Zwangs­versteigerung

Zwangs­versteigerung: Klare Spiel­regeln

Der Ablauf einer Immobilien­versteigerung ist gesetzlich ­geregelt. Die wichtigsten Bestimmungen sollte jeder kennen.

Inhalt

Verkehrs­wert: Zu jedem Versteigerungs­objekt gibt es ein Wert­gut­achten eines unabhängigen Sach­verständigen. Der darin ermittelte Verkehrs­wert nennt den Preis, der voraus­sicht­lich im freien Verkauf erzielt werden könnte. Wenn der Gutachter keine Möglich­keit hatte, die Immobilie von innen zu besichtigen, wird der angesetzte Wert um einen Sicher­heits­abschlag gemindert.

Mindest­gebot: Der Rechts­pfleger verkündet am Anfang der Versteigerung das „geringste Gebot“. Das besteht meist nur aus den Kosten für die Zwangs­versteigerung. So billig wechselt aber kaum eine Immobilie den Eigentümer. Der Rechts­pfleger muss den Zuschlag zum Schleuder­preis versagen.

Ausweis­pflicht: Wer ein Gebot abgeben will, muss sich durch einen gültigen Personal­ausweis oder Reisepass ausweisen. Will jemand für einen anderen mitbieten, benötigt er eine vom Notar beglaubigte Bietvoll­macht.

Sicher­heits­leistung: Die Gläubiger­bank verlangt in der Regel bei Abgabe eines Gebots eine Sicher­heits­leistung. Sie beträgt 10 Prozent des Verkehrs­werts. Sie kann entweder bar oder aber in Form eines von der Haus­bank oder der Landes­zentral­bank ausgestellten Schecks erbracht werden. Ein selbst ausgestellter Verrechnungs­scheck reicht nicht aus!

Biet­zeit: Die Mindest­biet­zeit beträgt 30 Minuten. Gibt danach keiner mehr ein Gebot ab, ist die Versteigerung vorbei. Wird weiter geboten, läuft die Biet­zeit so lange, bis kein Gebot mehr abge­geben wird.

Zuschlags­grenzen: Der Rechts­pfleger muss den Zuschlag versagen, wenn das höchste Gebot nicht einmal die Hälfte des Verkehrs­werts erreicht. Diese so genannte 5/10-Grenze soll vermeiden, dass die Immobilie zum Schleuder­preis verkauft wird. Daneben gibt es die 7/10-Grenze: Der Gläubiger kann beantragen, den Zuschlag zu versagen, wenn das höchste Gebot nicht mindestens 70 Prozent des Verkehrs­werts erreicht. Versagt der Rechts­pfleger den Zuschlag, weil eine der Grenzen nicht erreicht wird, gelten beide Grenzen im nächsten Termin nicht mehr.

Zuschlag: Nach Ende der Versteigerung verkündet der Rechts­pfleger den Meistbietenden. Ob er den Zuschlag bekommt, hängt davon ab, ob die betreibende Gläubiger­bank zustimmt. Das kann der Bank­vertreter sofort tun, der Zuschlag kann in einigen Fällen aber auch ausgesetzt oder verweigert werden. Mit dem Zuschlag wird der Ersteigerer unmittel­bar Neueigentümer und erhält sofort das Recht, die Immobilie zu nutzen. Die Kauf­summe muss er bis zum Verteilungs­termin zahlen.

Kosten: Für den Zuschlag wird eine Gebühr fällig. Sie richtet sich nach der Höhe des höchsten Gebots und ist etwas nied­riger als die bei einem normalen Kauf fällige Notar­gebühr von etwa 1 Prozent des Kauf­preises. Bis zum Verteilungs­termin muss der Ersteigerer außerdem auf sein Gebot 4 Prozent Zinsen zahlen. Die Eintragung ins Grund­buch und die Grund­erwerb­steuer muss er wie bei jedem anderen Immobilienkauf bezahlen. Auch Notar- und Grund­buch­kosten für einzutragende Grund­pfandrechte werden wie üblich fällig.

Verteilungs­termin: In der Regel sechs bis acht Wochen nach dem Zuschlag findet der Verteilungs­termin statt. Der Neueigentümer muss bis dahin die Kauf­summe bezahlt haben. Zudem muss für die Grund­erwerb­steuer noch eine Unbe­denk­lich­keits­bescheinigung des Finanz­amts vorliegen. Erst dann wird der Eigentümer­wechsel im Grund­buch einge­tragen.

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13 Kommentare Diskutieren Sie mit

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Nutzer­kommentare können sich auf einen früheren Stand oder einen älteren Test beziehen.

fnagel am 07.09.2021 um 15:42 Uhr
Daten Info Service Eibl

Es ist mir unbegreiflich wie TEST für eine Firma wir die Daten Info Service Eibl Werbung machen kann. Schon eine kurze Google Recherche zeigt, dass es sich bei der Firma um keinen seriösen Anbieter handelt!

2testblatt am 01.03.2021 um 10:47 Uhr
Nichts als Ärger mit Unika - Abzocke

Der teuer verkaufte Kalender enthält viel weniger Informationen als suggeriert. Angekündigt werden Exposes zu den einzelnen Immobilien. In Wahrheit kann man die wenigen Angaben im Kalender mit ein paar Klicks umsonst auf den websites der jeweiligen Amtsgerichte finden. Hier handelt es sich um Abzocker.

MasTo205 am 15.01.2020 um 12:39 Uhr
Finger weg vom Abo bei Unika

Für stolze 20€ erhält man lediglich ein kleines Heftchen mit einer Auflistung der Objekte und bei welchem Amtsgericht dies stattfindet. Die Informationen zu den einzelnen Objekten beschränken sich auf Baujahr und Quadratmeter. Mein Tipp: Spenden Sie das Geld und holen sich die Informationen bei den bekannten Immobilienportalen oder den Amtsgerichten. Sie erhalten keinerlei Mehrwert aus diesem teuren Abo.
Auf einen kulanten Erlass der Rechnung für einen Monat können Sie auch nicht hoffen.

Ren41 am 27.11.2019 um 01:10 Uhr
Nichts als Ärger

Von der oben genannten Firma wurde mir suggeriert, dass ich, mit Abschluss eines Abos, viele Immobilien angezeigt bekomme, welche zur Zwangsversteigerung stehen und im Internet nicht frei einsehbar sind.
Und, dass die Immobilien in diesem Portal früher geschalten werden als auf offiziellen Seiten, z.B. des zuständigen Amtsgerichts.
Dies ist leider nicht wahr!
Ich habe das Abo noch am Tag des Abschlusses gekündigt und bin der Überzeugung, dass ich mit falschen Tatsachen geködert wurde!
Die Gegenseite begauptet aber, dass ich trotzdem bezahlen müsste.
Das sehe ich anders.
Nicht für diesen Betrug!
Nun liegen wir im Streit.
Ich möchte hiermit die Öffentlichkeit warnen.
Alle Informationen über Zwangsversteigerungen sind beim zuständigen Amtsgericht und im Internet frei verfügbar!

immoeuro24 am 21.06.2019 um 23:48 Uhr

Kommentar vom Administrator gelöscht. Grund: Werbung