Wohin bloß mit den ganzen Zuzahlungsquittungen von Arzt und Apotheker? Im Schuhkarton auf dem Schreibtisch gehen die wertvollen Bescheinigungen zwar nicht verloren, doch wirklich praktisch und schick ist diese Lösung nicht. Für Patienten in Thüringen haben sich die Verbraucherzentrale Thüringen und der Verband der Angestellten-Krankenkassen (VdAK) jetzt etwas einfallen lassen, um Patienten und Krankenkassen einen Überblick über bereits geleistete Zuzahlungen zu verschaffen: ein Heftchen im Handtaschenformat. In dem quittieren Ärzte und Apotheker die erhaltenen Summen per Stempel und Unterschrift.

Ersatz für bisherige Quittungen

Zu hoffen bleibt, dass Arzthelferinnen und die Apotheker den Stempel und die Unterschrift nicht als zusätzlichen Aufwand sehen und die gute Idee boykottieren. „Eigentlich soll das Heft die bisherigen Quittungen ersetzen“, sagt Dr. Ralph Walter von der Verbraucherzentrale Thüringen. Derzeit quittieren viele Ärzte Zuzahlungen allerdings noch doppelt: mit dem herkömmlichen Formular und zusätzlich im Quittungsheft.

Interesse auch jenseits von Thüringen

10 000 Exemplare haben die Erfinder drucken lassen. Verteilt werden die kostenlosen Hefte in allen Beratungsstellen der Verbraucherzentrale Thüringen und bei den Thüringer Ersatzkassen. Auch einige Verbraucherzentralen anderer Bundesländer haben schon Interesse an der Idee gezeigt. Nicht nur als Quittungsersatz dient das Serviceheft. Obendrein werden Zuzahlungsregelungen und Ausnahmen für chronisch Kranke erklärt. Ein weiterer Clou: Durch eine gut nachvollziehbare Erklärung kann jeder leicht seine persönliche Belastungsgrenze ermitteln. So weiß der Patient genau, wie viel er pro Jahr höchstens zuzuzahlen hat.

Zahlung auf einen Rutsch

Bei mancher Krankenkasse lassen sich das Nachrechnen der Zuzahlungen und das Sammeln der Quittungen ganz umgehen: Versicherte können den maximalen Zuzahlungsbetrag - normalerweise zwei, bei Chronikern ein Prozent vom Jahresbruttolohn - gleich zu Beginn des Jahres auf einen Rutsch bezahlen und sich für den Rest des Jahres von weiteren Zahlungen befreien lassen. So haben es die Spitzenverbände der gesetzlichen Krankenversicherungen empfohlen. Erste Krankenkassen machen schon mit. Interessant ist das besonders für chronisch Kranke mit geringem Einkommen, die die Belastungsgrenze schon nach kurzer Zeit erreichen würden. Sie können damit von vorneherein verhindern, Zuzahlungen jenseits der Belastungsgrenze zu leisten und sich das Geld später zurückholen zu müssen.

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