Vorsicht: Das, was unsere Kinder so mögen, enthält meist jede Menge Zusatzstoffe. Das sind zwar keine Schadstoffe, doch gesundheitlich unbedenklich sind sie auch nicht immer.

Gesundes Essen ist nicht gerade das, was Kinder wirklich interessiert. Was immer ihnen zu Hause vorgesetzt wird – Begeisterung kommt selten auf. Viel besser schmeckt, was im Supermarkt, im Fernsehen und im Internet mit coolen Sprüchen beworben wird.

Klar, dass es sich dabei nicht um Grundnahrungsmittel handelt. Es geht um ein riesiges Sortiment speziell für diese Altersgruppe konzipierter Fertiglebensmittel: bunte Joghurts und Desserts, Brotaufstriche, Backwaren, Limos, Fruchtsaftge­tränke und natürlich Süßigkeiten. Ein Blick auf die meist lange Zutatenliste zeigt: Hier steckt viel drin, selten aber Natur pur. Stattdessen Farb-, Aroma- und Konservierungsstoffe, Säuerungsmittel, Emulgatoren, Stabilisatoren und anderes – gekennzeichnet durch eine E-Nummer.

Das ist die EU-weit gültige Bezeichnung für Zusatzstoffe. Da E-Nummern inzwischen negativ besetzt sind, ist oft auch nur der Name aufgelistet. Also zum Beispiel Sorbinsäure anstelle von E 200 oder Zitronensäure anstatt E 330.

Jetzt sorgen Untersuchungen verschiedener EU-Staaten für Aufregung. Aus ihnen geht hervor, dass vor allem kleinere Kinder offenkundig weit höhere Mengen an Zusatzstoffen schlucken, als es tagtäglich gesundheitlich ratsam wäre. So wird Berechnungen zufolge bei Kleinkindern die Höchstgrenze für Phosphate oft deutlich überschritten. Die Aufnahme an Sulfiten ist bis zu 12-mal höher. Und auch Sorbitane, Emulgatoren, die vor allem in Backwaren, Speiseeis und Fertigdesserts stecken, nehmen die Kinder überreichlich auf. Sie (E 491 bis E 495) können bei der Verdauung die Fett-Resorption negativ beeinflussen.

Phosphate: Gefahr für die Knochen?

Phosphate konservieren, wirken als Antioxidanzien, Säuerungsmittel und Säureregulator, sind Stabilisator, Emulgator oder Rieselstoff. Als E 338 bis E 341, E 450 bis E 452 stecken sie in fast allem, was Kinder mögen. In Back- und Süßwaren, Wurst, Schmelzkäse, Milchspeisen und Limos. Cola-Getränke zum Beispiel enthalten E 338 als Säuerungsmittel.

Der Zusatz sollte möglichst gering sein, um eine Störung des Phosphat-Kalzium-Verhältnisses zu vermeiden. Phosphat ist zwar lebensnotwendig, auch für den Knochenaufbau, doch einige Experten be­fürchten, dass ein Zuviel an Phosphat Kalzium aus den Knochen verdrängen und sie brüchig machen kann. Zumindest, wenn das Verhältnis nicht mehr stimmt, wenn beispielsweise statt kalziumreicher Milch zu viele phosphathaltige Cola-Getränke konsumiert werden. Das dürften zwar Extremfälle sein, bei Jugendlichen sind sie aber nicht auszu­schließen. So stellte eine US-Studie fest: Sportliche Mädchen, die viel Cola tranken, erlitten fünfmal häufiger Knochenbrüche als Mädchen, die Mineralwasser bevorzugten. Selbst bei weniger sportlichen Teenies war das Risiko für einen Knochenbruch deutlich erhöht.

Phosphat stand auch im Verdacht, am Zappelphilipp- (Hyperkinetischen) Syndrom beteiligt zu sein. Wissenschaftliche Beweise dafür stehen aus, doch Diäten ganz ohne Zusatzstoffe – Selbstgekochtes – führten bei betroffenen Kindern häufig zur Besserung.

Sulfite: Vorsicht bei Asthma

Dem EU-Bericht zufolge ist bei Kleinkindern auch die Aufnahme von Sulfiten (E 220 bis E 228) kritisch – immerhin bis zu zwölfmal höher, als es für die tägliche Aufnahme akzeptabel ist. Sulfite setzen schwefelige Säure frei. Sie wirken konservierend, stabilisierend, bleichend und als Antioxidans. Sie stecken in fertigem Kartoffelbrei, in Fertigknödeln, im Fleisch von Hamburgern, in einfacher Konfitüre, Marmelade und vor allem in geschwefelten Trockenfrüchten wie Aprikosen und Apfelringen. Auf Sulfite reagieren einige Asthmatiker überempfindlich. Lebensbedrohliche Atemnot ist möglich. Und Studien aus Cambridge wiesen auf mögliche Darmschädigungen hin. Sulfite fördern offenbar auch im menschlichen Verdauungstrakt das Entstehen sehr aggressiver Bakterien.

Zitronensäure: Killt die Zähne

Zitronensäure – das klingt harmlos, nach gesunder Zitrone. Der Zusatzstoff gilt als unbedenklich. Tatsächlich handelt es sich um eine sehr aggressive Säure, die im Haushalt unter anderem als Kalkreiniger eingesetzt wird. Und Kinder haben kaum die Möglichkeit, dem ätzenden Stoff zu entgehen: Vielen Süßigkeiten, speziell solchen für Kinder, und fast allen Softdrinks verleiht Zitronensäure eine fruchtige Frische.

Zahnärzte schlagen Alarm

Jetzt schlagen Zahnärzte Alarm. Sie klagen immer häufiger über Zahnschäden bei den Kleinen, die durch falsche Ernährung entstanden sind. Zum Beispiel, weil Kinder immer früher Eistee – auch aus Nuckelflaschen – trinken. Sein Gehalt an Zitronensäure zerstört den Zahnschmelz der kindlichen Zähne, macht ihn dünn und brüchig. Die Zähne lösen sich durch diese Erosionsschäden dann manchmal regelrecht auf.

Noch mehr Chemie

Kinder bevorzugen ein Lebensmittelsortiment, das besonders reich an Zusatzstoffen ist. Der Verdacht liegt deshalb nahe, dass sie auch von anderen Zusatzstoffen zu viel aufnehmen: vom Farbstoff Annatto (Bixin, E 160b), der in Bonbons, Käse und Margarine stecken kann. Von der konservierenden Benzoesäure und ihren Verwandten (E 210 – 250), von Nitrat aus gepökeltem Fleisch und Fleischprodukten. Nicht zu vergessen das synthetische Antioxidans Buthylhydroxytoluol (E 321), das allergen wirken und Leberfunktionen beeinflussen kann – bei uns ist es jedoch nur im Kaugummi zugelassen.

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