Versicherungs­pakete für Kassenpatienten: Besser ohne die Kasse

Ergän­zungs­pakete gibt es nicht nur direkt beim privaten Versicherer, sondern auch über die Krankenkasse. Die Kassen­angebote sind selten gut.

Viele gesetzlich Kranken­versicherte wünschen sich, dass ihre Kasse alternative Behand­lungs­methoden stärker bezu­schusst. Meinungs­umfragen zeigen, dass 80 Prozent der Frauen und 60 Prozent der Männer in Deutsch­land solche Angebote wollen.

Den Kassen bleibt dafür jedoch durch Gesetze und Richt­linien nur wenig Spielraum. Heilpraktikerbe­hand­lungen dürfen sie über­haupt nicht bezahlen.

Über­nommen werden nur Behand­lungen durch Ärzte mit einer Kassen­zulassung. Und selbst beim Arzt sind einige Behand­lungs­verfahren außer­halb der Schulmedizin von der Kosten­über­nahme ausgeschlossen. Auch Aku­punktur ist nur dann eine Kassen­leistung, wenn damit chro­nische Schmerzen des Kniegelenks oder der Lendenwirbelsäule behandelt werden.

Kassen sind nur Vermittler

Etliche Kassen werben daher für die Zusatz­policen von privaten Versicherern, mit denen sie zusammen­arbeiten. Auf diese Weise können sie ihren Versicherten die gewünschte Leistung anbieten, ohne mit dem Gesetz in Konflikt zu kommen.

Seit 2004 können gesetzliche Krankenkassen Versicherungs­verträge privater Anbieter vermitteln. Fast alle Kassen haben mitt­lerweile einen oder zwei private Koope­rations­partner, deren Policen sie ihren Versicherten anbieten. Vertrags­partner ist die private Versicherungs­gesell­schaft, an die der Kunde auch die Beiträge zahlt.

Meist sind die Leistungen in einem Tarif für Kassen­kunden identisch mit denen eines normalen privaten Angebots. Bei zwei Dritteln der Kassen­angebote in unserem Test ist dies so. Die Versicherten bestimmter Kassen erhalten diese dann lediglich für einen etwas nied­rigeren Beitrag. Die Rabatte beim Abschluss über die Krankenkasse sind normaler­weise nicht höher als 1 oder 2 Euro im Monat. Bei manchen Angeboten betragen sie nur einige Cent und sind durch die auf volle Euro gerundeten Beiträge in unseren Tabellen nicht sicht­bar.

Nur selten gute Angebote

Nur wenn Versicherte Glück haben, handelt es sich beim Angebot ihrer Kasse um einen leistungs­starken Tarif. Doch das ist nur selten der Fall. So erhalten beispiels­weise Kunden der Big direkt gesund und der WMF BKK den CSS-Tarif maxi etwas güns­tiger (siehe Unser Rat: Ergänzungspakete). Dieser Tarif ist das einzige Kassen­angebot, das neben guten Leistungen für Heilpraktiker auch sehr gut bewertete Zahn­ersatz­leistungen enthält.

Bei einem Drittel der Kassen­angebote handelt es sich um spezielle Tarife für Versicherte einzelner Kassen. Doch auch die Leistungen dieser Angebote sind oft nicht besser als solche, die auf dem freien Markt erhältlich sind. Angebote mit guten Heilpraktiker­leistungen gibt es unter diesen Spezial­tarifen nicht.

Gute Zahn­leistungen bieten zum Beispiel der Tarif Top Star des Deutschen Ring, der exklusiv für Versicherte der BKK Mobil Oil angeboten wird und der Tarif Praxis Top der Envivas, der nur Versicherten der Techniker Krankenkasse offen­steht. Allerdings sind die Beiträge für diese Angebote nicht gerade nied­rig: Frauen zahlen beim Eintritt mit 43 Jahren beim Deutschen Ring 37 Euro im Monat, bei Envivas 36 Euro.

Kassen­angebote nicht immer gut

Manchmal verbergen sich hinter den von der Kasse empfohlenen Angeboten sogar ausgesprochen schwache Leistungen.

So haben fast alle Betriebs­krankenkassen den Tarif AZ01 der Allianz im Angebot, der in allen drei Leistungs­bereichen nur knapp das Ausreichend schafft. Ebenfalls dürftig sieht es beim Tarif HPB der Ergo Direkt aus, der über die Deutsche BKK vermittelt wird. Er kostet zwar wenig, bietet dafür aber auch nur ausreichende Leistungen für Heilpraktiker und Brillen und leistet nichts für Zahn­ersatz.

Mit dem Slogan „Erleben Sie das Mehr einer AOK-Versicherung“ wirbt die AOK Bayern für ihre Zusatz­policen. Wer hier außergewöhnlich gute Leistungen erwartet, wird enttäuscht: Der Tarif ZG + Kombi Privat der Bayerischen Versicherungs­kammer, den die Kasse anbietet, ist bei den Zahn­ersatz­leistungen sogar nur mangelhaft.

Die Rabatte gelten in der Regel nur, solange jemand in der entsprechenden Krankenkasse versichert ist. Wechselt der Kunde zu einer anderen Kasse, muss er für die Zusatz­versicherung einen höheren Beitrag zahlen. Der Tarif BKKA+BKKN der Barmenia kann jedoch bei den meisten Betriebs­krankenkassen ohne Beitrags­aufschlag weitergeführt werden.

Gibt es ein Ergän­zungs­paket nur für Versicherte einer bestimmten Kasse, kann es auch sein, dass der Vertrag endet, sobald der Kunde seiner Krankenkasse kündigt und sich eine neue sucht. In diesem Fall kann er aber in ein anderes Ergän­zungs­paket des privaten Versicherers wechseln.

Manchmal werben Kassen auch damit, dass ihre Kunden beim privaten Koope­rations­partner nur eine „vereinfachte Gesund­heits­prüfung“ bestehen müssten, um einen Vertrag zu bekommen. Es mag sein, dass sie dann weniger Gesund­heits­fragen im Antrag beant­worten müssen. Doch das bedeutet nicht, dass Patienten mit Vorerkrankungen leichter einen Vertrag bekommen.

Wer an einer schweren Erkrankung leidet, kann genauso abge­lehnt werden wie jemand, der Versicherungs­schutz ohne Vermitt­lung seiner Kasse beim privaten Versicherer beantragt. Einigen Patienten wird es daher auch über ihre gesetzliche Krankenkasse nicht möglich sein, eine Zusatz­versicherung für die Heilpraktikerbe­hand­lung zu bekommen.

Homöo­pathie von der Kasse

Wenigs­tens für eine homöo­pathische Behand­lung über­nehmen bestimmte Kassen die Kosten. Falls Patienten statt zum Heilpraktiker zu einem Arzt mit entsprechender Zusatz­ausbildung gehen, über­nimmt die Kasse die Kosten für die Erstanamnese und für Folgeanamnesen zumindest teil­weise. Die Kosten für Arznei­mittel trägt der Patient aber in der Regel selbst. Zusätzliche Beiträge sind für diese Extra­leistung nicht zu zahlen.

Welche Kassen dies bieten, zeigt unser Produktfinder im Internet unter www.test.de/krankenkassen.

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