freiKarte der Cent AG Schnelltest

Das klingt nach einem Wunder: Käufer der „freiKarte“, so die Werbung, erhalten bei Bestellungen in diversen Online-Shops bis zu 100 Prozent des Kaufpreises später erstattet. Anbieter der FreiKarte ist die Cent AG. Der Schnelltest klärt, was es mit der freiKarte auf sich hat.

Große Versprechungen

So soll es funktionieren: Der Kunde kauft ein, erhält seine Ware und bekommt später einen Teil des Preises wieder zurück. Die freiKarte gibt es seit Ende 2003. 300 000 freiKarten sind nach Firmenangaben derzeit im Umlauf. Das Enttäuschungspotenzial ist groß. Denn möglicherweise bekommen freiKarten-Besitzer die derzeit in Aussicht gestellten Auszahlungen nie.

Geschäft mit Provisionen

Für den Einkauf im Ladengeschäft um die Ecke ist die freiKarte uninteressant. Nur rund 1  500 Geschäfte deutschlandweit sind mit im Boot. Angeschlossen sind aber rund 300 zum Teil sehr bekannte Onlineshops wie rossmann.de und schlecker.com. Allerdings nur online, nicht bei Filialen der bekannten Anbieter ist die freiKarte einsetzbar. Zum Vergleich: Die Kundenkarte Payback hat ungefähr 8 000 Geschäfte und 40 Onlineshops als Akzeptanzstellen.

Hoffen auf Umsatzbeteiligung

Kauft der Kunde mit der freiKarte etwa bei dem Onlineshop rossmann.de ein, erhält die Cent AG eine Provision für den Einkauf. Die Cent AG ihrerseits verspricht dem Kunden, nach dem Kauf, einen „ansehnlichen“ Anteil des Kaufpreises zurückzuzahlen. „Umsatzbeteiligung“ nennt sie diese Kaufpreis-Rückzahlung. Meist liegt die Umsatzbeteiligung zwischen 10 und 50 Prozent. In Einzelfällen soll der Käufer sogar 100 Prozent seines Kaufpreises zurückerhalten. Für den Einkauf bei rossmann.de ist derzeit eine Umsatzbeteiligung in Höhe von 25 Prozent vorgesehen.

Die Entzauberung der freiKarte

Ein Haken der freiKarte: Die „Umsatzbeteiligung“ wird nicht auf einmal ausgezahlt, sondern über 10 Jahre verteilt. Beispiel: Wer mit der freiKarte für 100 Euro bei rossmann.de einkauft, soll zehn Jahre nach seinem Einkauf insgesamt 25 Euro zurückerhalten haben. Vier bis acht Wochen nach dem Einkauf schreibt die Cent AG zunächst einmal nur 1 Prozent der Umsatzbeteiligung gut, also 25 Cent. Anschließend steigt die Umsatzbeteiligung von Jahr zu Jahr. Aber erst sieben Jahre nach dem Einkauf wird es allmählich interessant. Dann steht eine Auszahlung von 15 Prozent der Umsatzbeteiligung ins Haus (3,75 Euro). Nach dem neunten und zehnten Jahr soll der Kunde den größten Batzen der Umsatzbeteiligung erhalten: 27,5 Prozent, also jeweils 6,88 Euro. Es ist Sache des Kunden, ob er sich etwa ein kleines Guthaben zwischenzeitlich auszahlen lässt oder bis zum Ende der zehn Jahre wartet.

Kosten für die freiKarte

Bevor die Käufer die Karte einsetzen können, muss der Verbraucher sie sich erst einmal besorgen. Wer die Karte nicht von einem Händler geschenkt bekommen hat oder dort kaufen konnte, muss sie über www.frei-karte.de für fünf Euro zuzüglich 1,50 Euro Versandkosten kaufen. Kunden, die tatsächlich ein Guthaben auf ihr Girokonto auszahlen lassen wollen, bekommen für diesen „Abruf“ 50 Cent vom Guthaben abgezogen.

Zweifel an Leistungsfähigkeit

Höchst zweifelhaft ist, ob die Cent AG die hohen Auszahlungen in Zukunft auch wirklich leisten kann. Nutzt der Kunde die freiKarte zum Einkaufen, erhält die Cent AG in der Regel nur eine Provision zwischen 3 und 7 Prozent vom Kaufpreis. Wie will die Cent AG nach einem 100-Euro-Einkauf in zehn Jahren 25 Euro an den Kunden zurückzahlen, wenn sie selbst nur 7 Euro verdient hat? Eine überzeugende Erklärung bleibt die Cent AG schuldig. Sie wolle ihre Prognosen über das Wachstum des Systems einhalten, heißt es. Mehr Einkäufe mit der freiKarte, mehr teilnehmende Händler, höhere Provisionen. Dann würden die Auszahlungsprognosen „kontinuierlich zuverlässiger“, so der derzeitige Vorstandsvorsitzende der Cent AG, Juan Ramos de la Rosa, gegenüber Finanztest. Aber ob diese Hoffnungen auch eine realistische Basis haben? Hier antwortet die Cent AG oberflächlich: „Der Umsatzbeteiligung liegen umfangreiche seriöse Untersuchungen anerkannter Experten zugrunde...Die Prognosen von heute und die späteren sind erfüllbar.“ Der Verdacht bleibt: Das System freiKarte kollabiert, wenn die Cent AG nicht mehr genug neue freiKarten-Besitzer hinzugewinnen kann, um die hohen Auszahlungen an die alten Kunden zu finanzieren.

Auszahlungen nicht garantiert

Für den Fall, dass die Prognosen tatsächlich nicht haltbar sind, hat sich das Unternehmen aus Bayern abgesichert: Dann werden die Prognosen einfach angepasst, notfalls eben nach unten. Im Kleingedruckten sagt das Unternehmen deutlich, dass Ausschüttungen von Umsatzbeteiligungen abhängig vom Umsatz und nicht garantiert sind. So kann die Cent AG Verbrauchern und Händlern heute schöne Augen und muss morgen keine Versprechen einlösen.

Derzeit Zahlungen nach Plan

Nach Finanztest-Informationen hält sich die Cent AG derzeit an ihre Prognosen. Die wirklich hohen Auszahlungen kommen aber erst ab dem Jahr 2011 auf die Cent AG zu. Deshalb gibt es derzeit auch kaum unzufriedene Kunden. Viele Verbraucher geben sich mit den paar Prozent Geldrückzahlungen über die freiKarte zufrieden. Sie nehmen den Verlust der fünf Euro für die freiKarte in Kauf.

Auch Händler müssen zahlen

Der Händler hat mehr zu verlieren. Die Anbindung an das System kostet laut Cent AG einmalig 99 Euro. Einige Händler investieren allerdings noch viel mehr Geld zum Beispiel in ein Kartenlesegerät oder den Ankauf von freiKarten, die sie an ihre Kunden verschenken wollen. Sollte die Cent AG eines Tages die Auszahlungen drastisch senken oder gar ganz von der Bildfläche verschwinden, bleibt der Händler auf einem uninteressant gewordenen Kundenbindungssystem sitzen und zieht sich den Ärger der Kunden zu, die für ihre freiKarte nichts mehr bekommen.

Cent AG ist Tochter der Akzenta AG

Die Verantwortlichen der Cent AG sind keine Unbekannten beim Geschäft mit der „Umsatzbeteiligung“. Die Cent AG ist ein Tochterunternehmen der Akzenta AG, die in der Vergangenheit ebenfalls dubiose Geschäfte mit „Umsatzbeteiligungen“ angeboten hat. Die Akzenta AG steht auf der Finanzliste-Warnliste. Die ehemaligen Akzenta-Vorstände Ulrich, Alexander und Christian Chmiel sowie Oliver Braun müssen sich derzeit wegen des Vorwurfs des gewerbsmäßigen Bandenbetrugs vor dem Landgericht München verantworten. Ulrich Chmiel, Alexander Chmiel und Oliver Braun saßen zuvor über ein Jahr in Untersuchungshaft. Alexander und Christian Chmiel sowie Oliver Braun waren in der Vergangenheit auch Vorstandsmitglieder der Cent AG. Oliver Braun ist heute noch Inhaber der Internetseite www.frei-karte.de.

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