Für Aku­punktur und Homöo­pathie zahlen gesetz­liche Kranken­kassen nur selten oder wenig. Heil­praktiker­kosten dürfen sie generell nicht über­nehmen. Für Patienten, die regel­mäßig alternative Behand­lungs­methoden nutzen, kann sich daher eine private Zusatz­versicherung lohnen. Der Schutz kostet zwischen 5 und 55 Euro pro Monat. Finanztest hat 143 Angebote verglichen.

Versicherungs­schutz meist im Paket

Die getesteten 143 Angebote bieten alle mindestens einen Zuschuss zu Heilpraktikerbe­hand­lungen. Eine Versicherung allein für Heilprak­tikerbe­hand­lungen und für Naturheilver­fahren durch Ärzte gibt es nur von zwei Anbietern. Meist bieten Versicherer Ergän­zungs­pakete an, die etwa auch für Zahn­ersatz oder Brillen leisten. Viele Pakete enthalten außerdem noch weitere Leistungen, etwa eine Auslands­reise-Kranken­versicherung. Bewertet haben die Tester neben den Tarif­leistungen für Heilpraktiker auch die für Zahn­ersatz und Brillen. Das beste Angebot für Kunden, die möglichst umfang­reiche Leistungen sowohl für Heilpraktiker als auch für Zahn­ersatz und Brillen wollen, ist der Tarif maxi des Schweizer Versicherungs­unter­nehmens CSS.

Für wen sich die Versicherung lohnt

Für Kunden, die ausschließ­lich an der Heilpraktiker­behand­lung interes­siert sind, lohnt sich eine Versicherung nur, falls sie in Zukunft regel­mäßig zum Heilpraktiker gehen und Behand­lungen für mehrere hundert Euro im Jahr in Anspruch nehmen möchten. Wer nur selten oder nur für kleinere Behand­lungen zum Heilpraktiker geht, zahlt selbst bei güns­tigen Policen über die Jahre mehr Beiträge ein, als er an Leistungen erhält. Lohnender ist ein Ergän­zungs­paket für diejenigen, die auch an der Kosten­erstattung für teuren Zahn­ersatz interes­siert sind oder das gesamte Leistungs­spektrum einschließ­lich Brillen und weiteren Tarif­leistungen versichern möchten. Wer dagegen keinen Wert auf den Heilpraktiker legt, sondern nur auf möglichst hohe Zahn­ersatz­leistungen, schließt besser eine reine Zahn­zusatz­versicherung ab.

Selten gute Heilpraktiker­leistungen

Nur fünf der getesteten Tarife bieten gute Heilpraktiker­leistungen. Neben dem Tarif maxi der CSS sind dies drei Tarife der Gothaer und einer der SDK. Ein Sehr gut für die Heilpraktiker­leistungen erreichte keiner der getesteten Tarife. Grund: Die Versicherer schränken an verschiedenen Stellen Leistungen ein. Für eine Aku­punkturbe­hand­lung mit ­insgesamt zwölf Sitzungen zahlt ein Patient in einem von Finanztest berechneten Modell­fall 900 Euro und bekommt aus dem leistungs­stärksten Tarif maxi der CSS 720 Euro erstattet. Würde derselbe Patient inner­halb von zwölf Monaten ein weiteres Mal zum Heilprak­tiker gehen, ginge er dann jedoch nahezu leer aus: Der Versicherer erstattet zwar 80 Prozent jeder Rechnung, maximal aber 800 Euro in zwölf Monaten.

Zuschuss für teuren Zahn­ersatz

Teuren Zahn­ersatz, etwa Implantate, müssen gesetzlich Kranken­versicherte über­wiegend selbst bezahlen. Die Kasse gibt nur einen festen Zuschuss für jeden zahnmedizi­nischen Befund. Auch Patienten, die sich genau an die Regel­versorgung halten, auf deren Basis der Kassen­zuschuss berechnet ist, müssen einen Eigen­anteil tragen. Selbst wenn jemand von seiner Kasse den höchst­möglichen Zuschuss erhält, muss er von 250 Euro Gesamt­kosten für eine Kassenkrone noch 92 Euro selbst tragen. Bei sehr teuren Versorgungen wie etwa implantat­getragenem Zahn­ersatz deckt der Kassen­anteil nur einen minimalen Anteil der Kosten. Dann bleiben auch schon mal 2 000 Euro am Patienten hängen. Deshalb schließen viele gesetzlich Versicherte eine Zahn­zusatz­versicherung ab.

Brillen: Gut sehen und gut aussehen

62 Prozent der Erwachsenen in Deutsch­land sind Brillen­träger – so eine Studie des Umfrag­einstituts Allens­bach. Seit 2004 müssen sie ihre Brillengläser selbst zahlen, nur für schwer Sehbehinderte zahlt die Kasse noch einen Zuschuss. Für Brillenfassungen und Extras wie die Entspiegelung der Gläser müssen Patienten schon länger selbst aufkommen. Das geht ins Geld. Besonders Gleitsicht­gläser sind teuer. In vielen Ergän­zungs­paketen sind Leistungen für Brillen enthalten, hier gibt es auch einige gute Angebote. Allerdings müssen Neukunden, die bereits Brillen­träger sind, mit einem Beitrags­zuschlag rechnen.

Nicht jeder kann sich versichern

Und nicht jeder bekommt über­haupt eine Versicherung: Wer bereits eine schwere oder chro­nische Erkrankung hat, ist nicht sicher, ob er einen Vertrag bekommt, der diese Kosten über­nimmt. Denn anders als die gesetz­lichen Kassen können private Versicherer Kunden ablehnen: Der Versicherer nimmt dann den Antrag nicht an, verlangt vom Kunden einen Risiko­zuschlag oder schließt die Behand­lung bestimmter Erkrankungen ganz vom Versicherungs­schutz aus.

Gesund­heits­fragen korrekt beant­worten

Erkrankungen im Antrag zu verschweigen, hat dennoch keinen Sinn. Denn wer sich versichern will, muss seine Ärzte und Angehörige anderer Heilberufe von der Schwei­gepflicht entbinden, so dass der Versicherer nach­forschen kann. Kommt später heraus, dass jemand im Antrag wissentlich falsche Angaben gemacht hat, verliert der Kunde seinen Versicherungs­schutz und muss möglicher­weise sogar bereits erhaltene Leistungen zurück­zahlen. Sich schnell noch zu versichern, wenn Heilpraktiker oder Zahn­arzt bereits eine Diagnose gestellt und eine Behand­lung empfohlen hat, ist ebenfalls nicht sinn­voll: Das zählt bereits als Eintritt des Versicherungs­falls. Die Kosten für die Behand­lung über­nimmt der Versicherer dann nicht. Auch wenn Patienten den Heilpraktiker gleich nach Vertrags­schluss aufsuchen, bekommen sie von ihrer Versicherung noch nichts: Bevor sie erst­mals Leistungen bean­spruchen können, müssen Versicherte drei Monate warten, bei Zahn­ersatz sind es sogar acht Monate.

Dieser Artikel ist hilfreich. 1264 Nutzer finden das hilfreich.