„Unis profitieren von Scheinstudenten“

Zwischen Uni und Job Special

Christian Birnbaum, Siegburg, ist Anwalt für Hoch­schulrecht.

Scheinstudenten schreiben sich nur für ein Studium ein, um etwa das güns­tige Studententi­cket für die Bahn zu nutzen. Die Uni betreten sie nie. Professor Christian Birnbaum aus Siegburg erklärt, ob das legal ist.

Es gibt keinen Studier­zwang

Herr Birnbaum, ist es illegal, wenn ich mich in einem Studien­gang einschreibe, obwohl ich gar nicht richtig studieren will?

Illegal kann nur sein, was recht­lich verboten ist. Schauen wir in die Hoch­schulgesetze, so stellen wir aber fest, dass es keinen Studier­zwang gibt. Und dabei ist es egal, ob jemand aus Inkompetenz keine Leistungen erbringt oder nur studiert, um Vorteile wie das vergüns­tigte Ticket für Bus und Bahn zu erhalten. Er kann schließ­lich auch während der Vorlesung Serien gucken.

Ich kann also 20 Jahre einge­schrieben sein, ohne irgend­welche Konsequenzen befürchten zu müssen?

In den meisten Bundes­ländern – etwa in NRW – gibt es da im Regelfall keine Probleme. Einige Bundes­länder haben in ihren Hoch­schulgesetzen aber die Regelung, dass Studenten ab einer bestimmten Semester­anzahl Leistungen erbracht haben müssen. Ansonsten werden sie raus­geschmissen.

Entsteht durch Scheinstudierende nicht ein Schaden? Etwa für die Verkehrs­betriebe?

Ein Schaden ist es ja erst dann, wenn den Verkehrs­betrieben etwas entgeht, was ihnen recht­lich zusteht oder was sie sonst bekommen würden. Jetzt weiß ich aber nicht, ob jemand, der das vergüns­tigte Studententi­cket nutzt, auch mit der Bahn fahren würde, wenn er das Ticket nicht hätte. Vielleicht fährt er dann mit dem Fahr­rad und die Verkehrs­betriebe würden gar nichts bekommen. Die Hoch­schulen profitieren im Übrigen sogar am Anfang von Scheinstudierenden.

Hoch­schulen erhalten Pro-Kopf-Zuschüsse

Inwiefern?

Die Hoch­schulen erhalten von den Landes­regierungen Mittel, deren Höhe sich an der Zahl der einge­schriebenen Studierenden in der Regel­studien­zeit orientiert. Für die Hoch­schule ist es also sogar ein gutes Geschäft, jemanden als Studierenden zu haben, der keine Betreuung in Anspruch nimmt und gleich­zeitig Geld bringt.

Ist es auch legal, wenn ich das Scheinstudium nutze, um Leistungen wie Kinder­geld oder Bafög zu erhalten?

Solange diese Leistungen nur an den formellen Studierenden­status geknüpft sind, ist das absolut rechtens. Wenn ich aber Falsch­angaben mache – etwa eine Beschäftigung verschweige –, liegt natürlich ein Betrug vor.

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