er sogar, wenn ein Arbeitnehmer noch in der Probezeit ist und er auf einmal einen Angehörigen pflegen muss.

nach oben

Dieser Artikel ist hilfreich. 48 Nutzer finden das hilfreich.