Entlastung, wenn nichts mehr geht

Was tun, wenn der Pflegende selbst einmal nicht mehr kann und eine Auszeit braucht? Oder wenn die Pflege im häuslichen Umfeld einige Wochen lang nicht möglich ist? Der Gesetz­geber hat dafür zwei Modelle einge­führt: die Kurz­zeit­pflege und die Verhinderungs­pflege, auch Ersatz­pflege genannt.

Kurz­zeit­pflege im Pfle­geheim

In der Kurz­zeit­pflege sind Pflegebedürftige in einem Pfle­geheim für einen begrenzten Zeitraum voll versorgt. Sie eignet sich vor allem, wenn Familien­angehörige oder ambulante Pfle­gekräfte die Pflege nicht kurz­fristig über­nehmen können. Das ist etwa der Fall, wenn sich der Gesund­heits­zustand des Pflegebedürftigen vorüber­gehend verschlechtert oder das häusliche Umfeld noch pflegegerecht umge­staltet werden muss. Oft dient die Kurz­zeit­pflege auch dazu, die Warte­zeit auf einen dauer­haften Heim­platz zu über­brücken.

Ab Pfle­gegrad 2 Geld von der Kasse

Viele Pfle­geheime bieten Plätze für Kurz­zeit­pflege an. Für diese Form von Rund-um-die-Uhr-Betreuung haben sie einen besonderen Vertrag mit den Pflegekassen. Diese zahlen neben den maximal 1 612 Euro pro Jahr für bis zu acht Wochen ab Pfle­gegrad 2 das Pflegegeld während der Kurz­zeit­pflege zur Hälfte weiter. Die Pflegekasse über­nimmt nur die reinen Pflege­kosten und die soziale Betreuung. Unterkunft, Verpflegung und Investitions­kosten der Einrichtung muss der Pflegebedürftige selbst tragen.

Entlastungs­betrag nutzen

Personen mit Pfle­gegrad 1 bleiben außen vor. Sie können aber für die vorüber­gehende Pflege im Heim den Entlastungs­betrag von 125 Euro im Monat von der Pflegekasse nutzen, den auch alle in den Pfle­gegraden 2 bis 5 erhalten.

Verhinderungs­pflege, wenn die Pfle­gekraft ausfällt

Die sogenannte Verhinderungs­pflege kann nötig sein, wenn der Pflegende eine Zeit lang nicht selbst pflegen kann, etwa wenn er krank ist, Urlaub macht oder zum Arzt muss. Über­nommen wird die Pflege dann vertretungs­weise durch eine andere vertraute Person oder einen Pflege­dienst. Ist keiner dazu in der Lage, kommt eine vorüber­gehende stationäre Pflege infrage. Der Anspruch auf Verhinderungs­pflege besteht für bis zu sechs Wochen im Jahr. Dafür gelten folgende Voraus­setzungen:

Die verhinderte Pflege­person

  • muss den Pflegebedürftigen mindestens sechs Monate in seiner häuslichen Umge­bung gepflegt haben, wobei auch Zeiten ohne Pfle­gegrad zählen,
  • muss der Pflegekasse bekannt sein und
  • darf nicht erwerbs­mäßig tätig sein, wie etwa Betreuungs­kräfte aus Osteuropa oder Pfle­geassistenten.

Wer erst kürzlich zu pflegen ange­fangen hat, sollte sich umge­hend bei der Pflegekasse als Haupt­pflege­person registrieren lassen. Sind die gesetzlichen Anforderungen erfüllt, zahlt die Pflegekasse auf Antrag bis zu 1 612 Euro für die Versorgung des Pflegebedürftigen während der Abwesenheit der Pflege­person. Das bisherige Pflegegeld wird zur Hälfte weiterbezahlt.

Am Stück, tage- oder stunden­weise, zu Hause oder auswärts

Hat die Pflegekasse eine Verhinderungs­pflege bewil­ligt, lässt sich diese bis zu sechs Wochen

  • am Stück nehmen oder
  • auf einzelne Tage aufteilen.

Während die Pflege­person abwesend ist, kann

  • ein ambulanter Pflege­dienst oder
  • eine Ersatz-Pflege­person den Pflegebedürftigen zu Hause versorgen oder
  • er kann in einer anderen Wohnung, einer Tages­pfle­geeinrichtung oder im Pfle­geheim im Rahmen der Kurz­zeit­pflege gepflegt werden.

Mit Kurz­zeit­pflege kombinieren

Die Verhinderungs­pflege lässt sich mit der Kurz­zeit­pflege kombinieren, wenn im laufenden Kalender­jahr keine Leistungen für die Kurz­zeit­pflege in Anspruch genommen wurden. Umge­kehrt gilt das genauso. Die Umwidmung muss bei der Pflegekasse beantragt werden.

  • Sie stockt den Betrag für die Verhinderungs­pflege um die Hälfte des Betrages für die Kurz­zeit­pflege von 1 612 Euro auf maximal 2 418 Euro auf oder
  • erhöht den Zuschuss zur Kurz­zeit­pflege auf bis zu 3 224 Euro, wenn die Pflege­person im laufenden Kalender­jahr keine Verhinderungs­pflege in Anspruch genommen hat.

Sich stunden­weise vertreten lassen

Manchmal brauchen Pflegende nur eine Auszeit für ein paar Stunden. Auch das ist möglich und die Regeln dafür sind güns­tiger:

  • Das Pflegegeld wird für diese Zeit nicht um die Hälfte gekürzt,
  • die Beschränkung auf sechs Wochen im Jahr gilt nicht.

Dafür muss die sonst pflegende Person einige Voraus­setzungen erfüllen:

  • Sie darf nicht länger als acht Stunden pro Tag abwesend sein und
  • die Zeit nicht für die reguläre Arbeit nutzen.

Ist die Pflege­person acht Stunden oder länger am Tag weg, wird das Pflegegeld gekürzt und die Zeit von den sechs Wochen abge­zogen.

Beispiel. Die Tochter pflegt ihren Vater zu Hause. Sie geht zu einem Yoga-Work­shop und ist neun Stunden unterwegs. In der Zeit kommt ein Pflege­dienst zwei Mal zum Vater und bleibt jeweils eine Stunde. Da die Tochter länger als acht Stunden außer Haus war, wird das Pflegegeld gekürzt, keine Rolle spielt es, wie lange der Pflege­dienst bei ihrem Vater war.

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