Leistungs­beispiele: Heilpraktiker: Heilpraktiker­kosten oft nur zum Teil erstattet

Kassenpatienten müssen die Behand­lung beim Heilpraktiker privat bezahlen. Haben sie eine Ergän­zungs­versicherung, können sie die Rechnung später beim Versicherer einreichen. Doch auf einem Teil davon bleiben die Patienten meist sitzen.

Die Kranken­versicherer erstatten Honorare in der Regel nur bis zu den Höchst­sätzen des Gebühren­verzeich­nisses für Heilpraktiker (GebüH). Das GebüH ist jedoch keine amtliche Gebühren­ordnung. Heilpraktiker können ihre Honorare mit den Patienten frei vereinbaren. Viele verlangen Stundensätze von 60 bis 70 Euro.

So entstehen deutlich höhere Kosten als nach dem GebüH, das aus dem Jahr 1985 stammt und die damaligen Preise wieder­gibt.

Wir zeigen in unserer Unter­suchung an zwei Leistungs­beispielen, welchen Teil der Kosten die Tarife abdecken (siehe Tabellen).

Da einige Tarife Honorare bis zu den Höchst­sätzen der Gebühren­ordnung für Ärzte (GOÄ) erstatten, gehen wir in unseren Beispielen davon aus, dass sich folgende Ziffern entsprechen:

Ziffer 1 GebüH = Ziffer 6 GOÄ

Ziffer 2 GebüH = Ziffer 30 GOÄ

Ziffer 4 GebüH = Ziffer 3 GOÄ

Ziffer 5 GebüH = Ziffer 1 GOÄ

Ziffer 21.1 GebüH = Ziffer 269a GOÄ.

Homöo­pathische Behand­lung einer Allergie für 260 Euro

Bei der homöo­pathischen Behand­lung wird zunächst die Krank­heits­geschichte in einem ausführ­lichen Gespräch, der Anamnese, erfasst. Dafür beträgt der Stunden­satz in unserem Beispiel 70 Euro. Damit der Patient einen Teil der Kosten erstattet bekommt, stellt der Heilpraktiker hier zwei Rechnungen: eine nach dem GebüH und eine über das restliche Honorar.

Zusammenset­zung der Kosten:

  • Erstanamnese: Heilpraktikerhonorar 140 Euro, davon 84 Euro nach GebüH abge­rechnet (GebüH-Ziffern: 1, 2 und 4 jeweils zum Maximal­satz), 56 Euro darüber hinaus berechnet.
  • Drei Folge-Anamnesen: Honorar 105 Euro (3 x 35 Euro), davon 66 Euro nach GebüH abge­rechnet (3 x GebüH-Ziffer 4 jeweils zum Maximal­satz) und 39 Euro darüber hinaus berechnet.
  • Verordnete Medikamente: 3 x 5 Euro = 15 Euro

Gesamt­kosten: 260 Euro

Tarife decken 43 bis 208 Euro

Aku­punkturbe­hand­lung eines Bronchial-Asth­mas für 900 Euro

Ein Asth­mapatient lässt sich als Ergän­zung zur ärzt­lichen Therapie mit Aku­punktur behandeln, um seine Atem­beschwerden zu lindern. Die Behand­lung beginnt mit einer Unter­suchung und geht über zwölf Sitzungen. Der Heilpraktiker stellt den im Gebühren­verzeichnis (GebüH) vorgesehenen Höchst­satz in Rechnung und berechnet zusätzlich so viel, dass er insgesamt auf ein Stundenhonorar von 70 Euro kommt.

Zusammenset­zung der Kosten:

Eingangs­unter­suchung: Heilpraktikerhonorar 35 Euro, davon 21 Euro nach GebüH (Ziffer 1 zum Maximal­satz) und 14 Euro darüber hinaus berechnet.

  • Zwölf Aku­punktur-Behand­lungs­sitzungen (12 x 70 Euro): Heilpraktikerhonorar 840 Euro, davon 312 Euro nach GebüH abge­rechnet (12 x Ziffer 21.1. zum Maximal­satz), 528 Euro darüber hinaus berechnet.
  • Beratung: Heilpraktikerhonorar 25 Euro, davon 21 Euro nach GebüH abge­rechnet (Ziffer 5 zum Maximal­satz), 4 Euro darüber hinaus berechnet.

Gesamt­kosten: 900 Euro

Tarife decken 15 bis 720 Euro

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