Pflege­versicherung

Pflege­zeit für Angehörige: Das müssen Arbeitnehmer wissen

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Pflege­versicherung - Wann sie leistet, was sie kostet
Pflege­zeit. Muss plötzlich die Pflege eines Angehörigen organisiert werden, können sich Arbeitnehmer vorüber­gehend freinehmen. © mauritius images / Alamy / WireStock

Hier erklären wir, was Sie als Arbeitnehmer tun müssen, wenn Sie kurz­fristig oder auf Dauer einen Angehörigen pflegen müssen. Alle notwendigen Formulare und Anträge für die Auszeiten finden Sie auf der Internetseite Wege zur Pflege.

Frei­stellung im Notfall möglich

Tritt ein akuter Pflegefall ein, können Sie sich als Arbeitnehmer für bis zu zehn Tage sofort von der Arbeit frei­stellen lassen. Erkundigen Sie sich, ob Ihr Arbeit­geber Ihren Lohn weiterzahlt, das ist eine freiwil­lige Leistung. Erhalten Sie keinen Lohn für diese Zeit, können Sie von der Pflege­versicherung Ihres Angehörigen Pflege­unterstüt­zungs­geld erhalten. Es beträgt maximal 109,38 Euro pro Tag und deckt in der Regel einen Groß­teil des Lohn­ausfalls ab.
So gehts: Informieren Sie sofort Ihren Arbeit­geber. Er kann ein Attest verlangen, in dem ein Arzt bestätigt, dass Ihr Angehöriger voraus­sicht­lich pflegebedürftig ist und Ihre Hilfe benötigt. Beantragen Sie, wenn nötig, Pflege­unterstüt­zungs­geld. Legen Sie dem Antrag die ärzt­liche Bescheinigung zur prognostizierten Pflegebedürftig­keit bei.

Bis zu sechs Monate Pflege­zeit

Darüber hinaus dürfen Sie für die Pflege naher Angehöriger bis zu sechs Monate freinehmen oder auf Teil­zeit wechseln – wenn Ihr Angehöriger mindestens Pfle­gegrad 1 hat. Der Anspruch besteht nur in Firmen mit mehr als 16 Mitarbeitern. In der Pflege­zeit wird kein Lohn gezahlt. Sie können aber ein zins­loses Darlehen beim Bundes­amt für Familie und zivilgesell­schaftliche Aufgaben (Bafza) beantragen.
So gehts: Kündigen Sie Ihrem Chef Ihre bis zu sechs­monatige Auszeit mindestens zehn Tage vorher schriftlich an. Möchten Sie nur reduzieren, informieren Sie ihn, wie Sie die Arbeits­zeit aufteilen wollen. Legen Sie eine Bescheinigung über die Pflegebedürftig­keit Ihres Angehörigen vor.

Bis zu 24 Monate Familien­pflege­zeit

Hat das Unternehmen mehr als 25 Mitarbeiter, besteht zusätzlich die Möglich­keit, eine 24-monatige Familien­pflege­zeit zu nehmen. Sie dürfen Ihre Arbeits­zeit reduzieren – aber nicht auf weniger als 15 Wochen­stunden. Sie können für die Familien­pflege­zeit ebenfalls ein zins­loses Darlehen erhalten.
So gehts: Kündigen Sie Ihrem Arbeit­geber die Familien­pflege­zeit mindestens acht Wochen vor Beginn an.

Kombination aus Pflege­zeit und Familien­pflege­zeit

Sie können Pflege­zeit und Familien­pflege­zeit auch kombinieren. Der Über­gang muss aber nahtlos sein, die Gesamt­pflege­zeit darf nicht länger als 24 Monate dauern.
So gehts: Wollen Sie aus der Pflege­zeit in die Familien­pflege­zeit gehen, teilen Sie Ihrem Chef dies mindestens drei Monate vorher mit. Umge­kehrt gilt eine Frist von acht Wochen.

Sonderkündigungs­schutz in der Pflege­zeit

Menschen, die Pflege­zeit in Anspruch nehmen oder beantragt haben, fallen unter einen besonderen Kündigungs­schutz. Dieser besteht vom Zeit­punkt der Ankündigung der Pflege beim Arbeit­geber bis zur Beendigung der kurz­zeitigen Verhinderung beziehungs­weise der Pflege­zeit. Grund­sätzlich gilt er sogar, wenn ein Arbeitnehmer noch in der Probezeit ist und er auf einmal einen Angehörigen pflegen muss.

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Nutzer­kommentare können sich auf einen früheren Stand oder einen älteren Test beziehen.

Profilbild Stiftung_Warentest am 06.02.2023 um 09:57 Uhr
Aktuelle Preise stark höher als im Test

@mhen000: Einen Schutz wie bei der Einlagensicherung bei Banken für Sichteinlagen gibt es für private Zusatzversicherungen nicht.

mhen000 am 02.02.2023 um 19:39 Uhr
Aktuelle Preise stark höher als im Test

Ich habe mir im Dezember 2022 ein Angebot der UKV für eine PflegePRIVAT Premium Plus-Tagesgeldversicherung machen lassen und habe festgestellt, dass die Preise seit diesem Test zu Beginn des Jahres 2021 stark angestiegen sind. Dies wird ja bereits in anderen Kommentaren in anschaulichen Zahlen festgestellt (obwohl man annehmen sollte, dass die Altersrückstellungen der Versicherungsnehmer solche Beitragssprünge weitgehend verhindern). Wenn ich mir zusätzlich überlege, dass ich bei Abschluss einer solchen Versicherung mein Wohl und Wehe über Jahrzehnte in die Hände eines Versicherers lege, der dann, wenn ich die Leistung benötige, vielleicht schon gar nicht mehr am Markt bin, dann wird mir Angst und bange.
Daher die Frage an test: was würde passieren, falls in 20 Jahren eine Versicherung insolvent ginge? Gibt es für die Versicherungsnehmer einer Pflegezusatzversicherung einen Einlagenschutz ähnlich einer Bank, oder stünden diese Menschen dann im Alter ohne jeden Zusatzschutz da?

Muselmane am 27.11.2022 um 09:51 Uhr
Beitragsanpassung ab 2023: +20%

Auch ich kam diese Woche in den Genuss einer Erhöhung von der DFV von +20% ab 2023 für meine Pflegeversicherung (bei gleichbleibender Leistung). 2021 waren es +18% und 2020 durch die Pflegegrad-Umstellung +45%. Bisher konnte ich das dadurch kompensieren, dass ich wie von Test empfohlen die Leistungen reduziert habe.
In der aktuellen Situation, wo vmtl. immer weniger Menschen sich das noch leisten können und ggf. kündigen, frage ich mich, ob die Kostenerhöhungen zum gewissen Teil auch einfach nur daher kommen, dass die Anzahl der Versicherten immer weiter schrumpft und immer weniger die anfallenden Kosten schultern müssen.
Macht es unter dieser Annahme überhaupt noch sinn die Leistungen immer weiter zu reduzieren und den Vertrag zu behalten?
Ich habe die Vermutung, dass die Beiträge dadurch zukünftig zusätzlich stark steigen werden und man über die Zeit (bin jetzt 49) die Leistungen so weit reduzieren muss, dass es sich fast kaum noch lohnt, was man dann am Schluss rausbekommen kann.

Profilbild Stiftung_Warentest am 15.11.2022 um 14:49 Uhr
Beitragserhöhung

@Harald.Klemm: Vielen Dank für Ihre Information. Es ist leider so, dass niemand weiß, was der Schutz einer privaten Pflegetagegeldversicherung in Zukunft kosten wird. Neben einem aktuell niedrigen Rechnungszins gibt es viele weitere Faktoren, die einen Einfluss auf den Beitrag haben. Höhere Löhne für Pflegekräfte und andere Kostensteigerungen sind nur ein weiterer Aspekt.

Harald.Klemm am 14.11.2022 um 15:47 Uhr
Private Pflegeversicherung +40% Beitragserhöhung

Heute kam ein kleines Weihnachtsgeschenkpaket von der privaten Pflegeversicherung (HUK) an. Beitragserhöhung ab 01.01.2023 von 158 EUR auf 220 EUR = +40% zusammen für mich und Gattin .... schon erstaunlich, dass steigende Leistungen (+6,8%) und niedrigerer Rechnungszins solche Auswüchse ermöglichen. Wie das langfristig weitergehen soll??