Für 5 bis 55 Euro im Monat gibt es Zuschüsse zur Heilpraktiker­rechnung, zu Zahn­ersatz und Brillen.

Ich lasse mich gegen meine Migräne aku­punktieren. Das hilft mir viel besser, als Tabletten zu nehmen, was ich lange gemacht habe“, berichtet Finanztest-Leserin Monika Hartmann. Die 43-jährige Bank­kauffrau trägt die Kosten für die Behand­lung bei einem Heilpraktiker für traditionelle chinesische Medizin selbst – das sind mehrere hundert Euro im Jahr.

Die gesetzliche Krankenkasse bezahlt Aku­punktur gegen Kopf­schmerzen nicht, selbst wenn Patienten sich von einem Arzt behandeln lassen. Heilpraktiker­kosten dürfen die gesetzlichen Kassen generell nicht über­nehmen. Für Patienten wie Monika Hartmann kann sich daher eine private Zusatz­versicherung lohnen.

Eine Versicherung allein für Heilpraktikerbe­hand­lungen und für Naturheil­verfahren durch Ärzte gibt es allerdings nur von der Gothaer und der SDK. In der Regel bieten die Versicherer Ergän­zungs­pakete an, die beispiels­weise auch für Zahn­ersatz oder Brillen leisten. Viele Pakete enthalten außerdem noch weitere Leistungen, zum Beispiel eine Auslands­reise-Kranken­versicherung.

143 Angebote im Test

Finanztest hat 143 Angebote verglichen, die dem Versicherten einen Zuschuss zu Heilpraktikerbe­hand­lungen bieten. Bewertet haben wir neben den Tarif­leistungen für Heilpraktiker auch die für Zahn­ersatz und Brillen. Weitere Leistungen wie eine Auslands­reisekranken­versicherung sind ohne Bewertung in unseren Tabellen aufgeführt.

Das beste Angebot für Kunden, die möglichst umfang­reiche Leistungen sowohl für Heilpraktiker als auch für Zahn­ersatz und Brillen wollen, ist der Tarif maxi des Schweizer Versicherungs­unter­nehmens CSS. Er kostet für eine 43-jährige Frau 27 Euro im Monat. Der Beitrag steigt mit zunehmendem Alter auf maximal 35 Euro.

Das ist nicht billig, aber im Vergleich zum Tarif 512 des Münchener Vereins ein gutes Angebot: Dessen Monats­beitrag beträgt für die 43-jährige Frau bereits 55 Euro, obwohl seine Heilpraktiker­leistungen nur knapp befriedigend sind. Für Zähne und Brillen erhielt er die Note ausreichend.

Kunden können die Verträge direkt bei einer privaten Versicherungs­gesell­schaft abschließen (siehe Tabelle: Private Ergänzungspakete-Art Schadenversicherung und Tabelle: Private Ergänzungspakete-Art Lebensversicherung). Oder sie wählen ein Angebot, das ihre gesetzliche Kasse ihnen vermittelt (siehe Tabelle: Kassenangebote Ergänzungspakete-Art Schadenversicherung und Tabelle: Kassenangebote Ergänzungspakete-Art Lebensversicherung). Wir haben in unserem Test aber nur bei wenigen Kassen interes­sante Angebote gefunden. Vertrags­partner des Kunden ist in jedem Fall eine private Versicherungs­gesell­schaft.

Beiträge können steigen

Ergän­zungs­pakete sind in zwei Varianten erhältlich. In der ersten Variante steigt der Beitrag auto­matisch, wenn der Kunde älter wird. Deshalb sind in den Tabellen auf Seite 66 und 70 die Beiträge für Kunden mit 43, 58 und 73 Jahren aufgeführt.

In der zweiten Variante, zu der die meisten Tarife gehören, steigt der Beitrag nicht mit zunehmendem Lebens­alter. Für beide Varianten gilt jedoch: Der Versicherer kann die Beiträge nach­träglich erhöhen, wenn ein unabhängiger Treuhänder fest­stellt, dass die tatsäch­lichen Ausgaben dauer­haft höher sind, als der Versicherer ursprüng­lich kalkuliert hatte.

Für wen sich die Versicherung lohnt

Für Kunden, die ausschließ­lich an der Heilpraktikerbe­hand­lung interes­siert sind, lohnt sich eine Versicherung nur, falls sie in Zukunft regel­mäßig zum Heilpraktiker gehen und Behand­lungen für mehrere hundert Euro im Jahr in Anspruch nehmen wollen. Wer nur ausnahms­weise oder nur für kleinere Behand­lungen zum Heilpraktiker geht, zahlt selbst bei güns­tigen Versicherungen über die Jahre mehr Beiträge ein, als er an Leistungen erhält.

Lohnender ist ein Ergän­zungs­paket, wenn jemand auch an der Kosten­erstattung für teuren Zahn­ersatz interes­siert ist oder das gesamte Leistungs­spektrum einschließ­lich Brillen und weiteren Tarif­leistungen versichern will.

Legt jemand dagegen keinen Wert auf den Heilpraktiker, sondern nur auf möglichst hohe Zahn­ersatz­leistungen, kann er diese güns­tiger in einer reinen Zahn­zusatz­versicherung abschließen. Wir haben sie in Finanztest 5/2010 untersucht und dort 16 Angebote mit sehr guten Zahn­ersatz­leistungen gefunden.

Selten gute Heilpraktiker­leistungen

Nur fünf Tarife in unserem Test bieten gute Heilpraktiker­leistungen. Neben dem Tarif maxi der CSS sind dies drei Angebote der Gothaer mit dem Tarif­baustein MediNatura sowie der Tarif ZH40 der SDK. Ein Sehr gut für die Heilpraktiker­leistungen hat keiner der getesteten Tarife erreicht. Das liegt daran, dass die Versicherer die Leistungen an verschiedenen Stellen einschränken.

Für eine Aku­punkturbe­hand­lung mit insgesamt zwölf Sitzungen zahlt der Patient in unserem Modell­fall 900 Euro und bekommt aus dem leistungs­stärksten Tarif maxi der CSS 720 Euro erstattet. Würde derselbe Patient jedoch inner­halb von zwölf Monaten ein weiteres Mal zum Heilpraktiker gehen, ginge er dann nahezu leer aus. Denn der Versicherer erstattet hier zwar 80 Prozent jeder Rechnung, aber nur maximal 800 Euro in zwölf Monaten.

Außerdem bezieht sich der Prozent­satz in vielen Ergän­zungs­paketen nicht auf den gesamten Rechnungs­betrag (siehe Leistungsbeispiele: Heilpaktiker) und gilt nicht für alle denk­baren Behand­lungs­verfahren.

Auch in gut bewerteten Tarifen ist dies so: Zum Beispiel deckt der Tarif MediNatura der Gothaer in unserem Leistungs­beispiel für die Aku­punktur gegen Bronchial­asthma nur einen kleinen Teil der Rechnung von 900 Euro – nämlich 42 Euro für die Eingangs­unter­suchung und die Beratung.

Die Aku­punkturbe­hand­lung selbst wird in diesem Fall nicht erstattet. Würde der Patient sich nicht gegen Asthma, sondern gegen Kopf­schmerzen mit Aku­punktur behandeln lassen, bekäme er aus diesem Tarif immerhin 354 Euro. Der Tarif ZH40 der SDK würde für Aku­punktur als Schmerz­therapie sogar 701 Euro statt 30 Euro erstatten.

Zuschuss für teuren Zahn­ersatz

Teuren Zahn­ersatz, zum Beispiel Implantate, müssen gesetzlich Kranken­versicherte über­wiegend selbst bezahlen, da die Kasse nur einen festen Zuschuss für jeden zahnmedizi­nischen Befund gibt. Selbst wenn der Patient sich genau an die Regel­versorgung hält, auf deren Basis der Kassen­zuschuss berechnet ist, muss er stets einen Eigen­anteil tragen.

In unseren Leistungs­beispielen für Zahn­ersatz (siehe Leistungsbeispiele: Zahnersatz) gehen wir davon aus, dass der Patient immer den höchst­möglichen Zuschuss erhält. Trotzdem muss er selbst bei der Kassenkrone von den 250 Euro Gesamt­kosten noch 92 Euro selbst tragen.

Bei sehr teuren Versorgungen wie zum Beispiel implantat­getragenem Zahn­ersatz deckt der Kassen­anteil nur einen minimalen Anteil der Kosten. Dann bleiben auch schon mal 2 000 Euro am Patienten hängen. Deshalb schließen viele gesetzlich Versicherte eine Zahn­zusatz­versicherung ab.

Brillen: Gut sehen und gut aussehen

Brillen­träger müssen seit 2004 ihre Brillengläser selbst zahlen, nur für schwer Sehbehinderte zahlt die Kasse noch einen Zuschuss. Für Brillenfassungen und Extras wie die Entspiegelung der Gläser müssen Patienten schon länger selbst aufkommen.

Das geht ins Geld , wenn jemand nicht nur eine einfache Lesebrille benötigt, sondern permanent auf seine Sehhilfe angewiesen ist oder sogar Gleitsicht­gläser braucht. Immerhin sind laut einer Studie des Umfrag­einstituts Allens­bach 62 Prozent der Erwachsenen in Deutsch­land Brillen­träger.

In vielen Ergän­zungs­paketen sind Leistungen für Brillen enthalten, hier gibt es auch einige gute Angebote. Allerdings müssen Neukunden, die bereits Brillen­träger sind, mit einem Beitrags­zuschlag rechnen.

Anders als bei Heilpraktikerbe­hand­lung und Zahn­ersatz decken die Ergän­zungs­policen manchmal die Ausgaben für Brillen sogar komplett ab. Unser kurz­sichtiger Modell­kunde (siehe Leistungsbeispiele: Brille), der in zwölf Jahren sechs­mal eine neue Brille kauft und dafür insgesamt 1 800 Euro ausgibt, bekommt diese in fast allen Tarifen mit guten Brillen­leistungen voll erstattet.

Schwieriger wird es, wenn die Kosten pro Brille höher sind, zum Beispiel bei einer Gleitsicht­brille. Dafür gibt es die höchste Erstattung im Tarif AE der Gothaer ( siehe Tabelle: Private Ergänzungspakete-Art Lebensversicherung und Tabelle: Kassenangebote Ergänzungspakete-Art Lebensversicherung). Doch auch der deckt weniger als die Hälfte der Kosten.

Auch für Kontaktlinsen können Versicherte Ergän­zungs­pakete mit Brillen­leistungen in Anspruch nehmen. Oft geht aber aus den Versicherungs­bedingungen nicht eindeutig hervor, wie der Versicherer mit Kontaktlinsen­trägern umgeht. Maßgeblich sind hier interne Arbeits­richt­linien. Deshalb konnten wir diese Leistung nicht bewerten.

Vielfach bleibt offen, ob jeder Kauf der heut­zutage weit verbreiteten Tages-, Monats- oder Halb­jahres­linsen ebenso wie der Kauf einer Brille als ein kompletter Leistungs­fall gilt. Dann kann es passieren, dass ein Kunde zwar ein Mal eine Packung Kontaktlinsen erstattet bekommt, die nächste Rechnung aber erst nach Ablauf von zwei oder drei Jahren oder bei erneuter Veränderung der Sehstärke einreichen kann.

Wer Kontaktlinsen benutzt, sollte deshalb beim Versicherer nach­fragen, in welchem Umfang und in welchen zeitlichen Abständen er Rechnungen einreichen kann.

Nicht jeder kann sich versichern

Monika Hartmann über­legt, eine Versicherung für ihre Aku­punkturbe­hand­lungen abzu­schließen. Doch es ist nicht sicher, ob sie einen Vertrag bekommt, der diese Kosten über­nimmt. Denn anders als die gesetzlichen Krankenkassen können private Versicherer Kunden ablehnen.

Leidet jemand bereits an einer Krankheit, kann es passieren, dass der Versicherer den Antrag nicht annimmt oder dass der Kunde zusätzlich zum normalen Monats­beitrag einen Risiko­zuschlag zahlen muss.

Möglicher­weise schließt der Versicherer auch die Behand­lung bestimmter Erkrankungen ganz vom Versicherungs­schutz aus. In diesem Fall könnte sich Monika Hartmann zwar zum Beispiel gegen eine Allergie oder Rücken­schmerzen behandeln lassen, nicht aber gegen ihre Migräne.

Erkrankungen im Antrag zu verschweigen, hat keinen Sinn. Denn wer sich versichern will, muss seine Ärzte und Angehörige anderer Heilberufe von der Schwei­gepflicht entbinden, sodass der Versicherer nach­forschen kann. Kommt im Nach­hinein heraus, dass jemand im Antrag wissentlich falsche Angaben gemacht hat, verliert der Kunde seinen Versicherungs­schutz und muss möglicher­weise sogar bereits erhaltene Leistungen zurück­zahlen.

Sich schnell noch zu versichern, wenn der Heilpraktiker oder Zahn­arzt bereits eine Diagnose gestellt und eine Behand­lung empfohlen hat, ist ohnehin nicht sinn­voll. Denn dies zählt bereits als Eintritt des Versicherungs­falls. Die Kosten für die Behand­lung werden dann nicht über­nommen.

Auch wenn Patienten den Heilpraktiker gleich nach Vertrags­schluss aufsuchen, bekommen sie von ihrer Versicherung noch nichts. Bevor sie zum ersten Mal Leistungen bean­spruchen können, müssen Versicherte drei Monate warten, bei Zahn­ersatz sind es sogar acht Monate.

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