ellen Probiotic Tampon Kaum plausibel

26.06.2008

Ein neuer Tampon wird als Schutz vor Scheidenentzündungen beworben. Wissenschaftliche Belege sind mager.

Das Produkt: Der probiotische ellen-Tampon kommt aus Skandinavien zu uns und wird – hier wie dort – nicht nur in der Fach-, sondern auch in der Publikumspresse beworben. Er enthält körpereigene, in der gesunden Vaginalflora vorkommende Milchsäurebakterien. Die Keime sollen regenerierend auf die Vaginalflora wirken, Juckreiz vermindern, die Heilungsrate von bakteriellen Scheidenentzündungen im Anschluss an Antibiotika­behandlungen steigern. Die Tampons sollen nur während der Menstruation angewendet werden – in bis zu vier aufeinanderfolgenden Perioden.

Die Studie: Laut einer vom Hersteller beauftragten Studie führte der ellen Probiotic Tampon nicht zur erhofften höheren Heilungsrate. Deshalb wurde er in Skandinavien nicht als Arzneimittel, sondern als medizintechnisches Produkt registriert, berichtet Professor Urban Forsum von der schwedi­schen Universi­tät Linköping. Hierzulande sind die Tampons als Nicht-Arzneimittel im Handel.

Das Fazit: Die natürliche Scheidenflora ist durch Milchsäurebakterien aufgebaut, aber weder bei bakteriellen noch Pilzinfektionen ist diese Besiedelung zwangsläufig vermindert – auch nicht unbedingt nach Antibiotikaeinnahme. Ein vermeintlicher medizinischer Zusatznutzen von „ellen“ soll offenbar den Hygieneartikel aufwerten. Wie aber sollte ein mit Milchsäurebakterien versetzter Tampon während der Menstruation nützlich sein? Bei Störungen der Vaginalflora oder bei Scheideninfektionen werden zudem Tampons generell nicht empfohlen (Austrocknung der Scheide möglich). Ein Zusatznutzen ist für ellen Probiotic Tampon nicht nachgewiesen. Zur Unterstützung oder Wiederherstellung der Scheidenflora gibt es geeignetere Alternativen (siehe www.medikamente-im-test.de, Stichwort Scheidenentzündungen).

26.06.2008
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