bahn-erstattung.de Schnelltest

Beantragen Bahn­kunden eine Entschädigung wegen einer großen Zugverspätung, müssen sie dies am Bahnhof oder per Post tun. Ein Antrag per Fax oder E-Mail bei der Bahn ist nicht möglich. Über den privaten Dienst bahn-erstattung.de können Fahr­gäste nun doch online reklamieren. Dieser Service kostet aber Geld. test.de hat das Angebot unter die Lupe genommen.

Entschädigungs­antrag ohne Papierkram

bahn-erstattung.de Schnelltest

Foto: www.Bahn-Erstattung.de

Foto: www.Bahn-Erstattung.de

Bei einer Verspätung von 60 Minuten steht Bahn­kunden 25 Prozent des Fahr­preises als Entschädigung zu, ab zwei Stunden Verspätung sogar 50 Prozent des Ticket­preises. Wer wegen Zugverspätung von der Bahn eine Entschädigung möchte, kann künftig das Angebot von bahn-erstattung.de nutzen. Der private Internet­dienst aus München bietet an, sich um den entsprechenden Papierkram zu kümmern. Üblicher­weise müssen Fahr­gäste den Anspruch auf Entschädigung entweder im Reisezentrum des Bahnhofs, einer offiziellen Verkaufs­stelle von Bahnti­ckets oder per Post beim Service­center Fahr­gast­rechte in Frank­furt am Main geltend machen. Eine schnelle Erledigung der Sache per Fax oder E-Mail ist weder bei der Deutschen Bahn noch bei anderen Eisenbahnunternehmen, die sich dem Service­center Fahr­gast­rechte ange­schlossen haben, möglich. Über den privaten Dienst­leister bahn-erstattung.de können Kunden ihren Anspruch nun rein elektronisch geltend machen. Dafür müssen sie das Entschädigungs­formular der Bahn auf der Internetseite des Dienstes ausfüllen und ein Foto ihres Fahr­scheins hoch­laden. Bahn-erstattung.de druckt dann die Dokumente aus und schickt sie im Namen der Kunden an das Service­center Fahr­gast­rechte. Dafür verlangt der Dienst­leister 3,99 Euro.

Vorteil: Kein Anstehen, kein Post­verkehr

Vorteil der Nutzung des Dienstes: Der Kunde muss sich nicht am Bahn­schalter anstellen, um seinen Entschädigungs­antrag abzu­geben. Er muss seinen Antrag auch nicht ausdrucken und per Post verschi­cken.

Nachteil: Der Dienst hat seinen Preis

Der Nachteil: Die Dienst­leistung kostet 3,99 Euro. Die Kosten werden sofort fällig – über den Bezahl­dienst­leister Paypal. Bahn-erstattung.de ist nur Über­mittler des Antrags auf Entschädigung. Hat ein Kunde den Dienst für 3,99 Euro genutzt und stellt sich der Antrag auf Entschädigung später doch als unbe­gründet heraus, sind die 3,99 Euro weg. Außerdem trägt der Kunde das Risiko, dass die elektronische Kopie des Fahr­scheins nicht gut lesbar ist und deshalb vom Service­center Fahr­gast­rechte nicht bearbeitet wird. In einigen Fällen müssen Bahn­kunden für Ihren Anspruch die Originalfahr­karte vorlegen und können deswegen den Dienst von bahn-erstattung.de nicht nutzen. Wer zum Beispiel wegen einer 60-minütigen Verspätung die Reise gar nicht erst angetreten hat und seinen Reise­preis zurück­verlangt, muss das Original vorlegen. Gibt der Kunden seinen Antrag dagegen persönlich beim Service­center am Bahnhof ab, entstehen keine Kosten. Und verschickt er seinen Antrag per Post, werden nur Briefporto sowie die Kosten für den Ausdruck des Entschädigungs­antrags und eventuell Kosten für eine Fahr­scheinkopie fällig.

Fazit: Billiger im Reisezentrum der Bahn

Der Dienst­leister bahn-erstattung.de trifft einen wunden Punkt: Denn es ist wenig zeitgemäß, dass die Bahn es nicht ermöglicht, Entschädigungs­fälle per Mail oder Fax abzu­wickeln. Dass es auch anders geht, zeigt etwa die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personennahverkehr, bei der auch die Deutsche Bahn Mitglied ist. Dort kann ein Antrag auf Schlichtung sehr wohl elektronisch gestellt werden. Auf Anfrage von test.de verteidigt eine Sprecherin der Deutschen Bahn die aktuelle Praxis. Es bestehe nur wenig Nach­frage nach einem rein elektronischen Antrag. Der tech­nische Aufwand, einen solchen Online-Antrag zu ermöglichen, stehe in keinem Verhältnis zum Nutzen. Eine Änderung der aktuellen Regeln sei daher nicht geplant. Ob der Aufwand des aktuellen Antrags­verfahrens die Bahn­kunden allerdings so nervt, dass sie bereit sind, 3,99 Euro für den Dienst von bahn-erstattung.de auszugeben, ist fraglich. Am billigsten ist es immer noch, den Antrag im Service­zentrum der Bahn auszufüllen und samt Bahnfahr­karte dort abzu­geben. Dann geht es auch am schnellsten: Die Reisenzentren der Bahn dürfen die Entschädigung nämlich sofort auszahlen.

Dieser Artikel ist hilfreich. 21 Nutzer finden das hilfreich.