Pflege­leistungen im Detail

Versicherte erhalten im Pflegefall gesetzliche Leistungen. Viele dieser finanziellen Hilfen können kombiniert werden.

Aufwands­entschädigung für pflegende Angehörige

Wer zu Hause gepflegt wird, kann zwischen Pflegegeld und Pflegesach­leistungen wählen oder beides kombinieren. Pflegegeld zahlt die Kasse an den pflegebedürftigen Versicherten, wenn Angehörige oder andere nahe­stehende Personen die Pflege ehren­amtlich über­nehmen. Es ist als finanzielle Unterstüt­zung für Pflegebedürftige gedacht, um die freiwil­lige Hilfe bei der Grund­pflege und im Haushalt zu honorieren. Der Pflegebedürftige kann die pflegende Person frei wählen. Die Kasse über­weist das Geld immer am Anfang des Monats an den Versicherten. Entscheidend für die Höhe ist der Pfle­gegrad, in den der Pflegebedürftige einge­stuft wurde. Im Monat sind das

  • 316 Euro in Pfle­gegrad 2
  • 545 Euro in Pfle­gegrad 3
  • 728 Euro in Pfle­gegrad 4 und
  • 901 Euro in Pfle­gegrad 5.

In Pfle­gegrad 1 wird kein Pflegegeld gezahlt.

Bei Laien­pflege gilt Beratungs­pflicht

Wer ausschließ­lich Pflegegeld bekommt, muss sich regel­mäßig beraten lassen. Oft kommt dann ein Pflege­dienst, der vom Pflegebedürftigen beauftragt wurde. Zweck der Beratung zu Hause ist, offene Fragen, die die Pflege betreffen, zu klären. Die Pflegekasse schreibt den Pflegebedürftigen dazu an und informiert ihn darüber, dass er sich beraten lassen muss. Damit der Pflegegeld­anspruch erhalten bleibt, schreibt das Gesetz in Pfle­gegrad 2 und 3 die Beratung alle sechs Monate, in Pfle­gegrad 4 und 5 alle drei Monate vor. Weigert der pflegebedürftige Versicherte sich, die Beratung in Anspruch zu nehmen, kann die Kasse das Pflegegeld kürzen.

Pflege und Job. Freiwil­lig Pflegende, die dafür Pflegegeld und Renten­versicherungs­beiträge von der Pflegekasse erhalten, dürfen höchs­tens 30 Stunden pro Woche berufs­tätig sein. Bevor das Pflegegeld ausgezahlt wird, über­prüft der Gutachter des Medizi­nischen Dienstes der Kranken­versicherung (MDK), ob die Pflegenden diese Kriterien erfüllen. Das soll die Qualität der Laien­pflege sichern und helfen, Probleme zu beheben.

Unter­brechung. Die Pflegekasse kürzt das Pflegegeld immer dann, wenn der pflegebedürftige Versicherte durch seine Pflege­person nicht gepflegt werden kann. Wird die häusliche Pflege durch einen Kranken­haus­auf­enthalt oder die medizi­nische Reha der pflegebedürftigen Person unterbrochen, wird das Pflegegeld bis zu vier Wochen weitergezahlt. Muss der Pflegebedürftige eine Zeit lang in die Kurz­zeit­pflege, gewährt die Kasse bis 56 Tage im Kalender­jahr das Pflegegeld in halber Höhe. Kommt ersatz­weise eine andere Person zur Verhinderungs­pflege gilt das dasselbe für 42 Tage im Kalender­jahr.

Tages­pflege und Nacht­pflege

Menschen, die sich nicht mehr voll­ständig selbst versorgen können, können tags­über in einer Tages­pfle­geeinrichtung betreut werden. Die Nacht verbringen sie zu Hause. Umge­kehrt ist auch sogenannte Nacht­pflege möglich. Pflegebedürftige verbringen in diesem Fall den Tag zu Hause und sind nachts stationär unterge­bracht. Nacht­pfle­geangebote sind in Deutsch­land bisher nur selten anzu­treffen. Anspruch auf Tages- und Nacht­pflege haben Versicherte mit Pfle­gegrad 2 bis 5.

Haus­notruf auf Antrag

Wohnen Pflegebedürftige allein und stürzen in ihrer Wohnung, können sie über ein Telefon­zusatz­gerät, einen Hilferuf an eine Notrufzentrale abgeben. Hilfe kommt unmittel­bar. Die Kosten für den Haus­notruf in Pfle­gegrad 1 bis 5 über­nimmt die Pflege­versicherung auf Antrag.

Hilfe durch professionelle Pfle­gekräfte

Wer ausschließ­lich von professionellen Pflegefach­kräften gepflegt werden möchte, kann sogenannte Pflegesach­leistungen in Anspruch nehmen. Das bedeutet: Die Pflegekasse finanziert Leistungen eines ambulanten Pflege­dienstes und das je nach Pfle­gegrad bis zu einer bestimmten Grenze. Das sind monatlich bis zu

  • 689 Euro in Pfle­gegrad 2
  • 1 298 Euro in Pfle­gegrad 3
  • 1 612 Euro in Pfle­gegrad 4
  • 1 995 Euro in Pfle­gegrad 5.

Pflegesach­leistungen und Pflegegeld lassen sich kombinieren: Nur ein Teil der Pflegesach­leistungen kann für einen Pflege­dienst genutzt werden und zusätzlich wird Pflegegeld ausgezahlt.

Das leistet ein Pflege­dienst

Die Pflege­dienste beschäftigen ausgebildete Pfle­gekräfte, Betreuer und und Pfle­gehilfen, die Pflegebedürftige bei sich zu Hause versorgen. Sie leisten dort vor allem klassische Pflege, aber auch medizi­nische und haus­wirt­schaftliche Hilfe – je nachdem, was individuell abge­sprochen wurde. Zu Beginn einer Pflegesituation kommt die ambulante Pfle­gekraft meist nur ein- bis zweimal pro Woche. Wenn mehr Unterstüt­zung nötig wird, sind auch ein täglicher Besuch oder sogar eine 24-Stunden-Versorgung möglich.

Das gehört zu den üblichen Aufgaben eines Pflege­dienstes

Körper­pflege. Hierunter fallen das Waschen, Duschen oder Baden, das Frisieren und Rasieren, die Haut­pflege und der Gang zur Toilette sowie die eventuell notwendige Inkontinenz­pflege.

Ernährung. Dazu zählen alle Schritte, also das Zubereiten von Mahl­zeiten und Getränken, das Zerkleinern von Speisen in mund­gerechte Stücke sowie das Anreichen von Essen und Trinken bis hin zum Füttern.

Mobilität. Damit sind Hilfen zu Hause und unterwegs gemeint, also etwa Hilfe beim Aufstehen, Betten und Lagern, aber auch die Begleitung zum Amt, zum Pfle­gestütz­punkt oder zum Arzt.

Haus­wirt­schaft. Wenn gewünscht, über­nehmen Pflege­dienst-Mitarbeiter das Einkaufen und Putzen sowie das Waschen, Aufhängen, Bügeln und Falten der Wäsche. Bedingung ist, dass nur die pflegebedürftige Person unterstützt wird. Lebt ein Paar zu Hause und nur der Mann ist pflegebedürftig, macht der Dienst nur die Wäsche des Mannes.

Betreuung. Üblich ist die stunden­weise Betreuung von Demenz­erkrankten. Manche Dienste bieten auch Betreuungs­gruppen an.

Behand­lungs­pflege. Wenn bei einer Krankheit oder nach einem Unfall ein Pflege­dienst beispiels­weise zum Wechseln der Verbände oder zum Einreiben der Schulter kommt, zahlt dies die gesetzliche Kranken­versicherung und nicht die Pflege­versicherung. Voraus­setzung: Ein Arzt bescheinigt die Notwendig­keit aufgrund einer Erkrankung.

Pflege­dienst – so wird abge­rechnet

Am Monats­anfang werden die Leistungen für den voraus­gegangenen Monat abge­rechnet. Wenn es einen Versorgungs­vertrag zwischen dem Pflege­dienst und der gesetzlichen Pflegekasse gibt, über­weist diese ihren Anteil direkt an den Dienst. Der Pflegebedürftige erhält dann ausschließ­lich die Rechnung für den Anteil, den er selbst bezahlen muss. Ist das nicht der Fall oder ist der Pflegebedürftige privat versichert, müssen die Kosten zunächst selbst bezahlt werden. Anschließend kann man sich einen Teil der Ausgaben von der Versicherung erstatten lassen. Wie genau die Abrechnung im Einzel­fall funk­tioniert, muss im Pflege­vertrag zwischen Pflegebedürftigem und Pflege­dienst fest­gelegt sein.

Ab Pfle­gegrad 1 – Entlastungs­betrag in Höhe von 125 Euro

Einen Entlastungs­betrag in Höhe von 125 Euro im Monat gibt es für alle Personen mit Pfle­gegrad 1 bis 5, die zu Hause gepflegt werden. Die Kasse über­nimmt neben Pflegegeld und Sach­leistungen noch Angebote zur Unterstüt­zung im Alltag. Das sind bestimmte Leistungen von ambulanten Pflege­diensten oder ehren­amtlichen Alltags­helfern wie Gedächtnis­training, Vorlesen oder die Hilfe beim Einkauf. Pflegebedürftige können den Betrag aber auch einsetzen, um Regel­leistungen der Tages- oder Nacht­pflege aufzusto­cken und verbleibende Eigen­kosten zu finanzieren. Das Gleiche gilt für die Kurz­zeit­pflege, wenn Pflegebedürftige für einige Zeit auf voll­stationäre Pflege angewiesen sind. Beträge, die Pflegebedürftige in einem Monat nicht ausschöpfen, können sie inner­halb eines Kalender­jahres in die Folgemonate über­tragen. Am Ende des Kalender­jahres können nicht verbrauchte Beträge ins darauf­folgende Jahr mitnehmen.

Zuschuss zur Wohnungs­anpassung

Eine weitere Leistung der gesetzlichen Pflege­versicherung: In den Pfle­gegraden 1 bis 5 wird ein Zuschuss zur Wohnungs­anpassung in Höhe von bis zu 4 000 Euro gezahlt. Voraus­setzung: Die Anpassung ermöglicht oder erleichtert das Wohnen zu Hause und hilft bei einer selbst­ständigen Lebens­führung. Der Zuschuss kann zum Beispiel für Türverbreiterungen, fest installierte Rampen und Treppenlifte oder auch der pflegegerechte Umbau des Bade­zimmers genutzt werden. Verschlechtert sich der Zustand des Pflegebedürftigen stark oder erhöht sich der Pfle­gegrad, kann ein neuer Zuschuss beantragt werden. Diese Geld­spritze gibt es auch, wenn mehrere Pflegebedürftige eine Pflege-Wohngemeinschaft gründen wollen.

Geld für Pfle­gehilfs­mittel

Pfle­gehilfs­mittel sind Geräte und Gegen­stände, die die häusliche Pflege erleichtern und ein selbst­ständiges Leben möglich machen. Für Verbrauchs­artikel wie Einmalhand­schuhe oder Bett­einlagen erstattet die Kasse bis zu 40 Euro im Monat. Für tech­nische Hilfen wie das Pflegebett über­nimmt sie die Kosten zu 90 Prozent. Die Leistungen steht allen Pflegebedürftigen in Pfle­gegrad 1 bis 5 zu.

Leistungen der Pflege­versicherung im Pfle­geheim

Vor allem dann, wenn das Wohnen in den eigenen vier Wänden allein nicht mehr funk­tioniert, ist das Pfle­geheim eine Alternative. In der Einrichtung werden ältere Menschen stationär gepflegt und betreut. Unterkunft und Verpflegung im Heim müssen die Bewohner immer aus der eigenen Tasche bezahlen. Die Kosten für die Pflege und die Betreuung trägt die Pflege­versicherung bis zu einer Höhe von

  • 770 Euro bei Pfle­gegrad 2
  • 1 262 Euro bei Pfle­gegrad 3
  • 1 775 Euro bei Pfle­gegrad 4 und
  • 2 005 Euro in Pfle­gegrad 5.

In Pfle­gegrad 1 wird ein Zuschuss von 125 Euro im Monat gezahlt.

Im Special Umzug ins Pflegeheim – So sind Ihre Lieben gut versorgt erklären die Pflege-Experten der Stiftung Warentest, wie Sie ein passendes Heim finden, was Sie beachten müssen, wenn Sie einen Pfle­geheim­vertrag unter­schreiben, und wie Sie die Finanzierung klären.

Einheitlicher Eigen­anteil – das zahlen Pflegebedürftige selbst

Seit 2017 müssen Pfle­geheimbe­wohner einen einrichtungs­einheitlichen Eigen­anteil (EEE) unabhängig vom Pfle­gegrad aus eigenen Mitteln bezahlen. Bis 2016 stieg dieser Eigen­anteil mit jeder Erhöhung der Pfle­gestufe – zwischen mehreren Hundert bis deutlich über tausend Euro pro Monat. Durch die neue Regelung legt jede Einrichtung einen eigenen Eigen­anteil fest, der von der Bewohner­struktur abhängt. Der EEE betrug nach Angaben des Verbands der Ersatz­kassen VDEK im Bundes­durch­schnitt zuletzt 786 Euro. Hinzu kommen die Kosten für Unterkunft und Verpflegung, Investitions­kosten, eine Ausbildungs­umlage und Kosten für Zusatz­leistungen. Sie variieren je nach Einrichtung.

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