ebay-Entführung Meldung

Jubel bei Frühbietern: Der ebay-Ausfall brachte Ihnen Schnäppchen.

Wegen der Unterbrechung des Auktionsbetriebs durch die unberechtigte Übernahme von www.ebay.de durch bislang unbekannte Domain-Piraten in der Nacht zu Sonnabend haben Verkäufer, deren Versteigerungen im fraglichen Zeitraum endeten, gute Chancen auf Schadenersatz. Grund: An der feindlichen Übernahme der Internet-Adresse war ebay selbst offenbar nicht ganz unschuldig. Zuständig für die Zuteilung von Internet-Adressen mit .de-Endung ist die Denic-Genossenschaft. Als der unberechtigte Antrag auf Übernahme der Adresse www.ebay.de kam, verschickte die Denic routinemäßig E-Mails. Doch das Online-Auktionshaus reagierte nicht. Nach den Geschäftsbedingungen haftet ebay bei Verschulden für typischerweise vorhersehbare Schäden. ebay selbst hat sich noch nicht geäußert. Die Rechtslage werde geprüft, hieß es lediglich.

Gebote kurz vor Auktionsschluss

Erfahrene ebay-Kunden wissen: Abwarten lohnt sich. Wer zu früh bietet, treibt nur den Preis in die Höhe. Viele Gebote kommen erst in den letzten Minuten vor Auktionsende. Der ebay.de-Ausfall am vergangenen Wochenende trifft deshalb die Anbieter von Auktionen hart, die während der „Entführung“ der Internet-Adresse endeten. Viele von Ihnen dürften einen deutlich geringeren Preis erzielt haben, als bei ordentlichem Betrieb drin gewesen wäre. Die betroffenen Auktionen nachträglich zu verlängern oder zu wiederholen, ist den Frühbietern gegenüber nicht fair. Ihre Gebote waren gültig. Weil keine höheren Gebote bei ebay eingingen, kamen wirksame Verträge zustande.

Haftung bei Verschulden

In den Geschäftsbedingungen von ebay heißt es wörtlich: „Gegenüber Verbrauchern haftet ebay nur für Vorsatz und grobe Fahrlässigkeit. Im Falle der Verletzung wesentlicher Vertragspflichten, des Schuldnerverzugs oder der von ebay zu vertretenden Unmöglichkeit der Leistungserbringung haftet ebay jedoch für jedes schuldhafte Verhalten seiner Mitarbeiter und Erfüllungsgehilfen.“ Wenn sich bestätigt, dass ebay die Ankündigung der Übertragung der Internet-Adresse übersehen hat, liegt zumindest einfache Fahrlässigkeit vor. Das gilt auch, wenn nicht ebay selbst, sondern das Unternehmen, das die Internetadressen für ebay verwaltet, von der Denic informiert wurde. Im Verhältnis zu Kunden hat ebay für Fehler dieses Unternehmens einzustehen. Weil das Versäumnis zur Unmöglichkeit des gewohnten Auktionsbetriebs führte, wäre ebay zum Schadenersatz verpflichtet, wenn tatsächlich die Denic-Emails übersehen wurden.

Berechnung von Schadenersatz

Wie hoch der Schadenersatz im Einzelfall ausfällt, ist nur in einer Konstellation klar: Auktionen, die völlig ohne Gebot zu Ende gingen, sind entweder kostenlos zu verlängern oder zu wiederholen. Schwieriger wirds bei Auktionen, bei denen Artikel für wenig Geld den Besitzer wechselten. Entscheidend ist die Prognose: Wie viel Geld hätte die Ware bei ordnungsgemäßem Auktionsbetrieb gebracht? Betroffenen Verkäufern bleibt nichts anderes übrig, als andere Auktionen vergleichbarer Ware zu beobachten. Grundlage für Schadenersatzforderungen kann der Durchschnittspreis sein, der bei solchen Auktionen erzielt wird.

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