Zwangsversteigerung Meldung

361 000 Euro zahlte ein Ehepaar für dieses Haus in Düsseldorf-Stockum. Damit blieb es unter dem vom Gutachter geschätzten Verkehrswert.

Zwangsversteigerungen bieten Gelegenheiten, ein Haus oder eine Wohnung günstig zu kaufen. Gut vorbereitet, ist die Chance auf ein Schnäppchen nicht schlecht.

Rund 40 Bieter sitzen am 30. April 2007 um 9 Uhr 30 im Amtsgericht Düsseldorf-Altstadt. Sie sind gekommen, um ein Einfamilienhauses mit 140 Quadratmeter Wohnfläche und 660 Quadratmeter Grundstück in der Nähe des Düsseldorfer Flughafens zum Schnäppchenpreis zu ersteigern.

Der Gutachter hat den Verkehrswert des 40 Jahre alten Hauses auf 375 000 Euro ­geschätzt. Er orientiert sich dabei an örtlichen Bodenwerttabellen, den Quadratmeterpreisen und den Verkaufspreisen für vergleichbare Objekte in der Gegend. Das vom Gericht vorgegebene Mindestgebot beträgt 50 Prozent des Verkehrswerts, also 187 500 Euro.

Häuser wie das in Düsseldorf kommen meist auf Antrag des Kreditinstituts in die Zwangsversteigerung, bei dem der bisherige Eigentümer die Immobilie finanziert hat. Die Bank will sich so ihr Geld sichern, wenn ihr Schuldner seine Kreditraten nicht mehr zahlen kann.

Eine andere Variante ist die Teilungsversteigerung, wenn etwa Erben oder geschiedene Eheleuten sich streiten. Der Erlös wird dann unter den Streithähnen verteilt.

Eine knappe Viertelstunde lang gibt die Rechtspflegerin beim „Aufruf der Sache“ die Namen der Gläubiger, die Versteigerungsbedingungen und das Mindestgebot bekannt. Dann geht es los.

Acht Bieter rufen Preise in den Raum. In einer halben Stunde schaukeln sie das ­Anfangsgebot von 230 000 Euro bis auf 361 000 Euro hoch. Mehr bietet keiner. Nach 30 Minuten – so lange muss eine Zwangsversteigerung mindestens dauern – beendet die Rechtspflegerin die Auktion.

Das Ehepaar, das 361 000 Euro geboten hat, erhält den Zuschlag. Es hat nun sechs Wochen Zeit, die Finanzierung der Immobilie auf die Beine zu stellen und den Kaufpreis plus die 4 Prozent Zinsen, die bis zum Tag der Verteilung in wenigen Wochen fällig sind, an das Gericht zu zahlen. Erst wenn alle Zahlungen pünktlich geleistet sind, werden die beiden als neue Eigentümer ins Grundbuch eingetragen.

Die Katze im Sack gekauft

Zwangsversteigerung Meldung

In Hamburg-Blankenese wird am 24. August die vermietete Dachwohnung dieses Hauses plus Gartenanteil versteigert. Verkehrswert 145 000 Euro.

Ob das Düsseldorfer Haus für 96 Prozent des Verkehrswerts ein Schnäppchen ist, wird sich erst später zeigen. Der Schuldner hatte weder Gutachter noch Interessenten zu einer Vorbesichtigung hereingelassen. Das Ehepaar kaufte so die Katze im Sack.

Erst nach einer Innenbesichtigung werden die beiden wissen, wie hoch die Renovierungskosten sein werden. Fraglich ist auch, ob der Schuldner das Haus freiwillig verlassen wird oder ob eine teure Zwangsräumung nötig wird (siehe auch „Auf eigenes Risiko“).

Dennoch können Bieter Immobilien günstig kaufen, wenn sie einige Regeln beachten. Die wichtigste: Jeder sollte sich ein Gebotslimit setzen und sich strikt daran halten. Allzuleicht versetzt die Versteigerung die Bieter in eine Art Rausch, in dem es nur noch darum geht, Mitkonkurrenten auszustechen. Koste es, was es wolle.

Auch die Regeln rund um die Versteigerung und den weiteren Ablauf im Falle des Zuschlags müssen bekannt sein. Am besten ist es, einige Versteigerungstermine vorher übungshalber zu besuchen und sich eine Bietstrategie zurechtzulegen.

Gute Vorbereitung ist alles

Zwangsversteigerung Meldung

Das Haus mit Garten und Garage in Torgau kommt am 10. Oktober im Amtsgericht Leipzig unter den Hammer. Verkehrswert 330 000 Euro.

Das A und O für ein lukratives Immobiliengeschäft ist eine gute Vorbereitung. Angebote finden Interessenten an der Gerichtstafel des Amtsgerichts, im Immobilienteil der Zeitung oder im Internet. ­Haben sie ein passendes Objekt gefunden, fragen sie zunächst bei örtlichen Maklern oder der Immobilienabteilung ihrer Bank nach, ob der vom Gerichtsgutachter festgelegte Verkehrswert marktgerecht ist.

Nachdem sie das begehrte Objekt von außen und möglichst auch eingehend von innen besichtigt haben, gilt es, das Gutachten genau zu lesen und das Grundbuch auszuwerten. In der Abteilung III des Grundbuchs stehen sämtliche Gläubiger.

Weitere Angaben im Grundbuch sollten sie sich vom Rechtspfleger erläutern lassen. Am besten ist es, wenn dieser erklärt, dass etwaige Wegerechte, Wohnrechte oder Ähnliches durch die Zwangsversteigerung erlöschen.

Sinnvoll sind auch vorherige Gespräche mit den Gläubigerbanken, ohne dabei die selbstgesetzte Schmerzgrenze beim Bieten zu verraten.

Vor der Versteigerung muss die Finanzierung stehen. Eine vorläufige Darlehenszusage der Hausbank oder einer anderen Bank genügt.

Mitsteigern kann jeder Erwachsene, der sich durch Personalausweis oder Reisepass ausweist und für die angebotene Immobilie eine sofortige Sicherheitsleistung in Höhe von 10 Prozent des Verkehrswerts vorlegen kann.

Das Ersteigern zahlt sich nur aus, wenn der Zuschlagspreis unter den ortsüblichen Kaufpreisen liegt. Dieser Preisvorteil erhöht sich allerdings noch, da die Nebenkosten für Zuschlags- und Eintragungsgebühr geringer als die üblichen Notar- und Grundbuchgebühren sind, die sonst beim Kauf einer Immobilie fällig sind.

In der Regel fallen beim Ersteigern auch keine Kreditnebenkosten wie Gebühren für das Wertschätzungsgutachten oder Zinsen für die Bereitstellung eines Immobiliendarlehens an.

Auch Makler mischen mit

Objekte, die zwangsversteigert werden, kann man auch über Makler finden. Sie bieten die Häuser im Internet zu dem vom Gutachter festgelegten Verkehrswert an.

Ein Makler hatte das Ehepaar zur Versteigerung in Düsseldorf gebracht. Für das Paar war das günstig. Denn bei einer Zwangsversteigerung zahlt allein die Gläubigerbank die Maklerprovision für den ­erfolgreichen Verkauf.

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