Zusatz­versicherungen Special

Chef­arzt, Heilpraktiker, Zähne – viel Geld fließt in Extra­policen für gesetzlich Kranken­versicherte. Doch nicht jede private Zusatz­versicherung ist sinn­voll. Wir sagen, welche sich lohnen. Dazu hat die Stiftung Warentest eine Tabelle mit allen privaten Zusatzversicherungen erstellt und sagt darin, was sie leisten und wer sie braucht. Von einigen Ergän­zungs­policen raten wir voll­ständig ab.

Gesetzliche Leistungen „dürfen Maß des Notwendigen nicht über­schreiten“

Das Sozialgesetz­buch regelt, was gesetzlich Kranken­versicherten zusteht: „Die Leistungen müssen ausreichend, zweck­mäßig und wirt­schaftlich sein; sie dürfen das Maß des Notwendigen nicht über­schreiten.“ Wer als Kassenpatient mehr will, muss das selbst bezahlen – es sei denn, er hat eine private Zusatz­versicherung. Solche Versicherungen über­nehmen Kosten, die die Kasse

  • gar nicht trägt, zum Beispiel für Heilpraktikerbe­hand­lungen oder für einen Krankenrück­trans­port aus dem Auslands­urlaub,
  • nur mit einem begrenzten Betrag bezu­schusst, zum Beispiel Zahn­ersatz,
  • nur in medizi­nisch begründeten Ausnahme­fällen zahlt, zum Beispiel die Chef­arzt­behand­lung im Kranken­haus.

„Die Rundum-Zusatz­versicherung“ oder „Sichern Sie sich erst­klassige Behand­lung“ – so heißt es in der Werbung für private Zusatz­policen. Doch nicht immer bringen sie so viele Vorteile wie erhofft. Die Leistungen sind stets begrenzt, was ein Kunde nicht sofort erkennt. Denn die Einschränkungen stehen im Klein­gedruckten und fallen erst auf, wenn der Versicherer eine Rechnung nicht voll­ständig begleicht oder die Über­nahme der Kosten sogar komplett verweigert.

Wir haben zwölf gängige Versicherungs­angebote gesichtet und sagen, welche sich lohnen können und welche über­flüssig sind. Die Tabelle zeigt, was welche Versicherung leistet und wer sie braucht. Dort stehen auch Links zu unseren aktuellen Tests.

Tipp: Mit einer klugen Wahl der gesetzlichen Kranken­versicherung können Sie viel Geld sparen – das dann zum Beispiel in eine gute Zusatz­versicherung fließen kann. Unser großer Versicherungsvergleich Krankenkasse hilft Ihnen bei der Auswahl und dem Wechsel.

Die häufigsten privaten Zusatz­versicherungen

Zusatz­versicherungen Special

Beispiel Kranken­haus­tagegeld­versicherung: Die Experten von Finanztest halten sie für unnütz, trotzdem gibt es in Deutsch­land 7,8 Millionen Policen.

Was man wirk­lich braucht

Ob Brillen- oder Pfleg­etagegeld­versicherung – vor dem Abschluss sollten Kunden sich die Frage stellen: Was wäre, wenn ich die Kosten selbst tragen müsste? In den meisten Fällen ist das finanzielle Risiko über­schaubar, das ein Extra­schutz abdeckt. Nur in wenigen Fällen kann es für einen Patienten oder Pflegebedürftigen existenz­gefähr­dend werden.

Sehr zu empfehlen ist nur eine Police, und zwar für alle, die außer­halb Deutsch­lands Urlaub machen: die Auslands­reise-Kranken­versicherung. Die güns­tigsten sehr guten Verträge sind ab etwa 10 Euro im Jahr zu haben.

Andere Zusatz­policen können das Leben als Kassenpatient angenehmer machen. Es hängt aber von den persönlichen Präferenzen und von den finanziellen Möglich­keiten ab, ob eine Versicherung sinn­voll ist.

Wer nur alle fünf Jahre mal zum Heilpraktiker geht, benötigt dafür nicht extra eine Versicherung. Auch für Policenpakete wie Kombinationen aus Heilpraktiker-, Brillen und Zahn­leistungen gilt nicht „viel hilft viel“. Denn für jede Leistung müssen Kunden Beiträge zahlen – auch wenn sie diese nie nutzen. Oft ist es besser, Tarife zu suchen, die nur das Gewünschte enthalten.

Zusatz­versicherungen Special

Unser Rat

Bedarf. Als gesetzlich Kranken­versicherter können Sie Ihren Versicherungs­schutz durch private Zusatz­policen erweitern. Zwingend notwendig ist keine dieser Versicherungen, einige können aber sinn­voll sein. Die Tabelle Das zahlen sie, so wichtig sind sie hilft Ihnen einzuschätzen, welche Angebote das sind und welche Sie sich sparen können.

Vergleich. Besonders bei Zusatz­versicherungen für Zahn­ersatz, Brillen und Naturheil­verfahren sind die Verträge oft kompliziert und Leistungen sind oft einge­schränkt. Anders als die Werbung manchmal verspricht, müssen Sie fast immer dazu­zahlen. Vergleichen Sie deshalb Bedingungen und Beiträge. Unsere Tests helfen Ihnen dabei.

Gesund­heits­fragen. Im Antrag fragt ein Versicherer nach Erkrankungen und Behand­lungen in der Vergangenheit. Antworten Sie voll­ständig und korrekt. Tun Sie das nicht, können Sie den Versicherungs­schutz verlieren Mit Gesundheitsfragen optimal umgehen. Außerdem gilt zu Vertrags­beginn eine mehr­monatige Warte­zeit, bevor Sie eine Versicherung erst­mals in Anspruch nehmen können.

Wechsel. Haben Sie bereits eine Zusatz­police und wollen in einen besseren oder güns­tigeren Vertrag wechseln? Prüfen Sie zunächst die Angebote Ihres derzeitigen Versicherers. Ein Tarifwechsel beim eigenen Versicherer ist oft güns­tiger, weil Sie nicht wegen Erkrankungen abge­lehnt werden können und für viele Leistungen keine erneuten Warte­zeiten einhalten müssen.

Kassen­angebote. Zusatz­angebote Ihrer gesetzlichen Kasse sind oft nicht die beste Wahl. Die Kasse koope­riert nur mit einzelnen Versicherern, und der Beitrags­nach­lass ist meist gering. Wählen Sie lieber unter allen Versicherern geeignete und güns­tige Angebote aus.

Andere Spiel­regeln als bei der Kasse

Private Versicherungen funk­tionieren anders, als es Versicherte von ihrer Krankenkasse her kennen:

  • Beiträge richten sich nicht nach dem Einkommen, sondern nach Alter und Gesund­heits­zustand beim Abschluss. Jüngere zahlen in der Regel weniger.
  • Versicherer können Kunden ablehnen, zum Beispiel wegen Vorerkrankungen.
  • Außerdem können Unternehmen für bestimmte Erkrankungen Risiko­zuschläge verlangen oder Leistungen ausschließen.
  • Kinder oder Ehepartner ohne eigenes Einkommen brauchen eigene Verträge, für die ebenfalls Beiträge fällig sind.
  • Leistungen sind nicht gesetzlich geregelt, sondern hängen davon ab, was in den Versicherungs­bedingungen steht.

Kein Schutz für laufende Fälle

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Wer eine private Zusatz­versicherung abschließen will, muss fast immer Gesund­heits­fragen beant­worten, die der Versicherer im Antrag stellt. Diese Fragen müssen Interes­senten unbe­dingt wahr­heits­gemäß und voll­ständig beant­worten. Wer etwas weglässt oder verharmlost – selbst wenn es versehentlich passiert – riskiert den Versicherungs­schutz.

Bei Zahn­zusatz- und Auslands­reise-Kranken­versicherungen sind die Fragen oft recht simpel. Bei Pflege- und Kranken­haus­zusatz­versicherungen wollen die Gesell­schaften es schon genauer wissen und fragen auch über mehrere Jahre zurück nach Unter­suchungen und Behand­lungen.

Versicherer müssen übrigens die Angaben nicht sofort über­prüfen. Oft forschen sie erst gründlich nach, wenn ein Kunde zum ersten Mal eine Rechnung einreicht.

Schnell noch eine Versicherung abzu­schließen, wenn eine teure Behand­lung ansteht – das funk­tioniert nicht. Raten Arzt oder Zahn­arzt zu einer Behand­lung, sehen Versicherer das als eine bereits laufende Behand­lung an, die von der Erstattung ausgeschlossen ist.

Auch wenn nichts Konkretes ansteht: Wer eine Zusatz­versicherung abschließt, kann die Leistungen nicht sofort nach Vertrags­schluss in Anspruch nehmen. Üblich ist eine Warte­zeit von drei Monaten. Bei Zahn­ersatz oder einer Entbindung im Kranken­haus müssen sich Patienten in der Regel acht Monate gedulden, bis der Versicherer erst­mals Kosten über­nimmt.

In den ersten Versicherungs­jahren begrenzen viele Gesell­schaften vor allem beim Zahn­ersatz die Leistungen auf bestimmte Höchst­summen. Teil­weise über­nehmen sie Kosten auch dauer­haft nur bis zu einem fest­gelegten Höchst­betrag.

Kündigungs­recht der Versicherer

Nach den Musterbedingungen der privaten Kranken­versicherer können Gesell­schaften Zusatz­policen in den ersten drei Jahren ohne Angabe von Gründen kündigen. Die meisten Versicherer verzichten aber ausdrück­lich auf dieses Kündigungs­recht. Es ist wichtig, sich zu vergewissern, dass dies in den Bedingungen steht. Dann können Kunden sicher sein, dass sie nicht aus dem Vertrag geworfen werden – auch wenn sie schwer erkranken.

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