Zusatzversicherungen für Kassenpatienten Test

Für 35 Euro im Monat wird unsere Modellkundin zur ­Privatpatientin. Im Lauf der Zeit kann der Beitrag steigen. Unser Test berücksichtigt den Anstieg in der Vergangenheit.

Privatpatienten haben es im Krankenhaus besser als Kassenpatienten. Doch mit einer Krankenhauszusatzversicherung können auch gesetzlich Versicherte sich vom Chefarzt ­behandeln lassen. Unser Test hilft ihnen, günstig in die erste Klasse zu kommen.

Gestresste Ärzte, überarbeitetes Pflegepersonal – Berichte aus dem Alltag in deutschen Krankenhäusern wecken nicht gerade Vertrauen. Nirgendwo sonst ist der Unterschied zwischen Kassenpatienten und Privatpatienten so deutlich spürbar wie im Krankenhaus. Er wird sich in Zukunft wohl noch verstärken, denn die gesetzlichen Krankenkassen müssen sparen.

Die Krankenhausbehandlung ist der größte Posten auf ihrer Ausgabenliste. Fast 48 Milliarden Euro haben sie im vergangenen Jahr dafür ausgegeben, das ist mehr als ein Drittel ihrer Gesamtausgaben.

Gerade im Fall einer schweren Erkrankung möchten Patienten aber nicht unter Sparzwängen leiden. Gegensteuern können sie, indem sie eine private Zusatzversicherung fürs Krankenhaus abschließen. Damit steigen sie in der Klassengesellschaft auf und stellen sich nahezu den Privatpatienten gleich.

Finanztest hat diese Zusatzversicherungen untersucht und festgestellt: Bei ähnlichem Leistungsumfang sind die Preisunterschiede enorm. Für ein Angebot, das dem Patienten Chefarztbehandlung und die Unterbringung im Einbettzimmer sichert, zahlen 43 Jahre alte männliche Neukunden im günstigsten Fall 38 Euro (Huk-Coburg), beim teuersten Anbieter (Continentale) hingegen 69 Euro Beitrag im Monat.

Mithilfe unserer Tabellen von Seite 66 bis 69 können Interessierte auch einschätzen, ob ein Zusatzversicherungsangebot ihrer Krankenkasse etwas taugt.

Der Standard und die Extras

Für das Geld, das gesetzlich Krankenversicherte in eine private Zusatzversicherung stecken, sichern sie sich in erster Linie drei Vorteile: Sie können sich von Chefärzten behandeln lassen, sie liegen im Ein- oder Zweibettzimmer und sie haben mehr Einfluss auf die Auswahl der Klinik.

Vom Chefarzt behandelt

Die Kostenerstattung für die Chefarztbehandlung ist der wichtigste Teil einer privaten Zusatzpolice. Damit sichert sich der Patient einen großen Vorteil gegenüber den Leistungen seiner Krankenkasse. Kassenpatienten haben nämlich nur Anspruch auf die Behandlung durch den Dienst habenden Arzt – das kann ein Assistenzarzt, ein Stationsarzt oder ein Oberarzt sein.

Nur bei besonders schweren oder seltenen Erkrankungen, wenn das Können und Wissen eines Chefarztes unbedingt erforderlich ist, zieht das Krankenhaus ihn auch bei Kassenpatienten hinzu.

Möchte ein gesetzlich Versicherter sicher­stellen, dass ihn auf jeden Fall der Chefarzt behandelt, kann er die Chefarztbehandlung als Wahlleistung privat hinzukaufen. Er schließt dann mit dem Krankenhaus ­eine so genannte Wahlleistungsvereinba­rung. Doch ohne Zusatzversicherung wird er die Rechnungen dafür kaum bezahlen können. Gerade bei aufwendigeren Untersuchungen und Behandlungen werden die Kosten in vielen Fällen die Mittel des ­Patienten übersteigen.

Mit der Wahlleistungsvereinbarung entscheidet sich der Patient nämlich dafür, dass sämtliche Untersuchungen und Behandlungen nach der privaten Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) abgerechnet werden. Alle Ärzte – vom Radiologen, der die Röntgenbilder aufnimmt, über den Anästhesisten, der die Narkose macht, bis zum operierenden Chirurgen – rechnen dann nach der privaten Gebührenordnung für Ärzte ab. Selbst die Laborleistungen werden nach der privaten Gebührenordnung in Rechnung gestellt.

So rechnet der Arzt ab

In der GOÄ ist jeder Untersuchung und Behandlung eine Punktzahl zugeordnet. Multipliziert mit dem Punktwert von 5,82873 Cent ergibt sie den einfachen Gebührensatz. Der Arzt kassiert aber nicht diesen Einfachsatz, sondern steigert ihn je nach Schwierigkeitsgrad der Behandlung auf ein Vielfaches. Üblicherweise rechnen Ärzte zum so genannten Regelhöchstsatz, dem 2,3fachen GOÄ-Satz, ab. Sie können, wenn sie es schriftlich begründen, auch bis zum 3,5fachen Satz gehen – oder sogar ­darüber hinaus.

Für Honorarvereinbarungen, die den 3,5fachen GOÄ-Satz übersteigen, schließen Arzt und Patient einen gesonderten Vertrag. Das kommt selten vor, aber gerade sehr gefragte Spezialisten wie Professoren an Universitätskliniken haben ihren Preis.

In unserem Rechenbeispiel auf Seite 65 rechnen die Ärzte den überwiegenden Teil einer Hüftgelenkoperation nach dem 2,3fachen GOÄ-Satz ab. Die medizinischen Leistungen allein für Operation und Narkose kommen in diesem Beispiel auf rund 2 100 Euro. Nähmen alle für ihre Leistungen dagegen konsequent den 3,5fachen Satz, würde dieser Posten schon über 3 000 Euro betragen.

Die Krankenkasse beteiligt sich an den Kosten für die Chefarztbehandlung nicht. Sie zahlt an das Krankenhaus lediglich so viel, wie sie für einen normalen Krankenhausaufenthalt ihres Mitglieds auch zahlen würde. Mit diesem Betrag sind die allgemeinen Krankenhausleistungen abgedeckt, nicht aber Extras wie Chefarzthonorare oder Zimmerzuschläge.

Ein- oder Zweibettzimmer

Privatpatienten liegen im Ein- oder Zweibettzimmer. Gesetzlich Versicherte müssen normalerweise mit einem Mehrbett­zimmer vorlieb nehmen, wenn nicht ein ruhigeres Zimmer für sie medizinisch erforderlich ist. Sie können auch in anderen Fällen ein besseres Zimmer bekommen, wenn sie den Aufpreis dafür zahlen.

Dafür brauchen sie nicht unbedingt eine Zusatzversicherung. Das Ein- oder Zweibettzimmer können viele notfalls auch aus eigener Tasche bezahlen.

Eine Zusatzversicherung ist aber besonders bei längeren Klinikaufenthalten ein echter Vorteil: Je nach Krankenhaus und Abteilung können die Zuschläge für ein Zweibettzimmer schließlich zwischen 30 und 100 Euro pro Tag, für ein Einbettzimmer zwischen 100 und 200 Euro pro Tag oder sogar noch darüber liegen.

Wahl des Krankenhauses

Kassenpatienten bekommen nur die Behandlung im nächstgelegenen geeigneten Krankenhaus von der Kasse finanziert, Privatpatienten können bundesweit unter allen Kliniken auswählen, auch unter reinen Privatkliniken, zu denen Kassenpatienten keinen Zugang haben.

Diesen Unterschied kann eine Zusatzversicherung nicht ganz ausgleichen, denn sie öffnet Kassenpatienten nicht die Türen der Privatkliniken. Doch sie deckt zumindest die Mehrkosten, die dem Patienten entstehen, wenn er in ein teureres oder weiter entferntes Krankenhaus gehen möchte, als es die Kasse für richtig hält.

Nicht für jeden zugänglich

Nicht jeder Kunde, der eine Krankenhaus-zusatzversicherung wünscht, bekommt auch eine. Denn die privaten Krankenversicherer suchen sich ihre Kundschaft aus. Ist jemand schon 65 Jahre alt oder älter, lehnen sie ihn oft schon aus diesem Grund ab. Außerdem werden die Beiträge auch höher, je älter der Kunde beim Vertragsschluss bereits ist.

Ist jemand bereits schwer erkrankt, bekommt er ebenfalls keinen Vertrag. Und selbst Erkrankungen, die der Kunde für vergleichsweise harmlos hält, wie beispielsweise Rückenbeschwerden oder erhöhte Blutfettwerte, können dazu führen, dass er einen Risikozuschlag zahlen muss.

Ist jedoch erst einmal ein Vertrag da, hat der Kunde den Versicherungsschutz sicher, auch wenn er noch so hohe Krankenhausrechnungen einreicht. Zwar haben die Versicherer in den ersten drei Vertragsjahren das Recht, Kunden zu kündigen. Doch die meisten Gesellschaften verzichten schon im Vertrag freiwillig auf dieses Kündigungsrecht. Lediglich drei Versicherer halten an dem Recht fest, teure Kunden in den ersten drei Jahren noch aus dem Vertrag zu werfen: Hansemerkur, Inter und Mecklenburgische.   

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