Pflege­versicherung

Pflege­zeit für Angehörige: Das müssen Arbeitnehmer wissen

5
Pflege­versicherung - Wann sie leistet, was sie kostet
Pflege­zeit. Muss plötzlich die Pflege eines Angehörigen organisiert werden, können sich Arbeitnehmer vorüber­gehend freinehmen. © mauritius images / Alamy / WireStock

Hier erklären wir, was Sie als Arbeitnehmer tun müssen, wenn Sie kurz­fristig oder auf Dauer einen Angehörigen pflegen müssen. Alle notwendigen Formulare und Anträge für die Auszeiten finden Sie auf der Internetseite Wege zur Pflege.

Inhalt

Frei­stellung im Notfall möglich

Tritt ein akuter Pflegefall ein, können Sie sich als Arbeitnehmer für bis zu zehn Tage sofort von der Arbeit frei­stellen lassen. Erkundigen Sie sich, ob Ihr Arbeit­geber Ihren Lohn weiterzahlt, das ist eine freiwil­lige Leistung. Erhalten Sie keinen Lohn für diese Zeit, können Sie von der Pflege­versicherung Ihres Angehörigen Pflege­unterstüt­zungs­geld erhalten. Es beträgt maximal 109,38 Euro pro Tag und deckt in der Regel einen Groß­teil des Lohn­ausfalls ab.
So gehts: Informieren Sie sofort Ihren Arbeit­geber. Er kann ein Attest verlangen, in dem ein Arzt bestätigt, dass Ihr Angehöriger voraus­sicht­lich pflegebedürftig ist und Ihre Hilfe benötigt. Beantragen Sie, wenn nötig, Pflege­unterstüt­zungs­geld. Legen Sie dem Antrag die ärzt­liche Bescheinigung zur prognostizierten Pflegebedürftig­keit bei.

Bis zu sechs Monate Pflege­zeit

Darüber hinaus dürfen Sie für die Pflege naher Angehöriger bis zu sechs Monate freinehmen oder auf Teil­zeit wechseln – wenn Ihr Angehöriger mindestens Pfle­gegrad 1 hat. Der Anspruch besteht nur in Firmen mit mehr als 16 Mitarbeitern. In der Pflege­zeit wird kein Lohn gezahlt. Sie können aber ein zins­loses Darlehen beim Bundes­amt für Familie und zivilgesell­schaftliche Aufgaben (Bafza) beantragen.
So gehts: Kündigen Sie Ihrem Chef Ihre bis zu sechs­monatige Auszeit mindestens zehn Tage vorher schriftlich an. Möchten Sie nur reduzieren, informieren Sie ihn, wie Sie die Arbeits­zeit aufteilen wollen. Legen Sie eine Bescheinigung über die Pflegebedürftig­keit Ihres Angehörigen vor.

Bis zu 24 Monate Familien­pflege­zeit

Hat das Unternehmen mehr als 25 Mitarbeiter, besteht zusätzlich die Möglich­keit, eine 24-monatige Familien­pflege­zeit zu nehmen. Sie dürfen Ihre Arbeits­zeit reduzieren – aber nicht auf weniger als 15 Wochen­stunden. Sie können für die Familien­pflege­zeit ebenfalls ein zins­loses Darlehen erhalten.
So gehts: Kündigen Sie Ihrem Arbeit­geber die Familien­pflege­zeit mindestens acht Wochen vor Beginn an.

Kombination aus Pflege­zeit und Familien­pflege­zeit

Sie können Pflege­zeit und Familien­pflege­zeit auch kombinieren. Der Über­gang muss aber nahtlos sein, die Gesamt­pflege­zeit darf nicht länger als 24 Monate dauern.
So gehts: Wollen Sie aus der Pflege­zeit in die Familien­pflege­zeit gehen, teilen Sie Ihrem Chef dies mindestens drei Monate vorher mit. Umge­kehrt gilt eine Frist von acht Wochen.

Sonderkündigungs­schutz in der Pflege­zeit

Menschen, die Pflege­zeit in Anspruch nehmen oder beantragt haben, fallen unter einen besonderen Kündigungs­schutz. Dieser besteht vom Zeit­punkt der Ankündigung der Pflege beim Arbeit­geber bis zur Beendigung der kurz­zeitigen Verhinderung beziehungs­weise der Pflege­zeit. Grund­sätzlich gilt er sogar, wenn ein Arbeitnehmer noch in der Probezeit ist und er auf einmal einen Angehörigen pflegen muss.

5

Mehr zum Thema

  • Pfleg­etagegeld­versicherung im Vergleich Die besten Tarife für die private Zusatz­versicherung

    - Eine Pfleg­etagegeld­versicherung hilft bei den Pflege­kosten. Versicherte sollten aber steigende Beiträge bewältigen können. Stiftung Warentest hat die Tarife Anfang...

  • Angehörige pflegen Rundum versorgt in einer Pflege-Wohn­gemeinschaft

    - Statt ins Heim können Pflegebedürftige in eine ambulant betreute WG ziehen. Wir schildern Vor- und Nachteile der Pflege-Wohn­gemeinschaft und wie sie organisiert ist.

  • Umzug ins Pfle­geheim So sind Ihre Lieben gut versorgt

    - Wird mehr Pflege erforderlich, als Angehörige zu Hause schaffen, kann ein Umzug ins Heim sinn­voll sein. Wir erklären, was Suchende bei Auswahl und Kosten beachten müssen.

5 Kommentare Diskutieren Sie mit

Nur registrierte Nutzer können Kommentare verfassen. Bitte melden Sie sich an. Individuelle Fragen richten Sie bitte an den Leserservice.

Nutzer­kommentare können sich auf einen früheren Stand oder einen älteren Test beziehen.

Profilbild Stiftung_Warentest am 24.01.2022 um 09:21 Uhr
Artikel aus Finanztest 02/22: Kosten im Pflegeheim

@BigWombat: Eine gekürzte Fassung des Artikels zu den Kosten im Pflegeheim finden Sie hier im Artikel unter Punkt 4.7.
Unsere Online-Darstellung der Themen ist nicht mehr identisch mit denen im Heft. Es ist nicht mehr so wie in den Anfängen von test.de, als die Heftinhalte 1:1 ins Internet übertragen wurden. Die Zeiten haben sich geändert und die Online-Themen bekommen einen eigenständige Aufbereitung. Online strukturieren wir die Inhalte nach anderen Kriterien, fassen die Inhalte aus mehreren Heften zu einem Thema zusammen und passen die Darstellung an diejenigen an, die das Heft nicht vor Augen haben.
Abonnenten, die nach der Darstellung des Artikels suchen, wie im Heft, klicken auf die Heftausgabe und greifen auf die kostenfreie Fassung der PDF-Fassung des Heftes für Abonnenten zu:
www.test.de/shop/finanztest-hefte

BigWombat am 23.01.2022 um 10:32 Uhr
Falsche Verlinkung?

Auf diesen Artikel wird vom Beitrag "Eigenanteil im Heim sinkt" aus dem Heft 2/2022 verlinkt obwohl es sich um einen anderen Artikel handelt.

Profilbild Stiftung_Warentest am 20.08.2021 um 19:57 Uhr
Druckfehler Finanztest 08/2021, Seite 90:

@Gutmens: Danke fürs aufmerksame Mitlesen. Ja, die pflegebedürftige Person muss es heißen.

Gutmensch am 28.07.2021 um 10:51 Uhr
Druckfehler in Finanztest 8/2021

In Finanztest August 2021 heißt es auf Seite 90:
"Ist die Pflegeperson in Kranken­haus, Reha oder Palliativversorgung, hat die Kasse eine Woche Zeit, zwei Wochen, wenn jemand, der die Pflege über­nimmt, dafür Pflege­zeit oder Familien­pflege­zeit beantragt hat."
Das ist falsch! Es muss "pflegebedürftige Person" heißen statt "Pflegeperson".
Im Internetauftritt (siehe oben) ist der Beitrag korrekt.

JS1985 am 21.07.2017 um 12:43 Uhr
Vorgehensweise für Privat - Pflegeversicherte

Guten Tag,
Privat Versicherte wenden sich nicht an die Firma Compass um einen Pflegegrad zu erlangen, sondern müssen sich auch zunächst an ihre (private) Pflegeversicherung wenden. Die Firma Compass übernimmt nur die Pflegeberatung für privat Pflegeversicherte.
Mfg
JS